mini|Alex Kempkens Selbst-Portrait, 2021, Alex geht durch den Spiegel

Alex Kempkens (eigentlich Alexander Kempkens; * 24. September 1942 in Linz am Rhein) ist ein deutscher Fotograf, Fotojournalist und Computerkünstler. Er schreibt Artikel und kuratiert Ausstellungen. Kempkens ist Autodidakt.

Leben Unkel am Rhein und Düsseldorf Alex Kempkens wuchs während des Zweiten Weltkriegs in Scheuren auf. Ab 1947 lebte er in Gerresheim. Seine erste Kamera erhielt er 1951. Im Alter von 14 Jahren begann er eine Lehre als Starkstromelektriker bei den Mannesmannröhren-Werken im Düsseldorfer Stadtteil Rath. Neben seiner Arbeit als Starkstromelektriker fotografierte er mit einer Voigtländer-Kamera, die er von seiner Mutter erhalten hatte. Er absolvierte einen Kurs für Fotolaborarbeit an der Volkshochschule und kaufte sich eine einfache Laboreinrichtung. Ab 1962 wurden seine Fotografien in den Bilderschauen zum Deutschen Jugendfotopreis auf der Photokina gezeigt.Hanns Hubmann: Bildjournalismus, Zwei Aktuelle. In: foto magazin, September 1970, S. 16.

Er besuchte das Abendgymnasium, verließ es aber vor dem Abschluss, um im Oktober 1966 ein zweijähriges Volontariat bei Jürgen Retzlaff, Düsseldorfer Nachrichten, als Bildberichterstatter zu beginnen. Im zweiten Jahr des Volontariats arbeitete er in der Neusser Lokal Redaktion.

Kempkens reiste ab 1965 regelmäßig nach Prag. Er besuchte dort tschechische Bergsteigerfreunde, die er 1964 im Tatra kennengelernt hatte. Am 1. Mai 1967 war er wieder in Prag und fotografierte als Bildberichterstatter die 1.-Mai-Parade. Statt Fotos von Panzern und marschierenden Soldaten zeigten seine Fotos junge Soldaten, die Blues spielten und mit ihren Freundinnen zusammen in der Parade spazierten. Es war Frühling in Prag und die jungen Soldaten zeigten, dass sie den Prager Frühling bereits lebten. Ein Foto wurde in den Düsseldorfer Nachrichten nach seiner Rückkehr veröffentlicht.Düsseldorfer Nachrichten, Nr. 102 vom 4. Mai 1967, S. 3.

Im August 1968 reiste er mit Jochen M. Raffelberg, der ebenfalls Volontär bei den Düsseldorfer Nachrichten war, nach Biafra. Ihre Reportage über den Biafra-Krieg fand überregionale Beachtung.Alex Kempkens (Fotos), Jochen M. Raffelberg (Text): Überall diese Bilder des Grauens. In: Düsseldorfer Nachrichten Nr. 196, 197 und 200 vom 23., 24. und 28. August 1968. Fünf der Fotografien wurden am 2. September 1968 auf einer Doppelseite im Magazin Der Spiegel unter dem Titel „Ein Volk stirbt“ veröffentlicht.Katalog zur World Press Exhibition 1968/1969, S. 58 und 60.

München Im November 1968 zog Kempkens nach München, wo er am 1. Dezember bei der Deutschen Presse-Agentur (dpa), als Fotojournalist anfing. Im Januar 1970 wechselte er zur neugegründeten Zeitung Tz.Katalog zur World Press Exhibition 1971–1972, S. 177–180, und 199. Ab Herbst 1971 arbeitete er als Freelance-Fotojournalist in München. Im Sommer 1972 assistierte Kempkens beim Werbefotografen Jan Keetman und arbeitete danach ebenfalls als Werbefotograf.

1973 kam die Architektur- und ab Frühjahr 1975 die Endoskopiefotografie für Architekturmodelle hinzu.Alex Kempkens: Makro-fotografische Einblicke. Professional CamerA, Nr. 3, JV-Journal-Verlag, München 1980, S. 78–81. Seine Endoskopiefotos vom Modell des Neubaus des Bundestages des Architekturbüros Behnisch & Partner erschienen 1976 in der Süddeutschen Zeitung. Die Kunstkritikerin der Zeitung, Doris Schmidt, schrieb eine einseitige Besprechung über den geplanten Neubau des Bundestages in Bonn.Doris Schmidt: Warten auf den Start. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 294 vom 18./19. Dezember 1976, S. 66. In der Bildunterschrift zu den Endoskopfotos notierte sie: „Das ist das erste Mal, dass eine Zeitung endoskopische Bilder eines Architekturmodells veröffentlicht.“ Weitere Veröffentlichungen der Endoskopfotos folgten. Insbesondere seine Endoskopfotos der Planung zur Neugestaltung des Königsplatzes in München führten zu Artikeln über seine Arbeit im P.M. Magazin.Modellfotografie: Mit dem Endoskop ins Reich der Miniwelt. In: P.M. Magazin, Nr. 11 (1978), S. 11.

Er setzte die Endoskopie-Fotografie ebenfalls in der Werbung und für freie Experimente ein.Hermann Pfeiffer: 29. Stuttgarter Kalenderschau Graphik, Verlag Karl Thiemig, B 20341 E, März 1979, S. 1 und 22. Im Januar 1980 hatte er eine Ausstellung seiner Endoskopfotos in München. Darauf folgte erneut eine Serie von Veröffentlichungen in deutschen Magazinen, wie beispielsweise im ZEITmagazin.Eva Kirschenhofer: Ansichten aus der Ameisenperspektive. In: Zeitmagazin, Nr. 23 vom 30. Mai 1980, S. 38–39. Im Magazin ProfiFoto schrieb Jürgen G. Gumprich: „Und es ist wohl Alex Kempkens Verdienst, diese gemeinhin der Medizin zugerechnete Technik Endoskopie hierzulande sozusagen hoffähig gemacht zu haben.“Jürgen G. Gumprich: Alex Kempkens, Endographie. In: ProfiFoto, Nr. 4 (1981), S. 36–41. Gumprich bezieht sich mit dieser Aussage auf die Veröffentlichungen in fast allen damaligen deutschen Fotomagazinen, wie beispielsweise Color Foto, Foto Revue und Nikon-News für Amateur- und Berufsfotografen.

Von Analog zu Digital Kempkens fotografierte 1982 für das P.M. Magazin mit dem Endoskop einen Computermonitor, in den ein Bild von Albert Einstein einmontiert worden war, das mit „Image Processing“-Software manipuliert war. Die Montage der beiden Bilder wurde als Titelbild für das P.M. „Computerheft ’82“ verwendet.Maxim Pouska: Computer – Werbung Grafik-Design und Kunst 1935–2010, BOD, 2011, S. 119–120. ISBN 978-3-8370-6229-8. . Er kontaktierte nach der Veröffentlichung die Redaktion und erhielt die Informationen, die im Dezember 1982 zum Kauf seines ersten Computers führten. Der Computer war ein PDP11/24+ der Firma DEC.

mini|Alex Kempkens arbeitet am Computer PDP11-24+ DEC, 1982 Bereits ab Herbst 1982 experimentierte er mit der „Picture Processing/Image Processing“-Software – das war der damals übliche Name für die Bildverarbeitung und Bildbearbeitung. Im Mai 1983 wurden Bilder seiner Experimente im Magazin Photo Revue zum ersten Mal veröffentlicht.Jean Paul Laub: Programmkunst – Kunstprogramm? In: Photo Revue. Professional CamerA, Mai 1983, S. 138–145. Seine ersten „Digital-Images/Fotos“ wurden von DEC als Einladungskarte zur MesseSystems'83 konnte Rekordzuwächse verbuchen. In: Computerwoche. in München verwendet. Im Januar 1983 wurden im Magazin Chip die digitalen Bilder der Einladungskarte veröffentlicht. Im Artikel „Vom Bild zum Prozess“ schrieb der Autor „Es braucht das Auge eines Künstlers, um neben dem praktischen auch den ästhetischen Nutzen dieser Technik [Image Processing] zu entdecken. […] Das Ergebnis waren Farbbilder in einer Mischung aus Realität und Irrationalem, wie sie kennzeichnend sein können für ein ganzes Zeitalter.“Vom Bild zum Prozess. In: CHIP, 01/1983, S. 45. Der Autor des Artikels sah voraus, dass in den nächsten Jahren die digitalen Bilder, die bis dahin fast ausschließlich in den verschiedensten industriellen, medizinischen und wissenschaftlichen Bereichen eingesetzt wurden, in der Computerkunst neben der Computergrafik einen eigenständigen Platz einnehmen würden. Auf dem Titel der Ausgabe von CHIP wurde für einen Commodore 64 Werbung gemacht.

Die erste Einzelausstellung seiner Experimente wurde unter dem Titel „Digitale Farbfotos“ im Januar 1984 in der „Galerie Kunstlicht“ in München ausgestellt. Die Ausstellung war der Anlass, dass in der ersten Ausgabe des Jahres 1984 die Zeitschrift Form einen vierseitigen Bericht über Kempkens und seine digitalen Kunst- und Werbefotos druckte. In der Einleitung des Artikels stand: „Es ist die klassische Seite der Computer-Grafik: es sind typische Computer-Bilder, diese Beispiele – oder: der Spaß des Künstlers mit dem Computer.“Filewrite! >>Pixles-Spiele<< – mit digitaler Fotografie. In: Form, Ausgabe 105 (1984), S. 42–45. Das von der Redaktion benutzte Wort „Spaß“ bezieht sich auf die damals noch überwiegend vorhandene Angst vor Computern – auch im Berufszweig der Gestaltung.Susanne Päch: Computer-Portraits von Alex Kempkens. In: Novum, September 1985, S. 46–51.

