Die Ramstein Air Base (kurz: Ramstein AB / RAB, ) ist ein Militärflugplatz der United States Air Force, das Hauptquartier der United States Air Forces in Europe – Air Forces Africa und das Hauptquartier des Allied Air Command Ramstein, einer NATO-Kommandobehörde zur Führung von Luftstreitkräften in Rheinland-Pfalz nahe Ramstein-Miesenbach und Kaiserslautern. Vom 603d Air and Space Operations Center auf der Ramstein Air Base werden die Planung und Steuerung der Kampfdrohnen-Einsätze im Irak, in Afghanistan, im Jemen sowie die Drohnenangriffe in Pakistan koordiniert.US-Drohnenkrieg läuft über Deutschland, Panorama vom 30. Mai 2013; vgl. dazu die Aussage des Völkerrechtlers Thilo Marauhn.

Lage Der Militärflugplatz liegt im Osten der Gemarkung der Stadt Ramstein-Miesenbach.

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] } mini|Eine F-4E Phantom II auf der Ramstein Air Base während des Manövers REFORGER 82

Während des Zweiten Weltkrieges benutzte die deutsche Luftwaffe einen Abschnitt der unvollendeten Reichsautobahn Saarbrücken – Mannheim (Strecke 38) nahe der Ortslage von Ramstein als Autobahn-Behelfsflugplatz. Gegen Kriegsende eroberten die US-Streitkräfte die Anlage. Im April 1951 begannen die US-Amerikaner gemeinsam mit den Franzosen, zu deren Besatzungszone das Gebiet gehörte, mit der Erweiterung der Basis. Der südliche Teil war ab 1952 die Landstuhl Air Base mit Staffeln der Kampfflugzeuge Republic F-84 und McDonnell F-4 Phantom II. Im nördlichen Teil nahmen Mitte 1953 die Ramstein Air Force Installation mit Hauptquartieren und Verwaltung ihren Betrieb auf. Beide Teile wurden schließlich zum 1. Dezember 1957 unter dem Namen Ramstein-Landstuhl Air Base zusammengelegt und der Name später zu Ramstein Air Base vereinfacht.

Seit 1971 ist hier das Military Airlift Command (MAC) (heute Air Mobility Command (AMC)) mit seinen Transportflugzeugen stationiert. Das Hauptquartier der United States Air Forces in Europe (USAFE) wurde im März 1973 von Wiesbaden-Erbenheim nach Ramstein verlegt. Am 28. Juni 1974 wurde das Hauptquartier Allied Air Forces Central Europe (AAFCE) als Vorläufer des heutigen Headquarters Allied Air Command auf der Ramstein Air Base aufgestellt.

Im Jahr 1994 verließen die letzten dauerhaft hier stationierten Kampfflugzeuge vom Typ F-16 den Stützpunkt.

Im Dezember 2005 geriet die Air Base wegen CIA-Gefangenenflügen (extraordinary renditions) in die Schlagzeilen. Während des Irakkriegs stellte die Bundeswehr vom 7. März 2003 bis zum 10. April 2006 die Wachen. Es wurden turnusmäßig jeweils etwa 150 Soldaten eingesetzt.

Zu einer zeitweiligen erneuten Stationierung von Kampfjets kam es ab Frühjahr 2015 im Rahmen eines sogenannten „Theater Security Packages“ (TSP) durch F-15C des 125th Fighter Wing der Florida Air National Guard aus Jacksonville.

Während seiner Amtszeit als US-Präsident machte Barack Obama bei Fernflügen hier mehrmals einen Zwischenstopp, den er meist für Gespräche mit Militärs und Botschaftsangehörigen nutzte. Am 5. Juni 2009 galt sein Stopp einzig dem Besuch von Kriegsverletzten im Landstuhl Regional Medical Center.

Beim Zwischenstopp auf dem Rückflug von einem Truppenbesuch im Irak war US-Präsident Donald Trump am 27. Dezember 2018 auf der Air Base Ramstein. mini|Camp für Evakuierte auf dem Flughafengelände während der Evakuierung aus Afghanistan im August 2021.

Während der internationalen Evakuierung von über 120.000 Menschen vom Kabuler Flughafen im August 2021 flogen die US-Streitkräfte bis zum 22. August 2021 auch etwa 7.000 Menschen zur Ramstein Air Base. Von dort wurden die Evakuierten in die USA weitergeflogen.

Nach dem Beginn des Überfall Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 lud das US-amerikanische Verteidigungsministerium im darauffolgenden April zu einer Konferenz auf die Airbase Ramstein ein, an der Vertreter aus 40 Staaten teilnahmen. Auf der Konferenz, die die militärische Auslandshilfen für die Ukraine zum Thema hatte, beschlossen die Teilnehmerstaaten eine Fortführung der militärischen Lieferungen an die Ukraine sowie monatliche Treffen zu diesem Zweck.

Nutzung und Beschreibung mini|zentriert|hochkant=4|Ramstein Air Base aufgenommen vom Bismarckturm (Landstuhl) mini|Ramstein Air Base mit Rollfeld, Passagierterminal, Ramstein BX/PX und Hangar

Auf dem Areal arbeiteten 2014 rund 9200 Militärangehörige (8360 Soldaten, davon 132 Reservisten, 831 Zivilbedienstete).(Stand: 30. Sept. 2014 des BASE STRUCTURE REPORT – FISCAL YEAR 2015 BASELINE, Seite 200) Ramstein AB ist die personell größte Einrichtung der US Air Force außerhalb der Vereinigten Staaten. In der Kaiserslautern Military Community leben rund 52.000 US-Amerikaner.U.S. Army Garrison Kaiserslautern (Stand: September 2013): .

Die US Air Force nutzt den Stützpunkt als Drehscheibe für Fracht- und Truppentransporte. Auch für Evakuierungsflüge, denn im nahen Landstuhl befindet sich das größte US-amerikanische Lazarett außerhalb der Vereinigten Staaten, das Landstuhl Regional Medical Center.

Auf der US Air Base Ramstein starten und landen Transportflugzeuge wie die Lockheed C-130 Hercules, Boeing C-17 Globemaster, Lockheed C-5 Galaxy, sowie Boeing 747 privater Fluggesellschaften wie Atlas Air. Im Luftraum in diesem Gebiet fliegen regelmäßig auch Maschinen der US Air Base Spangdahlem bei Bitburg (Rheinland-Pfalz), unter anderem die McDonnell Douglas F-15, General Dynamics F-16 und Lockheed Martin F-22 Raptor.

Der Luftraum im Großraum Kaiserslautern bis Bitburg gehört daher zu einem Flugbeschränkungsgebiet, sowie zeitweilig reservierten Luftraum (englisch Temporary Reserved Airspace, TRA). Gegen den militärischen Fluglärm in dem Gebiet der Bundesländer Rheinland-Pfalz und dem Saarland gab es 2020 eine Bürgerinitiative.

Die NASA nutzt die Ramstein Air Base gelegentlich für Forschungsflüge.

Führungsfunktionen Ramstein ist Basis von Kommandobehörden der NATO und des US-Militärs. Dazu gehört auch die Einsatzzentrale des Raketenabwehrsystems der NATO.

Fliegende Verbände Nach der Schließung der Rhein-Main Air Base im Rahmen des Rhein-Main Transition Program zum 31. Dezember 2005 wurde die Ramstein Air Base zum wichtigsten europäischen Stützpunkt für den Lufttransport der US-Streitkräfte. Diese Aufgabe obliegt dem 86th Airlift Wing, dem eine Reihe fliegender Staffeln unterstellt sind.

Die Ein- und Ausreise vieler in Europa stationierter US-Soldaten und ihrer Angehörigen erfolgt seit Schließung der Rhein-Main Air Base im Jahr 2005 über Ramstein. Daher wurde unter anderem eine zweite Start- und Landebahn gebaut und ein zusätzliches Passagierterminal, ein Frachtterminal sowie Verwaltungsgebäude errichtet. Die ältere Startbahn wurde saniert und verlängert. Im Stationierungskonzept wird die Ramstein Air Base intern als Main Operating Base bezeichnet.

Verwundete US-Soldaten aus arabischen Kampfgebieten werden nach einer ersten Notversorgung nach Ramstein eingeflogen und zum nahegelegenen US-Militärkrankenhaus Landstuhl Regional Medical Center zur medizinischen Weiterbehandlung überführt.

Atomwaffendepot Auf dem Areal befand sich ein US-Atomwaffendepot (Lagerkapazität: 216 Nuklearsprengköpfe), das wohl 2005 geräumt wurde. Mutmaßlich waren dort 130 taktische Atombomben vom Typ B61-3/4 gelagert, die eine einstellbare Sprengkraft im unteren Kilotonnenbereich hatten. Die tatsächliche Anzahl der Bomben ist nicht bekannt, da die USA zu ihren Atomwaffen bis Mai 2010 keine Auskunft erteilten.USA haben Nuklear-Arsenal in Ramstein geräumt Spiegel Online, 9. Juli 2007.

Zentraler Baustein der Kampfdrohnen-Einsätze Seit dem Jahr 2011 ist hier die US-Flugleitzentrale zuständig für Drohneneinsätze. Berichte im Mai 2013 des NDR, des WDR und der Süddeutsche Zeitung führten zu einer Debatte über die Verwicklung Deutschlands in den Drohnenkrieg. Das US-Militär versicherte, dass die Verantwortung für alle militärischen Operationen in Afrika beim 2008 eingerichteten „United States Africa Command“ liegt. Dieses Oberkommando ist seit 2008 in Stuttgart-Möhringen mit ca. 1500 Soldaten und zivilen Mitarbeitern stationiert. Der Süddeutschen Zeitung und Panorama lagen Stellenausschreibungen für Geheimdienstanalysten in Stuttgart vor, deren Arbeitsbeschreibung sein soll, „Ziele“ – auch Menschen – für die Ziellisten der US-Amerikaner zu „nominieren“. Damit würden offenbar in Stuttgart gezielte Tötungen in Afrika geplant. Satellitendaten der Drohnen werden in Ramstein empfangen und an die steuernden Drohnenpiloten in den USA übertragen, etwa auf der Holloman Air Force Base in New Mexico. Meistens von den USA aus werden dann Verdächtige per Drohnenangriff getötet.„Lenkung erfolgte über Ramstein, Tödliche Missionen via Deutschland“, ORF.at, 31. Mai 2013.

US-Präsident Barack Obama erklärte am 19. Juni 2013 in Berlin in einem Dementi, Deutschland sei kein „Ausgangspunkt“ („launching point“) für Drohnenangriffe.Kampfdrohneneinsatz: Obama gegen Panorama, Panorama, 26. Juli 2013.

Nach einem Bericht des deutschen Politmagazins Panorama vom 3. April 2014 legen Dokumente des US-Militärs und die Aussage eines ehemaligen Drohnenpiloten nahe, dass auch die Drohnenangriffe in Pakistan und in Jemen über Ramstein abgewickelt werden. In Ramstein betreiben US-Militärs und US-Geheimdienste seit Februar 2003 das Auswertungszentrum „Distributed Common Ground System 4“ (DGS-4) für die weltweiten US-Drohneneinsätze. Das DGS-4 in Ramstein ist eine von fünf weltweit operierenden Einheiten, die Drohnenbilder auswerten, die anderen sind DGS-1 beim Hauptquartier des Air Combat Command (seit 1992) auf der Joint Base Langley-EustisLangley Air Force Base wurde nach dem Flugpionier Samuel Pierpont Langley (1834–1906) benannt. 2010 wurde Langley AFB mit Fort Eustis zur Joint Base vereinigt., Virginia (nicht zu verwechseln mit dem CIA-Hauptquartier in Langley, Virginia in der Nähe von Washington D.C.), DGS-2 auf der Beale Air Force Base in Kalifornien, die DGS 3 in der US-Militärbasis Osan Air Base in Südkorea und die DGS-5 auf der Joint Base Pearl Harbor-Hickam2005 wurde Hickam Air Force Base mit dem Marine-Stützpunkt Pearl Harbor zur Joint Base vereinigt auf der Insel Oahu (Hawaii). In der Einheit DGS-4 werden die Livebilder der Drohnen analysiert und mit nachrichtendienstlichen Erkenntnissen abgeglichen. Der US-Geheimdienstkoordinator James Clapper bezeichnete 2010 das DGS als das „zentrale Nervensystem“ US-amerikanischer Drohneneinsätze.Ramstein ist Daten-Drehscheibe der US-Drohnenwelt, SWR, 4. April 2014. Über ein verschlüsseltes Chat-Programm namens mIRC erhalten die Drohnenpiloten, die meist in den USA sitzen, aus dem DGS-4 in Ramstein dann Analysen und Anweisungen. Dabei werde Ramstein zudem als Relaisstation genutzt, um Steuerungsbefehle an die weltweit operierende Drohnenflotte zu übermitteln., tagesschau.de, 3. April 2014.Flughafen Ramstein ist Zentrum im US-Drohnenkrieg, Süddeutsche Zeitung, 3. April 2014.

Die nachrichtendienstliche Organisation stellt sich wie folgt dar: 480th Intelligence, Surveillance and Reconnaissance Wing (480th ISR Wing), Joint Base Langley-Eustis, Virginia. 480th ISR Group, Fort Eisenhower (bis 2023 Fort Gordon), Georgia. zuständig für „kryptologische Produkte und Dienstleistungen“ für CENTCOM (MacDill Air Force Base, Florida), EUCOM (Patch Barracks, Stuttgart-Vaihingen), AFRICOM (Kelley Barracks, Stuttgart-Möhringen) und SOCOM (MacDill AFB, Florida). 3rd, 31st, 451st Intelligence Squadrons, alle Fort Eisenhower. 497th ISR Group, Joint Base Langley-Eustis, Virginia, Verantwortungsbereich (Area of Responsibility, AOR) Air Forces Central Command (AFCENT), Shaw AFB, South Carolina, führt „National Tactical Integration“ für 609th Air and Space Operations Center, Joint Base Langley-Eustis, Virginia. (DGS-1) durch.