mini|Ruine der Burg Veringen und die Peterskapelle (Ansicht aus Südwesten) Auf einem von der Lauchert umflossenen 675 m ü. NN hohen Bergrücken, oberhalb der Pfarrkirche St. Nikolaus und dem alten Stadtkern der Stadt Veringenstadt steht weithin sichtbar eine romanische Kapelle. Sie ist den Heiligen Petrus und Paulus geweiht, wird aber von alters her allgemein Peterskapelle oder im Volksmund Peterskirchle genannt. Die Erbauung geht in das 10. oder 11. Jahrhundert zurück. Die Kapelle steht auf dem Gelände der Burg Veringen und diente dieser auch als Burgkapelle.

Geschichte mini|Oberhalb der Kirche St. Nikolaus die Burg Veringen und Peterskapelle (Ansicht aus Westen) mini|Ansicht aus Osten mini|Ansicht aus Nord-Osten Es wird angenommen, dass bereits in vorchristlichen Zeiten dieser exponierte Platz auf dem Felssporn als Kultstätte genutzt wurde.

Die Namen der Kirchenpatrone geben häufig Hinweise auf den Zeitabschnitt, in der eine Kirche oder Kapelle gegründet wurde. Die auf die Heiligen Petrus und Paulus geweihten Kirchen zählen zu den ältesten und werden im Zusammenhang mit dem Heiligen Bonifatius (gestorben 755) gesehen. So nimmt Hermann Eh an, dass vermutlich ein Vorgängerbau aus Holz bereits im 8. oder 9. Jahrhundert existierte, der damit in die Anfänge der Christianisierung der Schwäbischen Alb zurück reicht.Hermann Eh: Chronik der Stadt Veringen. 1952. Band I

Es ist auffällig, dass sich die Peterskapelle in ihrer Bauweise deutlich von der Burg unterscheidet. Während die Burg in sorgfältiger Quaderbauweise mit festem, fast zementartigem Mörtel erbaut ist, besteht die Kapelle aus Bruchsteinen, die nur mit bröseligem Mörtel zusammengehalten werden. Auch spricht der Name nicht dafür, dass die Kapelle im Zusammenhang mit der Burg erbaut wurde, da Burgkapellen meist Heiligen geweiht wurden, die besonders mit dem Ritterstand verbunden waren (z. B. dem Heiligen Georg). Diese Indizien sprechen dafür, dass die Peterskapelle deutlich älter als die Burg selbst ist und vermutlich auf das 10. oder 11. Jahrhundert zurückgeht.Maria Fink-Hövelmann: Das Peterskirchle in Veringenstadt. 1998.

Den Grafen von Veringen diente die Peterskapelle 1134 als Burgkapelle. Einen eigenen Geistlichen unterhielten die Grafen nicht. Vielmehr erwarben sie in der Pfarrei Deutstetten das Patronatsrecht, das heißt, sie konnten den Pfarrer bestimmen, hatten aber auch Verpflichtungen zum Unterhalt der Pfarrei. Der Deutstetter Pfarrer musste also in die Burgkapelle kommen, um dort die heilige Messe zu lesen. Die Kapelle gehörte damit in den Bereich der Pfarrei Deutstetten und nicht zur Stadt Veringen, die bis ins 19. Jahrhundert keine eigene Pfarrei hatte und zur Pfarrei und Dekanat Veringendorf gehörte. Dennoch waren die Grafen von Veringen auch die Kirchherren von Stadt und Dorf Veringen.

Am 16. Juni 1515 fand eine Altarweihe „in der Kapelle des Apostels Petrus“ statt. Der Kirchweihtag für St. Petrus wurde auf den Sonntag nach Martini festgelegt.Staatsarchiv Sigmaringen, Depositum 20, Pfarrarchiv Veringenstadt 1326–1823. Das bedeutet, dass die Peterskapelle zu dieser Zeit als entweiht betrachtet wurde und nun renoviert und wieder geweiht wurde. Darüber hinaus wird deutlich, dass von nun an die Kapelle der Bevölkerung offensteht. Die Bevölkerung hat wohl auch die Renovierung der Kapelle betrieben.

Baubeschreibung mini|Blick im Innenraum nach Osten mit der romanischen Apsis und der Ölbergszene. Die Peterskapelle ist geostet. Bei dem ohne jede schmückende Ornamentik aus sich heraus wirkenden Bau handelt es sich um ein einschiffiges Langhaus mit einer nicht ganz mittig platzierten Apsis. Die halbrunde, mit einer Halbkuppel geschlossene Apsis beweist, dass es sich um einen romanischen Bau handelt. Die Höhe der Apsis ist niedriger als die des Langhauses. Auf dem relativ steilen Satteldach sitzt ein kleiner Dachreiter mit einer Glocke. Diese historische Glocke wurde im Jahr 1628 von dem lothringischen Glockengießer Franz Racle gegossen. Bei einem Durchmesser von 40 cm wiegt sie 40 kg. Sie wird ausschließlich von Hand geläutet und klingt mit dem Schlagton as".

Wie das Äußere ist auch das Innere sehr schlicht gehalten. Zwei kleine Fenster in der Apsis geben Licht für den Altar. Das kleine nach Osten weisende Fenster wurde erst 1962 eingefügt, während das südlich davon gelegene größere Fenster wahrscheinlich zur Zeit der Kirchenrenovation 1515 eingefügt wurde. In der Südseite befinden sich in zwei Reihen übereinander sechs kleine Rundbogenfenster, die der Kapelle einen besonderen Charakter geben.

