mini|Wappen derer von Traitteur
Johann Andreas Traitteur, ab 1790 Edler von Traitteur (* 30. Juli 1752 in Philippsburg;Ortssippenbuch Philippsburg, Nr. 5144 (erstes OSB) bzw. 7198 (Neue OSB-Version); dort ist nur ein Johann Traitteur vermerkt (der 2. Vorname „Andreas“ fehlt) † 20. Januar 1825 in BruchsalOrtssippenbuch Bruchsal # 34647 S. 8442), war ein deutscher Ingenieur, kurfürstlich pfälzischer Administrationsrat und Baudirektor in Heidelberg und kaiserlich-königlicher Oberstleutnant und Salinenbesitzer zu Bruchsal und Mosbach (1824).
Familie Traitteur entstammte dem pfälzischen Adelsgeschlecht Traitteur. Sein Vater war Johann Adam Traitteur aus MaikammerFamilie Traitteur in der Onlineausgabe des Ortsfamilienbuches Philippsburg, seine Mutter Eva Elisabeth Duraß aus Weyher in der Pfalz, die Witwe des Philippsburger Hofrats Johann Heinrich Weber (1721–1749). Sie heirateten am 20. Mai 1749 in Philippsburg, wo sie sich auch niederließen. Die Familie hatte sechs gemeinsame Kinder; außerdem brachte die Mutter aus erster Ehe eine Tochter (1747–1752) mit.
Johann Andreas von Traitteur war zweimal verheiratet. Die erste Ehe mit Anna Maria Walther (* 30. April 1752 in Deidesheim), die in Langenbrücken lebte, blieb kinderlos.Familysearch sowie im Ortssippenbuch Bad Schönborn, Mingolsheim (in Vorbereitung), Kinderlos lt. OFB Maikammer. Vater der Braut war Georgius Adamus Carolus Walther (1738 Advokat in Bruchsal und 1790 Hofrat des Fürstbischofs von Speyer). Die Mutter der Braut war Anna Elisabetha Regina Durass, deren Vater war Johann Jakob Düraß (Durass), ein fürstbischöflicher Hofkammerrat und Kammerdirektor. Die Hochzeit war nach genehmigter Dispens durch Papst Pius VI. vom 19. Juni 1777 – wegen Blutsverwandtschaft im zweiten Grad – am 23. September 1777 in Ubstadt geschlossen worden.Ortssippenbuch Ubstadt, Nr. 2432 Nobilitiert 1790 trug er den Namen Johann Andreas Edler von Traitteur.
Am 17. April 1798 starb seine erste Frau und nur zwei Monate später heiratete er am 21. Juni 1798 in Heidelberg Maria Anna Augusta Janner (auch Jonner) „von Stolzenberg“. Aus dieser zweiten Verbindung gingen sechs Kinder hervor, der Sohn Ferdinand Carl von Traitteur-Brauneberg (getauft am 23. April 1799 in Heidelberg) sowie fünf Töchter. Zwei der Töchter starben kurz nach der Geburt (1804 und 1807). Amalia Christina Carolina heiratete in die Adelsfamilie von Glaubitz, Antonia Maria Anna Philippina ging eine Verbindung mit der Adelsfamilie Göler von Ravensburg ein und die Tochter Marie Philippine Caroline Auguste Valerie heiratete in die Adelsfamilie von Faber.
Johann Andreas’ Bruder, Karl Theodor von Traitteur (1756–1830), war ab 1788 Hofbibliothekar in Mannheim. Gemeinsam mit seinen Brüdern Jacob GeorgSiehe eine Publikation von Georg Traitteur im Katalog der Universitätsbibliothek Heidelberg., Conrad Joseph und Karl Theodor Traitteur wurde er von Kurfürst Karl Theodor von Pfalz-Bayern in München am 14. September 1790 in den Reichsritterstand mit Namensergänzung Edler von Traitteur erhoben. Zu seinen Nachkommen gehörte der Jurist, Beamte und Forchheimer Oberbürgermeister Karlheinz Ritter von Traitteur.
