mini|klasse=pageimage|alt=Porträt eines Mannes mit schwarzer Brille, weißem Hemd und blauem Sakko vor hellem Hintergrund|Jörn Patzak (2026) Jörn Patzak (* 15. Oktober 1971 in Trier) ist ein deutscher Jurist, Hochschullehrer, Fachautor und ehemaliger Basketballspieler. Seit Oktober 2014 leitet er die Justizvollzugsanstalt Wittlich. Er ist Honorarprofessor für Strafrecht an der Universität Trier und führt den von Harald Hans Körner begründeten Kommentar zum Betäubungsmittelgesetz mit weiteren Bearbeitern fort. Zwischen 2012 und 2016 war er fünfmal als Sachverständiger zu betäubungsmittelrechtlichen Fragen im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages geladen.
Als Basketballspieler gehörte Patzak in den 1990er Jahren dem Bundesligakader des TVG Trier an und gewann mit der Mannschaft 1998 den Deutschen Basketball-Pokal.
Bei der Bürgermeisterwahl in Wittlich 2026 kandidierte Patzak für die Freien Wähler und wurde am 6. September mit 50,8 Prozent der gültigen Stimmen in der Stichwahl zum Bürgermeister gewählt. Sein Amtsantritt als hauptamtlicher Bürgermeister ist für den 1. November 2026 vorgesehen.
Ausbildung Patzak legte 1991 am Max-Planck-Gymnasium in Trier das Abitur ab. Von 1991 bis 1996 studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Trier und schloss das Studium mit dem Ersten Juristischen Staatsexamen ab. Von 1997 bis 1999 absolvierte er das Rechtsreferendariat beim Oberlandesgericht Koblenz und legte anschließend das Zweite Juristische Staatsexamen ab.
Während seines Referendariats absolvierte er nach eigenen Angaben einen mehrmonatigen Aufenthalt bei einem Strafverteidiger in Fort Worth im US-Bundesstaat Texas.
2020 wurde Patzak am Fachbereich Rechtswissenschaft der Universität Trier mit der von Mark Alexander Zöller betreuten Dissertation Konkurrenzverhältnisse beim unerlaubten Handeltreiben mit Betäubungsmitteln promoviert. Die mündliche Prüfung fand am 16. Dezember 2020 statt. Die Dissertation erschien 2021 im Nomos Verlag. Basketballlaufbahn
Patzak begann im Alter von 17 Jahren mit dem Basketballsport. In den 1990er Jahren spielte er als Center für den damaligen TVG Trier in der Basketball-Bundesliga. Zeitgenössische Porträts beschrieben ihn als zeitweiligen Stammspieler der Trierer und machten unterschiedliche Angaben zur Zahl seiner Bundesligaeinsätze. Im März 1999 war von rund 100 Einsätzen die Rede, im November desselben Jahres von mehr als 50. Für Oktober 1994 ist etwa ein Bundesligaspiel gegen Forbo Paderborn dokumentiert, in dem Patzak 13 Punkte erzielte.
Mit Trier kam Patzak auch im Korać-Cup zum Einsatz. Die FIBA verzeichnet für ihn vier Europapokalspiele in den Wettbewerben der Jahre 1992, 1995 und 1998. In der Saison 1997/98 gehörte er gemeinsam mit seinem Bruder Helge Patzak zum Bundesligakader des TVG Trier und gewann mit der Mannschaft 1998 den Deutschen Basketball-Pokal.
Neben seiner Spielerkarriere war Patzak als Trainer tätig und betreute spätestens 1997 die Herrenmannschaft der DJK/MJC Trier in der Landesliga. In der Saison 1998/99 spielte er als einer der erstligaerfahrenen Routiniers für die zweite Mannschaft des TVG Trier in der Regionalliga. Zur Saison 1999/2000 wechselte er als Spielertrainer zur DJK/MJC Trier. Im November 1999 kündigte er an, seine Tätigkeit Mitte Dezember aufzugeben, um in den Vereinigten Staaten ein rechtswissenschaftliches Aufbaustudium aufzunehmen.
Juristische Laufbahn
Staatsanwaltschaft und Justizministerium Patzak trat am 1. Februar 2000 als Staatsanwalt in den Dienst der Staatsanwaltschaft Trier, wo er zunächst Jugendstrafsachen und später vor allem Betäubungsmittelstrafsachen, Verfahren aus dem Bereich der Organisierten Kriminalität sowie Kapitaldelikte bearbeitete.
