Parabuthus villosus ist ein in Südafrika und Namibia beheimateter, sehr giftiger Skorpion, den es in verschiedenen Farbvariationen gibt. Er ist einer der größten Vertreter der Gattung Parabuthus sowie auch der über 900 Arten umfassenden Familie der Buthidae.
Etymologie Parabuthus villosus, erstmals 1862 von dem Deutschen Naturforscher Wilhelm Peters beschrieben, besitzt im Gegensatz zu seinem nächsten Verwandten, dem Südafrikanischen Dickschwanzskorpion (Parabuthus transvaalicus), keinen geläufigen deutschen Namen. Im englischsprachigen Raum ist P. villosus neben dem gebräuchlichen wissenschaftlichen Namen auch als „black hairy thick-tailed scorpion“ (schwarzer haariger Dickschwanzskorpion) bekannt. Den Namen verdankt er seiner stark ausgeprägten Behaarung. „Villosus“ bedeutet aus dem Lateinischen übersetzt: haarig.
Beschreibung Aussehen Parabuthus villosus hat ein verhältnismäßig dickes Metasoma (Schwanz) und dünne Scheren, was ihn als sehr giftige Skorpionart ausweist.
Es gibt ihn in verschiedenen Farbvariationen, den black morph, den typical morph und den oranje morph. Diese Farbvariationen sind keine Züchtungen, sie kommen in freier Wildbahn vor. mini|Farbmorphe von Parabuthus villosus Der black morph hat einen dunklen, schwarzgrauen Körper und Beine, und dunkle, z. T. etwas rötlich braune Scheren, wobei es bei Parabuthus villosus auch regionale Unterschiede in der Färbung gibthttp://www.channel5.com/shows/wild-things-with-dominic-monaghan/meet-the-wild-things/black-hairy-thick-tailed-scorpion-namibia-2Alexis Harington, CHARACTER VARIATION IN THE SCORPION PARABUTHUS VILLOSUS . Der black morph gleicht sehr der Schwesterart Parabuthus transvaalicus. Man kann die beiden Arten aber gut anhand der Kammzähne unterscheiden, die bei P. villosus deutlich dunkler sindPanarthropoda.de: Parabuthus villosus "schwarze Farbmorphe"skorpionforen.eu: .
Der typical morph hat einen dunklen, braunschwarzen Körper und bernsteinfarbene Beine und Pedipalpen.
Der oranje morph hat einen dunklen, rotbraunen Körper und orangebraune Pedipalpen und Beine.
Wie alle Skorpione fluoresziert auch Parabuthus villosus unter Schwarzlicht. Weshalb das so ist, ist noch nicht vollständig geklärtAnimal Planet – Tierische Geschichten – Skorpione https://www.youtube.com/watch?v=pSnjY8obtU8&list=PLD567E0D1FA5D1FEB&index=4. Man nimmt an, dass er dadurch Insekten anlocken oder Artgenossen besser erkennen könnte.
Größe/Alter Die Weibchen erreichen eine Körperlänge von 12 bis 18 cm (mit Schwanz) und sind etwas größer als die MännchenDieter Mahsberg, Rüdiger Lippe, Stephan Kallas: Skorpione. S. 104http://wirbellosenzentrum.de/index.php/mollusca/403.html.
Männliche Parabuthus villosus sind im 7., Weibchen im 8. Instar (Häutungsintervall) ausgewachsen und geschlechtsreif. Abhängig von den Bedingungen (Futterangebot, Klima) erreichen sie das adulte Alter in 1–2 Jahren nach der Geburt. Die Häutung geschieht bei Parabuthus villosus im Gegensatz zu manch anderen Skorpionarten in der Regel auf dem Rücken. Wie bei vielen Spinnentieren üblich, leben die Weibchen deutlich länger als die Männchen.
Geschlechtsunterschiede Die Männchen sind etwas kleiner und weniger massig als die Weibchen, zudem ist die Manus (verdickte Stelle bei Scherenanfang) bei den Böcken etwas bulliger, ein wenig wie Boxerhandschuhe. Die Geschlechtsunterscheidung kann auch anhand der Anzahl Kammzähne gemacht werden. mini|PML-Darstellung Parabuthus Einen eindeutigen und altersunabhängigen Sexualdimorphismus kann man ebenfalls am Kammorgan erkennen; Weibchen besitzen eine deutlich vergrößerte proximale mediane Lamelle (PML).
