Wolfgang Sitte (* 12. Dezember 1925 in Wien; † 16. Juni 2006 in Salzburg) war ein österreichischer Geograph und Didaktiker und Reformer des Unterrichtsgegenstandes Geographie und Wirtschaftskunde.

Leben Wolfgang Sitte wurde als zweiter Sohn in einer Beamtenfamilie in Wien geboren. Sein Vater Josef, dritter Sohn (und 4 älteren Schwestern) eines aus Kirchberg am Walde / Waldviertel stammenden Kupferschmieds ältester Kupferschmied des Waldviertels Franz Sitte, aus Kirchberg am Walde verstorben. In: Neuigkeitsweltblatt Nr. 136, 17. Juni 1910, S. 8 (der seinerseits aus Christophsgrund östlich von Reichenberg/Liberec stammte und 1867 ins nördliche Niederösterreich geheiratet hatte) war nach der Jahrhundertwende nach Wien gezogen. Seine Mutter war die in Ustroń / österreichisch Schlesien geborene Tochter eines ebenfalls später nach Wien gezogenen Beamten der Nordbahn. Sitte besuchte in Wien (wie schon sein Bruder Karl) zunächst das in unmittelbarer Wohnsitznähe gelegene Schottengymnasium, nach dessen Auflösung 1938 dann das (staatliche) Piaristengymnasium in Wien VIII. Nach Kriegsdienst, Verwundung und Kriegsgefangenschaft in den Rheinwiesenlagern und danach in Frankreich, von wo er erst 1946 heimkehrte, begann er auch aufgrund dieser Erlebnisse (sein älterer Bruder Karl war 1942 in Russland gefallen) an der Universität Wien ein Geschichtsstudium. Daneben belegte der begeisterte Bergsteiger die Fächer Geographie und Geologie. Sein Studium schloss er mit der Lehramtsprüfung (Magisterium) ab. Er hielt aber auch danach – bei der Arbeit an einer glazialmophologischen Dissertation über das Kaisergebirge – noch weiter Kontakt mit dem Geographischen Institut der Universität Wien.

Wirken als Geograph Es folgte ab 1952 eine Lehrtätigkeit an verschiedenen Gymnasien in Wien. Daneben beschäftigte sich Sitte mit Unterrichtsmethodik, da er neben seiner späteren Stammanstalt Gymnasium Stubenbastei auch Stunden an einer Lehrerbildungsanstalt in Wien XVIII hatte. Ende der 1960er Jahre holte ihn der Geograph Hans Bobek für die Lehrveranstaltungen zur Wirtschaftskunde und zur Methodik des Geographie-und-Wirtschaftskunde-Unterrichts an das Institut für Geographie der Universität Wien. Sitte gestaltete diese Nebenfachlehrveranstaltung zu den ersten Lehrveranstaltungen für Fachdidaktik Geographie und Wirtschaftskunde (GW) in Österreich um. Später wurde er auch zu verschiedenen Fachdidaktik-Lehrveranstaltungen an die Institute für Geographie an der Universität Salzburg, und bei der Gründungsphase des Instituts auch an die Universität Klagenfurt geholt. Ab 1972 lehrte er bis zu seiner Pensionierung als Professor (LPA) an der Pädagogischen Akademie (heute PH) des Bundes in Wien X. In dieser Funktion war er auch in verschiedenen Lehrplanarbeitsgruppenvgl. dazu in den Kap. 4-7 in: „Die Entwicklung des Unterrichtsgegenstandes Geographie, Erdkunde, Geographie u. Wirtschaftskunde an den allgemeinbildenden Schulen (APS und AHS) in Österreich nach 1945“ Diss. Univie. 1989 tätig. Der S I GW-Lehrplan 1985 in Österreich wurde größtenteils von ihm konzipiert.dazu W.S. 2001 "GW – Entwicklung und Konzept des Unterrichtsfaches Dieser Lehrplan leitete in Österreich den Paradigmenwechsel zu GW ein.dazu W.S. 2001 zum Lehrplan auf der Unterstufe 1985 Einflüsse seiner Schriften sind aber auch bei späteren S II Lehrplänen (etwa 1989) feststellbar. An Uni und PädAk bildete er eine ganze Generation von danach bis heute wirkenden Fachdidaktikern aus, wie etwa Christian Fridrich, Alfons Koller oder Maria Hofmann-Schneller u. a.

