mini|Kampfwagen-Erinnerungsabzeichen von 1921. miniatur|Deutscher Sturmpanzerwagen A7V mit aufgesessenen Soldaten. miniatur|Deutscher Sturmpanzerwagen A7V.

Schwere Kampfwagen-Abteilungen waren Einheiten des deutschen Heeres im Ersten Weltkrieg.

Geschichte Trotz des Auftauchens erster englischer Tanks an der Westfront im September 1916 hatte sich die deutsche Führung lange geweigert, selbst Panzer zu bauen, und lieber auf die Panzerabwehr gesetzt. Aber mit den Erfolgen der gegnerischen Tanks gelangte man zu der Überzeugung, selbst Panzer entwickeln zu müssen. Ende 1916 wurde daher die Abteilung 7 Verkehrswesen des Allgemeinen Kriegsdepartements im Preußischen Kriegsministerium mit der Entwicklung und Konstruktion eines Kampfwagens beauftragt. Erschwert wurde dieses Vorhaben allerdings durch die Lage des Krieges und die Rohstoffknappheit, wodurch die Entwicklung und Fertigung erheblich behindert wurden.

Das Kriegsministerium ordnete im September 1917 die Aufstellung der ersten Sturmpanzerwagen-Abteilungen an. Da nur 20 A7V-Panzer produziert wurden, konnten nur drei Abteilungen à fünf Tanks damit ausgerüstet werden. Fünf Tanks blieben in Reserve.

Im Januar 1918 ermächtigte die Oberste Heeresleitung (OHL) den Feldkraftfahrchef, weitere A7V-Abteilungen aufzustellen. Es fehlten jedoch die entsprechenden Kampfwagen, und so wurden ab März 1918 sechs weitere Abteilungen, ausgerüstet mit britischen Beutetanks Mark IV, aufgestellt.

Die Sturmpanzerkraftwagenabteilungen waren der Obersten Heeresleitung unmittelbar unterstellt. Für den Einsatz wurden sie den jeweiligen Armeen zugeteilt. Während der Zuteilung unterstanden sie in disziplinarischer und technischer Hinsicht deren zuständigen Kommandeuren der Kraftfahrtruppe. Ersatztruppenteil aller Abteilungen, außer der bayerischen Abteilung Nr. 13, war die preußische Kraftfahr-Ersatzabteilung Nr. 1 in Berlin.

Mitte August 1918 wurde auf Veranlassung der OHL die Zusammenfassung der bisherigen Kampfwagenabteilungen angeordnet. Die bisherige Bezeichnung „Sturmpanzerkraftwagen“ wurde in „Kampfwagen“ geändert. Nach der neuen Organisation sollten die bisherigen Sturmpanzerkraftwagenabteilungen in schwere Kampfwagenabteilungen (A7V oder Beute) zu drei Kompanien mit insgesamt 15 schweren Tanks (A7V oder Beute) zusammengefasst werden. Die neuen Kompanien entsprachen also bezüglich der Wagenstärke der bisherigen Abteilung. Aus den bestehenden Beutepanzerabteilungen sollten sieben „schwere Kampfwagen-Abteilungen (Beute)“ mit der Nummerierung „101“ bis „107“ gebildet werden. Geplant war, zudem vier „leichte Kampfwagen-Abteilungen“ mit den Nummern „201“ bis „204“ aufzustellen. Die dafür vorgesehenen leichten Kampfwagen wurden jedoch nicht mehr frontreif.

Am 22. September 1918 ordnete das Preußische Kriegsministerium die neuen Bezeichnungen an. Bis zum 30. November 1918 galt aber eine Übergangsregelung dergestalt, dass beide Formen im Schriftverkehr nebeneinander verwendet werden konnten. Die Änderung der Organisationsstruktur wurde, bedingt durch das Kriegsende, nicht mehr vollzogen.

Im November 1918 wurden die Kampfwagenabteilungen nach Wiesbaden verlegt und anschließend aufgelöst.

Die Personalstärke differierte je nach eingesetzten Kampfwagen. Bei den A7V-Abteilungen betrug im April 1918 der etatmäßige Bestand sieben Offiziere, 42 Unteroffiziere und 129 Mannschaften, also insgesamt 178 Soldaten. An Material standen zur Verfügung: fünf A7V, drei PKW und sieben LKW.

Aufgrund der geringeren Besatzungsstärke des britischen Mark IV hatten die Beute-Abteilungen einen etwas geringeren Personaletat von 142 Mann, genauer: sieben Offiziere, 36 Unteroffiziere und 99 Mannschaften. Ausgerüstet waren die Abteilungen mit fünf Mark IV, drei PKW und acht LKW.

Zur geplanten Aufstellung einer württembergischen und einer sächsischen Sturm-Panzerwagen-Abteilung kam es infolge des Kriegsendes nicht mehr.

