Friedrich Theodor David Kräuter (* 10. Juni 1790 in WeimarGetauft am 12. Juni 1790 (Weimarische Wöchentliche Anzeigen vom 23. Juni 1790, S. 199).; † 29. September 1856 ebendaTodesanzeige in Weimarer Zeitung vom 1. Oktober 1856, S. 928.)Max Hecker: Briefe Kräuters an Eckermann, S. 285. war ein Weimarer Bibliothekar, Großherzoglicher Rat und Sekretär Goethes.
Leben und Wirken Der Schneidermeister Johann Friedrich Ehrenfried Kräuter († 27. April 1817Todesanzeige in Weimarisches Wochenblatt vom 2. Mai 1817, S. 165f.), zeitweise Viertels-Meister im Weimarer Frauen-Tor-Viertel,Hochfürstl. S. Weimar- und Eisenachischer Hof- und Adreß-Calender, auf das Jahr 1806, S. 29, und auf das Jahr 1810, S. 28. und seine Ehefrau Johanna Dorothea Rosine geb. Schenk († 20. Februar 1826Todesanzeige in Weimarisches Wochenblatt vom 24. Februar 1826, S. 74.) hatten drei Kinder – zwei Söhne und eine Tochter. Der ältere Sohn durfte studieren. Der jüngere – Theodor – wurde aus finanziellen Gründen 1805 aus der Unterprima des Weimarer Gymnasiums genommen und am 1. Dezember desselben Jahres als Schreiber in der Herzoglichen Bibliothek Weimar untergebracht. Am 15. Mai 1810 wurde er dort angestellt und blieb bis zu seiner Pensionierung am 1. Januar 1856 beamtet in dieser Einrichtung tätig. Während des Dienstes über fünfzig Jahre hinweg wurde Theodor Kräuter 1824 Verwalter der Privatbibliothek des Erzgroßherzogs Karl Friedrich, am 15. September 1837 BibliothekarWeimarische Zeitung vom 23. September 1837, Titelseite. und am 2. April 1841 Großherzoglicher RatWeimarische Zeitung vom 10. April 1841, S. 113..
Kräuter wurde im Februar 1811 Goethes Privatsekretär. Mitunter beschäftigte Goethe mehrere Schreiber.Conrady, S. 952, 10. Z.v.o. Kräuter war der tüchtigsteFriedenthal, S. 661, 3. Z.v.u.. Ihm wurden beispielsweise in ruhigen Morgenstunden ellenlange Passagen aus der Italienischen Reise diktiert. Kräuter stolperte kaum über fremde Wörter und Wendungen – etwa wie der eine oder der andere seiner Kollegen. Er hatte die relativ kurze Zeit auf dem Gymnasium zum Erlernen von Fremdsprachen genutzt und sich in der Bibliothek stetig weitergebildet. Am 15. Mai 1815 durfte er mit Goethe zu Mittag essen und am 19. Dezember 1815 wurde er Sekretär in Goethes Ressort „Oberaufsicht über die unmittelbaren Anstalten für Wissenschaften und Kunst in Weimar und Jena“Wilpert, S. 778 Mitte. Kräuter durfte unangemeldet bei Goethe eintreten.Conrady, S. 946, 6. Z.v.o.
