Crivitz ist eine Landstadt im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Sie ist Verwaltungssitz des Amtes Crivitz, dem weitere 16 Gemeinden angehören. Der Ort ist ein Grundzentrum., Regionaler Planungsverband, abgerufen am 12. Juli 2015

Geografie Lage und Umgebung Crivitz liegt rund 20 Kilometer östlich von Schwerin und rund 21 Kilometer nordwestlich von Parchim.

Größere Flächen im Stadtgebiet sind bewaldet, so liegt im Süden das Waldgebiet Bürgerholz mit dem Militzsee, im Westen das Waldgebiet Forst Gädebehn und im Osten das Eichholz. Im Eichholz befindet sich auch der höchste Punkt des Stadtgebiets mit über .

Im Norden durchfließt die Warnow das Stadtgebiet. Crivitz selbst liegt am kleinen gleichnamigen Crivitzer See. Im Norden grenzt das Stadtgebiet an den Barniner See und an die Warnow. Durch das Stadtgebiet fließt der Amtsgraben, der vom Militzsee über den Crivitzer See in den Barniner See führt.

Stadtgliederung Crivitz besteht aus folgenden Ortsteilen:

Geschichte Vorgeschichte

Crivitz gründet sich auf einen um wenige Meter erhöhtem Sporn südlich der Frankfurter Randlage, die beim Rückzug des Gletschereises vor etwa 22.000 Jahren entstand. Dieser Sporn aus eiszeitlichen Ablagerungen ragte in eine Schmelzwasserrinne, die Barniner See, Crivitzer See, Militzsee und Settiner See miteinander verband.Thomas Litt, Karl-Ernst Behre, Klaus-Dieter Meyer, Hans-Dieter Stephan, Stefan Wansa: Stratigraphische Begriffe für das Quartär des norddeutschen Vereisungsgebietes. In: Eiszeitalter und Gegenwart – Quaternary Science Journal. 56, Wansa, 1–2, S. 7–65.

Für die Besiedlung der Stadt waren See und Spornlage entscheidenden naturräumlichen Voraussetzungen. Vor rund 10.000 Jahren bewohnten die ersten Ansiedler eine vom Wasser im Westen und Süden umflossene, langgekrümmte Halbinsel, deren Grundgestalt sich in etwa mit der 40-m-Höhenlinie abzeichnet. Im 10. Jh. n. Chr. zeigen benachbarte Seen einen Niedrigwasserstand um 2,5 m unter dem heutigen Niveau. Spätestens in dieser Phase war „Crivitz“ vermutlich auch vom Süden her, eventuell über Plankenwege oder über eine Brücke, zugänglich und blieb dennoch ein relativ gut geschützter und leicht zu verteidigender Ort.Ralf Bleile: Die limnische Kulturlandschaft Nordostdeutschlands in prähistorischer und historischer Zeit. In: Bodendenkmalpflege in Mecklenburg. Jahrbuch 58, 2010, S. 205–274.

Es wurden seit um 1840 etwa 70 archäologische Fundplätze in der Gemarkung Crivitz entdeckt.Ortsakte Crivitz im Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern. Vom Spätpaläolithikum bis in die Neuzeit sind Funde im Erdboden entdeckt worden u. a. die Goldfunde des 2013 geborgenen Grabkomplexes aus der Bronzezeit.Jens-Peter Schmidt, Bernd Wollschläger: Goldene Bronzezeit in Mecklenburg. In: Archäologie in Deutschland. 2014 (4), S. 48. Die meisten Funde befinden sich im Schloss Wiligrad im Depot der Landesarchäologie. mini|Stadtansicht mit See (Postkarte von 1913) mini|Die Warnow bei Gädebehn

Name Der Name Crivitz kommt aus dem Slawischen und bedeutet nach der altpolabischen Form Krivica so viel wie krumm oder gekrümmt; also Crivitz ist der „Ort an der Krümmung“. Möglicherweise ist damit die Lage der Stadt auf der Halbinsel (Seekrümmung) am Crivitzer See gemeint, oder vielleicht nur die gekrümmte damalige Straßenstruktur. Um 1273 wurde der Ortsname Kriwitz oder Kriwicz und im Stadtsiegel von 1329 Criwisc geschrieben.Ernst Eichler und Werner Mühlmer: Die Namen der Städte in Mecklenburg-Vorpommern. Ingo Koch Verlag, Rostock 2002, ISBN 3-935319-23-1

Mittelalter und Neuzeit bis 1918 Schon früh befand sich auf der Halbinsel eine slawische Burg aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Das Crivitzer Krankenhaus befindet sich auf einem weiteren Burgwall. Hier befand sich vermutlich eine Burg oder ein Schloss, aus welchem das spätere Amtsgebäude entstand. Ein Teil dieses Amtsgebäudes ist noch als Bestandteil des heutigen Krankenhauses erhalten. Die Stadt wurde wahrscheinlich 1251 von den Grafen von Schwerin um die damals vorhandene Burg gegründet. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Stadt 1302. 1357 fiel Crivitz an die Herzöge von Mecklenburg. Crivitz entwickelte sich zu einer typischen Landstadt in Mecklenburg und war als solche bis 1918 als Teil der Städte des Mecklenburgischen Kreises auf Landtagen vertreten.