Einheiten Kommandeur der Sturm-Panzer-Kraftwagen-Abteilungen Mit Befehl des Kriegsministeriums vom 17. Mai 1918 wurde der Chef des Feldkraftfahrwesens ersucht, im Felde den Kommandeur der Sturm-Panzerkraftwagen-Abteilungen aufzustellen. Er hatte die Disziplinargewalt eines selbstständigen Bataillonskommandeurs und ihm unterstanden alle Sturmpanzerkraftwagenabteilungen. Am 28. Mai 1918 wurde dazu Hauptmann Friedrich Bornschlegel ernannt.

Schwere Kampfwagen-Abteilung (A7V) Nr. 1 Formationsgeschichte miniatur|A7V der Abteilung Nr. 1 während der Frühjahrsoffensive „Michael“ in Roye an der Somme am 21. März 1918. Mit Verfügung des Kriegsministeriums vom 29. September 1917 wurde die Sturm-Panzer-Kraftwagen-Abteilung Nr. 1 aufgestellt. Am 8. Januar 1918 meldete der Verband seine Verlegebereitschaft. Erster Kommandeur wurde Hauptmann Walter Greiff, sein Nachfolger wurde Hauptmann Thofehrn. Der erste deutsche Tankeinsatz erfolgte am 21. März 1918 im Rahmen des Unternehmens Michael bei St. Quentin. Daran schlossen sich weitere Einsätze bei der Schlacht von Amiens im Raum Villers-Bretonneux am 24. April 1918 und am 1. Juni 1918 am Fort de La Pompelle westlich Reims an. Am 9. Juni 1918 nahm die Abteilung an der Schlacht an der Matz teil und am 15. Juli 1918 bei der 7. Armee in der zweiten Schlacht an der Marne. Nach der Abwehrschlacht bei Cambrai am 31. August 1918 verfügte die Abteilung kaum noch über Kampfwagen. So wurde sie im September 1918 mit der Abteilung Nr. 2 zu einer Abteilung zusammengefasst. Ihren letzten Kampfeinsatz erlebt die Abteilung bei einer Angriffsoperation bei Cambrai am 11. Oktober 1918.

Ausrüstung Ende Oktober 1917 wurden der Abteilung fünf Sturmpanzerwagen A7V zugeführt.

Schwere Kampfwagen-Abteilung (A7V) Nr. 2 Formationsgeschichte miniatur|Wagen Nr. 542 „Elfriede“ der Abteilung Nr. 2. Dieser wurde am 24. April 1918 außer Gefecht gesetzt und im Oktober 1918 französische Beute.

Am 29. September 1917 verfügte das Kriegsministerium die Aufstellung der Sturm-Panzer-Kraftwagen-Abteilung Nr. 2. Ihr Kommandeur wurde Hauptmann Steinhard. Die Abteilung war am 8. Januar verlegebereit und hatte ihren ersten Einsatz am 24. April 1918 bei der Schlacht von Amiens im Raum Villers-Bretonneux. Dabei führte sie das erste Panzergefecht der Geschichte. Leutnant Wilhelm Biltz setzte als Kommandant des A7V „Nixe“ zwei britische Tanks außer Gefecht, bevor er seinen eigenen Kampfwagen nach Feindbeschuss aufgeben musste. Weitere Einsätze am 31. Mai bei der Pierquin Ferme nördlich Reims, am 15. Juli in der zweiten Schlacht an der Marne und am 31. August 1918 in der Abwehrschlacht bei Cambrai folgten. Nachdem die Abteilung alle Kampfwagen verloren hatte, wurde sie im September 1918 mit der Abteilung Nr. 1 zusammengefasst.

Ausrüstung Die Abteilung war etatmäßig mit fünf Sturmpanzerwagen A7V ausgerüstet.

Schwere Kampfwagen-Abteilung (A7V) Nr. 3 Formationsgeschichte Die Einheit wurde im Dezember 1917 als Sturm-Panzer-Kraftwagen-Abteilung Nr. 3 aufgestellt und war ab dem 26. Februar 1918 mobil. Kommandeur war Hauptmann Otto Uihlein. Erstmals wurden die Tanks bei der Schlacht von Amiens im Raum Villers-Bretonneux am 24. April 1918 eingesetzt. Am 9. Juni 1918 nahmen sie an der Schlacht an der Matz teil. Anfang Oktober 1918 erhielt die Einheit die neue Bezeichnung Schwere Kampfwagen-Abteilung (A7V) Nr. 3. Nach Angriffsoperationen am 7. Oktober 1918 bei St. Etienne war anschließend kein Kampfwagen mehr einsatzbereit.

Ausrüstung Die Abteilung war mit fünf Sturmpanzerwagen A7V ausgerüstet.