Lebensweise Verbreitungsgebiet/Lebensraum P. villosus ist in Südafrika und Namibia beheimatet. Sein Verbreitungsgebiet reicht von der südafrikanischen Provinz Nordkap entlang der Skelettküste in Namibia bis zum namibischen Damaraland. Er lebt in semiariden bis ariden, z. T. felsigen Gebieten unter Steinen, Holz oder in selbst gegrabenen Höhlen. Er wurde schon in extrem ariden Zonen der Namib entdeckt, kommt aber nicht in den Sanddünen der Namib oder Kalahari vor.The Journal of Arachnology 10:85, Diurnalism in Parabuthus villosus,
Der Oranje Farbmorph kommt nur endemisch in einem kleinen Gebiet in der Nähe von Oranjemund am Fluss Oranje vor.skorpionforen.eu:
Allgemeines Verhalten Diverse Faktoren wie z. B. Temperatur, Alter oder Geschlecht etc. haben Einfluss auf das „Temperament“ von P. villosus. In der Regel sind sie ruhige und scheue Zeitgenossen, die bei einer Störung das Weite suchen, unter speziellen Umständen ist aber auch mit aggressivem Verhalten zu rechnen.
P. villosus ist in freier Wildbahn wie viele Skorpionarten ein strenger Einzelgänger, wobei in der Terraristik unter gewissen Bedingungen (genug Platz, Verstecke, Futter und Wasser) auch eine Paarhaltung durchaus problemlos verlaufen kann. Die Gefahr von Kannibalismus bleibt aber immer bestehen.
Speziell an Parabuthus villosus ist seine für einen Skorpion stark ausgeprägte Tagesaktivität, was ihn für die Terraristik besonders attraktiv macht. So ausgeprägt wurde das nur bei ganz wenigen Skorpionarten beobachtet. Auch nahe verwandte Arten wie Parabuthus raudus, Parabuthus granulatus oder Parabuthus schlechteri wurden bei Studien in Namibia nie bei Tag gesehen, während Parabuthus villosus selbst zur heißesten Tageszeit unterwegs ist. Weshalb das so ist, ist noch weitestgehend unklar. Man vermutet, es könne damit zusammenhängen, dass die Hauptnahrung, bestimmte Käfer, auch tagaktiv sind.
Feinde/Abwehrmechanismen Die Palette an Feinden ist vielfältig. Diverse Vögel, Reptilien, andere Spinnentiere sowie Säugetiere wie das Erdmännchen gehören zu den Fressfeinden von Parabuthus villosus.
Fühlt er sich bedroht, kann er lautstark stridulieren, indem er mit dem Giftstachel über die einzelnen Segmente des Rückenpanzers streicht und so ein gut hörbares Ratschen erzeugt. Bei diesem Vorgang kann er gleichzeitig auch etwas von seinem milchigen und nach Meerrettich riechenden Gift fein versprühen und somit die Warnung unterstreichen.
Nutzt diese Warnung nicht, kann er das Gift auch gezielt bis zu einem Meter weit Richtung Feind spritzen, dem dann eine Erblindung droht, falls das Gift in die Augen gerät. Damit gehören sie zu den wenigen Skorpionarten, die sich ziemlich effektiv gegen ihre Erzfeinde, die Erdmännchen, verteidigen können.Skorpiondokumentation von Animal Planet https://www.youtube.com/watch?v=ACHFc34dQdU Als letzte Verteidigungsmöglichkeit bleibt dann natürlich noch der Stich, mit welchem er potentes Gift injizieren kann. Dabei kann er die Zusammensetzung des Gifts wie auch die verabreichte Menge aktiv steuern.
Beute/Jagdverhalten Parabuthus villosus kann fast alles überwältigen, was in etwa seiner Körpergröße entspricht. Kleine Reptilien oder Mäuse sowie andere Spinnentiere und Insekten gehören in sein Beutespektrum, wobei letztere die Hauptnahrungsquelle darstellen.
Er ist ein Lauerjäger wie fast alle Skorpione, jedoch gehört er zu den wenigen Arten, die durchaus auch mal aktiv auf die Suche gehen und der Beute auch hinterherjagen. Mit den Sinneshaaren nimmt der Skorpion die kleinste Erschütterung am Boden bis zu einem Meter Entfernung wahr und steuert so zielgerichtet auf seine Beute zu.Dieter Mahsberg, Rüdiger Lippe, Stephan Kallas: Skorpione. S. 22
Hat er seine Beute mit den Scheren gepackt, injiziert er ihr mit mehreren Stichen seinen paralysierenden Giftcocktail, dabei tastet er die Beute erst chirurgisch genau mit dem Stachel ab, bis er dann an einer geeigneten Stelle zusticht.
