Die Schachweltmeisterschaft 2016 war der Zweikampf um den Titel des Schachweltmeisters zwischen dem Titelverteidiger Magnus Carlsen und seinem Herausforderer Sergei Karjakin. Sie fand vom 11. bis zum 30. November 2016 in New York statt.

Nach zehn Remis und je einem Sieg der Kontrahenten war ein Gleichstand von 6:6 nach zwölf gespielten Partien erreicht. Im anschließenden Tiebreak gewann Carlsen in vier Schnellschach-Partien nach zwei Remis die beiden letzten Begegnungen und verteidigte somit seinen Titel mit 9:7 Punkten.FAZ.net 1. Dezember 2016

Das Preisgeld lag bei insgesamt 1,1 Millionen US-Dollar für beide Spieler.

Kandidatenturnier

Im Kandidatenturnier vom 10. bis zum 28. März 2016 in Moskau ermittelten acht Spitzenspieler doppelrundig den Herausforderer. Karjakin gewann das Turnier mit 8½ Punkten aus 14 Partien vor Fabiano Caruana und Exweltmeister Viswanathan Anand (je 7½).

Die Kontrahenten Für Carlsen war es nach 2013 und 2014 die dritte Weltmeisterschaft und die zweite Titelverteidigung. Für Karjakin war es die erste WM-Teilnahme. Vor der Weltmeisterschaft spielten Carlsen und Karjakin 21 Partien gegeneinander, wobei Carlsen viermal und Karjakin einmal gewann; 16 Partien endeten Remis.

Modalitäten Austragungsort Austragungsort war das Fulton Market Building, das umgebaute Gebäude des ehemaligen Fulton Fish Market in der Fulton Street am South Street Seaport im Süden von Manhattan. Abgerufen am 7. November 2016.

Wettkampfmodus Der Wettkampf war über maximal zwölf reguläre Partien angesetzt. Der Spieler, der zuerst 6½ Punkte erreichen würde, sollte Weltmeister sein. Die Bedenkzeit der regulären Partien betrug 100 Minuten für 40 Züge, anschließend zusätzliche 50 Minuten für 20 Züge, anschließend zusätzliche 15 Minuten für den Rest der Partie sowie 30 Bonussekunden pro Zug ab dem ersten Zug. Dazu wurden elektronische Uhren eingesetzt. Unter Androhung einer Geldstrafe von bis zu 5000 Euro waren Unentschieden vor dem 30. Zug von Schwarz untersagt. Ein Remisantrag beim Schiedsrichter im Falle dreimaliger Stellungswiederholung war zulässig.

Das Anzugsrecht wechselte nach jeder Partie, außer nach der sechsten, so dass die Kontrahenten in den Partien sechs und sieben jeweils mit derselben Farbe spielten.Turnierregeln

Nach einem Ergebnis von 6:6 – wie es tatsächlich eintrat – sah das Reglement einen Tiebreak mit verkürzter Bedenkzeit vor. Der nach einem Ruhetag zu spielende Tiebreak bestand aus vier Schnellschach-Partien mit einer Bedenkzeit von 25 Minuten plus zehn Sekunden pro Zug. Zwischen den Partien gab es jeweils mindestens zehn Minuten Pause.

Bei einem 2:2 wären anschließend bis zu fünf Blitzschachrunden gespielt worden. Falls auch dies zu keiner Entscheidung geführt hätte, wäre eine letzte so genannte Armageddon-Partie mit asymmetrischer Bedenkzeit gespielt worden. Im Falle eines Remis wäre der Spieler mit den schwarzen Steinen zum Sieger erklärt worden.

Als Hauptschiedsrichter fungierte Takis Nikolopoulos aus Griechenland.Opening Ceremony of 2016 FIDE World Chess Championship Match

Übertragung der Partien Die Partien begannen um 14:00 Uhr Ortszeit (Eastern Standard Time), d. h. 20:00 Uhr MEZ. Sie wurden vom Veranstalter live und kostenpflichtig im Internet übertragen und von Judit Polgár kommentiert.Queen of NY: So wird Judit Polgar das Match kommentieren. Bei: Chessbase.com. 6. November 2016. In einem Verfahren vor dem Handelsgericht in Moskau scheiterte der Ausrichter mit einer Schadenersatzklage gegen ein Schachportal, das ebenfalls eine Live-Kommentierung – und zwar kostenlos – anbot.chess24 gewinnt Rechtsstreit vor der Schach-WM. Bei: Chess24.com. 4. November 2016.

