mini|Felsrelief von İvriz Diese Liste führt die bekannten hethitischen Felsreliefs und Felsinschriften in der Türkei auf. Sie stammen einerseits aus der Spätzeit des hethitischen Großreichs zwischen dem 14. und dem 12. Jahrhundert v. Chr., andererseits aus der Zeit der späthethitischen Königreiche und Stadtstaaten, die nach dem Untergang des Großreichs in Anatolien und Nordsyrien entstanden. Es handelt sich zum Teil um bildliche Reliefs, die in den Felsen gemeißelt sind und oft Beischriften enthalten, teilweise um reine Inschriften. Die Texte sind in luwischen Hieroglyphen ausgeführt. Die Liste beschränkt sich auf Werke, die in den anstehenden Fels gearbeitet sind, Stelen oder Orthostaten sind nicht aufgenommen.

Entstehung und Deutung Die Bildwerke tauchen ab dem frühen 14. oder 13. Jahrhundert v. Chr. auf. Bei drei Reliefs (Manisa, Hanyeri, İmamkullu) erscheint ein Prinz Ku(wa)lanamuwa, ein Name, der auch in einem Keilschrifttext aus der Zeit von Muršili II. vorkommt. Sollten diese Personen identisch sein, wären die drei Reliefs mit einer Entstehung im späten 14. Jahrhundert die ältesten, ansonsten kommt dieser Rang der Darstellung Muwatallis II. am Sirkeli Höyük zu.Jürgen Seeher: Der Landschaft sein Siegel aufdrücken – hethitische Felsbilder und Hieroglypheninschriften als Ausdruck des herrscherlichen Macht- und Territorialanspruchs. In: Altorientalische Forschungen. Band 36, 2009, S. 119–139, hier S. 125. In ihrer Ikonografie ähneln sie zu Beginn größtenteils den Königssiegeln dieser Epoche, das heißt sie enthalten hauptsächlich ein Bild des Herrschers und eine Beischrift mit Namen, Abstammung und Titulatur. Gelegentlich kommen Götterbilder dazu, im Fall von Manisa steht das Bild des Gottes allein. Die Abgebildeten beziehungsweise inschriftlich erwähnten sind meist Großkönige des Reiches, aber auch Prinzen (Hanyeri, İmamkullu, Manisa, Malkaya, Suratkaya), Könige von Vasallenstaaten (Karabel, Hatip) oder hohe Beamte (Taşçı). Nach einer abweichenden Forschermeinung sind bei den in Kriegertracht abgebildeten Personen zumindest teilweise nicht die Herrscher dargestellt, sondern ein Gott, vielleicht in apotropäischer, also unheilabwehrender Funktion.Ali M. Dinçol, Belkis Dinçol: Hatip Anıtındaki Hiyeroglif Yazit (Die hieroglyphische Inschrift am Monument von Hatip). In: Arkeoloji ve Sanat. Band 18, 1996, S. 8–9.Zsolt Simon: Hethitische Felsreliefs als Repräsentation der Macht – einige ikonographische Bemerkungen. In: Gernot Wilhelm (Hrsg.): Organization, Representation, and Symbols of Power in the Ancient Near East. Eisenbrauns, Winona Lake IN 2012, ISBN 978-1-57506-245-7, S. 687–697. Allgemein wird angenommen, dass die Darstellungen den Machtanspruch des Herrschers über die jeweilige Landschaft dokumentieren sollten. Bei wenigen (Karabel, Hatip, Suratkaya) kann davon ausgegangen werden, dass es sich um Grenzmarkierungen handelt, allgemein ist eine derartige Aussage problematisch, da die Grenzen der hethitischen Regionen und ihrer Nachbarstaaten nur sehr ungenau bekannt sind. Gelegentlich ist darüber hinaus eine kultische Bedeutung des Ortes anzunehmen.Jürgen Seeher: Der Landschaft sein Siegel aufdrücken – hethitische Felsbilder und Hieroglypheninschriften als Ausdruck des herrscherlichen Macht- und Territorialanspruchs. In: Altorientalische Forschungen. Band 36, 2009, S. 119–139, hier S. 135–136.