Schwere Kampfwagen-Abteilung (Beute) Nr. 11 Formationsgeschichte miniatur|Weiblicher deutscher Mark IV Beutepanzer im Einsatz an der Westfront. Die Abteilung wurde als Sturmpanzer-Kraftwagen-Abteilung Nr. 11 am 8. März 1918 aufgestellt. Hauptmann Adolf Reinhard Koch war von Mai bis November 1918 der einzige Kommandeur. Ihren ersten Einsatz fuhr die Abteilung bereits wenige Tage später am 21. März 1918 im Rahmen des Unternehmens Michael. Anfang April 1918 sollte sie bei den sogenannten Erzengeloffensiven „Georg“ und „Georgette“ das 2. Lothringische Infanterie-Regiment Nr. 131 der 42. Infanterie-Division unterstützen. Der Boden im geplanten Einsatzraum war jedoch so durchweicht und versumpft, dass sich die Tanks schon bald festfuhren und gar nicht zum Einsatz gelangten. Weitere Kampfeinsätze fuhren die Tanks bei der 7. Reserve-Division im Rahmen der Blücher-Offensive der 7. Armee im Raum zwischen Reims und Chauny am 27. Mai 1918 und bei der Armeereserve AOK 3 in der zweiten Schlacht an der Marne am 15. Juli 1918. Am 2. Oktober 1918 wurde sie in Schwere Kampfwagenabteilung (Beute) Nr. 11 umbenannt. Letztmals wurde sie bei Angriffsoperationen bei Cambrai im Oktober 1918 eingesetzt.

Ausrüstung Die Abteilung wurde Mitte März 1918 zunächst mit fünf weiblichen Mark IV-Tanks ausgerüstet: Nr. 101, 102, 103, 104 und 105. Anfang April 1918 wurden zwei weibliche durch zwei männliche Tanks ersetzt. Im Mai 1918 waren nur noch die weiblichen Wagen „Bremen“ und Wagen Nr. 102 „Hedda“ sowie der männliche Wagen „Käthe“(!) einsatzbereit. Ende Mai 1918 wurde „Hedda“ an die Abteilung Nr. 13 abgegeben.

Schwere Kampfwagen-Abteilung (Beute) Nr. 12 Formationsgeschichte miniatur|Erbeutete englische Mark IV Tanks auf dem Eisenbahntransport in Frankreich. Am 13. März 1918 als Sturmpanzer-Kraftwagen-Abteilung Nr. 12 aufgestellt, sollte sie während der sogenannten Erzengeloffensiven „Georg“ und „Georgette“ im April 1918 das 2. Lothringische Infanterie-Regiment Nr. 131 der 42. Infanterie-Division unterstützen. Wie bei der Abteilung Nr. 11 fuhren sich die Tanks schon bald im nassen und versumpften Boden fest und gelangten gar nicht in den Einsatz. Seine Feuertaufe erhielt der Verband schließlich am 28. Mai 1918. Er war der 50. Infanterie-Division unterstellt, die im Rahmen der Blücher-Offensive der 7. Armee im Raum zwischen Reims und Chauny kämpfte. Bei der zweiten Schlacht an der Marne wurde die Abteilung am 15. Juli 1918 bei der 88. Infanterie-Division (XIV. Armee-Korps) der 3. Armee eingesetzt. Am 2. Oktober 1918 wurde die Sturmpanzer-Kraftwagen-Abteilung in Schwere Kampfwagenabteilung (Beute) Nr. 12 umbenannt. Ihre letzte Kampfhandlung war ein Gegenstoß im Raum Sebourg/Curgies. Zu diesem Zeitpunkt war sie der 28. Reserve-Division unterstellt. Von Mai bis Juli 1918 war Hauptmann von Frankenberg Kommandeur der Abteilung, anschließend bis Kriegsende Hauptmann Eberhard Herf.

Ausrüstung Am 27. Mai 1918 hatte die Abteilung fünf britische Mark IV-Tanks: zwei männliche Wagen, einer davon namens „Paul“, und drei weibliche Wagen, darunter die Wagen Nr. 110 und 107 „Ännchen“.

Schwere Kampfwagen-Abteilung bayer. Nr. 13 Formationsgeschichte Die bayerische Sturm-Panzer-Kraftwagen-Abteilung Nr. 13 wurde ab 5. Februar 1918 aufgestellt. Als Gründungstag galt jedoch der 12. Mai 1918, der Tag der Etatisierung. Die Ausbildung erfolgte bei der Kraftfahr-Ersatz-Abteilung Nr. 2 in Berlin-Schöneberg. Als Kriegsformation aufgestellt, hatte die Abteilung keine Friedensgarnison. Ersatztruppenteil war die in München stationierte bayerische Kraftfahr-Ersatz-Abteilung Nr. 1. Von der Aufstellung bis zur Auflösung führte Oberleutnant Karl Wilhelm die Abteilung als einziger Kommandeur.