Die Bachbunge (Veronica beccabunga), auch Bach-Ehrenpreis genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Ehrenpreis (Veronica) in der Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae).

Beschreibung mini|Bachbunge (Veronica beccabunga),links unreife dunkelgrüne Kapselfrucht,blaue Blüte rechts mini|Gegenständige Laubblätter und Blütenstände mini|Illustration

Vegetative Merkmale Die Bachbunge (von mittelhochdeutsch bunge ‚Trommel‘, ‚Pauke‘Lexer: Mittelhochdeutsches Handwörterbuch.) ist eine mehrjährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 30 bis 60 Zentimetern erreicht. Sie besitzt ein kriechendes Rhizom. Der zylindrische, fleischige Stängel ist hohl. Von den elliptischen, etwas fleischigen, vorne stumpfen, abgerundeten Laubblättern sind besonders die unteren gestielt. Der Blattrand ist gesägt.

Generative Merkmale Die traubigen Blütenstände entspringen den Blattachseln und enthalten 20 bis 25 Blüten. Kelch 4-teilig, in Frucht mehr oder weniger zurückgeschlagen. Die himmelblauen Blütenkronen haben einen Durchmesser von 5 bis 8 Millimetern, Blütenkrone radförmig, mit sehr kurzer Röhre, die 4 Kronzipfel fast gleich groß, der oberste etwas größer. Die 2 Staubblätter mit lang herausragenden Staubfäden. Der Fruchtknoten oberständig. Grau-Jung-Münker: Die farbigen Naturführer Beeren, Wildgemüse, Heilkräuter Bertelsmann 1982, S. 124

Die 3 bis 4 Millimeter großen Kapselfrüchte sind in ihrer Form mit Heidelbeeren zu vergleichen. Die plankonvexen Samen sind nur 0,6 Millimeter lang und 0,06 mg schwer.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18.

Ökologie Die Bachbunge ist eine ausdauernde, wintergrüne Sumpfpflanze mit am Grunde kriechenden, dann aufrechten Stängeln. Vegetative Vermehrung erfolgt durch oberirdische und unterirdische Ausläufer, die diese Pflanzenart zum Kriechpionier machen.

Blütenökologisch handelt es sich um vorweibliche „Nektar-führende Scheibenblumen“, die nur bei Sonne voll geöffnet sind. Bestäuber sind vor allem kleine Schwebfliegen, seltener Bienenverwandte. Es findet auch spontane Selbstbestäubung statt. Die Blütezeit reicht von Mai bis August.

Die Kapselfrüchte öffnen sich bei Feuchtigkeit, sind also hydrochas. Die Samen breiten sich als Regenschwemmlinge aus, im offenen Wasser und im Schlamm erfolgt auch Schwimmausbreitung, daneben erfolgt eine Ausbreitung als Wasserhafter und eine Zufallsausbreitung durch Wasservögel. Fruchtreife ist von August/September bis Oktober.

In Forellenbächen ist der Bach-Ehrenpreis eine beliebte Wasserpflanze. An den untergetauchten Pflanzenteilen leben verschiedene Larven. Wenn sich der Wasserstand verändert und die Pflanze im Wasser tief untergetaucht ist, überwintert sie. Meist steht die Bachbunge in Gewässern halbuntergetaucht.

Vorkommen Die Bachbunge tritt in weiten Teilen Europas, in den gemäßigten Zonen Asiens, in Indien, Pakistan, Nepal, Äthiopien, in Nordafrika und auf den Kanaren auf. In Europa hat sie ursprüngliche Vorkommen in allen Ländern. Sie kommt in Wassergräben, Quellen und Bächen, auch am Ufer von Seen und Teichen vor und bevorzugt kühle Gewässer.

In Österreich tritt sie in allen Bundesländern in der collinen bis subalpinen Höhenstufe an Quellfluren, Bächen, in Gräben und im Saum fließender Gewässer häufig auf. Sie ist in Mitteleuropa eine Charakterart des Verbands Sparganio-Glycerion. Sie kommt auch in einer Form Veronica beccabunga fo. submersa unter der Wasseroberfläche bis zu 2 Meter Wassertiefe im Verband Ranunculion fluitantis vor. In den Allgäuer Alpen steigt die Bachbunge im Tiroler Teil am Südfuß der Sefenspitze bis in eine Höhenlage von 1900 Meter auf. Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 4+fw+ (nass aber stark wechselnd und im Bereich von fließendem Bodenwasser), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 3 (montan), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).

Systematik Die Erstveröffentlichung von Veronica beccabunga erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum Band 1 Seite 12.

Von Veronica beccabunga gibt es drei Unterarten: Veronica beccabunga subsp. beccabunga: Sie kommt in Mittel-, Süd-, Ost- und Nordeuropa vor, auf den Kanaren, in Nordafrika und in Äthiopien vor. Veronica beccabunga subsp. abscondita : Sie kommt in der Türkei, in Armenien, im Kaukasusraum, im Irak, Libanon und Iran vor. Veronica beccabunga subsp. muscosa : Sie kommt in Indien, Pakistan, Nepal, in West- und Zentralasien, in China und in der Mongolei vor.

Verwendung Als Salat gelten die frischen Stängel und Blätter als verdauungsfördernd, sie enthalten viel Vitamin C und können auch zu einem (bitteren) Gemüse verkocht werden. Bachbungen-Ehrenpreis enthält Gerbstoffe, Glykoside und Flavonoide. Ihm wird eine harntreibende und hautstimulierende Wirkung nachgesagt.

Emil Adolf Roßmäßler empfahl 1857 Veronica beccabunga zur Einrichtung eines der heimischen Natur nachempfundenen Aquariums.

Siehe auch Salzbunge

Literatur

Einzelnachweise Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 845. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 451. Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Portrait. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1. Karol Marhold, 2011: Scrophulariaceae.: Datenblatt Veronica beccabunga – In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. zuletzt abgerufen am 11. März 2016

Emil Adolf Rossmässler: Das Süßwasser-Aquarium. Eine Anleitung zur Herstellung und Pflege desselben. 1857, S. 9.

Weblinks

Thomas Meyer: Bunge Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben)

Verwendung als Wildkraut im Smoothie.

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