Preisgelder Das Preisgeld lag bei insgesamt 1,1 Millionen US-Dollar für beide Spieler. Im Falle eines Sieges im regulären Match wären davon 60 % an den Sieger und 40 % an den Verlierer gegangen. Nach dem Spielen des Tiebreaks erhielten der Sieger 55 % und der Verlierer 45 %. Da Carlsen nach seiner verlorenen Partie die Pressekonferenz nicht vertragsgemäß besuchte, wären ihm von seinem Preisgeld laut Vertrag 10 % abgezogen worden. Dies wurde im Nachhinein auf 5 % reduziert,chess.com, abgerufen am 11. Januar 2017. die je zur Hälfte an den Veranstalter und die FIDE gingen.

Verlauf Der auf zunächst zwölf reguläre Partien angesetzte Wettkampf begann mit einer Serie von sieben Remispartien. In der achten Partie siegte Herausforderer Karjakin mit den schwarzen Steinen. Durch einen Sieg in der zehnten Partie glich Weltmeister Carlsen den Wettkampfstand wieder aus. Da die letzten beiden regulären Partien remis endeten, musste ein Tiebreak über vier Schnellschach-Partien die Entscheidung bringen. Carlsen gewann den Tiebreak mit 3:1 und verteidigte damit seinen WM-Titel erfolgreich.

Außergewöhnlich war neben der hohen Remisquote (zehn Remis in zwölf regulären Partien) die Wahl der Eröffnungen: 10 der 16 gespielten Partien (inklusive Tiebreak) begannen mit der einen oder anderen Variante der Spanischen Partie. Karjakin wich mit den weißen Steinen nur ein einziges Mal von diesem System ab, und zwar in der siebten Partie, die er mit d4 begann, was Carlsen mit der Slawischen Verteidigung beantwortete.

Tabelle Partie Datum (2016) Partieergebnis Eröffnung ECO-Schlüssel Züge Zwischenstand Link (Chessbomb.com) Carlsen Karjakin Carlsen Karjakin 1 Fr, 11. November ½ ½ Trompowsky-Eröffnung A45 42 ½ ½ Spiel 1 2 Sa, 12. November ½ ½ Spanische Partie C84 33 1 1 Spiel 2 3 Mo, 14. November ½ ½ Spanische Partie (Berliner Verteidigung) C67 78 1½ 1½ Spiel 3 4 Di, 15. November ½ ½ Spanische Partie C77 94 2 2 Spiel 4 5 Do, 17. November ½ ½ Italienische Partie C50 51 2½ 2½ Spiel 5 6 Fr, 18. November ½ ½ Spanische Partie C88 32 3 3 Spiel 6 7 So, 20. November ½ ½ Slawische Verteidigung D10 33 3½ 3½ Spiel 7 8 Mo, 21. November 0 1 Colle-Zukertort-System D05 52 3½ 4½ Spiel 8 9 Mi, 23. November ½ ½ Spanische Partie C78 74 4 5 Spiel 9 10 Do, 24. November 1 0 Spanische Partie (Berliner Verteidigung) C65 75 5 5 Spiel 10 11 Sa, 26. November ½ ½ Spanische Partie C84 34 5½ 5½ Spiel 11 12 Mo, 28. November ½ ½ Spanische Partie (Berliner Verteidigung) C67 30 6 6 Spiel 12 Tiebreaks Carlsen Karjakin Carlsen Karjakin 1 Mi, 30. November ½ ½ Spanische Partie C84 37 6½ 6½ Schnellschach-Partie 1 2 Mi, 30. November ½ ½ Italienische Partie C50 84 7 7 Schnellschach-Partie 2 3 Mi, 30. November 1 0 Spanische Partie C84 38 8 7 Schnellschach-Partie 3 4 Mi, 30. November 1 0 Sizilianische Verteidigung B55 50 9 7 Schnellschach-Partie 4