1978 gründete er die wichtigste österreichische Zeitschrift für Fachdidaktik des Unterrichtsgegenstandes „GW-UNTERRICHT“.Heft 1 / 1978 von GW-UNTERRICHT Sittes Schrifttum ist in ihrem online-Inhaltsverzeichnisonline-Inhaltsverzeichnis der gedruckten Hefte von GW-Unterricht zum Teil dokumentiert.Schrifttumsverweise zu W.S. sind auch in den Bänden „Geographischer Jahresbericht aus Österreich“ von 1970 bis 1990 Schon vorher (ab 1963, Heft 8) war er von seinem Kollegen Walter Kranzer in die Lehrerfortbildungszeitschrift des Unterrichtsministeriums für S II Lehrer, den „Wissenschaftlichen Nachrichten“ als Spartenherausgeber des Abschnitts „Wirtschafts- und Sozialgeographie“ geholt worden. Bis Heft 131/2006 (vgl. ebenda S. 52) war er dort für diesen Abschnitt zuständig und verfasste darin eine lange Reihe von Beiträgen auch selber.

Mitte der 1970er Jahre initiierte er mit dem damaligen Studienassistenten Helmut Wohlschlägl die ersten Seminare in Fachdidaktik an einem österreichischen Universitätsinstitut. Es entstand daraus das Buch „Schulgeographie im Wandel“ Wien 1975,darin: W.Sitte (1975): Das Unterrichtsfach "Geographie und Wirtschaftskunde" im Spannungsfeld neuer Entwicklungen. In Sitte-Wohlschlägl, hg Schulgeographie im Wandel. Wien das die Grundlage legte für die von ihm maßgeblich initiierte spätere Reformphase des Unterrichtsgegenstandes GW in Österreich, die gerade auch durch seine Zeitschrift GW-UNTERRICHT eine breite Diskussionsplattform bekam (die heutigen Reformen in dieser Ausführlichkeit zu innovativen Anwendungsideen und einer breiten Teilnahme der Lehrerschaft leider fehlt).

An der Universität Wien gab er dann 2001 – wiederum gemeinsam mit dem inzwischen als Universitätsprofessor für Fachdidaktik zuständigen Helmut Wohlschlägl – ein eigenes „Handbuch zu GW in Österreich“ heraus, das später auch online verfügbar gemacht wurde, heute noch gedruckt im Verlag Manz erscheintSitte Wolfgang, Helmut Wohlschlägl, hg. 2001: Beiträge zur Didaktik des „Geographie und Wirtschaftskunde“ – Unterrichts. 4. Auflage, Manzverlag Wien. Daneben war Wolfgang Sitte auch als Schulbuchautor und in der Lehrerfortbildung tätig.; in GW-Unterricht 100 / 2005 S. 12–25 Unter anderem initiierte er die gemeinsam mit Josef Strobl und Alfons Koller zu Ostern an der Universität Salzburg veranstalteten Geoinformatikseminare. Er war beteiligt bei der Ausrichtung des 21. Deutschen Schulgeographentages in Salzburg 1988vgl. Müller Guido, Wolfgang Sitte, Hermann Suida, Hrsg. (1988): Salzburg – Mittlere Ostalpen. Exkursionsführer zum 21. Dt. Schulgeographentag in Salzburg 3. – 8. Oktober 1988. Selbstverlag des Inst. für Geographie der Universität Salzburg – bzw. dieselben Hrsg. (1992) Exkursionen im Bundesland Salzburg (Fortsetzung des Exkursionsführers 1988). Selbstverlag des Inst. für Geographie Universität Salzburg und des 28. Deutschen Geographentags September 2002 in Wien, wo er auch jeweils eine Arbeitsgruppe leitete.

