miniatur|Teller der Sukhothai-WareUnterglasurvezierung, 14./15. Jh.Musée Guimet, Parisminiatur|Dose der Sawankhalok-WareUnterglasurverzierung, 16. JahrhundertLos Angeles County Museum of Art Unter der Sukhothai- und Sawankhalok-WareAndere verwendete Bezeichnungen bzw. Schreibweisen sind Sawankalok, Sawankaloke, Sangkalok, Sangkhalok, Savankhalok, Savankalok, Sangalok, Sawankhaloke, Sankalok. () versteht man glasierte monochrome Celadon- sowie mit Unterglasurfarben dekorierte Steinzeuge, die vom ausgehenden 13. bis zum 16. Jahrhundert von Töpfereibetrieben um die damaligen Hauptstädte Sukhothai und Si Satchanalai des antiken Königreichs Sukhothai, im heutigen Gebiet von Zentral- und Nordthailand produziert wurden (und in Fortsetzung dieser Traditionen in kleinerem Maße bis heute produziert werden). Der Name Sawankhalok-Ware ist dabei insofern ein wenig irreführend, als er sich nicht auf den antiken Produktionsort Si Satchanalai bezieht, sondern auf die nahegelegene Nachfolgesiedlung Sawankhalok.
Überregionale Bedeutung erlangten diese qualitativ hochwertigen, gleichwohl als Massenware produzierten Keramiken dadurch, dass sie über nahezu den gesamten östlichen, südöstlichen und südlichen Teil des asiatischen Kontinents und darüber hinaus bis nach Arabien und an die ostafrikanischen Küsten gehandelt wurden. Für die archäologische Forschung sind sie dadurch auch insofern von besonderem Interesse, als die Funde in vielen verschiedenen Ländern und in gesunkenen Schiffswracks Rückschlüsse auf die Handelsbeziehungen und -routen der damaligen Zeit erlauben.Roxanna M. Brown: The Sukhothai and Sawankhalok Kilns. In: Dies.: The Ceramics of South-East Asia. Their Dating and Identification. 2nd edition. Art Media Resources, Chicago 2000, ISBN 1-878529-70-6, S. 56–80.
Ursprung und Entwicklung Das Königreich Sukhothai erkämpfte 1238 die Unabhängigkeit von den Khmer und erreichte unter dem dritten König Ramkhamhaeng (1279 bis 1298) seine wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit. In dieser Phase wurden der Überlieferung zufolge auch chinesische Töpfer ins Reich geholt, um diesem zu einer eigenständigen Keramikproduktion zu verhelfen. Die zugewanderten Töpfer standen in zwei verschiedenen Traditionen der chinesischen Celadon-Ware und legten dadurch den Grundstein dafür, dass sich diese Traditionen an den neuen Produktionsstätten Sukhothai (Töpfer der Tz'u Chou Tradition) und Si Satchanalai (Töpfer der Lung-Chuan Tradition) zu neuen Varianten weiterentwickeln konnten.Sman Yardhanabhuti: A Note on Celadon Ware of Sukhothai. Journal of the Siam Society Vol. LVII, Part 1, Bangkok 1969, S. 333f. Inwieweit die chinesischen Töpfer noch auf ältere lokale Khmer-Traditionen aufbauen konnten, bleibt infolge des Fehlens entsprechenden Fundmaterials und angesichts divergierender Technologien ungewissRoxanna M. Brown: The Sukhothai and Sawankhalok Kilns. In: Dies.: The Ceramics of South-East Asia. Their Dating and Identification. 2nd edition. Art Media Resources, Chicago 2000, ISBN 1-878529-70-6, S. 57.. Ebenfalls werden in der jüngeren Forschung die AnfangsdatierungDawn F. Rooney: Folk Pottery in South-East Asia. Oxford University Press, Singapore 1987, ISBN 0-19-588866-9, S. 26f., die Bedeutung und der Einfluss der chinesischen Töpfer sowie weitere bisherige Lehrmeinungen kontrovers diskutiertDawn F. Rooney: A Field Guide to Glazed Thai Ceramics. Asian Perspectives, Vol. 28, No. 2. University of Hawaii Press, 1990, S. 125–144.Don Hein, Peter Burns & Dick Richards: An Alternative View on the Origins of Ceramics Production at Si Satchanalai and Sukhothai, Thailand. SPAFA Digest 7,1 Bangkok 1986, S. 22–33..