Langpartien 1. Partie

Carlsen-Karjakin ½:½ New York, 11. November 2016 Trompowsky-Eröffnung, A45 1. d4 Sf6 2. Lg5 d5 3. e3 c5 4. Lxf6 gxf6 5. dxc5 Sc6 6. Lb5 e6 7. c4 dxc4 8. Sd2 Lxc5 9. Sgf3 0–0 10. 0–0 Sa5 11. Tc1 Le7 12. Dc2 Ld7 13. Lxd7 Dxd7 14. Dc3 Dd5 15. Sxc4 Sxc4 16. Dxc4 Dxc4 17. Txc4 Tfc8 18. Tfc1 Txc4 19. Txc4 Td8 20. g3 Td7 21. Kf1 f5 22. Ke2 Lf6 23. b3 Kf8 24. h3 h6 25. Se1 Ke7 26. Sd3 Kd8 27. f4 h5 28. a4 Td5 29. Sc5 b6 30. Sa6 Le7 31. Sb8 a5 32. Sc6+ Ke8 33. Se5 Lc5 34. Tc3 Ke7 35. Td3 Txd3 36. Kxd3 f6 37. Sc6+ Kd6 38. Sd4 Kd5 39. Sb5 Kc6 40. Sd4+ Kd6 41. Sb5+ Kd7 42. Sd4 Kd6 ½:½

Carlsen führte die weißen Steine und wählte überraschend die in der Weltspitze sehr selten gespielte Trompowsky-Eröffnung, anschließend wich er bereits im sechsten Zug von den bekannten Wegen ab. Karjakin verteidigte in der Folge umsichtig und konnte die Partie stets ausgeglichen gestalten.Schach-WM 2016. Spiegel.de.Schach-Weltmeisterschaft startet mit Remis. n-tv.de.

2. Partie

Karjakin-Carlsen ½:½ New York, 12. November 2016 Spanische Partie, C84 1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 a6 4. La4 Sf6 5. 0–0 Le7 6. d3 b5 7. Lb3 d6 8. a3 0–0 9. Sc3 Sa5 10. La2 Le6 11. d4 Lxa2 12. Txa2 Te8 13. Ta1 Sc4 14. Te1 Tc8 15. h3 h6 16. b3 Sb6 17. Lb2 Lf8 18. dxe5 dxe5 19. a4 c6 20. Dxd8 Tcxd8 21. axb5 axb5 22. Se2 Lb4 23. Lc3 Lxc3 24. Sxc3 Sbd7 25. Ta6 Tc8 26. b4 Te6 27. Tb1 c5 28. Txe6 fxe6 29. Sxb5 cxb4 30. Txb4 Txc2 31. Sd6 Tc1+ 32. Kh2 Tc2 33. Kg1 ½:½

Es kam zu einem Duell in der Spanischen Eröffnung, bei dem beide Seiten niemals ernsthaft unter Druck gerieten. Am Ende führte eine Abtauschkombination zum Remis durch Zugwiederholung.

3. Partie

Carlsen-Karjakin ½:½ New York, 14. November 2016 Spanische Partie (Berliner Verteidigung), C67 1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 Sf6 4. 0–0 Sxe4 5. Te1 Sd6 6. Sxe5 Le7 7. Lf1 Sxe5 8. Txe5 0–0 9. d4 Lf6 10. Te2 b6 11. Te1 Te8 12. Lf4 Txe1 13. Dxe1 De7 14. Sc3 Lb7 15. Dxe7 Lxe7 16. a4 a6 17. g3 g5 18. Lxd6 Lxd6 19. Lg2 Lxg2 20. Kxg2 f5 21. Sd5 Kf7 22. Se3 Kf6 23. Sc4 Lf8 24. Te1 Td8 25. f4 gxf4 26. gxf4 b5 27. axb5 axb5 28. Se3 c6 29. Kf3 Ta8 30. Tg1 Ta2 31. b3 c5 32. Tg8 Kf7 33. Tg2 cxd4 34. Sxf5 d3 35. cxd3 Ta1 36. Sd4 b4 37. Tg5 Tb1 38. Tf5+ Ke8 39. Tb5 Tf1+ 40. Ke4 Te1+ 41. Kf5 Td1 42. Te5+ Kf7 43. Td5 Txd3 44. Txd7+ Ke8 45. Td5 Th3 46. Te5+ Kf7 47. Te2 Lg7 48. Sc6 Th5+ 49. Kg4 Tc5 50. Sd8+ Kg6 51. Se6 h5+ 52. Kf3 Tc3+ 53. Ke4 Lf6 54. Te3 h4 55. h3 Tc1 56. Sf8+ Kf7 57. Sd7 Ke6 58. Sb6 Td1 59. f5+ Kf7 60. Sc4 Td4+ 61. Kf3 Lg5 62. Te4 Td3+ 63. Kg4 Tg3+ 64. Kh5 Le7 65. Se5+ Kf6 66. Sg4+ Kf7 67. Te6 Txh3 68. Se5+ Kg7 69. Txe7+ Kf6 70. Sc6 Kxf5 71. Sa5 Th1 72. Tb7 Ta1 73. Tb5+ Kf4 74. Txb4+ Kg3 75. Tg4+ Kf2 76. Sc4 h3 77. Th4 Kg3 78. Tg4+ Kf2 ½:½

