mini|GST-Sportlerin mit PD-47 mini|PD-47 Der Truppenfallschirm PD-47 () war der erste nach dem Zweiten Weltkrieg in der Sowjetunion entwickelte Fallschirm. Mit seiner markanten quadratischen Fallschirmkappe wurde er erfolgreich in der Sowjetunion und vielen Ländern Osteuropas teilweise bis in die 70er Jahre hinein verwendet. In der DDR war er Ausbildungs- und Truppenfallschirm bei den Luftstreitkräften, den Fallschirmjägern, den Kampfschwimmern, den Fern- und Spezialaufklärern, der Gesellschaft für Sport und Technik und dem Ministerium für Staatssicherheit.
Entwicklung Im Jahr 1946 wurde in Moskau das Wissenschaftlich-Experimentelle Institute für Luftlandesysteme () unter Leitung von Fedor D. Tkachev gegründet.Geschichte des Institutes. Website des russischen Institutes für Fallschirme. Abgerufen am 5. Januar 2015. Es war verantwortlich für die Entwicklung der gesamten Fallschirm- und Luftlandetechnik für das Militär und die Raumfahrt der Sowjetunion. Seit den frühen 30er Jahren entwickelte die Sowjetunion, die bereits zu dieser Zeit große Fallschirmjägerverbände aufgestellt hatte und das Fallschirmspringen auch für interessierte Zivilisten ermöglichte, verschiedene Sprungfallschirme. Darunter waren Modelle mit runder und mit quadratischer Fallschirmkappe. Im Jahr 1947 wurde im Moskauer Institut von N. A. Lobanov, M. A. Alekseev und A. I. Sigaev der Fallschirm PD-47 entwickelt und ein Jahr später vom Militär eingeführt.
Die Entwicklung eines neuen Fallschirms wurde notwendig, weil sich die Mindest- und damit Absetzgeschwindigkeit damaliger Transportflugzeuge ständig erhöhte. Mit den Vorgängerfallschirmen konnte bei einer maximalen Fluggeschwindigkeit von 200 km/h abgesetzt werden. Bei höheren Geschwindigkeiten kam es zu Beschädigungen an Fangleinen oder der Kappe und die Wahrscheinlichkeit von Fangleinenüberwürfen oder anderen Fehlöffnungen stieg deutlich an. Des Weiteren konnte der starke Entfaltungsstoß die Springer verletzen. Um zukünftig auch bis zu einer Absetzgeschwindigkeit von 300 km/h springen zu können, mussten daher konstruktive Veränderungen vorgenommen werden, die bei der Entwicklung des PD-47 einflossen.
Der PD-47 basiert hauptsächlich auf dem für Piloten und Flugzeugbesatzungen entwickelten Rettungsfallschirm MPLK-45 aus dem Jahr 1945, der ebenfalls eine quadratische Form hatte und durch das gleiche Prinzip einen geringen Vortrieb erzeugte. Auf Bewährtes griff man auch beim Gurtzeug zurück, das sich kaum von den bis dahin verwendeten Truppenfallschirmen unterschied. Bis auf die runde Kuppel besaß der PD-47 auch viele Ähnlichkeiten mit dem teilweise parallel genutzten Fallschirm D-1.
Konstruktion
Der nachfolgend beschriebene PD-47-5 (auch als PD-47 Serie 5 bezeichnet) war die erste wichtige Weiterentwicklung gegenüber dem Ursprungsmuster und wurde um das Jahr 1960 eingeführt. Er unterschied sich vor allem beim Hilfsfallschirm, der Trageweise des Öffnungsautomaten und der zusätzlichen Tasche in der Packhülle von seinen Vorläufern. Durch diese Änderungen sollte der Öffnungsvorgang noch zuverlässiger werden. Außerdem fehlte in der Innenseite der Packhülle die Möglichkeit die Fangleinen ohne die Verwendung eines Verzögerungssacks einzuschlaufen. Frühe Versionen des PD-47 hatten diese noch, was auch Automatiksprünge ohne Verzögerungssack und damit bei tieferen Absetzhöhen ermöglichte. Nachfolgende Versionen wie der PD-47-7 unterschieden sich hauptsächlich durch die 4,5 m lange Verbindungsleine zwischen Fallschirmkappe und Verzögerungssack vom PD-47-5. Der PD-47 wurde aber auch in den Exportstaaten, wo sie teilweise in Lizenz produziert wurden, weiter verändert und verbessert.
Der PD-47 besteht aus der Fallschirmkappe mit den Fangleinen, dem Gurtzeug, der Packhülle mit den biegsamen Schutzschläuchen, dem Verzögerungssack, dem Hilfsschirm mit Federmechanismus, der Aufziehleine, der Schutzhülle für die Aufziehleine, zwei Verbindungsleinen, einem Fallschirmpass und einer Tragetasche.
Hauptfallschirm
mini|FallschirmkappeAls Material für den PD-47 verwendeten die Konstrukteure, wie seit vielen Jahren, Baumwolle in der Webart Perkal oder Batist. Grund dafür war die begrenzte Verfügbarkeit der teuren Naturseide und die zu dieser Zeit noch nicht abgeschlossene Entwicklung geeigneter synthetischer Fasern. Der Hauptfallschirm hatte eine quadratische Grundform mit abgeschnittenen Ecken und bestand aus einem Schachbrettmuster mit nebeneinanderliegenden quadratischen Feldern. Der Fallschirm wurde abhängig von der Größe der Felder aus acht oder zehn Abschnitten in einer Bahn gefertigt. In ihrer Größe unterschieden sich beide Produktionsmuster nur geringfügig. Die Grundfläche der achtteiligen Version war 69 m² groß bei Abmessungen von 8,60 × 8,53 m und die Grundfläche der zehnteiligen Version mit den Abmessungen von 8,90 × 8,47 m maß 71 m². Zwischen den Feldern wurde die Fallschirmkappe mit 13 mm breiten Gewebestreifen verstärkt. Die äußeren Felder am Basisrand und die Mitte der Kappe waren zusätzlich mit einem aufgenähten Gewebekreuz verstärkt worden, um die auftretenden Kräfte bei der Fallschirmentfaltung gleichmäßig auf den Fallschirm zu verteilen. Am Basisrand, der ebenfalls mit 25 mm breiten Baumwollstreifen verstärkt worden war, wurden 16 kleine Taschen angenäht, in denen sich beim Entfaltungsvorgang die Luft verfing und so das Öffnen des Fallschirms beschleunigte.
Die 24 Fangleinen aus Baumwolle hatten eine einheitliche Länge von 6,5 m und waren direkt am Basisrand angenäht. Weil bei der zehnteiligen Kappenvariante die um 45° abgeschrägten Ecken über zwei statt einem Feld liefen, waren es auch hier nur 24 Fangleinen, trotz der zusätzlichen Felder. An jeder Seite fehlten die mittlere und hinten zusätzlich die beiden angrenzenden Fangleinen. So entstanden an allein Seite sogenannte Kiele, wobei der hintere Kiel deutlich größer war und hier der Hauptanteil der Luft entwich. Im Gegensatz zu den runden Kappen anderer Fallschirmmuster hatte der PD-47 keine Scheitelöffnung in der Mitte des Fallschirms. Durch die Kiele erzeugte der PD-47 eine geringe Vorwärtsfahrt von 1,5 bis 2,0 m/s. Um den hinteren Fallschirmabschnitt wieder etwas zu stabilisieren, waren die beiden Fangleinen neben dem Kiel doppelt ausgeführt worden. Die Fangleinen liefen in Sechsergruppen zu den vier D-Ringen der Haupttragegurte.
Gurtzeug und Packhülle
mini|Gurtzeug für den PD-47Beim PD-47 ist das Gurtzeug aus 44 mm breiten Nylongurten gefertigt und besitzt einen Brust- und zwei Beinhaken. Der Reservefallschirm wurde mit zwei Karabinerhaken auf Bauchhöhe befestigt und die Tragegurte des Reserveschirms an zwei weiteren Verschlüssen auf Höhe des Brustgurts. Der Öffnungsautomat wurde in den frühen Versionen unter dem rechten Schulterblatt an einem Rückengurt befestigt. Von dort ging ein Schlauch, durch den geschützt der Zugdraht des Öffnungsautomaten verlief, über die obere Klappe bis zu den Verschlüssen der Packhülle. Ein zweiter Schlauch verlief von der Packhülle zur linken Vorderseite des Gurtzeugs, wo der Griff zur manuellen Fallschirmöffnung in einer kleinen Tasche gesteckt wurde. Der PD-47-5 hatte auch einen dritten kurzen Schlauch, durch den für eine automatische Fallschirmöffnung das Endstück der Aufziehleine geführt wurde. Dadurch konnten die Verschlussstifte immer gerade nach oben herausgezogen werden, egal in welcher Position der Springer fällt.