Ältere Forschungen mit einem rein historischen Ansatz waren noch davon ausgegangen, dass die Produktion von Sukhothai- und Sawankhalok-Ware bald nach dem Niedergang des Königreichs Sukhothai, das 1374 erstmals eine Invasion durch die Truppen des Königreichs Ayutthayas über sich ergehen lassen musste und ab 1420 endgültig als Vasallenstaat in diesem aufging, zum Erliegen gekommen sein müsse. Neuere archäologische Forschungen und die Funde von SchiffswracksSten Sjostrand & Claire Barnes: Turiang. A 14th century Chinese shipwreck, upsetting Southeast Asian ceramic history. JMBRAS Vol. LXXIV Part 1, Kuala Lumpur 2001, S. 71–109 bzw. Sten Sjostrand/Adi Taha/Roxanna M. Brown/Claire Barnes: Turiang. A 14th century Chinese shipwreck, upsetting Southeast Asian ceramic history. Auf der Webpräsenz maritimeasia.ws, abgerufen am 25. Dezember 2014. sprechen jedoch eindeutig dafür, dass die Keramikproduktion an beiden Standorten mit unverminderter Qualität und Quantität bis weit ins 16. Jahrhundert hinein fortgesetzt wurde. Ihr Niedergang erfolgte vermutlich erst infolge des Siamesisch-Birmanischen Krieges von 1563 bis 1569 und dem zeitgleichen Ende der isolationistischen Außenhandelspolitik der chinesischen Ming-Dynastie (1567), wodurch große Mengen chinesischer Konkurrenzprodukte auf die asiatischen Märkte drängten.Roxanna M. Brown: The Sukhothai and Sawankhalok Kilns. In: Dies.: The Ceramics of South-East Asia. Their Dating and Identification. 2nd edition. Art Media Resources, Chicago 2000, ISBN 1-878529-70-6, S. 58.
Die Erforschung der Keramiken Südostasiens insgesamt befindet sich seit nunmehr gut drei Jahrzehnten in einer äußerst dynamischen Phase und lässt aufgrund der rapiden Zunahme an geborgenen Wracks von Handelsschiffen und sonstigen, zum Teil weit von den Produktionsstätten entfernt gelegenen Fundplätzen auch in Zukunft noch mancherlei Überraschungen erwarten. Dies gilt umso mehr, als die Fundinventare bislang nur teilweise ausgewertet werden konnten.Offizielle Webpräsenz der Southeast Asian Ceramic Society, Singapore, abgerufen am 25. Dezember 2014.
Herstellungsprozess Die Sukhothai- und Sawankhalok-Ware gehört in der Klasse der keramischen Sinterzeuge zur Unterklasse der Steinzeuge, und darin wiederum zur Gruppe der Feinsteinzeuge. Diese Keramiken sind extrem hart, nahezu vollständig durchgesintert und dadurch wasserundurchlässig. Zur Erzielung ihrer durchaus dem Porzellan vergleichbaren keramischen Eigenschaften sind Brenntemperaturen von 1250 °C bis 1300 °C erforderlich, bei denen die Herstellung in einem einzigen Brand erfolgt.Dawn F. Rooney: Ceramics in Southeast Asia. In: Helaine Selin (Hrsg.): Encyclopaedia of the History of Science, Technology, and Medicine in Non-Western Cultures. 2nd edition. Springer, Berlin u. a. 1997, ISBN 978-1-4020-4559-2, S. 77–87.
Zu dieser Herstellung wurden an beiden Produktionsorten dreigliedrige Öfen (engl.: „Kilns“) verwendet, die sich im Laufe der Zeit von relativ einfachen, in die Erde gegrabenen Höhlen über Zwischenformen zu vollständig durchkonstruierten, oberirdischen Backsteinöfen entwickelten. Da dabei die jeweils jüngeren auf den älteren angelegt wurden, bildeten sich auch heute noch gut sichtbare Erdhügel im Gelände. Den vordersten und am tiefsten gelegenen Bereich der dreigliedrigen Ofenkonstruktionen bildete die Feuerungskammer, auf die der größte, auf höherem Niveau gelegene und überkuppelte Raum mit dem Brenngut folgte. Dieser Raum wiederum ging an seinem Ende mit einer Abzugseinrichtung in einen Kamin über.Don Hein: Ceramic Kiln Lineages in Mainland Southeast Asia. Freer Gallery of Art and Arthur M. Sackler Gallery, Washington, 2008.
Lage der Produktionszentren mini|Sukhothai und Si Satchanalaiim Staatengefüge Siamsdes späten 13. Jahrhunderts Die Produktionszentren der Sukhothai- und Sawankhalok-Ware beschränkten sich nach den bisherigen Ausgrabungsergebnissen auf die Königsstädte Sukhothai und Si Satchanalai. Bei beiden Städten befanden sich die Brennöfen außerhalb der eigentlichen Siedlungsbereiche, vermutlich aus Gründen des Feuerschutz, wie man es auch von anderen Kulturen her kennt.