Eine dreijährige Abordnung führte ihn zum 1. April 2004 an den Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Dort war er zunächst mit Revisionsverfahren befasst, bevor er in die Ermittlungsabteilung wechselte. Nach seiner Rückkehr zur Staatsanwaltschaft Trier bearbeitete er erneut unter anderem Betäubungsmittel- und Kapitalstrafsachen. Im Jahr 2008 folgte eine weitere Abordnung an die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz.
Ab dem 1. Juli 2013 war Patzak an das damalige Ministerium der Justiz und für Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz in Mainz abgeordnet. In der Abteilung für Justizverwaltung befasste er sich unter anderem mit Gerichts- und Behördenorganisation, Statistik und Sicherheit. Nach eigenen Angaben wurde er 2014 zum Oberstaatsanwalt befördert.
Leitung der Justizvollzugsanstalt Wittlich mini|alt=Luftaufnahme der Justizvollzugsanstalt Wittlich mit ihren Gebäuden und dem ummauerten Anstaltsgelände|Die Justizvollzugsanstalt Wittlich (2024)
Am 1. Oktober 2014 übernahm Patzak die Leitung der Justizvollzugsanstalt Wittlich. Er führt die Behörde im Amt eines Leitenden Regierungsdirektors und ist zugleich ihr Pressesprecher. Die Anstalt ist die größte Justizvollzugsanstalt in Rheinland-Pfalz. Zu ihr gehören neben dem geschlossenen und dem offenen Vollzug das einzige Justizvollzugskrankenhaus des Landes. Im September 2026 verfügte die JVA einschließlich des Justizvollzugskrankenhauses und des offenen Vollzugs über 637 Haftplätze und beschäftigte 408 Mitarbeiter.
Ab 2018 setzte die JVA Wittlich im Rahmen eines Pilotprojekts einen mobilen Detektor zum Nachweis neuer psychoaktiver Stoffe ein, die mit herkömmlichen Drogenschnelltests nur eingeschränkt nachgewiesen werden konnten. Aus dem Projekt ging eine länderübergreifende Verwaltungsvereinbarung hervor. Beschäftigte der JVA Wittlich führten unter Patzaks Leitung Schulungen für andere Justizvollzugsverwaltungen durch. Nach Angaben des rheinland-pfälzischen Justizministeriums beteiligten sich bis September 2026 alle deutschen Bundesländer sowie Einrichtungen in den Niederlanden, Luxemburg und der Schweiz an dem Projekt.
Im Januar 2025 wurde in der JVA Wittlich die damals einzige Pflegestation für ältere und pflegebedürftige Gefangene in Rheinland-Pfalz eingerichtet. Patzak begründete die Einrichtung mit dem zunehmenden Pflegebedarf älterer Gefangener. Zugleich verwies er darauf, dass die geeignete Unterbringung körperlich eingeschränkter Gefangener die weitere Vollstreckung ihrer Freiheitsstrafen ermöglichen könne.
Eine Herausforderung während Patzaks Amtszeit stellte die zeitweise Überbelegung der Anstalt dar. Im Juli 2025 erklärte er in einem Interview mit dem Südwestrundfunk, die Belegung im geschlossenen Vollzug habe im Vormonat bei 110 Prozent gelegen. Bei damals 508 verfügbaren Haftplätzen seien rund 50 Gefangene mehr als regulär verfügbar untergebracht gewesen. Als einen Grund für den gestiegenen Belegungsdruck nannte er die geänderten Voraussetzungen für die Unterbringung suchtkranker Straftäter im Maßregelvollzug. Zur Bewältigung der Überbelegung würden Hafträume teilweise doppelt belegt, wobei die Anstalt eine freiwillige gemeinsame Unterbringung anstrebe. Patzak verwies auf die dadurch entstehenden Spannungen zwischen Gefangenen. Zur langfristigen Entlastung befürwortete Patzak die Sanierung und Wiederinbetriebnahme des historischen Hafthauses auf dem Anstaltsgelände. Die dadurch entstehenden zusätzlichen Haftplätze sollten nach seiner Einschätzung auch als Reserve dienen, wenn bei künftigen Baumaßnahmen andere Hafträume vorübergehend nicht genutzt werden können.
Im August 2025 erhielt die JVA Wittlich den Preis der Bundesarbeitsgruppe Suizidprävention im Justizvollzug. Die Auszeichnung bezog sich auf das Zusammenwirken verschiedener Präventions- und Behandlungsangebote der Anstalt. Nach Angaben des rheinland-pfälzischen Justizministeriums wurde damit erstmals das Gesamtsystem einer Justizvollzugsanstalt ausgezeichnet. Patzak nahm den Preis als Anstaltsleiter entgegen und bezeichnete die Suizidprävention als Gemeinschaftsaufgabe der verschiedenen Berufsgruppen im Justizvollzug.
