mini|Titelblatt des Schauspiels von Franz von Funken, Wien 1754
Temistocle ist ein Opern-Libretto in drei Akten von Pietro Metastasio. Erstmals aufgeführt wurde es in der Vertonung von Antonio Caldara am 4. November 1736 zur Feier des Namenstags Karls VI. in Wien. Mit ungefähr 25 Vertonungen erreichte es eine durchschnittliche Beliebtheit unter Metastasios Libretti.
Eine deutsche Übersetzung des Librettos von Johann Anton Koch erschien 1772 unter dem Namen Themistocles im vierten Band seiner unvollendet gebliebenen Gesamtausgabe Des Herrn Abt Peter Metastasio Kayserl. Königl. Hofpoetens Dramatische Gedichte.Johann Anton Koch: Des Herrn Abt Peter Metastasio Kayserl. Königl. Hofpoetens Dramatische Gedichte, aus dem Italiänischen übersetzt. Vierter Band. Krauß, Frankfurt und Leipzig 1772 als Digitalisat beim Münchener Digitalisierungszentrum.
Handlung
mini|Bild aus dem Libretto, Musik von Gaetano Latilla, Rom 1737
Das Libretto handelt vom ehemaligen griechischen Feldherrn Temistocle, der im feindlichen Persien bei seinem Gegner Serse (Xerxes I.) Asyl sucht und dort in einen Gewissenskonflikt gerät.
Die folgende Inhaltsangabe basiert auf dem 1747 in Braunschweig herausgegebenen Libretto der Vertonung von Giovanni Verocai.
Vorgeschichte
Der griechische Feldherr Temistocle hatte die Perser unter König Serse besiegt. Dennoch wurde er von seinem eigenen Volk angeklagt und suchte schließlich zusammen mit seinem Sohn Neocle Asyl in Persien. Seine Tochter Aspasia war zur Sicherheit nach Argos geschickt worden, kam dort aber nie an und wurde schließlich für tot gehalten. Auch sie konnte sich nach Persien retten und wurde zur Vertrauten der Prinzessin Rossane in der Hauptstadt Susa.
Erster Akt
Ein angenehmer Ort im Palast Serses
Temistocle und sein Sohn Neocle befinden sich unerkannt im persischen Exil. Neocle fühlt sich von den Göttern ungerecht behandelt, weil sie trotz ihrer Heldentaten ins Unglück gestürzt wurden. Temistocle mahnt ihn jedoch zur Geduld. Als er jemanden kommen hört, schickt er ihn fort.
Bei den Ankömmlingen handelt es sich um Temistocles von ihm für tot gehaltene Tochter Aspasia und den persischen Fürsten Sebaste. Sebaste teilt Aspasia mit, dass Serse ein Kopfgeld auf Temistocle ausgesetzt habe und entfernt sich. Temistocle und Aspasia sind zunächst freudig überrascht, sich wiederzusehen. Aber dann warnt Aspasia ihn vor Serses Absichten. Zudem sei gerade ein griechischer Gesandter eingetroffen, der ihn erkennen könnte. Temistocle beschließt, sich Serse zu offenbaren, um der Gefahr entgegenzutreten.
Die mit Serse liierte Prinzessin Rossane fühlt sich von ihm vernachlässigt und wirft Aspasia vor, ihn ihr entfremdet zu haben. Aspasia streitet das ab. Sebaste meldet Rossane die Ankunft des griechischen Gesandten Lisimaco, der auf der Suche nach Temistocle sei. Lisimaco ist Aspasias früherer Geliebter, und sie fürchtet, dass er sich von ihr abgewandt habe und ihrem Vater schaden wolle.
Öffentlicher Audienz-Platz mit einem Thron an der Seite; in der Ferne die Stadt
Temistocle und Neocle haben sich unter das Volk gemengt. Serse und Sebaste treten mit Gefolge auf, um den Botschafter zu empfangen. Lisimaco erscheint mit seinen Leuten und verlangt von Serse die Auslieferung Temistocles. Serse weist darauf hin, dass das Schicksal Griechenlands trotz des Sieges ungewiss sei und der Weg nach Athen offen stehe. Er verweigert jede Auskunft über Temistocle. Lisimaco geht. Nun tritt Temistocle hervor. Er gibt sich Serse zu erkennen und bittet ihn um Asyl. Serse ist beeindruckt von seinem Verhalten und bietet ihn seine Freundschaft an.