Erst gegen Ende der Großreichszeit, unter dem letzten Großkönig Šuppiluliuma II., entstand die erste große Inschrift (Nişantaş) mit einer Beschreibung von Taten seines Vaters Tudḫaliya IV.Über eigene Taten berichtete er nicht weit entfernt in der SÜDBURG genannten Inschrift in einer Hieroglyphenkammer. Dieser hatte selbst schon einen Bericht über einen Feldzug in Lykien in einer Inschrift an dem Wasserbecken in Yalburt hinterlassen. Ähnlich umfangreiche Inschriften, gelegentlich in Verbindung mit einem Bild, entstanden in der folgenden Zeit der Nachfolgestaaten des Hethiterreiches. Lange Zeit wurden die von König Hartapu, der sich als Großkönig bezeichnete, stammenden Inschriften (Karadağ, Kızıldağ, Burunkaya) als die ältesten angesehen. Nach der Entdeckung der Stele von Türkmen-Karahöyük wurde dieser jedoch ins 8. Jahrhundert v. Chr. datiert. Demnach sind wahrscheinlich die im späten 12. Jahrhundert v. Chr. entstandenen von Runtija von Melid (Gürün, Kötükale) die frühesten Felsinschriften. Zwischen dem 10 und dem 8. Jahrhundert v. Chr. schließlich entstand noch eine Reihe von Inschriften (Bulgarmaden, Hisarçık, Karaburna, Malpınar, Şırzı, Suvasa, Tanır, Topada) und Bildreliefs (Gökbez, İvriz, Karasu). Bei den Texten handelt es sich meist um Berichte über militärische, aber auch bauliche oder andere Aktionen der jeweiligen Regenten. Auch diese Werke dienten, ebenso wie die des Großreichs, sicherlich repräsentativen Zwecken. Ob die Zunahme der schriftlichen Werke darauf hindeuten könnte, dass die Fähigkeit des Lesens der Hieroglyphentexte im Volk zugenommen hatte, kann vorläufig nicht geklärt werden.Horst Ehringhaus: Das Ende, das ein Anfang war. Felsreliefs und Felsinschriften der luwischen Staaten Kleinasiens vom 12. bis 8./7. Jahrhundert v. Chr. Nünnerich-Asmus, Mainz 2014, ISBN 978-3-943904-67-3, S. 10–12.

Reliefs und Inschriften der hethitischen Großreichszeit Erläuterung: Einige Felder der Tabelle sind sortierbar. Die Spalten 2 und 3 werden beim Klick auf den Pfeil im Kopffeld alphabetisch sortiert. Die vorletzte Spalte wird nach Entstehungszeit sortiert, die letzte Spalte nach dem Datum der ersten Veröffentlichung.

Bild Name/Ort Bezirk/Provinz Koordinaten Lage Beschreibung Inschrift Datierung Errichtet von/unter erforscht oder beschrieben von (Auswahl) 200px|Yumruktepe Weitere Bilder Beyköy * auch Yumruktepe İhsaniye/Afyonkarahisar Auf dem Hügel Yumruktepe östlich Beyköy

Rechte Hälfte einer stark verwitterten Flügelsonne, daneben undefinierbare Zeichen. Eine von Franz Steinherr unter Berufung auf Leopold Messerschmidt berichtete nahegelegene Inschrift ist nicht mehr auffindbar. Deutung als Inschrift unsicher. nach Steinherr Großreichszeit, u. a. Jutta Börker-Klähn hält auch eine spätere Entstehung für möglich.