Die Reformation wurde an der Stadtkirche Crivitz erst 1561 mit dem Pfarrer Michael Bramburg eingeführt. Bis dahin hatte die katholisch bleibende Stadtherrin Herzogin Anna († 1567), Mutter des Herzogs Johann Albrecht I. dies hier und in Lübz verzögert, bevor ihr Sohn durchgriff.

1660 brannten beim großen Brand am nördlichen Rand der Stadt 66 Wohnhäuser und das Schwerinsche Tor ab und 1688 am südöstlichen Rand u. a. das Mühlentor.Crivitzer Stadt-Buch von 1704. Der große Stadtbrand vom September 1704 zerstörte etwa 100 Wohnhäuser, das Rathaus und die Schulen. Bei diesem Brand wurden auch die meisten Unterlagen und Besitznachweise vernichtet. Im 1712 angelegten Stadt Crivitz Protocoll-Buch wurden 1721 alle Häuser, Gärten, Äcker, Wiesen und Scheunen und deren Besitzer verzeichnet.Crivitz bat Herzog Carl Leopold von Mecklenburg in Schwerin um eine Verordnung, die er am 27. März 1721 erließ, zur Eintragung aller Liegenschaften im Stadt-Pfand-Buch. (Anordnung vom 8. September 1721 im Stadt-Buch Crivitz von 1704, S. 29–34).

Im Großen Nordischen Krieg (1700–1721) war Crivitz stark betroffen. Am 19. Dezember 1712 hielt sich der russische Zar Peter der Große mit einer Armee von 24.000 Soldaten in und um Crivitz auf. Sie alle mussten untergebracht und verpflegt werden. Am 28./30. Dezember hielten sich zwei Regimenter Infanterie der Chursächsischen Truppen in Crivitz auf und am 1./2. Januar 1713 wieder die russische Armee mit 7000 Mann.Stadt Crivitz Protocoll-Buch von 1712 ff.

1837 wurde ein erhaltener Stadtplan vom Maurermeister Christian Heese angelegt, dessen Struktur weitgehend der heutigen Bebauung der Altstadt entspricht.Original im Museum der StadtA. Reinecke: Warum entstand 1837 der erste Stadtplan von Crivitz und wer hat ihn gezeichnet? In: Crivitzer Geschichten. Alt und Neu. 2021. Hrsg. von der Interessengemeinschaft Geschichtliches und Geschichten Crivitz. Crivitz 2021, S. 10–14. Der Plan zeigt, dass die beiden früher zerstörten Stadttore nach außen versetzt neu errichtet wurden.

Zwischen 1791 und 1918 gab es eine jüdische Gemeinde mit einer eigenen, bis heute erhaltenen Synagoge in der Fritz-Reuter-Straße 13. Letztere wurde verkauft und ist seitdem als Wohnhaus genutzt.

Ab 1918 In Crivitz erschien zumeist monatlich von 1933 bis 1938 das Heimatblatt Mein Mecklenburg.Druck und Verlag befanden sich in Crivitz unter Leitung von A.C. Tiedemann.

1935 erklärte der NS-Bürgermeister Otto Boueke Crivitz als erste Stadt des Landes Mecklenburg für „judenfrei“. Es gab jedoch in der Parchimer Straße noch das Kaufhaus Jacobson-Löwenstein von 1911. Dort wurden in der Pogromnacht am 9. November 1938 die Scheiben zerschlagen, der jüdische Friedhof (Trammer Str. 1) verwüstet. Das Kaufhaus wurde unter Druck „arisiert“; das Ehepaar konnte nicht ausreisen und wurde 1941 deportiert. Seit 2011 erinnern Stolpersteine an die ehemaligen jüdischen Einwohner.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde auf dem Gelände des Friedhofs der jüdischen Gemeinde am Trammer Weg ein Barackenlager für sowjetische Kriegsgefangene errichtet, die Zwangsarbeit verrichten mussten. Auch hat es im Ort polnische Zwangsarbeiter gegeben. Mindestens 31 Inhaftierte starben. Gegen Ende des Krieges wurden Häftlinge des KZ Sachsenhausen von SS-Mannschaften auf einem Todesmarsch durch die Umgebung von Crivitz getrieben, wobei mindestens 41 von ihnen ihr Leben verloren.