Kommissarische Leitung der Aufnahmeeinrichtung Birkenfeld Zusätzlich zu seiner Tätigkeit als Leiter der JVA Wittlich übernahm Patzak am 22. September 2015 die kommissarische Leitung der im Aufbau befindlichen Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende in der ehemaligen Heinrich-Hertz-Kaserne in Birkenfeld. Wenige Tage später nahm die Einrichtung die ersten Asylsuchenden auf. Anfang November waren dort bereits 1.135 Menschen untergebracht. Patzaks Einsatz als kommissarischer Leiter endete mit dem Leitungswechsel zum 1. Februar 2016.
Wissenschaftliche und fachliche Tätigkeit
Patzak lehrt seit 2017 Strafrecht an der Universität Trier. Seit 2024 ist er dort Honorarprofessor im Fach Strafrecht.
Betäubungsmittel- und Cannabisrecht Seit 2009 wirkt Patzak als Bearbeiter an dem von Harald Hans Körner begründeten Kommentar zum Betäubungsmittelgesetz mit. Bereits während seiner Tätigkeit als Staatsanwalt wurde das Betäubungsmittelrecht als sein fachliches Spezialgebiet wahrgenommen. 2011 gehörte er neben Mathias Volkmer zu den Bearbeitern einer Neuauflage des Kommentars. Die 2024 erschienene elfte Auflage wird von Patzak, Jochen Fabricius und Felix Huth fortgeführt. Patzak bearbeitete darin unter anderem das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz sowie die Kommentierungen zum Konsumcannabisgesetz und zum Medizinal-Cannabisgesetz.
Gemeinsam mit Wolfgang Bohnen verfasst Patzak das Fachbuch Betäubungsmittelrecht und Umgang mit Cannabis, das 2025 in sechster Auflage erschien. Es behandelt neben den Straftatbeständen des Betäubungsmittelrechts insbesondere das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz sowie die seit 2024 geltenden Regelungen zum Umgang mit Cannabis.
Patzak veröffentlichte außerdem Fachaufsätze zu Cannabis und neuen psychoaktiven Stoffen sowie zu deren Bekämpfung im Strafvollzug. In einem 2018 in der Zeitschrift Forum Strafvollzug erschienenen Beitrag stellte er das Vorgehen der JVA Wittlich gegen die Verbreitung neuer psychoaktiver Stoffe dar. 2022 war er Mitautor eines Beitrags in der Fachzeitschrift Sucht über die kontrollierte Abgabe von Cannabis und anderen THC-haltigen Produkten. Darüber hinaus wirkte er als Mitautor an der vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Evaluation der Auswirkungen des Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetzes mit.
Drogenprävention und Sachverständigentätigkeit Bereits während seiner Tätigkeit als Staatsanwalt engagierte sich Patzak in der Drogenprävention. Von 2008 bis 2014 war er juristischer Berater des bundesweiten Modellprojekts „Frühintervention bei erstauffälligen Drogenkonsumenten“ (FreD). Zudem hielt er Vorträge über gesundheitliche und strafrechtliche Folgen des Drogenkonsums.
Patzak beteiligte sich auch an der öffentlichen Diskussion über die strafrechtliche Behandlung von Cannabis. 2011 sprach er sich gegen eine geplante Erhöhung der rheinland-pfälzischen Eigenbedarfsgrenze für Cannabis von sechs auf zehn Gramm aus. 2014 wandte sich Patzak in der Debatte über die Entkriminalisierung von Cannabis gegen einen Verzicht auf staatliche Sanktionen. Er verwies auf den gestiegenen Wirkstoffgehalt von Haschisch und warnte, ein solcher Verzicht könne als „falsches Signal“ verstanden werden.
Zwischen 2012 und 2016 nahm Patzak als geladener Sachverständiger an fünf öffentlichen Anhörungen des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestages zu Fragen des Betäubungsmittel- und Cannabisrechts teil. 2012 wurde er zu einem Antrag über die Einführung von Cannabis-Clubs gehört. 2013 nahm er als Einzelsachverständiger an einer gemeinsamen Anhörung zum Eigengebrauch von Cannabis sowie zu Crystal Meth und neuen synthetischen Drogen teil.
2014 gehörte Patzak zu den Sachverständigen einer Anhörung über die beabsichtigten und unbeabsichtigten Auswirkungen des Betäubungsmittelrechts. Er hielt das Betäubungsmittelgesetz grundsätzlich für bewährt, sah jedoch unter anderem Änderungsbedarf bei der bundesweit unterschiedlichen Behandlung geringer Cannabismengen.