Nachdem er im März 1816 vom Schreiber zum Bibliothekssekretär aufgerückt war,Weimarisches Wochenblatt vom 12. März 1816, S. 97. konnte Kräuter die junge Carolina Friedericka Emilia Wenzel im September heiraten.Copulirte im Sept. in Weimarisches Wochenblatt vom 5. November 1816, S. 394. In den Jahren 1817 bis 1819 übernahm er schrittweise die Katalogisierung von Goethes Privatbibliothek. Zu der diesbezüglichen Arbeit vermerkte Goethe am 7. Mai 1822: „Kräuter arbeitete …, alle Akten und Dokumente auf mich und meinen Wirkungskreis bezüglich aufzustellen und in Ordnung zu bringen.“Max Hecker: Briefe Kräuters an Eckermann, S. 286, 6. Z.v.u. Das Ergebnis lag am 2. September 1822 vor – das „Repertorium der Goethe’schen Repositur“.Conrady, S. 629 Mitte Kräuter hatte sich inzwischen unentbehrlich gemacht. Er war der Einzige geworden, der in Goethes Archiv und in Goethes Bibliothek jedes Blatt auffinden konnte. Goethe dankte dem schlechtbezahlten Kräuter mit Wohngeldzuschuss und Vermittlung bezahlter Nebenarbeiten. Am 11. November 1831 machte ihn Goethe zum Kustos des Münzkabinetts.
Goethe setzte Kräuter als Vermittler zum Weimarer Hof in Sachen Bibliothek und Sammlungen ein. 1824 vertrat Kräuter den durch Schlaganfall fortan im Dienst beeinträchtigten Oberbibliothekar Vulpius. Nach Vulpius’ Tod im Sommer 1827 unterstand Kräuter dem neuen Oberbibliothekar Riemer. Während Kräuter unter Riemer in kollegialem Einvernehmen gewirkt haben soll, habe er sich nach Riemers Tod mit dem 1847 an dessen Stelle tretenden Oberbibliothekar Preller selbst bei Bagatellen heftig auseinandergesetzt.
Kräuter ließ seinen einzigen Sohn Edmund in Jena und Leipzig studieren.
Aus den Jahren 1819–1843 ist der Briefwechsel mit dem Gothaer Oberbibliothekar und Philologen Friedrich Jacobs erhalten geblieben.
Der Nachlass Kräuters findet sich in der Sammlung KippenbergSammlung Kippenberg im Goethe Museum Düsseldorf.
Ehrungen 1825 Silberne Verdienstmedaille (anlässlich des Regierungsjubiläums Carl Augusts) 1836 Preußische Große Goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft 1. Dezember 1855 (50-jähriges Dienstjubiläum)Zeitungsmeldung, amtliche Angabe und Dankesanzeige in Weimarische Zeitung vom 2. Dezember 1855, S. 1130, 2. Spalte, und vom 6. Dezember, S. 1143 und 1146, 1. Spalte. Ehrendoktor der philosophischen Fakultät der Universität Jena Ritterkreuz zweiter Klasse des Falkenordens
Literatur Arthur Pollmer: Aus dem Nachlaß Friedrich Theodor Kräuters. Jahrbuch der Sammlung Kippenberg, Bd. 2, Weimar 1922, S. 214–239 (Digitalisat) Max Hecker: Die Briefe Theodor Kräuters an Eckermann. Goethe-Jahrbuch (GJB) Bd. 12, Weimar 1926, S. 264–306. Richard Friedenthal: Goethe – sein Leben und seine Zeit. 772 Seiten. R. Piper Verlag, München 1963 Gero von Wilpert: Goethe-Lexikon (= Kröners Taschenausgabe. Band 407). Kröner, Stuttgart 1998, ISBN 3-520-40701-9, S. 585 (zweiter Eintrag). Karl Otto Conrady: Goethe – Leben und Werk. Artemis & Winkler, Düsseldorf und Zürich 1999, ISBN 3-538-06638-8
Weblinks Dokumente in Kalliope. Bleistiftzeichnung: Porträt Theodor Kräuter von Friedrich Pecht Johann Joseph Schmeller: Theodor Kräuter
Anmerkung Repositur: Aktenarchiv (Ort für das Repositorium).
Einzelnachweise
Kategorie:Person um Johann Wolfgang von Goethe Kategorie:Bibliothekar (Weimar) Kategorie:Träger des Hausordens vom Weißen Falken (Ritter II. Klasse) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1790 Kategorie:Gestorben 1856 Kategorie:Mann