Auch in Crivitz kam es im Juni 1953 zu politischen Unruhen. So protestierten am 20. Juni eine Menge Crivitzer in einer „provokatorischen Zusammenrottung“ gegen die Diktatur der SED. Mindestens ein Crivitzer wurde verhaftet. Diese Person musste nach wenigen Tagen wieder entlassen werden, weil die „eingeleitete Untersuchung keinen Schuldbeweis erbrachte, daß erstens der Bericht der VP übertrieben war, und die von der VP angeführten Zeugen die Beschuldigungen nicht bestätigten.“Stasi-Unterlagen-Archiv (Hrsg.): Die Reaktion der Staatsmacht auf den Aufstand, in: Stasi-Unterlagen-Archiv, o. D., https://www.bundesarchiv.de/geschichten/volksaufstand/aufstand-in-den-bezirken/schwerin/ (abgerufen am 16.06.2023).

In der DDR-Zeit errichtete das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) an der heutigen B 321 eine Kommandozentrale als Ausweichführungsstelle der Bezirksverwaltung Schwerin. Das Objekt Waldschlößchen beherbergte Schießstände, unterirdische Bunkeranlagen, ein Waffenlager und eine abgesetzte Sendestelle.Der Stasi-Bunker am „Waldschlößchen“ – Die „Ausweichführungsstelle“ der ehemaligen Bezirksverwaltung Schwerin des MfS (BStU) Im Sommer 1984 übernahm der emeritierte Bischof Heinrich Rathke die Pfarrstelle. Bereits vor seinem Umzug verwanzte das Ministerium für Staatssicherheit das Haus und staatliche Stellen legten Operativ-Pläne zur Eindämmung seines oft oppositionellen Wirkens an.

Im Zuge der Wende wurde die Politische Bürgerinitiative Crivitz gegründet, die durch Mahnwachen Anfang Januar 1990 die Übergabe des Objektes an die Nationale Volksarmee erreichte. In dieser Zeit gab es auch in Crivitz Friedensgebete in der Kirche und Demonstrationen mit bis zu 600 Teilnehmern.

Von 1952 bis 1994 gehörte Crivitz zum Kreis Schwerin-Land (bis 1990 im DDR-Bezirk Schwerin, 1990–1994 im Land Mecklenburg-Vorpommern). 1994 wurde die Stadt in den Landkreis Parchim eingegliedert, der 2011 mit dem Landkreis Ludwigslust zum Landkreis Ludwigslust-Parchim zusammengelegt wurde.

Am 1. Januar 2014 fusionierten die Ämter Banzkow, Crivitz und Ostufer Schweriner See zum jetzigen Amt Crivitz. Crivitz ist Amtssitz.

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde ab 1991 der historische Stadtkern mit Hilfe der Städtebauförderung grundlegend saniert.

Geschichte der Ortsteile mini|Herrenhaus Basthorst Basthorst: Das Gut war im 19. Jahrhundert im Besitz der Familie von Schack. Das Gutshaus entstand 1824 und wurde um 1910 erheblich neobarock überformt. Nach 1945 war hier die Betriebsakademie des Gesundheitswesens des Bezirkes Schwerin. Seit 1994 befindet sich hier ein Hotel- und Restaurantbetrieb.

Radepohl: Das Gut war im Besitz der Familien Ritter von Mallin (1337), Elderhorst zu Bissendorf (18. Jh.), evtl. von Stralendorff und Georg Froriep (bis 1945). Das ruinöse Gutshaus soll im Kern aus dem 17. Jahrhundert stammen.

Wessin gehörte seit 1230 zum Land Warnow. Die Wehrkirche Wessin vom Ende des 13. Jahrhunderts wurde erstmals 1391 genannt. Der Ort war u. a. Besitz der Familien von Restorff (14. bis 17. Jahrhundert), von Wenkstern (ab 1670), von Sperling (ab 1688), von Passow (ab 1723) und von Barner (ab um 1800).

Eingemeindungen Seit dem 1. Januar 2003 gehört die vormals selbständige Gemeinde Gädebehn zur Stadt Crivitz.StBA: Gebietsänderungen vom 01.01. bis 31.12.2003 Am 1. Januar 2011 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Wessin mit den Ortsteilen Badegow und Radepohl nach Crivitz eingemeindet.

Bevölkerung Jahr1. Michael Buddrus u. Sigrid Fritzlar, Die Städte Mecklenburgs im Dritten Reich: ein Handbuch zur Stadtentwicklung im Nationalsozialismus, ergänzt durch ein biographisches Lexikon der Bürgermeister, Stadträte und Ratsherren mit 549 Abbildungen, Bremen 2011, S. 150. Einwohner 1875 3099 1900 2980 1933 3152 1942 3252 1947 2950sowie rund 3000 Flüchtlinge,Vertriebene und Umsiedler (gesamt: 5950) Jahr Einwohner 1990 4528 1995 4392 2000 4681 2005 4871 2010 4672 2015 4887 Jahr Einwohner 2020 4780 2021 4770 2022 4611 2023 4595 2024 4601

Stand: 31. Dezember des jeweiligen JahresStatistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Statistischer Bericht. Bevölkerungsstand. Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Religion