mini|Jakob Lorber Jakob Lorber (* 22. Juli 1800 in Kanischa, Herzogtum Steiermark; † 23. August 1864 in Graz) war ein österreichischer Schriftsteller, Musiker und christlicher Mystiker. Sein Werk wird in der konfessionskundlichen Fachliteratur den Neu- bzw. Privatoffenbarungen zugeordnet.Zur Begrifflichkeit allgemein vgl. Patrick Diemling: Neuoffenbarungen. Religionswissenschaftliche Perspektiven auf Texte und Medien des 19. und 20. Jahrhunderts, Universitätsverlag Potsdam, Potsdam 2012, 22f und 62–67. Er selbst bezeichnete sich als „Schreibknecht Gottes“.
Leben mini|Geburtshaus Lorbers
Lorber wurde als erster Sohn von Michael Lorber und dessen Ehefrau Maria geb. Tautscher, einer alteingesessenen katholischen Bauernfamilie, in dem zur Untersteiermark gehörenden Dorf Kanischa, Pfarre Jahring – heute zur Gemeinde Šentilj (St. Egidi) in Slowenien gehörig – geboren.Karl Gottfried Ritter v. Leitner: Jakob Lorber; Bietigheim: Neu-Salem, 1930, S. 7. Mit 17 Jahren zog er nach Marburg an der Drau und wurde dort Lehrergehilfe und Organist. Bald darauf begab er sich nach Sankt Johann im Saggautal, wo er von einem Kaplan Lateinunterricht erhielt. Der Kaplan riet Lorber, sich auf den Priesterberuf vorzubereiten, woraufhin dieser nach Marburg zurückkehrte, um das Gymnasium zu besuchen. Nachdem er fünf Klassen absolviert hatte, setzte er seine Gymnasialstudien in Graz fort. Seinen Lebensunterhalt bestritt er dort als Hauslehrer für Gesang, Musik (Klavier und Violine) und Zeichnen. 1829 besuchte er den „höheren pädagogischen Kurs für Lehrer an Hauptschulen“ und erwarb ein sehr gutes Zeugnis.Leitner: Jakob Lorber. S. 9 f.
Nach der ersten erfolglosen Bewerbung als Lehrer gab Lorber diesen Plan auf und verlegte sich ganz auf die Musik. Er komponierte Lieder und Konzertstücke und kam dadurch mit dem bekannten Tondichter Anselm Hüttenbrenner in Kontakt. In dieser Zeit lernte Lorber den berühmten Geigenkünstler Niccolò Paganini kennen, der ihm einige Unterrichtsstunden erteilte und zum Vorbild wurde.Leitner: Jakob Lorber. S. 10–12. Auch konzertierte er mit Franz Schubert.
Jakob Lorber las laut den Angaben seines Biographen Leitner neben der Bibel Bücher von Jakob Böhme, Johann Tennhardt, Emanuel Swedenborg, Johann Heinrich Jung-Stilling und Justinus Kerner.Leitner: Jakob Lorber. S. 12 f.
mini|Gedenktafel an Lorbers Wohnhaus in der Grazer Innenstadt (2018) Am 15. März 1840 um 6 Uhr morgens vernahm Jakob Lorber, laut eigenen Angaben, eine „innere Stimme“ in der Nähe seines Herzens, die ihn zu schreiben aufforderte. Dieser von ihm als „Gnadenstimme des Herrn Jesus Christus“ verstandenen Stimme widmete er fortan sein Leben und schrieb, ihrem „Diktat“ folgend, rund 20.000 Manuskriptseiten nieder. Seine noch nicht angetretene, gerade erst erhaltene Stelle als zweiter Kapellmeister am Triester Hof kündigte er sofort, weil ihm das Hören der Gnadenstimme unendlich wichtiger war und sie mit dem luxuriösen Wohlleben am Hof unvereinbar gewesen wäre.
