Die Aachener Straße (auf Kölsch: Öcher Stroß) ist mit einer Länge von 8726 Metern (bis zur Stadtgrenze) eine der längsten Ausfallstraßen Kölns und verläuft von der Hahnentorburg im Stadtzentrum Kölns in Richtung Westen und endet außerhalb Kölns. mini|400px|Aachener Straße – Verlauf der „Via Belgica“

Geschichte Die Aachener Straße wechselte im Zeitverlauf häufig ihren Straßennamen.

Jungsteinzeit und Römerzeit mini|links|Aachener Straße (Köln-Weiden) – Römergruft (1911) mini|Aachener Straße – Rest eines Meilensteins am Brauweiler-/Vogelsanger Weg (1911) In Höhe der heutigen Kreuzung Aachener Straße / Militärringstraße (Köln-Müngersdorf) fand man ab 1926 unter Leitung von Fritz Fremersdorf eine bandkeramische Siedlung aus der Jungsteinzeit (etwa 5500 v. Chr.). Deutliche Spuren belegen mindestens vier Großbauten mit einem großen Umfassungsgraben.Peter Fuchs (Hrsg.): Chronik zur Geschichte der Stadt Köln, Band 1, 1991, S. 32–33 Ausgrabungen brachten hier unter anderem ein geschliffenes Feuersteinbeil, ein spitznackiges Beil aus Kieselschiefer und ein Schuhleistenkeil aus Glimmerschiefer hervor.

Die heutige Aachener Straße folgt im Wesentlichen der Römerstraße Via Belgica, die als Verlängerung des decumanus maximus über Jülich (Iuliacum), Heerlen (Coriovallum), Maastricht (Mosa Trajectum) und Tongern (Atuatuca Tungrorum) nach Boulogne-sur-Mer (Gesoriacum) führte. In der Forschung hat sich für den in Deutschland 62 km langen Straßenabschnitt der Name „Via Belgica“ durchgesetzt.Böhlau Verlag (Hrsg.): Bonner Jahrbücher, Band 208, 2008, S. 289 In Höhe von Melaten erreichte die gepflasterte Römerstraße eine Breite von 6 Metern. Meilensteine (wie bei der Sophienhöhe) weisen auf eine Bauzeit der Heerstraße im 3. und 4. Jahrhundert hin. Am Hahnentor nördlich der Aachener Straße fand man 5 Töpferöfen, die aus der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts stammen und ebenfalls auf die römische Besiedlung der Gegend hinweisen.

An allen Kölner Ausfallstraßen (siehe Luxemburger Straße oder Neusser Straße), so auch an der Aachener Straße, lagen ausgedehnte Nekropolen, die auch das dahinter liegende Gelände einnahmen.Susanne Willer: Römische Grabbauten des 2. und 3 Jahrhunderts nach Christus im Rheingebiet, 2005, S. 79 Ausgrabungen im April 1843 brachten auf dem heutigen Grundstück Aachener Straße Nr. 1328 in Köln-Weiden eine gut gefüllte Grabkammer aus der Römerzeit (um 150 n. Chr.) hervor. Insbesondere enthielt sie einen aus weißem Marmor gearbeiteten Sarkophag, drei Bildbüsten und zwei Sessel aus Stein. Sie diente zunächst lediglich als Kolumbarium, später als Mausoleum. Als der Fuhrmann Ferdinand Sieger hier 1843 einen Anbau für sein Fahrgeschäft errichtete, entdeckte er beim Ausheben von Bauschutt eine Verschlussplatte; diese führte zu einer unterirdischen Grabkammer, die heute zu den bedeutendsten Römergräbern nördlich der Alpen zählt. 1844 erwarb der damalige Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner die Grabkammer samt dazugehörigem Grundstück im Auftrag des Königreiches Preußen. Bei Ausbau der Jahnwiesen stieß man 1926 auf einen römischen Gutshof („Villa rustica“), der im 1. Jahrhundert n. Chr. entstand. Fremersdorf nahm an, dass dieser Gutshof im Zusammenhang mit dem Römergrab stand.Peter Schlüssel: Entwicklungen im Einflussbereich der Großstadt: dargestellt am Beispiel der Stadtrandgemeinde Lövenich bei Köln, 1972, S. 64 Ausgrabungen am Hahnentor wiesen 1929 nach, dass die Breite der Aachener Straße hier einschließlich der Straßengräben zwischen 24 und 26 Metern schwankte. mini|links|300px|Arnold Mercator – Kölner Stadtansicht von 1570: „Straiß off Antorff“ mit Hahnentorburg („Hanenpforts“)

Mittelalter mini|„Historien von den heutigen Gottesbekennern und Märtyrern“ von Ludwig Rabus (1533) – Verbrennung von Adolf Clarenbach und Peter Fliesteden auf dem Scheiterhaufen mini|Aachener Straße – Schweidkarte des Abraham Hogenberg (1609) mini|Aachener Straße – Schweidkarte (1609) mit dem Friedhof „Malaten“ (Melaten) mini|Aachener Straße – Tranchot-Karte, Blatt 72(1801–1820) Aus dem Frühmittelalter (440–640 n. Chr.) stammte ein zwischen 1927 und 1929 von Fritz Fremersdorf freigelegtes Reihengräberfeld in Höhe des heutigen Müngersdorfer Stadions mit 514 Gräbern, das auf eine Siedlung von etwa 50 Personen schließen lässt.