Eine schöne Grotte
Aspasia teilt Rossane mit, dass sie Temistocles Tochter ist und bittet sie um ihren Beistand. Sebaste meldet, dass Serse Aspasia sehen wolle, weil sein neuer Freund Temistocle ihm von ihr erzählt habe. Rossanes Eifersucht wird geschürt. Aspasia dagegen kann diesen Umschwung in Serses Verhalten kaum glauben. Sie geht. Sebaste hat Rossanes Eifersucht erkannt und macht sich selbst Hoffnung auf sie. Er bestärkt ihr Misstrauen, indem er ihr von Serses Liebe zu Aspasia erzählt. Insgeheim plant er, durch seine Intrigen schließlich den Thron zu erobern.
Zweiter Akt
Reich möbliertes Zimmer, das Temistocle von Serse als Wohnung zugewiesen wurde
An den Seiten stehen Tische mit Gefäßen voller Gold und Juwelen.
Temistocle warnt seinen Sohn Neocle davor, sich allzu sehr auf das Glück zu verlassen. Neocle geht, und Serse kommt ins Zimmer. Als Zeichen seines Wohlwollens übergibt er Temistocle die Städte Lampsacus (Lampsakos) und Miunte (Myus) und ernennt ihn zum Oberbefehlshaber über die persische Armee. Temistocle geht.
Serse genießt für eine Weile sein tugendhaftes Verhalten. Als Rossane kommt, will er ihr erklären, dass er nicht mehr an einer Beziehung mit ihr interessiert ist. Er wird jedoch von Sebaste unterbrochen, der meldet, dass Lisimaco ein weiteres Gespräch über die Auslieferung Temistocles wünsche. Nach einigem Zögern erklärt er sein Einverständnis und entfernt sich. Aspasia kommt und fragt Rossane, ob sie ihre Eifersucht endlich aufgegeben habe. Sie schweigt darüber, bewundert aber Aspasias Schönheit, die einiges entschuldigen könne.
Lisimaco kommt zu Aspasia und erkennt in ihr seine totgeglaubte Geliebte. Er erklärt ihr, dass er keineswegs Temistocles Feind sei, sondern lediglich dem Befehl des Vaterlands gehorchen müsse. Der König habe inzwischen entschieden, Temistocle an Griechenland auszuliefern. Aspasia bittet ihn, seine Liebe zu beweisen, indem er ihnen bei der Flucht hilft. Nach einigem Zögern stimmt er zu. Zunächst will sich Aspasia jedoch direkt an Serse wenden, um ihren Vater zu retten.
Vornehmes, offenes, mit Kriegssymbolen versehenes Zelt mit einem Thron auf der rechten Seite
Im Hintergrund sieht man eine große Ebene, auf der sich das persische Heer aufstellt.
Serse und Sebaste treten mit den Reichsgrößen und dem Volk auf. Sebaste bestätigt Serse, dass Aspasia seinen Heiratsantrag abgelehnt habe. Serse glaubt jedoch, sie wolle sich vorher noch mit ihrem Vater beraten. Er setzt sich auf den Thron. Einer der Satrapen bringt auf einem goldenen Becken den Regimentsstab und stellt sich neben Serse. Nun erscheinen Temistocle und Lisimaco mit den Griechen. Serse überreicht Temistocle den Regimentsstab, und Lisimaco erkennt, dass der König diesem keineswegs feindlich gesinnt ist. Temistocle schwört Serse seine Treue. Auf Lisicos Vorwürfe hin erklärt Serse, dass er lediglich versprochen habe, Temistocle nach Griechenland zu schicken. Dieses Versprechen wolle er nun erfüllen. Er befiehlt Temistocle, nach Griechenland zu ziehen und Theben, Sparta, Corinth, Argos und Athen zu verwüsten. Lisimaco verlässt das Zelt. Temistocle jedoch bittet Serse, seinen Befehl zu überdenken, da er sein Geburtsland liebe. Serse wirft Temistocle Undankbarkeit vor und lässt ihn abführen.
Serse erklärt Rossane, dass er Temistocle und Aspasia nun als seine Feinde betrachte. Rossane macht sich daher wieder Hoffnung. Aspasia aber bittet Serse um Gnade für ihren Vater. Sie erklärt, seinen Antrag nur aus Scham abgelehnt zu haben und verspricht ihm ihre Liebe, wenn er ihren Vater wieder freigebe. Serse erklärt, ihm zu verzeihen, wenn sie ihn dazu bringen kann, seinem Befehl Folge zu leisten. Nachdem Serse gegangen ist, bittet Aspasia auch Rossane um Verzeihung. Diese reagiert jedoch wütend. Aspasia geht. Sebaste ergreift die Gelegenheit und schlägt Rossane vor, einen Aufstand zu wagen und gemeinsam den Thron zu erobern. Er habe bereits eine Schar von Getreuen gesammelt. Rossane erklärt sich damit einverstanden und freut sich auf ihre Rache.