Lorber schrieb nicht nur selbst, sondern diktierte einzelne Aufsätze und sogar ganze Bücher seinen Freunden, das meiste davon Anselm Hüttenbrenner. Zudem arbeitete er zuweilen gleichzeitig an mehreren Werken, was in den großen, tagebuchartig geführten Folianten von Hüttenbrenner dokumentiert wurde. Die Manuskripte sind durchwegs in einem Zug geschrieben und beinhalten nur sehr wenige Änderungen und Verbesserungen.Fritz Enke: Die Original Handschriftensammlung der Neu-Salems-Gesellschaft. In: Das Wort. 6/1928, S. 137.Karl Gottfried Ritter v. Leitner: Jakob Lorber, der steiermärkische Theosoph. ab Kapitel „Der Schreibknecht Gottes“
Mit der Aufnahme seiner Schreibtätigkeit war Lorber auf die Unterstützung durch seine Freunde angewiesen; darunter waren Grazer Honoratioren wie der Bürgermeister Andreas Hüttenbrenner – ein Bruder Anselms –, der Apotheker Leopold Cantily sowie der Dichter und steirische Ständesekretär Karl Gottfried von Leitner. Dieser verfasste etwa 1884 Lorbers Biographie.Leitner: Jakob Lorber. S. 34; am Beginn der Abschrift ist angegeben, dass die Biographie Lorbers von dem im November 1800 geborenen Leitner in dessen 84. Lebensjahr aufgezeichnet wurde. Nach Lorbers 60. Lebensjahr begannen seine körperlichen Kräfte nachzulassen, wobei laut seinem Biographen Leitner die geistigen ungeschwächt fortwirkten.Lorber Biographie von Leitner, Abschnitt Lebensabschluß 1864 erkrankte er und musste drei Monate lang das Bett hüten. Auch während dieser Zeit diktierte er seinen Freunden. Zu Beginn des Frühlings erholte er sich kurzfristig wieder, verstarb jedoch schließlich am 23. August 1864 an einer Lungenerkrankung. Die amtliche Bekanntmachung seines Todes nannte seine Adresse, seinen Beruf sowie die Todesursache: „Herr Jakob Lorber, Tonkünstler, alt 64 J., Laimburggasse Nr. 1391; Bluterbrechen“. Lorber wurde auf dem St.-Leonhard-Friedhof in Graz beerdigt,Leitner: Jakob Lorber. S. 19–21. er war bis zuletzt Mitglied der römisch-katholischen Kirche. Seine Gedenktafel befindet sich in der Neue-Welt-Gasse 4.
Die Manuskripte Lorbers wurden zuerst von Freunden handschriftlich verbreitet, denn eine Druckmöglichkeit ergab sich in Österreich nicht. Zur Veröffentlichung wurden sie nach Deutschland gebracht, aber auch dort gab es Hindernisse: Das 1852 in Stuttgart gedruckte Buch Die Jugend Jesu wurde von der behördlichen Zensur konfisziert.Hutten: Seher. 1982, S. 584 f. Den Druck der Bücher führte sein Freund Johannes Busch weiter, später Christoph Friedrich Landbeck (1840–1921). Mit der zunehmenden Verbreitung der Bücher von Jakob Lorber, was im größeren Umfang erst nach seinem Tod geschah, bildeten sich an verschiedenen Orten „Lorber-Freundeskreise“, die schließlich in eine Lorberbewegung mündeten.Leitner: Jakob Lorber. S. 44 f. Für die noch in den Lebzeiten Lorbers erschienenen Bücher, deren erste Verleger Justinus Kerner und Carl-Friedrich Zimpel waren, gefolgt von Johannes Busch, bezog Jakob Lorber nie ein Honorar.Christoph Friedrich Landbeck: Der Wahrheit-Sucher - mit Geschichte des Neu-Salems-Lichtes. Neu-Salems-Verlag, Bietigheim o. J. [Vorwort von 1920]. Insgesamt wurden Lorbers Manuskripte – im Gesamtumfang von etwa 10.000 Druckseiten – in 25 Büchern sowie vielen kleineren Schriften gedruckt.Leitner: Jakob Lorber. S. 14 f.
Im Verlassenschaftsakt, der sich im Steiermärkischen Landesarchiv befindet, ist vermerkt, dass der Musiker seine Violine, ein Klavier sowie mehrere Bilder und Kleidungsstücke seiner „natürlichen Tochter Maria Hochegger“ vermachte. Die Richtigkeit dieser Angabe wird jedoch von einigen Lorberfreunden aus verschiedenen Gründen in Zweifel gezogen. Der Biograph Leitner sowie andere Zeitzeugen und bisher öffentlich gemachte Dokumente berichten nichts über eine natürliche oder adoptierte Tochter. Auch noch heute lebende Nachkommen aus der Familie Lorbers wissen nichts von einer Tochter Jakob Lorbers, lediglich Landbeck erwähnt eine „sogenannte Tochter Lorbers“ in seiner Autobiographie, welche die Handschrift Lorbers vom Großen Evangelium Johannes für 2000 Gulden an einen Wiener Lorberfreund verkauft habe.Landbeck: Wahrheitssucher, S. 38.
