Brobergen (plattdeutsch Brobargen) ist eine Ortschaft an der Oste im Landkreis Stade in Niedersachsen. Sie ist Bestandteil der Gemeinde Kranenburg sowie seit 1. Januar 2014 der Samtgemeinde Oldendorf-Himmelpforten nach dem Zusammenschluss der Samtgemeinden Oldendorf und Himmelpforten.
Der Ort liegt rechts der Oste, doch ein Teil der Gemarkung mit den „Hollander Höfen“ (meist Höben genannt) liegt links der Oste, was, abgesehen von der durch den Bau des Oste-Sperrwerks neuentstandenen Osteinsel, das einzige bewohnte, linksseitig der Oste gelegene Gebiet des Landkreises Stade ist.
Geographie mini|280px|Plan von Brobergen ❶ zeigt das Dorfgemeinschaftshaus oder Sport- und Kulturzentrum ❷ zeigt die Freiwillige Feuerwehr ❸ zeigt die Fähre über die Oste † zeigt die Friedhofskapelle
Brobergen liegt am Marschrand in der Osteniederung, die Mehe mündet hier als linksseitiger Nebenfluss in die Oste. Durch Brobergen führt die 2004 eröffnete Deutsche Fährstraße von Bremervörde Richtung Kiel, die auf 250 Kilometern Gewässerquerungen aller Art verbindet, sowie die Niedersächsische Milchstraße, ein Radwanderweg zum Thema Milch, der eine Reihe von Milchviehbetrieben im Landkreis Stade verbindet.
Zu Brobergen gehören die Wohnplätze Brobergen, Berg, Hollander Höfe und Hüttenberg.
Benachbarte Orte sind Kranenburg im Norden, Oldendorf im Osten, Estorf im Südosten, Gräpel im Südwesten, Ostendorf im Landkreis Rotenburg (Wümme) im Osten und Nindorf im Landkreis Cuxhaven im Nordwesten.
Geschichte Vorgeschichte Bereits früh gab es hier am Geestrand menschliche Siedlungen, wovon unter anderem das Hügelgrab auf dem Franzosenbarg und weitere Hügelgräber in der Umgebung zeugen.
Entstehung Brobergen wurde 1286 als Brocberge erstmals erwähnt. Der Ortsname entstand aus einem niederdeutschen Flurnamen, der die Berge im Brook, also im Bruch, bezeichnet, wobei Berge im ebenen Land eher als flache Hügel zu verstehen sind. Dieser Flurname ist bereits um einiges älter als der heutige Ort und bezog sich ursprünglich auf den ganzen Abschnitt die Oste entlang von Gräpel bis Burweg.
1141 wird in einer Urkunde des Stader Grafen Rudolf erwähnt, dass die drei Brüder Dudo, Adiko und Ricbert das Marienkloster in Stade gründeten und daraufhin einer von den dreien Brobergen als Lehen erhielt. Damals war noch die ganze Gegend gemeint, doch schon 1286 nennt sich einer ihrer Nachfahren Otto de Brocberge, der seinen Sitz auf einer wahrscheinlich um 1270 entstandenen Burg, der borch to brogberghen, hatte. Im Gebiet der Burg hatte es bereits früher eine andere Burg, die Müggenburg, gegeben, von der heute aber keine gesicherten Informationen außer ihrer Existenz vorliegen. Zu dieser Zeit existierten im Umfeld der Burg einige Wohnstätten, die nun erstmals als Brobergen bezeichnet werden können.
Weitere Geschichte mini|Gedenkteller zur 700-Jahr-Feier Brobergens, der das Gutshaus Hollander Höfe darstellt Im Jahre 1364 wird erstmals erwähnt, dass in Brobergen eine Kapelle bestand. 1525 wird in einer Gerichtsakte erwähnt, dass für einige Zeit ein Roland in Brobergen bestanden haben soll: Ist allda ufm Damm für wenig jaren ein geschnitztes Bilde gestanden, das man Rolandt geheißen, welches Leute noch gedenken können.
Das Adelsgeschlecht der von Brobergen war auf dem Gut Hollander Höfe ansässig, bis es 1618 keinen Nachfolger mehr gab, so dass die Erbfolge einbrach und das Gut verkauft wurde.
Bis zum Dreißigjährigen Krieg hat bei Brobergen eine Zugbrücke über die Oste bestanden. Sie soll etwa 1628 von tillyschen Truppen niedergebrannt worden sein, um einem Angriff der Dänen vorzubeugen. Kurz darauf wird erstmals eine Prahmfähre betrieben, um die jenseits der Oste gelegenen Feldmarken zu erreichen.
Das Besitzrecht an dem Ort wanderte in der folgenden Zeit durch mehrere Hände, zumeist Kaufleute aus Hamburg, bis es 1837 von den einheimischen Bauern freigekauft und aufgeteilt wird.
Im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts gab es zahlreiche Ziegeleien an der Oste, die aus dem Kleiboden an der Oste Ziegel brannten. Insbesondere der große Hamburger Stadtbrand 1842 ließ diese Ziegeleien für lange Zeit florieren.
