Dieser Artikel stellt die Einsatzgeschichte der Straßenbahnfahrzeuge in Augsburg dar und gibt detaillierte Fahrzeuglisten wieder. Hier sind Einzelheiten über die Straßenbahnfahrzeuge bzw. -Typen, die in Augsburg eingesetzt werden und wurden, über aktuelle Arbeitswagen und die heute noch vorhandenen historischen Fahrzeuge aufgestellt. Ein Überblick über deren Einsatzgeschichte in Augsburg, deren Technik und über besondere Vorkommnisse in Augsburg sind hier ebenfalls zu finden.
Straßenbahnfahrzeuge Augsburgs
Gegenwärtiger Bestand + Typ Baujahr Anzahlbeschafft Anzahlaktuell Fahrzeug-nummern Länge M8C 1985 12 1 (8006 geplant für den musealen Einsatz) 8001 8012 26,64 m GT6M Prototyp 1993 und die Serienfahrzeuge 1996 12 (davon 1 Prototyp und 11 Serienfahrzeuge) 2 601 I und 601 II 611 27 m NF8 Combino 2000 und 2002 41 41 821 865 42 m CF8 CityFlex 2009 und 2010 27 27 871 897 40,6 mStadler Tramlink 2023, 2024 und 2026 15 bestellt 6 901 915 41,99 m
M8C mini|links|Wagen 8007 mit versehentlich ausgefahrenen Schiebetritten mini|hochkant|Nicht ausgefahrener Schiebetritt
Im Mai 1980 wurde von der Essener Verkehrs-AG der M8C-Wagen 1114 ausgeliehen und im gesamten Netz getestet. Daraufhin fiel die Entscheidung, diesen Typ für Augsburg zu bestellen. Die zwölf Stadtbahnwagen wurden 1985 von Düwag in Zusammenarbeit mit MAN produziert. Die Zweirichtungsfahrzeuge ersetzten zwischen 1985 und 1989 die ersten acht GT5 und sind mit automatischen Schiebetritten ausgestattet. Eine Augsburger Besonderheit sind die zusätzlichen Einstiege im Mittelteil. Ein geplanter Umbau für Traktionsbetrieb wurde wieder verworfen.
Die ersten beiden M8C – 8010 und 8011 – wurden 2010 ausgemustert. 8001, 8003 und 8012 folgten 2012. Die Wagen 8001 und 8011 gingen im April 2012 an die Straßenbahn Darmstadt, wo aus 8001 ein Schleifzug entstehen soll, während 8011 als Ersatzteilspender diente und 2014 verschrottet wurde. Die Wagen 8003, 8010 und 8012 wurden im April 2013 zum Stückpreis von 13.000 Euro an die Straßenbahn im polnischen Elbing verkauft und am 13. Mai 2013 aus Augsburg abtransportiert. Dort wurden sie modernisiert und erhielten neue Niederflur-Mittelteile.
Während des zweiten Königsplatz-Umbaus waren die sieben verbliebenen M8C nur in Ausnahmefällen im Einsatz, das heißt an Schultagen morgens als Verstärker auf der Linie 13 im Abschnitt Haunstetter Straße – Haunstetten West.augsburger-allgemeine.de Seit Dezember 2013 fahren die letzten Hochflurwagen Augsburgs an Schultagen wieder ganztägig auf den Linien 1, 2, 4 und – in Ausnahmefällen – auf der Linie 6. Außerdem morgens an Schultagen als Verstärker zwischen Bürgermeister-Bohl-Straße und Königsplatz sowie zwischen Königsplatz und Universität. Im Laufe des Jahres 2014 kamen sie dabei aufgrund zahlreicher Ausfälle von Niederflurwagen verstärkt zum Einsatz.
Mit Stand Herbst 2018 sind nur noch drei M8C-Fahrzeuge (8005, 8006 und 8007) im Linienverkehr eingesetzt. Der noch vorhandene Rest wurde inzwischen abgestellt. Man verfolge immer noch das Ziel der 100-prozentigen Niederflurflotte. Dieses Ziel musste aufgrund von Wagenmangels (einsatzbereiter Fahrzeuge) jedoch bislang immer wieder verschoben werden. Seit der Ausdünnung des Fahrplans zu Beginn der Corona-Pandemie sind M8C nicht mehr im Einsatz. Zu Beginn des 9-€ Tickets wurde ein Fahrzeug als Verstärker eingesetzt. Aufgrund der nur geringfügig gestiegenen Auslastung wurden die M8C bereits nach zwei Tagen wieder aus dem Verkehr gezogen und seit dem nicht mehr planmäßig eingesetzt. Der Wagen 8006 wird als Museumsfahrzeug erhalten bleiben. 8005 und 8007 sind nicht betriebsfähig im Betriebshof abgestellt und werden 2024 durch die neuen Fahrzeuge von Stadler Rail ersetzt.
GT6M mini|GT6M vor der Unterführung Pferseer Straße
Mit den 27 Meter langen, dreiteiligen und sechsachsigen GT6M wandte sich Augsburg der Niederflurbauweise zu, den Prototyp mit der Nummer 601 lieferten MAN und AEG am 29. Januar 1993 an. Das Fahrzeug wurde intensiv auf allen Linien erprobt, am 27. Juli 1993 TÜV Süd für den Linienverkehr freigegeben und fortan auf der Linie 4 eingesetzt. Ursprünglich war geplant das Fahrzeug optisch und technisch an die Serienwagen anzupassen. Jedoch war der erste GT6M am 7. Dezember 1995 in einen schweren Unfall verwickelt, woraufhin er ausgemustert und am 23. Dezember 1995 an den Hersteller zurückgegeben wurde. 2001 gelangte der Prototyp schließlich zu Siemens nach Krefeld, sein weiterer Verbleib ist unbekannt.
Wegen der Ausmusterung des Prototyps erhöhten die Stadtwerke am 18. Dezember 1995 die Bestellung der ursprünglich geplanten zehn Serienfahrzeugen auf elf. Die Wagen mit den Nummern 601II–611 wurden von Adtranz hergestellt und bis Ende Oktober 1996 ausgeliefert. Die letztgelieferte Bahn (611) war ursprünglich als vierteiliger Achtachser geplant, wurde aber dennoch als Sechsachser ausgeführt. Die GT6M wurden für die damals neue Linie 3 beschafft. Die Tests mit dem Prototyp ergaben zudem, dass die neuen Wagen damals auch nur auf dieser Linie eingesetzt werden konnten. Nach dem Umbau der Wertachbrücke konnte dieser Fahrzeugtyp nicht mehr auf der Linie 4 eingesetzt werden. Aufgrund konstruktiv bedingter Einschränkungen entfiel die Linie 1 wegen des Perlachbergs ebenfalls als Einsatzmöglichkeit.
Aufgrund dieser Einsatzbeschränkung war zwischenzeitlich ein Weiterverkauf der GT6M angedacht. Dies unterblieb jedoch, da man eine Rückforderung der Fördergelder fürchtete. Erst mit Inbetriebnahme der Linie 6 erhielten sie 2010 wieder ein neues Einsatzgebiet.
Ebenfalls 2010 wurden bei drei von 66 Radführungsschwingen Haarrisse in Schweißnähten festgestellt, die von Bombardier repariert wurden. Nachdem dieses Problem auch bei anderen Einsatzbetrieben dieses Typs aufgetreten ist, empfahl der Hersteller seinen Kunden den Einbau von automatischen Überwachungssystemen mittels Luftdruck, die erneut auftretende Haarrisse rasch erkennen können.augsburger-allgemeine.deMichael Hörmann: Elf Straßenbahnen weiter aus Verkehr gezogen: Unmut bei Fahrgästen. In: Augsburger Allgemeine, 9. Januar 2014; abgerufen am 29. Dezember 2014. Im Januar 2014 legte die Technische Aufsichtsbehörde (TAB) die Augsburger GT6M vorübergehend still, weil dieser Einbau nicht genehmigt war.
Während des zweiten Königsplatz-Umbaus verkehrten die GT6M nur ausnahmsweise, das heißt an Schultagen morgens als Verstärker. Da sie die temporär eingerichtete Linie 13 wegen des Perlachberg-Problems nicht durchgängig bedienen konnten, beschränkten sich diese Einsätze auf den Abschnitt Haunstetter Straße – Haunstetten West. Darüber hinaus fuhren sie 2013 erstmals wieder auf der Linie 9.augsburger-allgemeine.de Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2013 waren sie meist während des Fünf-Minuten-Takts im Einsatz, seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2014 auch außerhalb des Fünf-Minuten-Takts.
Seit 2013 läuft die Modernisierung der GT6M beim Unternehmen IFTEC.tram-info.de Die modernisierten Wagen bekamen neue Haltestangen, neue Polsterbezüge und einen Bildschirm für Fahrgastinformationen, wie ihn die CityFlex bereits serienmäßig besitzen. Zudem verfügen sie über eine mobile Rollstuhlrampe beim vorderen Einstieg und sind etwas leiser. Wagen 602 wurde ferner als erster mit einer Videoüberwachung nachgerüstet. Im Dezember 2014 kehrten die beiden zuerst modernisierten Wagen wieder in den Linieneinsatz zurück. Die 2014 modernisierten Wagen wurden noch nicht freigegeben.tram-info.de 2014 wurde dieser Fahrzeugtyp meist auf der Line 6 und nur in seltenen Einzelfällen auf seiner ehemaligen Stammlinie 3, sowie auf der Messelinie 9 eingesetzt. Dies war auch 2015 noch so gegeben.
Aufgrund des Alters von inzwischen 22 Jahren (2018) und der fehlenden Tunneltauglichkeit (Sicherungstechnik im Bordsystem) dieser Fahrzeuge ist die Ausmusterung mit der Fertigstellung des Bahnhofstunnels im Jahr 2023 geplant. Der für diese Fahrzeuge nötige technische Nachrüstsatz für die Tunneltauglichkeit sei aufgrund des Alters der Fahrzeuge nicht mehr auf dem Markt erhältlich. Der Einsatz der Fahrzeuge war zumeist auf der Linie 3. Seit Inbetriebnahme der Linie 6 werden die GT6M aufgrund ihrer geringen Kapazität auf dieser Linie eingesetzt. Aufgrund von Wagenmangel (einsatzbereiter Fahrzeuge) werden diese Fahrzeuge jedoch montags bis samstags (außer an Feiertagen) vereinzelt auch wieder auf der Linie 3 eingesetzt.
Bis Juli 2022 wurden die GT6M an Schultagen auf der Linie 6 und den Schulverstärkern der zeitweisen kombinierten Linie 3+6 im Abschnitt Fussball-Arena-Königsplatz-Bgm.-Bohl-Straße eingesetzt. Seit September 2022 können bzw. dürfen die GT6M nur noch mit Sondergenehmigung (Umstellung ZUB) auf der Linie 6 eingesetzt werden.
Die Fahrzeuge wurden 2023 an die Straßenbahn Zagreb zu einem Gesamtpreis von 2,7 Mio. € und einen Stückpreis von 245.000 € verkauft, wobei die Lieferung zwischen Oktober 2023 und Dezember 2024 stattfinden soll.
NF8 Combino mini|Combino Nummer 832 im Einsatz auf der Linie 3
Längster Augsburger Straßenbahnwagen ist der 42 Meter lange Combino von Siemens, in Augsburg als NF8 bezeichnet. Die Lieferung der 41 wiederum niederflurigen Fahrzeuge erfolgte in den Jahren 2000 und 2002. Nach größeren technischen Problemen in der Anfangszeit (undichtes Dach, Schwachstellen und Risse in der Karosserie) befinden sich, nach einer Sanierung beim Hersteller, alle Fahrzeuge im Linienverkehr. Die Combinos fahren auf allen Linien und ersetzten die ersten Stuttgarter GT4 sowie die letzten GT5. Von 2012 bis 2020 fuhr Wagen 822 jährlich in der Adventszeit als Christkindl-Tram mit Weihnachtsmotiv auf den fünf regulären Straßenbahnlinien.
CF8 CityFlex mini|CityFlex
Der modernste Straßenbahntyp Augsburgs sind die 27 in den Jahren 2009 und 2010 gelieferten Cityrunner von Bombardier Transportation, die vor Ort als CityFlex oder CF8 bezeichnet werden. Erstmals in der Geschichte der Augsburger Straßenbahn verfügt dieser Typ durchgehend über Klimaanlagen. Bis auf drei Wagen wurde die Option auf weitere Fahrzeuge eingelöst. Nach einer von technischen Defekten geprägten Inbetriebnahmephase – unter anderem Türstörungen – befinden sich mittlerweile alle CF8 im Linienverkehr. Sie ersetzten die letzten Stuttgarter GT4, alle GT8 – wobei bis auf ein Fahrzeug wegen befürchteter Ausfälle durch Defekte alle GT8 von 2010 bis 2012 als Reserve abgestellt vorgehalten wurden – sowie einen Teil der M8C. Am 11. Juni 2012 wurde Wagen 883 bei einem Unfall mit einem Sattelschlepper so schwer beschädigt, dass drei Segmente neu gebaut werden mussten.augsburger-allgemeine.deStadtZeitung vom 20. Juni 2012; Fahrgäste im Scherbenregen Die CF8 verkehren auf allen Augsburger Straßenbahnlinien. Wagen 890 ist seit 2021 in der Adventszeit als Christkindltram unterwegs und verkehrt täglich wechselnd auf allen Linien.
Stadler Tramlink
2019 bestellten die Stadtwerke als Ergebnis einer europaweiten Ausschreibung 11 Fahrzeuge des Typs Tramlink bei Stadler zum Einsatz ab 2022. Hinzu kamen Optionen für bis zu 16 weitere Triebwagen, von denen 4 abgerufen wurden. Der Fahrzeugtyp wird in Augsburg TL8 genannt. Der erste Tramlink traf wegen der COVID-19-Pandemie, des Russischen Überfalls auf die Ukraine seit 2022 und der dadurch unterbrochenen Lieferketten jedoch erst im August 2023 in Augsburg ein. Auch die Zulassung verzögerte sich stark und wurde erst Ende März 2026 erteilt. Der Fahrgasteinsatz des ersten Tramlink war am 13. April 2026. Zu diesem Zeitpunkt waren 4 Fahrzeuge in Augsburg. Die Inbetriebnahme weiterer 5 war für 2026, die der restlichen für 2027 erwartet.
Arbeitswagen mini|hochkant|Frontansicht des Schleifwagens Die Augsburger Straßenbahn verfügt zurzeit über einen zum Arbeitswagen umgebauten GT8 mit der Nummer 806 und einen von Windhoff gebauten Schleifwagen mit der Nummer 41.
Ehemalige Fahrzeuge Fahrzeuge von 1881 bis 1948