Ausstattung Fresken-Malereien mini|Apsis mit Fresko. Betritt man durch das Rundbogenportal an der Nordseite den Kirchenraum, wird das Auge sofort von der Fresken-Malerei der Apsis und ihrer Kalotte sowie von der dazugehörigen Malerei links davon, die sich bis zur Eingangstür ausdehnt, angezogen. Diese Fresken (um 1515) stammen von Peter Strüb dem Jüngeren aus Veringenstadt, auch Meister von Sigmaringen genannt.

Die Hauptdarstellung zeigt in der Apsiskalotte die Krönung Mariens. In einem lichtdurchfluteten Kreis wird Maria von Jesus, der als „Weltenlehrer“ und „Weltenherrscher“ durch die Weltkugel gekennzeichnet ist, und von Gott Vater gekrönt, der durch Zepter und Krone symbolisiert Herrscher ist über das All. Rechts und links davon begleiten musizierende Engelchöre das Geschehen. Über der Szene schwebt die Taube des Heiligen Geistes.

Rings um die Hauptdarstellung sind in einem Kreis Medaillons angeordnet, in denen die zwölf Apostel als Halbfiguren abgebildet sind.

In den oberen Zwickeln zum Langhaus hin ist links König David und rechts der hl. Joachim, Marias Vater, dargestellt.

Unterhalb dieser Zone der himmlischen Schau ist die irdische Zone abgebildet, symbolisch nicht mehr in einem Kreis, sondern in der Horizontalen.

mini|Darstellung der vierzehn Nothelfer. Ganz rechts auf der Apsiswand ist die Darstellung der vierzehn Nothelfer zu sehen: Hl. Georg (mit Drachen; angerufen gegen Seuchen der Haustiere) Hl. Blasius (angerufen gegen Halsleiden) Hl. Erasmus (mit Winde auf die seine Gedärme aufgerollt sind; angerufen gegen Leibschmerzen) Hl. Pantaleon (mit Salbfläschchen; Patron der Ärzte) Hl. Veit (angerufen gegen Epilepsie), Hl. Christophorus (trägt das Christuskind; angerufen gegen einen unvorbereiteten Tod) Hl. Dionysius (angerufen gegen Kopfschmerzen) Hl. Cyriakus (mit Teufel; angerufen gegen Anfechtung in der Todesstunde) Hl. Achatius (mit Dornenzweig; angerufen gegen Todesangst und Zweifel) Hl. Eustachius (mit Kruzifix im Hirschgeweih; angerufen in allen schwierigen Lebenslagen) Hl. Ägidius (angerufen zur Ablegung einer guten Beichte) Hl. Margareta (mit Drachen; Patronin der Gebärenden) Hl. Barbara (mit Kelch und Hostie; Patronin der Sterbenden) Hl. Katharina (angerufen gegen Leiden der Zunge und schwerer Sprache)

Ölberg Im Langhaus links der Apsis ist eine Ölberggruppe dargestellt. Während Christus am Ölberg betet, schlafen seine Jünger und Soldaten dringen bereits in den Ölberg ein. Folgt man den Augen Christi, sieht man einen Engel, der ursprünglich einen Kelch in der Hand hielt. Christus, die Jünger und der Engel sind als Schnitzereien dem Bildwerk beigefügt. Sie werden der Ulmer Schule um 1500 zugeschrieben. Die Hintermalung stammt ebenso wie die Apsisbemalung von Peter Strüb dem Jüngeren und entstand 1515. Sie wurde 1963 wieder freigelegt und behutsam ergänzt. Sie stellt eine Landschaft dar mit einem geflochtenen Zaun, hinter dem die Häscher sichtbar werden. Den unteren Teil des Ölberges bildet eine plastische Fortführung der Ölberglandschaft, die um das Jahr 2000 gefertigt wurde. Die Form wurde der Darstellung nachempfunden, die 1962 entfernt wurde.

Weitere Ausstattung Auf dem erhaltenen romanischen Steinaltar stand früher eine gotische Pietà. Ein Kruzifix befindet sich oberhalb der Apsis. Es stammt vom Ende des 15. Jahrhunderts und wurde im 19. Jahrhundert neu bemalt. Auffallend ist ein großer, halbrunder, massiver Stein in der rechten Ecke vor der Apsis, dessen Zweck nicht erklärt werden kann. Eventuell könnte es ein ehemaliger Opferstein oder sonst ein kulturellen Zwecken gewidmeter Stein gewesen sein, der in die christliche Umrahmung einbezogen wurde. In der Mitte der südlichen Langhauswand ist eine Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes. Es ist ein Werk der Ulmer Schule um 1500. Eine holzgeschnitzte Darstellung des Hl. Petrus mit zwei Schlüsseleln befindet sich an der Langhauswand rechts der Apsis. Die beiden Schlüssel symbolisieren Macht über Himmel und Erde. Die Skulptur wurde von dem Jungnauer Bildschnitzer Volk um 1960 angefertigt. Zu Ehren des Hl. Johannes wird jedes Jahr am 24. Juni zu jeder vollen Stunde das Glöcklein in der Peterskapelle geläutet.Südkurier vom 20. Juni 2009: Johannes läutet traditionell das Kapellenglöckle

Geschichtliche Eckdaten