Im Zweiten Weltkrieg wurden im Herbst 1944 von britischen Bombern Brandbomben, die man in Hamburg nicht platzieren konnte, über Brobergen abgeworfen, wodurch drei Häuser in Flammen aufgingen.
Das Gutshaus „Hollander Höfe“ bei der Fährstelle bestand bis 1941, wurde dann aber wegen Baufälligkeit niedergerissen. 1956 entstand an gleicher Stelle der „Fährkrug“, der Gaststätte und Wohnplatz des Fährmann ist.
Religion Brobergen ist evangelisch-lutherisch geprägt und gehört zur Kirchengemeinde Oldendorf. Es besteht ein eigener Friedhof am Ortseingang Richtung Oldendorf, zu dem auch eine Friedhofskapelle gehört, die gelegentlich auch für reguläre Gottesdienste genutzt wird.
Eingemeindung Am 1. Juli 1972 wurde Brobergen im Zuge der Gemeindereform in die Nachbargemeinde Kranenburg eingegliedert.
Einwohnerentwicklung 1766 sind in Brobergen 17 Feuerstellen (also Wohnhäuser) vorhanden.
1885: 224 Einwohner 1905: 271 Einwohner 1961: 266 Einwohner 1970: 229 Einwohner 2003: 226 Einwohner
Bürgermeister Die Bürgermeister der Gemeinde Brobergen bis zur Zusammenlegung mit der Gemeinde Kranenburg 1972 waren:
Zeit Bürgermeister 1873–1890 Hinrich Buck 1890–1910 Johann Schult 1910–1911 Dietrich Waller 1911–1914 Andreas Schult 1914–1916 Jürgen Elfers 1916–1922 Theodor Buck 1922–1933 Hinrich Ney (senior) 1933–1943 Hinrich Ney (junior) 1943–1946 Hermann Buck 1946–1956 Jürgen Steffens 1956–1964 Hinrich Buck 1964–1972 Helmut Hudaff
Wappen mini|Wappen Brobergens Das Broberger Wappen ist vorne rot, hinten silber durch Zinnenschnitt gespalten (für wappenkundliche Fachbegriffe, siehe Heraldik). Die Gemeinde Brobergen führte es seit dem 31. März 1948 in Gebietsnachfolge des früheren Adelsgeschlechtes von Brobergen. Nach der Eingemeindung nach Kranenburg erscheint das Broberger Wappen seit 1983 auch vorne unten im Gemeindewappen.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Tourismus In Brobergen verkehrt die Ostefähre Brobergen über die Oste, die Teil der Deutschen Fährstraße ist. Bei der Fährstelle liegt die Gaststätte „Fährkrug“. Gaststätte und Fähre sind besonders bei Radtouristen auf Touren entlang der Oste beliebt.
Vereinswesen Feuerwehr Nach Beschluss des Gemeinderates vom 29. September 1901 wurde am 31. Januar 1902 die Freiwillige Feuerwehr mit 24 Gründungsmitgliedern gegründet. Am 13. März vom Landrat genehmigt, wurde die Feuerwehr im April mit Uniformen ausgerüstet. Im Mai wurde dann eine pferdegezogene 300-Liter-Wagenspritze der Firma Louis Tidow aus Hannover gekauft und bald auch ein Feuerwehrhaus mit Löschwasserteich auf demselben Grundstück Ecke Boben in Dörp/Kurze Straße, auf dem auch das heutige Feuerwehrhaus steht, errichtet. Unaufgeforderte Brandhilfe war in Kranenburg, Oldendorf, Estorf, Gräpel, Blumenthal, Kuhla, Bossel und Behrste zu leisten. Nach Aufforderung auch in Burweg sowie in den Orten Laumühlen, Nindorf, Ihlbeck und Klint auf der anderen Seite der Oste. Während des Zweiten Weltkriegs wurden wegen Mangels an Einsatzkräfte auch Frauen zum Feuerwehrdienst herangezogen. 1946 wurde eine Tragkraftspritze (TS 8) der österreichischen Firma Rosenbauer angeschafft und 1948 durch ein Einsatzfahrzeug der Firma Ford ergänzt. 1948 wurde auch die Sirene auf der Dorfschmiede eingerichtet, die heute aus der Feuerleitzentrale in Wiepenkathen ferngesteuert wird. 1957 wurde das Feuerwehrfahrzeug durch ein VW-Modell ersetzt. 1960 wurde wegen der mittlerweile beengten Verhältnisse im alten Feuerwehrhaus mit dem Bau eines neuen Mehrzweckbaus begonnen, das neben Feuerwehrräumen eine Gemeindestube und ein Kalthaus umfasste und das heute auch den Jugendraum beherbergt. Bei der feierlichen Einweihung am 30. April 1960 waren 25 Löschfahrzeuge und über 350 Feuerwehrkameraden aus den drei umliegenden Kreisen sowie zahlreiche Bürger des Dorfes anwesend. 1972 wurde das Einsatzfahrzeug bei einem Unfall zerstört. Es konnte aber rasch ein neues Tragkraftspritzenfahrzeug TSF angeschafft werden. Zum fünfundsiebzigsten Jubiläum wurde auch eine Standarte angeschafft.