Errichter unklar Steinherr, 1965Franz Steinherr: Die hieroglyphen-hethitische Inschrift des Reliefs A am Karabel. In: Istanbuler Mitteilungen. Band 15, 1965, S. 17–23, hier S. 23. Gonnet, 1979Hatice Gonnet: Beyköy (İhsaniye-Afyon)/Recent Archaeological Research in Turkey, 1979. In: Anatolian Studies. Band 31, 1981, S. 181–183, hier S. 182. Rossner, 1988Rossner S. 228–232. Ehringhaus, 2005Ehringhaus 2005, S. 35–37. Ermenek * Ermenek/Karaman ** Auf dem Hügel Bezciler südlich Ermenek, heute verloren

Nach links gewandte männliche Figur mit Umrahmung, oben giebelförmig keine nach Bittel vielleicht Großreichszeit, Kohlmeyer hält spätere Entstehung bis zu römischer Zeit für wahrscheinlich.

Errichter unklar Bittel, 1939, erste NotizKurt Bittel: Archäologische Funde aus der Türkei 1934–1938. In: Archäologischer Anzeiger. Band 54, 1939, S. 94–207, hier S. 126 Abb. 15. Kohlmeyer, 1983Kohlmeyer S. 102–103. Rossner, 1988Rossner S. 233–234. 200px|Fıraktın Weitere Bilder Fıraktın Develi/Kayseri An dem Bach Enzel Dere, einem Nebenfluss des Zamantı Irmağı, nahe dem Dorf Fıraktın

In zwei Feldern Ḫattušili III. und Puduḫepa, an einem Altar dem Wettergott und der Ḫebat gegenüberstehend und libierend, rechts ein drittes Feld mit Schrift Bei den Köpfen des Königspaares Benennung von Ḫattušili und Puduḫepa als Großkönig und -königin, im rechten Feld wird Puduḫepa als „Tochter des Landes Kizzuwatna, von der Gottheit geliebt“ bezeichnet. 13. Jh. v. Chr.

Tudhalija IV., Sohn der Dargestellten Sayce, 1880 Bekanntgabe der Entdeckung Archibald H. Sayce: A Forgotten Empire in Asia Minor. In: Fraser’s Magazine. New Series Band 22, August 1880, S. 223–233. Ramsay und Hogarth, 1892 ErstpublikationW. G. Ramsay, D. G. Hogarth: Pre-Hellenic Monuments of Cappadocia. In: Recueil de travaux relatifs à la philologie et à l’archéologie Égyptiennes et Assyriennes. Band 14, 1893, S. 74–94, hier S. 87–88, Tafel VI. Chantre, 1893/94Ernest Chantre: Recherches archéologiques dans l’Asie occidentale: Mission en Cappadoce 1893–1894. Leroux, Paris 1898, S. 125 ff. Akurgal, 1961Ekrem Akurgal: Die Kunst der Hethiter. München 1961, Tafel 100, 101. Alkim, 1968Bahadır Alkım: Anatolien I, Von den Anfängen bis zum Ende des Zweiten Jahrtausends v. Chr. (= Archaeologia Mundi. Band 1). Nagel, München 1968, Tafel 108–110. Bittel, 1976Kurt Bittel: Die Hethiter. Die Kunst Anatoliens vom Ende des 3. bis zum Anfang des 1. Jahrtausends vor Christus. C. H. Beck, München 1976, ISBN 3-406-03024-6, S. 187–188 Abb. 194, 196, 198. Kohlmeyer, 1983Kohlmeyer S. 67–74. Rossner, 1988Rossner S. 159–167. Ehringhaus, 2005Ehringhaus 2005, S. 59–65Hawkins, 2024Hawkins 2024 S. 12–14 200px|Gavurkale Weitere Bilder Gavurkale Haymana/Ankara Auf einer Felskuppe nordwestlich des Dorfes Dereköy

Zwei große Götterfiguren in Kriegerkleidung (oder ein Gott und ein Herrscher?), links davon eine kleinere, sitzende weibliche Gottheit. Eine Identifizierung ist wegen fehlender Beischrift nicht möglich. Auf der Rückseite der Felskuppe eine Kammer, nach Akurgal eine Grabkammer. keine Großreichszeit (ca. 1350–1200 v. Chr.)