Wenn die Beute erlegt ist, kommt es oft vor, dass er sie in typischer Manier „huckepack“ nimmt und zu einer geschützten Stelle transportiert, bevor er sie dort dann verspeist.Martin Waltz: Skorpione im Terrarium. S. 76
Paarungsverhalten mini|Spermapaket von Parabuthus villosus oranje Das Paarungsritual, die „Promenade à deux“, von P. villosus ist typisch für Skorpione und wird oft als Tanzen beschrieben. Dabei folgt das kleinere Männchen der Duftspur des Weibchens, packt es dann an den Scheren und „zerrt“ es kreuz und quer durch das Territorium, bis das Männchen eine geeignete Stelle für die Übergabe des Spermapakets ausgemacht hat. Das Ganze kann sich über viele Minuten bis Stunden hinausziehen, dabei werden immer mal wieder Pausen eingelegt, wobei das Männchen die Partnerin aber immer fest im Griff behält. In seltenen Fällen kann ein Skorpionmännchen dem Weibchen auch einen Paarungsstich versetzen. Damit wird das gefährliche Weibchen etwas „gefügiger“ gemacht oder ruhig gestellt, wie vermutet wird.
Ist dann eine geeignete Stelle für das Spermatophor gefunden, hinterlegt das Männchen sein ca. 1,5 cm großes Paket und dirigiert dann das Weibchen vorsichtig mit ruckartigen Bewegungen darüber, sodass sie es in ihre Geschlechtstasche aufnehmen kann. Sobald dies geschehen ist, endet der Tanz abrupt und das Männchen lässt sie los und sucht meist eiligst das Weite, da die Dame danach oft auch gereizt reagieren kann. Zu Kannibalismus kommt es im Normalfall aber nicht.
Jungtiere mini|Ein Monat alter Parabuthus villosus oranje Nach einer Tragzeit von etwa 10 Monaten kommen 30–100 Miniskorpione zur Welt, meist nimmt die Anzahl der Jungen mit dem Alter des Muttertiers ab. Die Jungen steigen nach der Geburt sofort auf den Rücken der Mutter. Dort ernähren sie sich 1–2 Wochen von körpereigenen Reserven und genießen den Schutz der Mutter. Danach häuten sie sich zum zweiten Instar und gehen dann das erste Mal auf Futtersuche. Sie sind dann bereits voll giftig und selbstständig. Kleinere Erkundungstouren werden ab da unternommen, aber sie bleiben trotzdem noch in der Nähe der Mutter und besuchen auch immer wieder mal ihren Rücken. Mit der Zeit dauern die Erkundungstouren länger, bis sie ganz los lassen und ihr eigenes Revier besetzen.
Gift Mit einem an Mäusen getesteten LD-50 Wert von 5,75 mg pro kg, gehört Parabuthus villosus nicht zu den giftigsten Skorpionen seiner Gattung. Selbst die Schwesterart Parabuthus transvaalicus besitzt mit 4,25 mg/kg bereits ein um einiges potenteres Gift. Dafür kann Parabuthus villosus durch seine Größe mehr Gift abgeben (die Giftblase kann bis zu 12 mg Trockengift beinhalten) als viele seiner Verwandten, was ihn wiederum zu einem der gefährlichsten Skorpione im südlichen Afrika macht. Parabuthus villosus zählt zu den rund zwei Dutzend Arten (von insgesamt ca. 1.500 Skorpionarten), die dem Menschen gefährlich werden können.Ann Webb und Herbert Schiejok SKORPIONE, Seite 76 Er gehört zu den medizinisch bedeutsamen Skorpionen und wird beim 4-Stufenmodell medizinischer Behandlung mit Gattungszuweisung bei Stufe 3,5 eingeordnet.
Da P. villosus das Gift auch verspritzen kann, ist besondere Vorsicht im Umgang mit den Tieren geboten.
Parabuthus villosus kann die Zusammensetzung des Giftes aktiv steuern. Man unterscheidet dabei zwei verschiedene Giftarten. Bei geringer Reizung kommt das transparentere Prevenom zum Einsatz. Dieses Gift hat eine paralysierende Wirkung. Die darin enthaltenen Proteingifte, die eine Herzmuskellähmung hervorrufen können, liegen in einer geringen Konzentration vor. Das Prevenom wird meist beim Beutefang verwendet, kann aber auch bei der Paarung zum Einsatz kommen.
Als Verteidigung gegen größere Wirbeltiere wird das milchige Postvenom injiziert, das sich vorwiegend aus Neurotoxinen und endogenen Katecholaminen zusammensetzt. Das Gift kann auch bei Menschen starke Schmerzen und eine kardiale und zentralnervöse Symptomatik nach sich ziehen und ist vor allem für ältere, junge, schwache und allergisch reagierende Personen gefährlich.
Bei Erwachsenen können folgende Symptome in den ersten 4, spätestens 12 Stunden auftreten:
Augen: lokal nach Giftkontakt Konjunktivitis bis Corneaschädigung
Vegetatives Nervensystem: Speichelfluss, Schweißausbruch, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.
Neuro-Muskulär: