Mit Richards Bay Coal Line, deutsch etwa Richards-Bay-Kohlebahn, früher auch Witbank-Richards Bay Coal line, wird eine südafrikanische Eisenbahnstrecke bezeichnet, die von Transnet betrieben wird und vorrangig dem Transport von Kraftwerkskohle aus den Bergbauregionen im Landesinnern zum Richards Bay Coal Terminal (RBCT) im Hafen Richards Bay dient. Zusätzlich werden auch Stahlprodukte, Ferrochrom, Granite, Getreide und Holz transportiert.
Als COALlink wird der sich mit dem Geschäftsfeld des Kohlentransportes befassende Bereich innerhalb Transnet Freight Rail bezeichnet, der sich neben dem Betrieb der Richards Bay Coal Line auch mit dem Export von Kohle über die Häfen von Durban und Maputo befasst sowie Koks aus Simbabwe importiert.
Strecke Das Kernstück der Richards Bay Coal Line bildet die kapspurige Schwerlastbahnstrecke aus der Region Ermelo in der Provinz Mpumalanga zum Hafen von Richards Bay. Sie führt von den Kohlebergwerken im Highveld, wo mehr als 80 % der südafrikanischen Kohle abgebaut wird, durch ländliche Gebiete von KwaZulu-Natal zum Hafen von Richards Bay.
Nördlicher Teil Die Strecke hat keinen eigentlichen nördlichen Endpunkt. Sie beginnt als Netzwerk der Gleisanbindungen von 44 Kohlengruben mit Schwerpunkt in der Region nördlich und nordwestlich von Ermelo. Die Strecke ist ab Welgedag, Blackhill und Pullenshope bis Richards Bay für 26 t Achslast ausgebaut, wobei zwischen Welgedag, Blackhill und Ermelo neben der bestehenden Doppelspur für 20 t Achslast ein drittes Gleis für 26 t Achslast gebaut wurde. (englisch) Zuführungsstrecken mit 20 t Achslast dienen dem allgemeinen Güterverkehr und kommen aus den Ballungsgebieten der Provinz Gauteng, unter anderem vom Rangierbahnhof Sentrarand, von wo auch über die Waterberg-Strecke herangeführte Kohlenzüge aus Lephalale übernommen werden. Bei den Kohlengruben geladene 100-Wagen-Züge gelangen zu den Rangierbahnhöfen Ogies und Welgedag. In Ermelo werden weitere Kohlenzüge aus 46 Anschlussgleisen zusammengeführt und die 100-Wagen-Züge für die Fahrt nach Richards Bay zu 200-Wagen-Zügen zusammengefasst.
Im nördlichen Teil der Strecke beträgt die maßgebende maximale Steigung 10 ‰.
Südlicher Teil Ab Ermelo benutzen die Züge die 1974 erbaute und 588 km lange Schwerlaststrecke nach Richards Bay, wobei die Züge eine Höhendifferenz von 1700 Metern überwinden. Die beladenen talwärtsfahrenden Züge benutzen ein Gleis mit einem maßgebenden Gefälle von 6,25 ‰, die leeren bergwärtsfahrenden Züge eines mit 15,2 ‰ Steigung. Die zweigleisige Strecke ist für Gleiswechselbetrieb signalisiert und elektrifiziert.
Ungefähr 25 Kilometer nach Ermelo durchfahren die Züge den 4 Kilometer langen Overvaal-Tunnel (Westportal: , Ostportal: ), der nur eingleisig durchfahrbar ist und dadurch die Kapazität der Strecke einschränkt. Um diesen Engpass zu beseitigen, wird der Bau einer zweiten Tunnels angestrebt, der etwa 20 Meter südlich des bisherigen Tunnels zu liegen kommen würde. Für die langfristige Planung untersucht Transnet auch die Möglichkeit einer neuen Streckenführung, die auf den Tunnel ganz verzichten würde.
Bis kurz vor Kemp wurde die bestehende Strecke ausgebaut, danach folgt die Strecke einer neuen 1974 erbauten Trasse. Kurz vor der Grenze zwischen Mpumalanga und KwaZulu-Natal teilt sich der Bahnkörper der doppelspurigen Strecke erstmals in eine Trasse für die talwärts fahrenden Züge und eine Trasse für die bergwärts fahrenden Züge. Die beiden Gleise überqueren auf separaten Brücken den Grenzfluss Phongolo und treffen erst nach 30 km wieder bei Mahulumbe südlich von Paulpietersburg aufeinander. Bei Mqwabe trennen sich die Trassen erneut in eine für bergwärts und eine für talwärts fahrende Züge, wobei sich die Trassen auf dem etwa 30 km langen Abschnitt bis Vryheid dreimal überkreuzen.
Nach Vryheid folgt die Strecke dem White Umfolozi River an seinem nördlichen Talhang, bis sie nach Engolothi auf die südliche Talseite wechselt, bevor sie Richards Bay erreicht. In diesem Abschnitt der Strecke befinden sich sehr viele Kunstbauten.
Betrieb links|mini|Beladener mit zwei Lokomotiven der SAR-Klasse 11E bespanner 100-Wagen-Zug auf Talfahrt. links|mini|Beladener 200-Wagen-Zug unterwegs nach Richards Bay.
Die Strecke ist mit Lichtsignalanlagen für den Gleiswechselbetrieb ausgestattet und wird durch die drei Fernsteuerzentren in Ermelo, Vryheid und Richards Bay verwaltet.Engineering News: Train condition-monitoring on track. Posting vom 11. November 1999 auf www.engineeringnews.co.za (englisch)
Der Teil nördlich von Ermelo wird mit 3 kV Gleichspannung betrieben. Es verkehren Züge im Abstand von 15 Minuten, so dass täglich ungefähr 62 Züge geführt werden können. Neben 100-Wagen-Zügen verkehren auch leere 200-Wagen-Züge.
Auf der mit 25 kV Wechselspannung betriebenen Strecke Ermelo–Richards Bay können theoretisch 48 Züge pro Tag geführt werden, wobei die Hälfte der Kapazität für die Kohlenzüge reserviert ist und die andere Hälfte von den übrigen Güterzügen genutzt wird. Die Kohlenzüge können sich wegen der begrenzten Stromversorgung der Strecke nur im Abstand von einer Stunde folgen. Der Overvaal-Tunnel begrenzt die Streckenkapazität auf 16 Züge täglich in jede Richtung. Tatsächlich verkehren täglich etwa 16 Kohlenzüge und 13 andere Güterzüge.
Die Züge verkehren mit einer Geschwindigkeit von 80 km/h.
Lokomotiven Weil das Bahnstromnetz im Nordteil sich von demjenigen im Südteil unterscheidet, ist ein Lokomotivenwechsel im Rangierbahnhof Ermelo erforderlich, der einzig für die mit den Zwei-System-Lokomotiven der TFR-Klassen 19E oder 21E bespannten Züge entfällt.
Auf dem Gleichstromabschnitt werden Lokomotiven der SAR-Klasse 10E, auf dem Wechselstromabschnitt solche der SAR-Klasse 7E und 11E eingesetzt.
Zur Optimierung des Betriebes kaufte Transnet 110 Mehrsystemlokomotiven der TFR-Klasse 19E, sowie 100 Lokomotiven der TFR-Klasse 21E. Zukünftig werden nur noch diese Lokomotiven eingesetzt, die im Depot von Richards Bay gewartet werden sollen. Das Depot Ermelo wird sich dann nur noch um die Wartung der auf nicht elektrifizierten Strecken eingesetzten Diesellokomotiven der TFR-Klasse 43D befassen.
Wagen mini|links|Jumbo-Wagen CCEW-13 mit ep-Bremse von Wabtec, was durch das W in der Bezeichnung ausgedrückt wird. mini|links|Kleiner Kohlenwagen CFR-13 mit Hochleistungsbremse
Für den Transport der Kohle werden über 8000 Kohlenwagen eingesetzt. Die Wagen tragen die Bezeichnungen CCL oder CCR gefolgt von einer Nummer, wobei CCR auf ein verbessertes Bremssystem hinweist. Die in den 1970er und 1980er Jahren gebauten CCL-1- und CCL-3-Wagen sind für 20 t Achslast ausgelegt und werden als kleine Wagen bezeichnet. Sie werden nur noch bei Kohlengruben eingesetzt, wo die Achslast des Anschlussgleises begrenzt ist, oder für Transporte zu Destinationen im Landesinnern. Die Wagen dieser Baureihen können bei einem durchschnittlichen Leergewicht von 21 t maximal 58 t Kohle transportieren.
Die später gebauten Baureihen CCL/CCR-5 und jünger haben eine auf 26 t erhöhte Achslast und werden als Jumbo-Wagen bezeichnet. Die Wagen dieser Baureihen können bei einem durchschnittlichen Leergewicht von 20 t maximal 84 t Kohle transportieren.
Die Wagen sind paarweise – bei neueren Wagen auch zu Gruppen von drei oder fünf Wagen mit festen Kupplungen miteinander verbunden. Die Wagenenden, wo die drehbare Kupplung für das Entladen mit dem Kreiselkipper angebracht ist, ist mit einem weißen Pfeil gekennzeichnet.
Züge links|mini|Bergwärts fahrender 200-Wagen-Zug mit sechs SAR-Klasse E19 Lokomotiven.
Nördlich von Ermelo verkehren 100-Wagen-Züge, die von vier Lokomotiven der Baureihe 10E oder 19E bespannt sind. In Ermelo werden die Züge zu 200-Wagen-Zügen gekuppelt und von vier Lokomotiven der Baureihe 11E oder sechs Lokomotiven der Baureihen 7E oder 19E gezogen werden. Bei allen genannten Zügen sind die Lokomotiven jeweils an der Zugspitze eingereiht. Ein Kohlenzug braucht für die Fahrt an den Hafen 17 Stunden. Die Streckenlokomotiven sind in Umläufen von 58 Stunden Länge eingeteilt, die Wagen in solche von 63 Stunden. Die Umläufe der Streckenlokomotiven sind kürzer als diejenige der Wagen, da die Beladung der Wagen durch Rangierlokomotiven erfolgt und somit die Streckenlokomotiven nach Ankunft mit einem leeren Zug gleich an einen vollen Zug gekuppelt werden können.
Die 200-Wagen-Züge südlich von Ermelo sind 2500 Meter lang und 20.800 Tonnen schwer. Wenn der Zug aus Jumbo-Kohlenwagen der Baureihe CCL/R zusammengestellt ist, können mit einem Zug 16.800 Tonnen transportiert werden.
Shongololo-Züge Zusätzlich werden seit 2013 Shongololo-Züge gefahren, die aus acht Lokomotiven der Baureihe 19E und 200 Wagen bestehen, wobei vier Lokomotiven an der Spitze und weitere vier Lokomotiven nach 100 Wagen eingereiht sind. Diese Züge sind mit elektropneumatischer Bremse versehen, deren Steuerleitung für die Fernsteuerung der in der Zugmitte eingereihten Lokomotiven mitbenutzt wird.
Die Shongololo-Züge erlaubten die Umlaufzeit der Streckenlokomotiven auf 41 Stunden und die der Wagen auf 48 Stunden zu verkürzen, weil die Rangierbewegungen in Ermelo entfallen.
Der Name Shongololo, manchmal auch Songololo geschrieben, bezeichnet im Südafrikanischen Englisch einen Tausendfüßler.
Bahnhöfe Die größten Rangierbahnhöfe von COALlink befinden sich in Ogies, Ermelo und Vryheid.Transnet Freight Rail: Operational areas. auf www.transnetfreightrail-tfr.net (englisch)
Welgedag In Welgedag werden die Kohlenzüge zu den Kraftwerken Tutuka und Majuba gesammelt. Im Gegensatz zu den Zügen mit Export-Kohle befahren die Züge für die beiden genannten Kraftwerke aus dem Raum Ogies und Blackhill die Strecke in Richtung Norden und verlassen in Welgedag die Kohlenbahn, um südlich über Springs, Heidelberg und Balfour zu den Kraftwerken zu gelangen.
Ogies Im Rangierbahnhof Ogies werden Kohlenzüge und Güterzüge mit anderer Fracht aus der Region der Hauptstrecke zugeführt. 200-Wagen-Züge aus Blackhill und Minaar sowie die Züge aus dem Landau Rapid Loading Terminal benutzen den Rangierbahnhof nicht.Mpumalanga Province Freight Data Bank: Marshalling Yards. auf www.safiri.co.za (englisch)
Landau Rapid Loading Terminal In dieser 1976 in Betrieb genommenen Kohleverladeanlage können bis zu 8000 t Kohle aus den Anglo American-Kohlengruben Greenside, Kleinkopje und Navigation geladen werden, so dass die Züge innerhalb von sechs Stunden abgefertigt werden können. Die Kohle wird von den Gruben über Förderbänder der Verladeanlage zugeführt, wobei das Förderband aus der Grube Kleinkopje, das erste in einem horizontalen Bogen verlegte Förderband in Südafrika war.
Ermelo mini|links|Lokomotiven im Rangierbahnhof Ermelo – vorne Zweisystemlokomotiven der SAR-Klasse 19E
Der Betriebsbahnhof Ermelo liegt südlich des Ortes und dient hauptsächlich dem Traktionswechsel von Gleich- auf Wechselstrom und dem Zusammenkuppeln der 100-Wagen-Züge zu 200-Wagen-Zügen bei der Fahrt nach Süden sowie den umgekehrten Vorgängen bei der Fahrt nach Norden. Der Bahnhof besteht aus den vier Gleisfeldern A, B, C und D, die von Süden nach Norden angeordnet sind. Die Felder A und B sind über eine Wendeschleife mit den Feldern C und D verbunden, das Feld B ist mit 25 kV Fahrleitung überspannt, das Feld D mit 3 kV. 100-Wagen-Züge aus dem Norden fahren in die Einfahrgruppe D ein, werden dort zu 200-Wagen-Zügen gekuppelt, durch die Wendeschleife gezogen und in der Ausfahrgruppe A bereitgestellt. Züge aus dem Süden fahren in die Gruppe B ein, werden nach dem Abkuppeln der Lok mittels einer Rangierlok durch die Schleife gezogen und in der Ausfahrgruppe C bereitgestellt. Die Wendeschleife wird mit Diesellokomotiven befahren, ist aber seit 2014 mit Fahrdraht überspannt.
Neben den Gleisen für die Kohlenzüge gibt es auch noch einen Bereich für die übrigen Güterzüge mit Industriegütern aus den Regionen um Rustenburg, Louis Trichardt und Steelpoort.