Ersteller unbekannt Perrot und Guillaume, 1861 Entdeckung der stehenden GötterRevue archéologique. Neue Reihe Band 6, 1865, Nr. 2, S. 1 ff. Tafel XII. Olmstead 1907/8 Entdeckung der sitzenden Göttin, keine Publikation von der Osten, 1926 Publikation der SitzendenOriental Institute Publications. Band 5, 1929, S. 139 ff. Tafel XXIV. Akurgal, 1945 und 1949 GrabkammerEkrem Akurgal: Die Kunst der Hethiter. München 1961, S. 73. Kohlmeyer, 1983Kohlmeyer S. 43–48. Rossner, 1988Rossner S. 57–62. Lumsden, 2002Stephen Lumsden: Investigations at a Hittite Sacred Place. In: Recent Developments in Hittite Archaeology and History: Papers in Memory of Hans G. Güterbock. Eisenbrauns, 2002, ISBN 978-1-57506-053-8, S. 111–125 (). Ehringhaus, 2005Ehringhaus 2005, S. 11–14. 200px|Hanyeri Hanyeri auch Gezbel Tufanbeyli/Kayseri Nahe dem Dorf Hanyeri an der Straße von Tufanbeyli nach Develi

Als Krieger gekleidete Figur, links davon ein Stier auf den Schultern von zwei Berggöttern oder, nach anderen Interpretationen, auf einem Altar und einem Berggott. Zwei Inschriften links, vor dem Kopf des Mannes und des Stiers, eine weitere rechts der Gestalt, die möglicherweise später hinzugefügt wurde. Die linke Inschrift bezeichnet den Dargestellten als Sohn eines Königs mit dem Namen Ku(wa)lanamuwa und den Stier als den Gott Šarruma. Der Name des Prinzen taucht auch in den Reliefs von Manisa und Imamkullu auf. In der rechten Inschrift, die spiegelbildlich verdoppelt ist, liest Hawkins ebenfalls den Prinzentitel und den Namen Tarḫuntabijammi, der möglicherweise mit dem beim Relief von Hemite erwähnten Tarḫuntabija in Zusammenhang steht. 13. Jh. v. Chr.

Vermutlich der abgebildete Prinz Ku(wa)lanamuwa, rechts hat sich wohl der genannte Tarḫuntabijammi verewigt. Ali Rıza Yalgın, Museumsdirektor in Adana, 1939, Veröffentlichung in einer Ankaraner Tageszeitung, 1940 im TTAEDTürk Tarih Arkeoloji ve Etnografya Dergisi. Band 4, 1940, S. 265 ff. Bossert, 1945 Bilder und AbklatscheOrientalia. Neue Reihe Band 23, 1954, S. 129 ff. Kohlmeyer, 1983Kohlmeyer S. 86–90. Rossner, 1988Rossner S. 180–185. Ehringhaus, 2005Ehringhaus 2005, S. 76–80.Hawkins, 2024Hawkins 2024 S. 94–95. 200px|Hatip Weitere Bilder Hatip Meram/Konya An einem Steilhang beim Ortsteil Hatip südlich des Stadtzentrums von Konya.

Als Krieger gekleidete, nach rechts gewandte Figur mit Lanze, Schwert und Bogen, bekleidet mit Kurzrock, Schnabelschuhen und Spitzhut. Links Inschrift mit Name und Titel Der Text bezeichnet die Person als Kurunta, Großkönig, Held, Sohn von Muwatalli. Kurunta war Sohn von Muwattalli II. und von Tudḫaliya IV. als Herrscher von Tarḫuntašša eingesetzt. Er war wohl später kurzzeitig auch Großkönig des hethitischen Reiches. Ende 13. Jh. v. Chr.