Bei der erneuten Erprobung der Spanischen Partie, nun der Berliner Verteidigung, ergab sich ein ausgeglichenes Spiel, das von Carlsen verschärft wurde. In den anschließenden Verwicklungen griff Karjakin fehl, verteidigte sich jedoch in der Folge gut. Am Ende manövrierte Carlsen mit einer Mehrfigur. Nach einem Fehler beider Spieler im 70. Zug ließ der Titelverteidiger im 72. Zug den nicht mehr einfach zu findenden Weg zum Sieg aus, wodurch Karjakins hartnäckige Verteidigung mit einem Unentschieden belohnt wurde.

Die Partie dauerte fast sieben Stunden.Drittes Remis nach sieben Stunden und 78 Zügen. Süddeutsche Zeitung, 15. November 2016.

4. Partie

Karjakin-Carlsen ½:½ New York, 15. November 2016 Spanische Partie, C77 1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 a6 4. La4 Sf6 5. 0–0 Le7 6. Te1 b5 7. Lb3 0–0 8. h3 Lb7 9. d3 d6 10. a3 Dd7 11. Sbd2 Tfe8 12. c3 Lf8 13. Sf1 h6 14. S3h2 d5 15. Df3 Sa5 16. La2 dxe4 17. dxe4 Sc4 18. Lxh6 Dc6 19. Lxc4 bxc4 20. Le3 Sxe4 21. Sg3 Sd6 22. Tad1 Tab8 23. Lc1 f6 24. Dxc6 Lxc6 25. Sg4 Tb5 26. f3 f5 27. Sf2 Le7 28. f4 Lh4 29. fxe5 Lxg3 30. exd6 Txe1+ 31. Txe1 cxd6 32. Td1 Kf7 33. Td4 Te5 34. Kf1 Td5 35. Txd5 Lxd5 36. Lg5 Kg6 37. h4 Kh5 38. Sh3 Lf7 39. Le7 Lxh4 40. Lxd6 Ld8 41. Ke2 g5 42. Sf2 Kg6 43. g4 Lb6 44. Le5 a5 45. Sd1 f4 46. Ld4 Lc7 47. Sf2 Le6 48. Kf3 Ld5+ 49. Ke2 Lg2 50. Kd2 Kf7 51. Kc2 Ld5 52. Kd2 Ld8 53. Kc2 Ke6 54. Kd2 Kd7 55. Kc2 Kc6 56. Kd2 Kb5 57. Kc1 Ka4 58. Kc2 Lf7 59. Kc1 Lg6 60. Kd2 Kb3 61. Kc1 Ld3 62. Sh3 Ka2 63. Lc5 Le2 64. Sf2 Lf3 65. Kc2 Lc6 66. Ld4 Ld7 67. Lc5 Lc7 68. Ld4 Le6 69. Lc5 f3 70. Le3 Ld7 71. Kc1 Lc8 72. Kc2 Ld7 73. Kc1 Lf4 74. Lxf4 gxf4 75. Kc2 Le6 76. Kc1 Lc8 77. Kc2 Le6 78. Kc1 Kb3 79. Kb1 Ka4 80. Kc2 Kb5 81. Kd2 Kc6 82. Ke1 Kd5 83. Kf1 Ke5 84. Kg1 Kf6 85. Se4+ Kg6 86. Kf2 Lxg4 87. Sd2 Le6 88. Kxf3 Kf5 89. a4 Ld5+ 90. Kf2 Kg4 91. Sf1 Kg5 92. Sd2 Kf5 93. Ke2 Kg4 94. Kf2 ½:½

Ab dem 18. Zug übernahm Carlsen die Initiative. Da er im 42. Zug nicht die beste Fortsetzung (42. … Ld5) fand und Karjakin sich umsichtig verteidigte, kam er in der (nach Zügen) längsten Partie des Matches nicht über ein Remis hinaus.

Die Partie dauerte mehr als fünf Stunden.Zum Remis mit einem isolierten Bauern. Süddeutsche Zeitung, 12. November 2016.

5. Partie

Carlsen-Karjakin ½:½ New York, 17. November 2016 Italienische Partie, C50