Sukhothai Zur Hauptstadt Sukhothai gehörte ein Produktionszentrum (Tao Thuriang, , ) am nördlichen Rande der antiken StadtTuriang Kilns: . Es befand sich unmittelbar nördlich des Wat Phra Phai Luang, erstreckte sich in Ost-West-Ausdehnung über eine Länge von rund 700 Metern und wurde in späterer Zeit im Osten vom Wat Tao Thuriang überschnittenWat Tao Thuriang: . In diesen Bereichen wurden insgesamt 51 Brennöfen festgestellt, von denen jedoch nur elf die Voraussetzungen besaßen, die für die Herstellung von Celadon-Keramik notwendigen hohen Temperaturen zu erreichen. Insgesamt werden rund 100 Kilns vermutet.
Si Satchanalai In Si Satchanalai betrug die Produktionskapazität das sechs- bis siebenfache verglichen mit der von Sukhothai. Die Töpferbezirke von Si Satchanalai erstreckten sich über mehrere Kilometer unmittelbar westlich des Mae Nam Yom, an dessen schlickigen Uferbänken auch der zur Keramikherstellung benötigte Ton gewonnen wurde. Insgesamt kann von 600 bis 700 Brennöfen in diesem Gebiet ausgegangen werden. Die beiden größten Töpferzentren bildeten sich in Ban Pa Yang und Ban Ko Noi, knapp einen beziehungsweise rund vier Kilometer nördlich der Stadtmauern von Si Satchanalai.
Produktionsspektrum miniatur|Braune Sawankhalok-Ware,Flasche mit zwei Schulterösen,Si Satchanalai, 1400–1600,Los Angeles County Museum of Art Die folgende Einteilung orientiert sich an der Klassifizierung (1990) durch Dawn F. Rooney, Kunsthistorikerin am Center for Khmer StudiesOffizielle Webpräsenz des Center for Khmer Studies in Siem Reap. Roxanna M. Brown, ehemalige Direktorin des Southeast Asian Ceramics MuseumsOffizielle Webpräsenz des Southeast Asian Ceramics Museums der Universität Bangkok in Pathum Thani, nahm in ihrem Standardwerk (1987, 2000²) eine zum Teil weitergehende Differenzierung vor. TypSukhothaiSi SatchanalaiMonochrom braun oder schwarzneinjaMonochrom grün (= Celadon)neinjaMonochrom weißjajaZweifarbig eingeritzt braun in weißneinjaZweifarbige Unterglasurtechnik braun/schwarz und grünneinjaZweifarbige Unterglasurtechnik braun/schwarz und weißjaja
Monochrome, braune oder schwarze Ware Nur in Si Satchanalai produzierte, von honigfarben über mittel- bis dunkelbraun ausfallende Keramik. Die Dekoration besteht aus eingeritzten, horizontal verlaufenden Bändern. Die Produktpalette setzt sich aus kugelförmigen Flaschen mit zwei Henkeln, kürbisförmigen Vasen, Vorratskrügen, bauchigen Krügen und figürlichen Darstellungen zusammen.
Monochrome Celadonware miniatur|Fehlbrände von Celadonschüsseln,Si Satchanalai, 14.–15. Jahrhundert,Los Angeles County Museum of Art miniatur|Zweifarbige, braun in weiß eingeritzte Ware aus Si Satchanalai.Architekturelement in Gestalt dreier Schlangen,Los Angeles County Museum of Art Celadon wurde nur in Si Satchanalai, nicht jedoch in Sukhothai produziert. Celadon erscheint in gelblich-grünen, olivgrünen und türkisen Farbnuancen. Die Glasur wirkt glasig-transparant und neigt immer zu Haarrissen. Dekorationen existieren in Form von vertikal verlaufenden Rillen, eingeschnittenen einzelnen Blumen, Lotusblättern, Rosenblüten und sich wellenden Ranken. Das Formenspektrum umfasst Teller, große und kleine Schüsseln, Töpfe mit und ohne Henkeln, Flaschen mit und ohne Ausgießvorrichtung, Krüge, Vasen, Kendi (Vorratsgefäße für heiliges Wasser)Dawn F. Rooney: Kendi in the Cultural Context of Southeast Asia. A Commentary auf der offiziellen Webpräsenz von Dawn F. Rooney, abgerufen am 27. Dezember 2014., Figuren und Miniaturen.
Monochrom weiße Ware Diese Ware wurde in beiden Städten hergestellt. Die Produkte aus Si Satchanalai besitzen eine glattweiße, harte und opake Glasur. Sie sind mit geingfüg eingeritzten, geometrischen Bändern verziert. Es kommen Krüge mit Deckeln und Henkeln, Schüsseln, Flaschen, Kendi, Dachverzierungen und Tierfiguren vor. Aus Sukhothai liegen diese Keramiken mit transparenter, gelbstichiger Glasur vor. Sie sind dort grundsätzlich unverziert. Schüsseln und Flaschen sind die vorherrschenden Formen.
Zweifarbige, braun in weiß eingeritzte Ware