Schützenverein Der Schützenverein wurde im März 1935 mit 45 Mitgliedern aus dem Kriegerverein heraus ausgegründet und ein Schießstand wurde errichtet. Durch den Zweiten Weltkrieg ruhte das Vereinsleben von 1943 bis 1951. Dann wurde der Verein mit 56 Mitgliedern neugegründet. Am 20. Juli 1974 wurde auch eine Damenabteilung des Schützenvereins mit zunächst 21 Mitgliedern gegründet. Der Schützenverein zählt heute mit über 200 Mitgliedern und zahlreichen Veranstaltungen das Jahr über, wie dem zweitägigen Schützenfest jährlich am dritten Juli-Wochenende, zu den wichtigsten Pfeilern des dörflichen Gemeinschaftslebens. An beiden Tagen wird ein Festumzug durchs Dorf veranstaltet, wobei am Sonnabend die Schützenmajestätinnen (Königin und Kinderkönigin) des Vorjahres von zu Hause abgeholt werden und am Sonntag unter Teilnahme von auswärtigen Schützenabordnungen die neuen Schützenmajestäten (König und Kinderkönig).
mini|Logo Fährverein Brobergen Fähr- und Geschichtsverein mini|Fähre Brobergen
Der „Fähr- und Geschichtsverein Brobergen und Umgebung e. V.“ gründete sich 2007 um die Fährstelle vor einer geplanten Ausdeichung zu bewahren. 2008 übernahm der Verein die Fähre und die dazugehörige Gaststätte „Fährkrug“ als Pächter vom bisherigen Eigentümer, einem Verband von Landwirten. Die Fährstelle war im Mittelalter Sitz eines adeligen Rittergeschlechts und so finden sich im Boden noch Überreste der mittelalterlich Burg, die der Verein archäologisch untersuchen ließ. Die Funde machten die hohe Bedeutung dieser Anlage bewusst und so konnte nach Gesprächen mit den verantwortlichen Planungsbehörden eine Komplettausdeichung verhindert werden.
Ziel des Fähr- und Geschichtsverein Brobergen und Umgebung ist die Erhaltung und Förderung des Fährwesens in der Samtgemeinde Oldendorf, insbesondere des maritimen Denkmals Fährstelle Brobergen mit dem historischen und denkmalgeschützten Fährprahm. Aber auch die enge Zusammenarbeit mit der Fährstelle in Gräpel ist Teil der Arbeit. Aufgabe des Vereins ist die Stärkung beider Standorte. Außerdem möchte der Verein die ehemalige Bedeutung der historischen Fährstelle Brobergen weiter erforschen und für die Öffentlichkeit dokumentieren. Hier stand einst im Mittelalter die Burg „derer zu Brobergen“, die größte Burg der Tide-Oste, mit Burgturm, Kapelle, Zugbrücke und Rolandfigur. Die Aufstellung einer nachgebildeten Rolandfigur fand am 16. September 2007 statt.
Die aktuelle Mitgliederzahl beträgt 218 Personen. (Stand: 1. Mai 2020)
Kriegerverein Der Kriegerverein wurde am 30. Januar 1898 von neun Kriegsveteranen gegründet. Zweck des Vereins war vornehmlich Hilfe und Trost bei Hinterbliebenen zu leisten. Im Jahre 1906 wurde für 275 Mark eine Fahne für den Verein angeschafft und mit einem Fahnenweihfest und Umzug eingeweiht. Das 25-jährige Fahnenjubiläum wurde noch festlich begangen, danach aber ruhte das Vereinsleben weitgehend. Erst am 24. Februar 1957 wurde der Verein neugegründet. Während zuerst noch ein geschworener Soldateneid Aufnahmebedingung war, wurde dies 1972 soweit liberalisiert, dass jeder Mann über 18 Jahren Mitglied werden konnte. Im September 1998 wurde ein großer Festakt zum 100-jährigen Jubiläum begangen.
Sportverein Der in den 1920er Jahren erstmals gegründete Sportverein Brobergen ist vor allem durch längere Ruhezeiten geprägt. Während des Zweiten Weltkriegs ruhte das Vereinsleben erstmals. Aktiven Zeiten nach dem Krieg bis 1950 und ab 1966 wurden von längeren Ruhephasen auf Grund mangelnder Aktivenzahlen unterbrochen. 1990 wurde eine Auflösung wegen Inaktivität zwar von der Hauptversammlung abgelehnt, aber der Verein ruht seitdem wieder. Die Spieler Brobergens im dominierenden Fußball spielen heute vornehmlich im FC Eintracht Oste, zu dem auch die Orte Kranenburg, Gräpel und Estorf gehören.
Brauchtum