2006 bekam er von der Universität Salzburg für sein langjähriges Wirken die Ehrendoktorwürde., bzw. ; ferner vgl. auch hier - Fotos davon Für sein Lebenswerk bekam er in diesem Jahr auch von der Österreichischen Geographischen Gesellschaft die Ehrenmitgliedschaft verliehen. In seinen letzten Lebenswochen verfasste er noch in seiner Zeitschrift eine Zusammenschau der in den „Mitteilungen der Österreichischen Geographischen Gesellschaft“ erschienenen Beiträge zur Entwicklung des Unterrichtsgegenstandes in Österreich. Begraben ist Wolfgang Sitte am Stadtfriedhof in BadenStadtpfarrfriedhof Baden bei Wien.

Beispiele Wolfgang Sittes Schulbuchinovationen W.S. gemeinsam mit Altrichter-Klimpt-Schausberger (1.A 1972): Materialien zur Politischen Weltkunde. 8.Klasse AHS-Oberstufe, ÖBV Wien und W.S. gem. mit Antoni u. a. (1978): gw6 – Materialien zum Schulversuch (=der den themenorientierten Lehrplan 1985 vorbereitete) W.S gem. mit Hofmann-Schneller, Graf u. a. (1986): Leben und Wirtschaften W.S. gem. mit Kramer, Malcik, Zach (1993): Raum-Gesellschaft-Wirtschaft. 8.Klasse AHS-Oberstufe. Hoelzel Wien - und

Literatur Sitte Wolfgang: Können die Schulversuche den Geographie- und Wirtschaftskunde-Unterricht verbessern? In: Mitteilungen der österreichischen Geographischen Gesellschaft, Wien Bd. 120, 1978, S. 99–123 Sitte Wolfgang, Helmut Wohlschlägl, hg.: Hartwig Haubrich: Schulgeographie im Wandel – Spotlights zum internationalen Wandel der Ziel- und Inhaltsorientierung des Geographieunterrichts – Eine Abhandlung aus Anlass des 80. Geburtstags von W. Sitte. In: GW-Unterricht, H. 100, 2006, S. 26–32. Maria Hofmann-Schneller: Laudatio zum 80 Geburtstag – gehalten bei dem von ihm und Andreas Erhard (UniIbk) begründeten – 11. Fachdidaktikertreffen am Haimingerberg/Tirol am 19. Nov 2005 Maria Hofmann-Schneller, Christian Sitte: Wolfgang Sitte zum 100. Geburtstag - Wegbereiter und Initiator des Paradigmenwechsels von der Schulländerkunde zu „Geographie und Wirtschaftskunde“ In: Mitteilungen der österr. Geographischen Gesellschaft, Bd. 167, 2026, S. 410–415 Ch. Vielhaber: In: GW-Unterricht, H. 100, 2006, S. 12–25. Ch. Vielhaber: Wolfgang Sitte 80 Jahre. In: Mitteilungen der österr. Geographischen Gesellschaft, Bd. 147, 2005, S. 295–300. Ch. Vielhaber, H. Wohlschlägl: Zum Ableben von Wolfgang Sitte. In: Mitteilungen der österr. Geographischen Gesellschaft, Bd. 148, 2006, S. 397 ff. H. Wohlschlägl, Ch. Sitte: „Geographie und Wirtschaftskunde“ – Unterricht in Österreich Mitte der achtziger Jahre. Wolfgang Sitte zum 60. Geburtstag. Sonderheft GW-Unterricht Nr. 23, 1986, 307 Seiten. H. Wohlschlägl, Ch. Sitte: In: Mitteilungen der österr. Geographischen Gesellschaft Bd. 127, 1985, S. 170–175.

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Einzelnachweise

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