Leprosenhaus und Hinrichtungsstätte Eines von vier Leprosorien („campus leprosi“), die wegen der Ansteckungsgefahr außerhalb der Stadtmauern lagen, hieß „Maladen“ (franz. „malade“ = krank) und ist seit 1180 als Schenkung „in campum leprosi“ auf der Aachener Straße nachweisbar. Der Komplex bestand aus sieben Siechhäusern, Gärten und Friedhof.Ludwig Röhrscheid: Rheinisches Archiv, Band 103, 1977, S. 158 Hier nahm man etwa 100 an Lepra Erkrankte aus allen Ständen auf und verbrannte sie nach ihrem Tod. Ihre Untersuchung erfolgte durch Kranke, erst später übernahm die LepraschauErnest Wickersheimer: Eine Kölnische Lepraschau vom Jahre 1357, in: Sudhoffs Archiv, Band 2, 1909, S. 434 die Medizinische Fakultät der Universität. Auf dem größten von vier Kölner Siechenhäusern weihte Erzbischof Konrad von Hochstaden 1245 die Kapelle St. Maria Magdalena und Lazarus; die nach ihrer Zerstörung 1474 neu errichtete Kapelle ging 1804 in das Eigentum der Stadt über. Im Jahre 1342 findet sich die Bezeichnung „vulgariter zuo den malaten“ (Haus der Leprosen), als Johannes de Cervo den Kranken eine Mark Zins schenkt. Die Bezeichnung „Malaten“ allein tauchte erstmals 1364 als „hoysz zu Malayten“ auf.Johannes Asen: Das Leprosenhaus Melaten bei Köln. 1908, S. 23 f. Seit 1397 gab es eine Leprosenordnung für Melaten, 1404 ist vom „hoef der seichen van Melaten“ die Rede.

Seit mindestens 1285 diente ein nahe Melaten liegendes Areal, genannt Rabenstein, auch als Hinrichtungsstätte; Aussatzhaus und Hinrichtungsstätte hingen vielfach zusammen. Am 9. Oktober 1527 wurde der Raubmörder Ludwig von Tetz (er beging mindestens 17 Morde) an Melaten „gerädert“, wobei ihm vom Scharfrichter mit einem Eisenrad die Gliedmaßen zerfetzt wurden.Sigrid Schmitt, Michael Matheus: Kriminalität und Gesellschaft in Spätmittelalter und Neuzeit, 2005, S. 16 f. Am 28. September 1529 verbrannte man hier die Protestanten Adolf Clarenbach und Freund Peter Fliesteden als Ketzer auf dem Scheiterhaufen. Spätestens 1588 baute man den Richtplatz an Melaten aus, als man neben dem dreieckigen Galgen ein Rondell für Zuschauer errichtete.Franz Irsigler, Arnold Lassotta: Bettler und Gaukler, Dirnen und Henker, Randgruppen und Außenseiter in Köln 1300-1600, 1984, S. 241 Am 8. Mai 1593, so berichtet Hermann von Weinsberg, hat man den Freibeuter Johann von Polheim „uff dem Rabenstein untheupt und gefirtelt“.auf dem Rabenstein enthauptet und in vier Teile zerschnitten Die Kölner Schweidkarte von Abraham Hogenberg zeigt 1609 bereits zwei Rondelle. Am 19. Mai 1627 verbrannte man die der Hexerei beschuldigte Katharina Henot (Schwester des Domherren Hartger Henot) in Melaten vor großer Volksmenge ohne Geständnis auf dem Scheiterhaufen.Friedrich Everhard von Mering: Geschichte der Burgen, Rittergüter, Abteien und Klöster in den Rheinlanden, Bände 1-4, 1833, S. 151 Nachdem 1712 im Leprosenhaus lediglich noch eine Patientin Symptome der Lepra gezeigt hatte, schloss die Stadt das Leprosenhaus im Jahre 1767.Peter Fuchs (Hrsg.): Chronik zur Geschichte der Stadt Köln, Band 2, 1991, S. 95. Am 13. Juli 1797 wurde der Kirchenräuber Peter Eick als letzter an der Hinrichtungsstätte Melaten am Galgen erhängt, der kurz danach während der Franzosenzeit 1797 zerstört wurde.

Krönungsstraße und weitere Straßennamen Im Mittelalter fuhren die im Aachener Dom gekrönten Könige über die heutige Aachener Straße nach Köln und wurden dort am Hahnentor vom Erzbischof empfangen. Zu jener Zeit trug sie deshalb den Straßennamen „Krönungsstraße“. So wurde Ferdinand I. am 5. Januar 1531 in Köln zum König gewählt und von Erzbischof Hermann V. von Wied in Aachen gesalbt und gekrönt. In Arnold Mercators Kölner Stadtansicht von 1570 heißt die Aachener Straße bereits „Straiß off Antorff“ (Antorff = Antwerpen). In dem von ihm kartografierten kurzen Abschnitt führt sie durch unbebautes Gelände. Den Namen „Weg nach Antwerpen“ behielt sie bis 1752. Auf der Schweidkarte des Abraham Hogenberg ist sie 1609 jedoch bereits als „Aachener Land Stras“ bezeichnet. Auf der Karte des Jean Joseph Tranchot (1801–1814; 1840 als überarbeitete Version veröffentlicht) beginnt sie am „Porte de Coq“ (Hahnentor), berücksichtigt den Melaten-Friedhof (Cimetière) und heißt „Grande Route d’Aix-la-Chapelle à Cologne“.

Gründerzeit

Seit 1721 diente das Haus an der Aachener Straße Nr. 561 zunächst als Postkutschenhaltestelle, in der die Post nach Aachen vorbereitet wurde. Der österreichische Feldherr General Graf Clairfayt zog mit seinen Truppen nach der am 5. Oktober 1794 gegen die Preußen gewonnenen Schlacht bei Königsdorfzwischen Königsdorf und Junkersdorf fand eine lebhafte Kanonade statt am 6. Oktober 1794 über die Aachener Straße, um Köln gegen 12 Uhr mittags zu erreichen. Die Franzosen unter General Jean-Baptiste Jourdan rückten am selben Tag nach und besetzten Köln gegen Abend. Eine Tuschzeichnung von Joseph Michael Laporterie hält eine Ballonfahrt vom 29. Juni 1795 fest und zeigt vom Hahnentor aus die Aachener Straße Richtung Westen, wie sie durch Acker- und Weidelandschaft führt.

Während der Franzosenzeit beauftragte man aufgrund des französischen „Dekrets über die Begräbnisse vom 12. Juni 1804“ Ferdinand Franz Wallraf 1809 mit der Gestaltung des neuen Melaten-Friedhofs (Nr. 204) an der Stelle der ehemaligen Leprosenanstalt, der am 29. Juni 1810 eröffnete; am 1. Juli 1810 fand das erste Begräbnis statt. Auch sein Erbauer Wallraf ist hier begraben. mini|Zweisprachige Straßentafel an der Mauer des Melaten-Friedhofs Bis Mai 1882 hieß die Aachener Straße offiziell „Aachener Chaussee“. Die in der Stadtverordnetenversammlung vom 18. Januar 1882 für die Wohnhäuser der Aachener Straße beschlossenen Vorgärten wurden am 6. Juli 1882 wegen der Planung als Geschäftsstraße als nicht zweckmäßig wieder zurückgenommen.Walther Zimmermann: Die Kunstdenkmäler des Rheinlands, Band 23, 1978, S. 67 Im 19. Jahrhundert war sie nur bis Melaten gut ausgebaut, westlich davon blieb sie bis 1888 eine baumumsäumte und wenig befestigte Chaussee.Konrad Adenauer, Volker Gröbe: Lindenthal: Die Entwicklung eines Kölner Vororts, 1988, S. 82 Um 1900 standen auf der Nordseite der Aachener Straße in Braunsfeld wenige Häuser, es gab nur die Nr. 350–390 und 444–520, in Nr. 503–505 stand eine Dampfmühle. Müngersdorf hatte Häuser bis Nr. 852 (hier lag die städtische Biersteuer-Meldestelle). Mit der Eingemeindung von Braunsfeld und Müngersdorf am 1. April 1888 begann der Ausbau der Aachener Straße und ihre intensive Bebauung. Der am 19. Juli 1882 zwischen der Stadt Köln und dem Pferdebahnbetreiber Hard & Co. abgeschlossene Vertrag umfasste auch die Strecke von der westlichen Stadtgrenze über die Aachener Straße, Hahnentorburg bis zum Neumarkt. Bereits im November 1883 hatte man den mittelalterlichen Bischofsweg als Stadtgrenze aufgegeben, der hier in Höhe der Moltkestraße verlief.Fred Kaufmann, Dagmar Lutz, Gudrun Schmidt-Esters: Kölner Straßennamen: Neustadt und Deutz, 1996, S. 13 Seit 1899 befand sich in Nr. 163 die Heinrich Scheele Kraftfahrzeugfabrik des Heinrich Scheele, die 1927 nach Köln-Bickendorf umzog.

Neuzeit