Dritter Akt
Das Gemach, in dem Temistocle gefangengehalten wird
Sebaste fragt Temistocle nach seiner Entscheidung. Er antwortet, dass er bereit sei und man den Altar zum Treueschwur vorbereiten solle. Sebaste solle inzwischen Lisimaco an der Abreise hindern. Nachdem Sebaste gegangen ist, kommen Neocle und Aspasia. Temistocle erklärt ihnen, dass er Serse zwar Dankbarkeit, aber Griechenland Treue schulde. Da sich beides widerspreche, habe er vor, sich vor Serses Augen zu töten und Gift zu nehmen. Er rät seinen Kindern, immer die Ehre im Auge zu behalten und Abscheu vor Verbrechen, nicht aber vor der Strafe zu haben. Neocle und Aspasia sind entsetzt.
Serses Zimmer
Rossane, die Serse immer noch liebt, kommt mit einem Brief zu ihm und deckt Sebastes Verschwörung auf. Nachdem sie gegangen ist, kommt Sebaste und verlangt als Belohnung für seine Dienste die Befehlsgewalt über die für den Krieg in Ägypten bestimmten Truppen. Serse zeigt ihm den verräterischen Brief und geht. Sebaste nimmt sich vor, zu fliehen, fürchtet aber, sein Verbrechen immer vor Augen haben zu müssen.
Der prächtige Sonnentempel mit einem Altar in der Mitte, auf dem das heilige Feuer brennt und der für den Eidschwur vorbereitete Becher steht
Serse, Aspasia, Neocle, die Satrapen, die Wache und das Volk treten auf. Rossane, Lisimaco und sein griechisches Gefolge kommen hinzu. Aufgrund ihres Verhaltens erkennt Serse, dass Aspasia und Lisimaco sich lieben. Als Serse Temistocle zum Zeichen der erneuerten Freundschaft umarmen möchte, erklärt Temistocle seinen Entschluss, Gift zu nehmen und zieht dieses hervor. Er bittet Lisimaco, dem Vaterland von seiner Treue zu berichten. Anschließend bittet er Serse, seinen Zorn aufzugeben, verabschiedet sich von allen und nimmt den Becher. Serses ist beeindruckt. Er reißt ihm den Becher aus der Hand und schwört Griechenland ewigen Frieden. Auch Sebaste wird verziehen. Außerdem verzichtet er auf Aspasia und erklärt Rossane seine Liebe. Aspasia kann wieder mit Lisimaco zusammenkommen. Zum Abschluss der Oper preist der Chor Großmut und Tugend.
Geschichte
Aufgrund der verwendeten Namen und Ereignisse ist anzunehmen, dass die wichtigste historische Quelle das Kapitel Themistokles – Camillus aus den Vitae parallelae des Plutarch bildet. Weitere klassische Quellen sind das elfte Buch der Bibliotheca von Diodor, das erste Buch der Historiae von Thukydides, Justins Auszug des zweiten Buchs von Pompeius Trogus’ Historiae Philippicae und das Kapitel Themistokles aus den Vitae von Cornelius Nepos.
Zu den literarischen Vorlagen gehören Pierre Du Ryers Tragödie Thémistocle von 1648 und die Libretti Temistocle in bando von Adriano Morselli (vertont 1682 von Antonio Giannettini) und Temistocle von Apostolo Zeno (zuerst vertont 1701 von Marc’Antonio Ziani). Bei Zeno findet die Handlung am Hof von Xerxes Sohn und Nachfolger Artaxerxes I. statt, wie es auch in den Nepos’ Vitae steht. Metastasio hält sich in diesem Punkt an seine Hauptquelle Plutarch, der Xerxes I. selbst nennt.
Nach der ersten gut aufgenommenen Vertonung durch Antonio Caldara hatte insbesondere die Fassung von Johann Christian Bach, für die das Libretto von Mattia Verazi angepasst worden war, einen großen Erfolg. Sie wurde 1772 in Mannheim mit einer erstrangigen Besetzung aufgeführt, darunter der Tenor Anton Raaff als Temistocle und die Sopranistinnen Dorothea Wendling als Aspasia und Elisabeth Wendling als Rossane. Eine französische Bearbeitung von Étienne Morel de Chédeville wurde 1785 als Tragédie lyrique mit der Musik von François-André Danican Philidor unter dem Namen Thémistocle in Schloss Fontainebleau gegeben., abgerufen am 29. Dezember 2014., abgerufen am 29. Dezember 2014.
Vertonungen
Folgende Komponisten legten dieses Libretto einer Oper zugrunde: