Der jüdische Friedhof in Landwürden (Gemeinde Loxstedt im Landkreis Cuxhaven in Niedersachsen) ist ein im Jahr 1751 gegründeter und im Jahr 1951 aufgelassener Friedhof.
Geschichte Der Friedhof wurde wohl Ende 1751 begründet als dort als erster Schutzjude vor Weihnachten 1751 Arend Lambert bestattet wurde. Eine Lageskizze ist aus dem Jahr 1800 nachweisbar. Die Geländezuweisung erfolgte durch den damaligen Amtsverwalter. Es folgten im Jahr 1800 eine fragliche geringfügige Verlegung sowie eine Umfriedung des Grundstücks mit einem Graben.Meiners 2001, S. 382.
Zum Schutz des Friedhofs vor herumstreunenden Vieh wandte sich im Jahr 1800 der Schutzjude Elias David aus Eidewarden an das Amt Dedesdorf und bat um eine Genehmigung zur Errichtung einer Hecke und eines Grabens um den Friedhof. Die Gemeinde erinnerte sich daran, dass „vor 50 Jahren ein Bösewicht sich erkühnt hatte, das Aas eines verendeten Pferdes über den Körper eines begrabenen Juden an dieser Stelle zu verscharren.“ Auch sollen Schäden durch Menschenhand entstanden sein.Meiners 2001, S. 391 f. Da die Weide auch von den „kleinen Leuten“ der Bauernschaft genutzt wurde, mussten bei der Genehmigung auch deren Bedürfnisse beachtet werden. Während vor 1746 keine Juden geduldet wurden, habe man sich nun dieser Niederlassung und die Anlegung des Friedhofes „gefallen lassen müssen.“ Nun wollten die Juden auch noch einen eingefriedeten „Kirchhof“ haben, wo doch „noch kein Jude einmal ein eigenen Haus besäße.“ Darüber hinaus führte der Weg der Einwohner von Buttel und Neuenlande über den „Judenkirchhof“ und es sein „nicht erlaubt, daß Christen den jüdischen Leichen Platz machen müßten.“ Befürchtet wurde zudem, dass durch eine Einfriedung „erst recht muthwillige Beschädigungen durch Jugendliche“ zu erwarten seien. Es kam dann doch zur Bewilligung; für die neu ausgewiesene Fläche war ein Grundzins von 24 Groten jährlich zu zahlen. Der Grabenaushub konnte zur Erhöhung des Grundstücks und des Kirchwegs verwendet werden.
Der Friedhof wurde vermutlich bis in das Jahr 1874 belegt. Dies ergibt sich aus den auf den Jüdischen Friedhof in Ovelgönne überführten Grabsteine (hier: Witwe des Elias David, gestorben 1874).Töllner 1983, S. 325.
Der Gemeindevorstand von Dedesdorf berichtet im Jahr 1911 dem Großherzoglichen Amt Brake, dass sich der Friedhof in einem vernachlässigten Zustand befand. Der oldenburgische Landrabbiner David Mannheimer antwortete auf diesen Hinweis mit der Bemerkung, dass es nicht im „Interesse des Ansehens der Juden in der Gesemtheit [liegt], dass solche Stellen wie der fragl. Friedhof durch schlechtes Ansehen nicht öffentliches Aergernis erregen“ solle.Jüdischer Friedhof Landwürden auf Alemannia Judaica
1947 berichtet das Kreisamt Wesermarsch, dass sich der besagte Friedhof in einem sehr vernachlässigten Zustande befindet und die ordnungsgemäße Wiederherstellung bereits im Gange seien. Das Gemeindeamt Landwürden berichtet am 2. August 1947 ausführlicher:
Im Jahr 1950 informiert der Niedersächsische Verwaltungsbezirk Oldenburg den Landkreis Wesermarsch, dass die noch vorhandenen Grabsteine des Jüdischen Friedhofs in Landwürden auf den bestehenden Friedhof in Ovelgönne überführt werden sollen, und bittet den Landkreis Wesermarsch um Unterstützung. Nach Literaturangaben soll es sich dabei um die Grabsteine von
Ansel David Goldberg (14. Juli 1763 – 14. Februar 1835), der Witwe von Elias David († 1874), Hannchen Elias, geb. Koopmann, (11. März 1818 – 13. Februar 1864) und Jacob Elias (19. August 1817 – 3. Mai 1849) handeln.Töllner 1983, S. 315, 325–326; Meiners 1999.
Die Umsetzung der Grabsteine fand 1951 statt.
Heute gibt es an dieser Stelle keinen Hinweis mehr auf einen früheren jüdischen Friedhof in Landwürden.
Lokalisation
In der Chronik von Landwürden und der Kirchengemeinde Dedesdorf aus dem Jahr 1925 wird die Umgebung des Friedhofes wie folgt beschrieben:Ramsauer 1925, S. 130.
Meiners bezeichnet den Standort wie folgt: Südlich von Dedesdorf (Dedesdorfer Feld), bei der ‚Kreuzhelmer‘ (Dreieck in der Wegegabelung nach Oldendorf und Buttel).Meiners 2001, S. 382, Fußnote 199.
Die genaue Lokalisation kann heute nicht mehr einwandfrei ermittelt werden. Nach Überprüfung von historischen Akten und heutigen Geodaten kann sie auf eine Kreuzung an der Bütteler Straße (Kreisstraße 50) und einem Feldweg lokalisiert werden.
Literatur Werner Meiners: Nordwestdeutsche Juden zwischen Umbruch und Beharrung. Judenpolitik und jüdisches Leben im Oldenburger Land bis 1827. Hahn, Hannover 2001, ISBN 3-7752-6004-8. Werner Meiners: Der jüdische Friedhof von Ovelgönne – historische und aktuelle Konflikte. In: Das Land Oldenburg. Nr. 104, III. Quartal 1999, S. 8–11. Falk-Reimar Sänger: Die jüdischen Friedhöfe im Regierungsbezirk Lüneburg. In: Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen. 18 (1998), Nr. 4, S. 166–168. Daniel Ramsauer: Chronik von Landwührden und der Kirchengemeinde Dedesdorf. Bremerhaven . Daniel Ramsauer: Von den Juden in Dedesdorf. In: Jahrbuch für die Geschichte des Herzogtums Oldenburg. Band 11. 1902, S. 144–151.
Weblinks Landwürden (Dedesdorf, Eidewarden) (bis 1974 Landkreis Wesermarsch, seitdem Landkreis Cuxhaven, Niedersachsen) auf alemannia-judaica.de Dedesdorf. Gemeinde Loxstedt, Landkreis Cuxhaven. In: Übersicht über alle Projekte zur Dokumentation jüdischer Grabinschriften auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland. hier: Niedersachsen
Einzelnachweise
Landwurden Landwurden Kategorie:Erbaut in den 1750er Jahren Kategorie:Sakralbau in Loxstedt Landwurden