Sylvester Schäffer (* 22. Januar 1885 in Berlin; † 20. Juni 1949 in Los AngelesAngaben laut California Death Index; der oftmals zu lesende Sterbeort New York ist demzufolge nicht zutreffend) war ein internationaler Artist mit kurzzeitiger Karriere als Detektivdarsteller beim deutschen Stummfilm der frühen 1920er-Jahre.

Leben Deutschland Der Sohn des böhmisch-österreichischen Artisten Georg Sylvester Schäffer (* 31. Dezember 1859 in Lewentz; † 26. August 1931 in Starnberg), der sich einen Namen als Jongleur gemacht hatte, wurde während eines Gastspiels des Vaters in Berlin geboren und erlernte sein umfassendes artistisches Handwerk vom Vater auf dessen Tourneereisen durch Europa und Nordamerika. Schäffer junior war Ikarier, Jongleur, Athlet, Zauberkünstler, Kunstschütze, Geiger, Schnellzeichner und Schulreiter. Angesichts seiner Vielseitigkeit heftete man Schäffer bald das Etikett „Einmannvarieté“ an.

Während eines längeren Aufenthaltes in Berlin wurde Sylvester Schäffer für eine Reihe von billig hergestellten Sensations-, Action- und Abenteuerfilmen vor die Kamera geholt. Diese Genres erfreuten sich zu jener Zeit, als Kollegen wie Harry Piel, Carlo Aldini, Luciano Albertini, Raimondo van Riel und Eddie Polo große Publikumserfolge feierten, bei wenig anspruchsvollen Kinogängern einiger Beliebtheit. Beim Gros dieser Streifen mit Schäffer in der Hauptrolle (vor allem als Serienheld Detektiv „Nobody“) führte der Österreicher Karl Gerhardt Regie. Nach nur wenigen Jahren verließ Schäffer diese Branche wieder und kehrte zu seinem angestammten Berufsfeld der Artistik zurück.

1930 heiratete Schäffer Lilly Krüger, die seine Programme seit 1922 als Tänzerin, ständige Partnerin und Assistentin begleitet hatte. Im gleichen Jahr kam ihr gemeinsamer Sohn Peter (Sylvester) Schäffer zur Welt.#John 2015. Er studierte am Los Angeles Conservatory of Music and Art und wurde später Violinist. Music of the West Magazine, Bände 4–7, 1948: , Violins and Violinists’ Magazine, Bände 15–16, 1954: .

Hollywood Nachdem Schäffer eine Privatvorstellung für Hitler abgelehnt und sich geweigert hatte, sich von seinem jüdischen Agenten Oser zu trennen, beschloss er, Deutschland zu verlassen und in die USA zu gehen, wo er sich schon einmal von 1914 bis 1921 aufgehalten hatte. 1939 emigrierte er mit seiner Familie nach Hollywood:#John 2015.

„Er hatte damals – als wir gehetzt waren und flohen – sein schönes Gut am Starnberger See verlassen und war mit Frau und Sohn nach Amerika gekommen – nicht weil er musste – nein!, weil er wollte. Und weil er nicht wollte, dass sein Bub das braune Hemd tragen sollte.“#Kahn 1949.1.

Schäffers Frau, die als Filmschauspielerin arbeitete, verunglückte 1942 tödlich während der Dreharbeiten in den Hollywoodstudios.#John 2015. In seinen letzten Lebensjahren schloss Schäffer sich der „kleinen Künstlergemeinde“ in Hedi Schoops berühmter Keramikwerkstatt an, „wo er – der alte Schnellmaler – auswendig und fast ohne hinzuschauen mit unglaublicher Sicherheit reizende holländische Landschaften auf Platten und Teller zauberte – fast nur so nebenbei.“ Auch zuhause malte er: markante Indianerköpfe, Porträts schöner Frauen, „meist aber Landschaften, kleine gemütliche bayrische Dörfer – im strahlenden Sommerglanz oder schier versunken in tiefem, blauweissem Schnee“. Sylvester Schäffer starb am 20. Juni 1949 und wurde am 24. Juni 1949 begraben.#Kahn 1949.1.

Filmografie 1921: Nobody (25 Episoden) 1921: Im Zeichen der Schlange 1922: Der Herr der Unterwelt 1922: Das Geheimnis der sieben Ringe 1922: Die Dame in Grau 1922: Jussuff el Fanit, der Wüstenräuber 1922: Lucifer 1922: Die Flibustier 1922: Die geheimnisvollen Piraten 1924: Der Eierheld

Literatur Friedmar John: Die Artistenfamilie Schäffer., Schenkenland-Tourist e.V. Mit ausführlicher Biographie von Sylvester Schäffer. Ferdinand Kahn: Ein grosser Artist und ein grosser Mensch. Das wundersame Leben Sylvester Schäffers. Nachruf, mit Porträtfoto. In: Aufbau, 15. Jahrgang, Nummer 26, 1. Juli 1949, Seite 23, online:.

Weblinks

Fotoserie über Sylvester Schäffer von 1909 bei gettyimages.

Einzelnachweise

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