In Graz-Andritz ist die Jakob-Lorbeer-Quelle nach ihm benannt.Jakob-Lorbeer-Quelle im Austria-Forum, abgerufen am 7. März 2021
Lehre Lorber schrieb in 25 Bänden ein umfangreiches Werk, in dem er sich u. a. an Jakob Böhme und Emanuel Swedenborg orientiert.; Jean-François Mayer: Lorber, Jakob. In: Wouter J. Hanegraaff u. a. (Hrsg.): Dictionary of Gnosis & Western Esotericism. Brill, Leiden-Boston 2006, S. 699–701, hier S. 700 f. Es beschreibt ein kosmologisches System, das von Gott nicht aus dem Nichts erschaffen, sondern im Sinne einer Emanation aus der Fülle seiner Geisteskräfte hervorgegangen sei.Oswald Eggenberger: Lorber-Bewegung. In: Evangelisches Kirchenlexikon. Band 3, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1992, Sp. 185. Dessen Weltkörper (Planeten, Sonnen, Sterne, Monde usw.) entstanden durch Luzifers Fall, der sich frei gegen Gottes Ordnung entschieden habe und der Eigenliebe verfallen sei.Hutten: Seher. 1982, S. 586f, 607. Die Himmelskörper werden dabei als organische Lebewesen verstanden: So habe die Erde einen trichterförmigen Mund am Nordpol, der durch einen Magen-Darm-Trakt mit einem Ausscheidungsorgan am Südpol verbunden sei.Jakob Lorber: Die natürliche Erde. 1847, Kapitel 7 (j-lorber.de abgerufen am 22. Juli 2012); vgl. Reinhard Rinnerthaler: Zur Kommunikationsstruktur religiöser Sondergemeinschaften am Beispiel der Jakob-Lorber-Bewegung. Universität Salzburg, 1992, S. 82–92.
Wie die Gestirne seien auch die Menschen erlösungsbedürftig, sie könnten aber durch die Befolgung des Doppelgebots der Liebe sowie durch Taufe und Abendmahl, das Lorber als Gedächtnis- und Liebesmahl versteht, auf der Erde zur Vollkommenheit gelangen. Dies geschehe durch Vereinigung mit dem „Gottesgeistfunken“. Die Entwicklung des Menschen zur Vollkommenheit setze sich in einer Reihe von Reinkarnationen sowie schließlich im Jenseits fort.Oswald Eggenberger: Lorber-Bewegung. In: Evangelisches Kirchenlexikon. Band 3, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1992, Sp. 185. Somit würden schließlich alle Menschen im Sinne einer Allerlösung durch diese Vollkommenheit einer auserwählten Zahl gerettet. Gott wird als unendlicher Geist, Urkraft und Urgrund allen Seins verstanden, der in seinem Urmachtzentrum wesenhaft gestaltet ist, als vollkommenster Geistes-Urmensch. Jesus Christus wird als das ins Gewand der Materie gehüllte (inkarnierte) geistmenschliche Urmachtzentrum Gottes verstanden, um alle Geister der Unendlichkeit zu belehren und um die Gefallenen aus ihrem Gericht zu erlösen und sie wieder ins Vaterhaus zurückzuführen.Walter Lutz: Der Zeitpunkt der Wiederkunft Christi soll ungefähr 2000 Jahre nach seinem Wirken in Palästina (um 30 n. Chr.) sein;Daher gibt es auch eine Webseite von Lorber-Anhängern, die besonders auf die Zeit um 2030 verweist: jesus2030.de an einer Stelle nennt Lorber jedoch einen früheren Zeitpunkt, nämlich um 1920; demnach sollte Christus seinerzeit Folgendes gesagt haben: „So man nach dieser Meiner Gegenwart 1000, 800 und nahezu 90 Jahre zählen wird, da wird es beinahe keinen Krieg mehr auf dieser Erde geben, und um diese Zeit wird auch Meine persönliche Ankunft auf dieser Erde stattfinden, ...“Lorber: Großes Evangelium Band VI, Kap. 76, 10 (jeweils nach nahezu 2000 Jahren eine große Veränderung); Band VIII, 185, 10 (nahezu 1890 Jahre nach Gegenwart Christi); zitiert nach Hutten: Seher. 1982, S. 603.
Die Trinität Gottes und die Lehre von der Rechtfertigung aus dem Glauben lehnte Lorber ab.Oswald Eggenberger: Lorber-Bewegung. In: Evangelisches Kirchenlexikon. Band 3, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1992, Sp. 185.
Lorber selbst verstand seine Neuoffenbarungen als Wort Gottes. Was er wisse, wisse er nur aus Gott durch eine besondere, unverdiente Gnade.An einen sehr Schwachen. – 4. November 1840, Himmelsgaben Band 1, 4. November 1840 Aufgrund dieses Anspruchs war Lorber der Ansicht, im Besitz umfänglichster Erkenntnis zu sein.Geistige Sonne, Band 2, Kapitel 123, Absätze 11–12 Bei seinen Anhängern gelten Lorbers Schriften als „der Bibel ebenbürtig“. Nach Kurt Eggenstein sei Lorbers Neuoffenbarung eine Heilsbotschaft, die das Evangelium erläutere und ergänze, da Jesus dem damaligen Volk nur wenig von den Geheimnissen der Schöpfung erzählen konnte und seine Apostel ihn auch nur schwer zu verstehen vermochten. In Lorbers Schriften fänden sich auch zahlreiche Aussagen und Konzepte der Quantenphysik und Warnungen vor modernen Risiken wie Klimaveränderungen, Luftverschmutzung und Entwaldung.Kurt Eggenstein: Der Prophet Jakob Lorber; Pandion Verlag, 1997, ISBN 3-922929-75-3.
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