Zaïrit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“. Es kristallisiert im trigonalen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung BiFe3+3[(OH)6(PO4)2] und ist damit ein Bismut-Eisen-Phosphat mit zusätzlichen Hydroxidionen.

Da in natürlich vorkommenden Zaïritproben das Eisen durch geringe Anteile an Aluminium ersetzt (substituiert) sein kann, wird die Formel in verschiedenen Quellen auch mit Bi(Fe3+,Al)3[(OH)6(PO4)2] angegeben.

Zaïrit findet sich meist in Form derber Mineral-Aggregate mit wachsähnlichem Glanz auf den Oberflächen. In reiner Form ist Zaïrit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine grünlichweiße bis gelblichgrüne Farbe annehmen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt.

Etymologie und Geschichte mini|links|Zaïrit (grünlichweiß) aus der Typlokalität Eta-Etu, Demokratische Republik Kongo (Sichtfeld 4 mm) Erstmals entdeckt wurde Zaïrit in Mineralproben aus dem Bezirk Eta-Etu in der Region Kivu der Demokratischen Republik Kongo. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch Léopold Van Wambeke, der das Mineral nach dessen Typlokalität benannte. Der französische Name des Staates Demokratische Republik Kongo, in dem Van Wambeke das Mineral fand, lautete zu dieser Zeit Zaïre.

Van Wambeke sandt seiner Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1975 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1975-018), die den Zaïrit im gleichen Jahr als eigenständige Mineralart anerkannte. Ebenfalls im gleichen Jahr wurde die Erstbeschreibung im Fachmagazin Bulletin de la Societe franyaise de Mineralogie et de Cristallographie veröffentlicht.

Das Typmaterial des Minerals wird im Königlichen Museum für Zentral-Afrika im belgischen Tervuren unter der Inventarnummer RMG 14.065 aufbewahrt.

Klassifikation In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz war der Zaïrit noch nicht aufgeführt.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/B.36-170. Dies entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Phosphate, mit fremden Anionen F,Cl,O,OH“, wo Zaïrit zusammen mit Arsenocrandallit, Arsenoflorencit-(Ce), Arsenoflorencit-(La), Arsenoflorencit-(Nd), Arsenogorceixit, Arsenogoyazit, Arsenowaylandit, Benauit, Crandallit, Dussertit, Eylettersit, Florencit-(Ce), Florencit-(La), Florencit-(Nd), Florencit-(Sm), Galloplumbogummit, Gorceixit, Goyazit, Graulichit-(Ce), Kintoreit, Kolitschit, Pattersonit, Philipsbornit, Plumbogummit, Segnitit, Springcreekit, Waylandit und Weilerit die „Crandallitgruppe“ mit der Systemnummer VII/B.36 bildet.

Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Zaïrit ebenfalls in die Abteilung „Phosphate usw. mit zusätzlichen Anionen; ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis der zusätzlichen Anionen zum Phosphat-, Arsenat- beziehungsweise Vanadatkomplex. Das Mineral ist hier in der Unterabteilung „Mit mittelgroßen und großen Kationen; (OH usw.) : RO4 = 3 : 1“ zu finden, wo es zusammen mit Arsenoflorencit-(Ce), Arsenoflorencit-(La), Eylettersit, Florencit-(Ce), Florencit-(La), Florencit-(Nd), Graulichit-(Ce) und Waylandit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 8.BL.13 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Zaïrit die System- und Mineralnummer 41.05.12.03. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie neutrale Phosphate, Arsenate und Vanadate mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 41.05.12, in der auch Waylandit und Eylettersit eingeordnet sind.

Kristallstruktur Zaïrit kristallisiert isotyp mit Crandallit in der trigonalen mit den Gitterparametern a = 7,02 Å und c = 16,37 Å sowie 3 Formeleinheiten pro Elementarzelle.

Bildung und Fundorte Zaïrit bildet sich in der Verwitterungszone von Quarz-Wolframit-Lagerstätten, wo er neben Quarz unter anderem noch mit gediegen Bismut, dem Bismutcarbonat Bismutit und verschiedenen Glimmern vergesellschaftet auftritt.

Als sehr seltene Mineralbildung ist Zaïrit nur in wenigen Proben aus weltweit bisher weniger als 10 Vorkommen bekannt (Stand 2026). Seine Typlokalität im Bezirk Eta-Etu (Kivu) ist dabei der bisher einzige bekannte Fundort in der Demokratischen Republik Kongo.

In Deutschland fand sich das Mineral bisher nur in der Ritterzeche im Bergbaurevier Schneeberg in Sachsen sowie am Kreuzberg in Pleystein, einem Rosenquarzfelsen in Pleystein und in den Pegmatiten bei Hagendorf (Waidhaus) im Oberpfälzer Landkreis Neustadt an der Waldnaab.

Weitere bisher bekannte Fundorte sind die Tazna-Mine (auch Tasna-Mine oder Tazna-Rosario-Mine) bei Tasna Rosario im bolivianischen Departamento Potosí, die Mount Pleasant Mine bei St. George (New Brunswick) in Kanada, ein natürlicher Aufschluss mit hydrothermal veränderten, Scheelit führenden Quarz-Gängen (Ishidera) im Kreis Sōraku-gun, Präfektur Kyōto auf der japanischen Insel Honshū und die Sítio do Castelo Mine in der Gemeinde Folgosinho im portugiesischen Kreis Gouveia.

Siehe auch Liste der Minerale

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise Fundortliste für Zaïrit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 5. Juli 2026.

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