Die mit einem Drahtgestell verstärkte Packhülle bestand aus vier Klappen die an drei Stift-Ösen-Verschlüssen mit je einem Stift verschlossen wurden. Abhängig von der gewählten Öffnungsvariante wurde der Fallschirm so gepackt, dass die Stifte vom Springer, vom Öffnungsautomat, von der Aufziehleine oder einer Kombination davon herausgezogen werden konnten. Grundsätzlich war der Öffnungsgriff des Springers immer mit dem Zugkabel verbunden – selbst bei einem Automatiksprung. Falls der Karabinerhaken noch nicht oder nicht richtig im Flugzeug eingehakt war, konnte er so den Hauptfallschirm eigenständig öffnen. Die Stiftverschlüsse werden nach dem Packvorgang mit einer Klappe abgedeckt, um ein Hängenbleiben und unbeabsichtigtes Auslösen zu verhindern. Beim PD-47-5 war an der rechten unteren Seite der Packhülle eine Einstecktasche für den Öffnungsautomat vorhanden. Sobald die Stifte herausgezogen waren, öffnete sich die Packhülle, unterstützt durch insgesamt acht auf Zug gespannte Gummibänder und gab den Verzögerungssack und gegebenenfalls den Hilfsfallschirm frei. Bei der Weiterentwicklung PD-47-5 wurde erstmals der untere Abschnitt der Fangleinen zusätzlich an der unteren Klappe der Packhülle eingeschlauft und mit zwei kleinen seitlichen Klappen fixiert. Mit dem so weiter verzögerten Öffnungsvorgang sollte das stabilisierende Moment des geöffneten Hilfsschirms auf einen eventuell trudelnden Springer länger genutzt werden und die Entfaltung dadurch zuverlässiger werden.
Öffnungseinleitungen
Die Aufziehleine des PD-47 musste verschiedene Aufgaben wahrnehmen. Zum einen sollte sie bei Freifallsprüngen den Öffnungsautomat entsichern, indem der Sicherungsstift beim Absprung herausgezogen wurde. Zum anderen konnte die Aufziehleine den Fallschirm auch sofort beim Absprung öffnen. Dazu war sie mit zwei Schlaufen versehen. Die erste Schlaufe wurde mit den Verschlussstiften der Packhülle verbunden. Die zweite Schlaufe war fest mit dem Verzögerungssack und durch dessen offene Spitze hindurch mit einer dünnen Schnur mit dem Scheitelpunkt der Fallschirmkappe verbunden. Beim Absprung wurde zuerst die Packhülle geöffnet, dann der Verzögerungssack entfaltet und die Fallschirmkappe riss sich von der Schnur los, sobald die Fangleinen voll gestreckt waren. Wenn die Packhülle durch die Aufziehleine geöffnet werden sollte, hatte sie am unteren Ende zusätzlich einen flexiblen Stoffüberzug, der sich über die Verschlussstifte schob und damit das Flugzeug vor Beschädigungen schützte. Der Öffnungsgriff in der Einstecktasche am Gurtzeug war sowohl bei Freifall- als auch bei Automatiksprüngen immer montiert. Auch er war über einen Zugdraht im schützenden Kabelschlauch mit allen drei Verschlussstiften verbunden.
Bei Freifallsprüngen war der Zugdraht des Öffnungsautomaten vor dem ersten Verschlussstift an dem Zugdraht des Öffnungsgriffs für den Springer befestigt. Öffnungsautomaten waren bereits vor der Einführung des PD-47 in der Sowjetunion entwickelt worden. Verwendet wurde sowohl der PPD-10U als auch der KAP-3, wobei letzterer in verschiedenen Ausführungen am weitesten verbreitet war. Er verfügte über zwei Einstellmöglichkeiten. Zum einen konnte die Freifallzeit in Sekundenschritten bis maximal 5 Sekunden eingestellt werden. Zum anderen war ein barometrischer Höhenmesser eingebaut, über den die Öffnungshöhe eingestellt werden konnte. Sobald der Öffnungsautomat auslöste, zog die eingebaute Feder am Draht und öffnete so die Packhülle. Die eingestellte Öffnungshöhe bezog sich immer auf die Meereshöhe bei normalem Druck. Abhängig von Tief- oder Hochdruckwetterlagen und der Höhe des Landeplatzes mussten daher die Einstellungen angepasst werden. Anders als bei modernen digitalen Nachfolgern, konnte der KAP-3 keine Sinkgeschwindigkeit messen und löste so immer aus, auch wenn der Springer schon vorher den Fallschirm geöffnet hatte. Zur Überprüfung des Uhrwerks und des Höhenmessers mussten die Automaten regelmäßig in einer Unterdruckkammer getestet werden.
mini|Verschiedene Hilfsschirme