Diese Ausstellung besuchte auch der Fotokünstler Klaus von Gaffron. Gaffron sprach Kempkens an und empfahl ihm, sich beim Berufsverband Bildender Künstler München und Oberbayern e. V. (BBK) als Mitglied zu bewerben. Kempkens folgte dem Rat und wurde aufgenommen. Im Dezember 1985 zeigte er in der Gruppenausstellung „Fotografie Porträt“ in der Galerie der Künstler digitale Fotoporträts.Jutta Tezmen-Siegel, Alex Kempkens: Fotografie – Porträt, BBK – Berufsverband Bildender Künstler München u. Oberbayern, München 1985, OCLC 158602328. Fotografie – Porträt, Galerie der Künstler München, 1985, S. 33.

mini|Plakat zur Ausstellung Bilder Images Digital 1986 in der Münchner Galerie der Künstler; Digital-Bild von Alex Kempkens Landscape 1 Anfang 1985 hatte Kempkens die Idee, eine Gruppenausstellung zur Computerkunst in München in der Galerie der Künstler der Ausstellungskommission des BBK vorzuschlagen. Sein Konzept wurde im Herbst 1985 akzeptiert, und die Ausstellung „Bilder Images Digital“ fand im Oktober 1986 in der Galerie der Künstler statt.Helga Biesel: Berufsverband Bildender Künstler entdeckt Computer als Handwerkszeug. Ausstellung: Digital belebte Kunstwelt. In: Computerwoche vom 14. November 1986. Er organisierte, kuratierte die Ausstellung und zeigte ebenfalls seine eigenen Werke.Copper Giloth, Lynn Pocock-Willians: A Selected Chronology of Computer Arts: Exhibitions, Publications, and Technology. In: Art Journal, Nr. 3 (1990), , S. 292 (englisch). Bilder Image Digital, Galerie der Künstler, München, 1986, S. 34. Zur Ausstellung produzierte er den Katalog „Bilder Images Digital, Computerkünstler in Deutschland ’86“.Alex Kempkens, Barbara Kempkens (Hrsg.): Bilder Images Digital: „Computerkünstler in Deutschland 1986“, Barke Verlag, 1986, Seiten 255, ISBN 3-926167-00-9, ; (). Auf dem Ausstellungsplakat stand als Motto „Der Schwerpunkt der Ausstellung ist die Aussage des Bildes“. Kempkens betonte dies ebenfalls im Vorwort des Kataloges ausdrücklich, als er schrieb „Wir stellen Bilder aus“. Es war von ihm als eine klare Abgrenzung zur Computergrafik geplant, und er dachte dabei an die kommende Dominanz der digitalen Bildwelten.

Parallel zur Ausstellung veranstaltete er ein Symposium und einen Workshop in der Galerie der Künstler. Zum Symposium hatte er unter anderem die ersten Computerkunstpioniere Frieder Nake und Georg Nees eingeladen. Der Moderator des Symposiums war Richard Kriesche. Der Kritiker der Münchner Abendzeitung, Peter M. Bode, schrieb über das Symposium: „Die Computerkünstler streiten sich also, daß die Fetzen fliegen […] so ähnlich leidenschaftlich müssen die Diskussionen gewesen sein, als die Photographie aufkam.“Peter M. Bode: Der Computer malt. In: Abendzeitung vom 25./26. Oktober 1986, S. 11. Der Pionier dieser Kunst, Georg Nees, schrieb in einem Leserbrief an die Zeitung „BilderDigital“: „Mit der größten Befriedigung darf ich sagen, daß ich noch nie in der jungen Geschichte der Computerkunst ein so eindringliches Ereignis erlebt habe, wie das Münchner Symposium.“Georg Nees: Die Situation der Computerkunst in der BRD. In: BilderDigital, Nr. 1 (1988), S. 27. , . Nees hatte für die Ausstellung eine neue Serie von Architekturzeichnungen einer Spielwelt erstellt.Georg Nees: Künstliche Kunst und Künstliche Intelligenz. In: Alexander Kempkens und Barbara Kempkens (Hrsg.): Bilder Images Digital: „Computerkünstler in Deutschland 1986“, Barke Verlag 1986, ISBN 3-926167-00-9, Seiten 58–67 und 112–119. Nees schrieb in seinem Leserbrief ebenfalls, dass ihm die Gespräche mit der jungen Generation der Computerkünstlern beim Symposium gut gefallen hätten.