Leben Traitteur studierte ab dem 17. November 1772 Rechtswissenschaft an der Universität Heidelberg. Er setzte das Studium am Collége de St. Louis in Metz fort. Als Ingenieur und „Genieoffizier“ kam er zum kurpfälzischen Kontingent. 1787 nennt ihn der kurpfalz–bayerische Hof- und Staatskalender als der „Weltweisheit Doktor der Zivil- und Militärkunst, der praktischen Geometrie ordentlicher öffentlicher Lehrer auch geistlicher Administrationsrat und zweiter Baukommissär, Mitglied der philosophischen Fakultät der Universität Heidelberg.“ Anschließend wechselte er als Oberstleutnant zur österreichischen Armee.
Von 1779 bis 1781 hielt er Vorlesungen über Geometrie. Die Ernennung zum Professor erhielt er am 9. Dezember 1784, zunächst aber ohne Besoldung. Im Mai 1785 trat er die Professur an der Universität Heidelberg an. 1786 wurde er zum Doktor promoviert sowie Dekan der Philosophischen Fakultät, 1790/91 Rektor der Universität Heidelberg.Dagmar Drüll: Heidelberger Gelehrtenlexikon. 1652–1802. Springer, Berlin u. a. 1991, ISBN 3-540-53472-5, S. 156–158 (online). Die Niederlegung der Professur an der Universität Heidelberg erfolgte zum 24. Dezember 1803.
Traitteur war auch Mitglied der Freimaurerloge Carl zur Eintracht in Mannheim.
Heißluftballonstarts Traitteur experimentierte über viele Jahre mit unbemannten Heißluftballonen: Am 17. Juli 1784, wenige Monate nachdem Joseph Michel Montgolfier bei Paris seine erste bemannte Ballonfahrt ausführte, startete in Leimersheim ein von Traitteur gebauter Ballon. Dieser war aus Papier gefertigt und mit Schnüren verstärkt, 16 Schuh (ca. 4,60 m) hoch und hatte einen Durchmesser von 12 Schuh (ca. 3,50 m). Laut dem eigenen Bericht flog der Ballon etwa 38 Minuten lang. In Burrweiler fand am 18. Oktober 1784 ein völkerverbindendes Experiment statt:
1786, zum 400-jährigen Heidelberger Universitätsjubiläum, übernahm Traitteur die Herstellung der Illumination für 600 Gulden Honorar. Im Beisein von Luise Prinzessin von Baden, der späteren Frau des Zaren Alexander I., ließ er einen Ballon starten, was ihm aber nicht völlig gelang und Spottverse der zahlreichen Schaulustigen einbrachte. Die Verse werden bis zum heutigen Tag in diversen Regional- und Pfalzpublikationen zitiert: Herr Tretter, Herr Tretter, de Luftballon schlagt wedder. Hätt er unne meh uffgeblose, wär er owwe nit angestoße.Pfälzische „Wiege“ der Aerostatik auf der Website von Burrweiler, abgerufen am 29. Mai 2013 Weitere Ballonstarts fanden am 20. Juli 1803 von der Saline in Bruchsal im Beisein von Großherzog Karl Friedrich von Baden statt. Der Ballon flog eine Stunde und landete im „Württembergischen“. Genau zwei Monate später, am 20. September 1803, ließ Traitteur erneut von der Bruchsaler Saline, diesmal im Beisein des schwedischen Königs Gustav IV. Adolf und seiner Gemahlin Sophie Magdalene von Dänemark, einen Ballon aufsteigen, der erst nach 12 Stunden Flugzeit in Wissembourg landete.Rudolf Wolf: Maybach-Motoren und Automobile im Rhein-Neckar-Dreieck und der Pfalz. 7. Auflage, Books on Demand, Norderstedt 2019, S. 149 (online).Otto Meyer, Hans Jutta Götzmann und Ansgar Reiss: Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation 962 bis 1806. Altes Reich und Neue Staaten 1495 bis 1806. Dresden 2006, ISBN 3-937602-62-3.
Bautätigkeiten mini|hochkant|Das „gedehnte Achteck“ ist heute das Rathaus von Oppenweiler 1778 kaufte er das Haus am Fischmarkt 4, die „alte Dechanei“, und baute es zu seinem Wohnhaus im Louis-seize-Stil um. Dieses Haus steht heute unter Denkmalschutz.Melanie Mertens u. a.: Stadtkreis Heidelberg (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Kulturdenkmale in Baden-Württemberg. Band II.5). Teilband 1, Jan Thorbecke, Ostfildern 2013, ISBN 978-3-7995-0426-3, S. 188 f.Floria Waldeck: Von Traitteur. (Biografie) S. 48 ff. 1782 nahm er als Architekt den Umbau des alten Wasserschlosses in Oppenweiler (Rems-Murr-Kreis) in die Hände. Er hatte die ungewöhnliche Idee, es zu einem achteckigen Gebäude umzugestalten.Willkommen am Wasserschloss in Oppenweiler. Website der Gemeinde Oppenweiler, abgerufen am 4. Februar 2021. 1785 organisierte er die nötigen Umbauten für die Verlegung der Universitätsbibliotheksräume innerhalb der Alten Universität in Heidelberg. 1786 war er Verantwortlicher bei den Restaurierungsarbeiten in der heutigen Alten Aula der Universität Heidelberg.Dagmar Drüll: Heidelberger Gelehrtenlexikon. 1652–1802. Springer, Berlin u. a. 1991, ISBN 3-540-53472-5, S. 156–158 (online). 1787 und 1788 leitete Traitteur die Bauarbeiten zur Beseitigung der Rheininsel Ceylon, welche die Kurpfalz als Bedrohung der Stadt Germersheim ansah. Dabei unterbreitete er Kurfürst Karl Theodor weitergehende Pläne zur Begradigung des Rheins im Raum Germersheim.Heinz Musall: Zur historisch-geographischen Entwicklung der Rheinniederung bei Rußheim. In: Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg, Institut für Ökologie und Naturschutz Karlsruhe (Hrsg.): Der Rußheimer Altrhein. Eine nordbadische Auenlandschaft (= Die Natur- und Landschaftsschutzgebiete Baden-Württembergs. Band 10) Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg, Karlsruhe 1978, ISBN 3-88251-028-5, S. 15–47, hier S. 37 ff. 1799 kaufte er das Gelände des ehemaligen kurfürstlichen Bau- und Holzhofs am Neckarufer beim ZeughausFolke Damminger, Einhard Kemmet: Baubegleitende Untersuchungen in der Unteren Neckarstraße 76 in Heidelberg. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2013. WBG Theiss, Darmstadt 2014, ISBN 978-3-8062-0005-8, S. 249–252, hier S. 250. und legte dort einen Obstgarten an.Denkmalbuch 1804 kaufte er das ehemalige Jesuitengymnasium in der Schulgasse 6 in Heidelberg, baute es um und nutzte es als Salzspeicher, Wohnhaus und Theater. Aus dieser Zeit stammt das Zwischengeschoss zwischen Erd- und erstem Obergeschoss. Ab 1828/1829 beherbergte das Gebäude die Universitätsbibliothek,Melanie Mertens u. a.: Stadtkreis Heidelberg (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Kulturdenkmale in Baden-Württemberg. Band II.5). Teilband 1, Jan Thorbecke, Ostfildern 2013, ISBN 978-3-7995-0426-3, S. 455. nachdem es 1827 von seiner Frau an die Universität verkauft worden war. Heute ist dort das Philosophische Seminar der Universität angesiedelt. Die Festung Philippsburg setzt er nach deren Zerstörung wieder instand.
Bau der Wasserleitung von Rohrbach nach Mannheim mini|Fassung der Quellen in Rohrbach (Heidelberg) mini|Lageplan der vorgesehenen Wasserleitung (dunkelblau), sowie der Ableitung des Leimbaches für die Festungsgräben (hellblau). (angedeuteter Verlauf nach der „Special Karte“ Traitteurs, um 1790) Nach über 110 Jahren wurde endlich der Entschluss gefasst, eine Frischwasserleitung nach Mannheim zu bauen. Viele Jahre zuvor wurden über 20.000 fl. (Gulden) für Untersuchungen ausgegeben, jedoch ständige Widersprüche unter den Sachverständigen setzten den Hof außer Stand den erwünschten Endzweck zu erreichen.Geschichte der Wasserleitung… (1798) Mit Schreiben (Rescript) vom 19. Juli und dem 21. September 1790 erhielt v. Traitteur den Auftrag zur Planung und Ausführung der Arbeiten. Am 20. November 1790 hielt er in der Redoute (Festung) in Mannheim eine öffentliche Vorlesung, in der er der Bevölkerung einen Plan darstellte, um Mannheim mit Quellwasser aus Rohrbach durch eine Wasserleitung zu versorgen. Mit einem weiteren Schreiben vom 24. November und nochmals vom 16. Dezember 1790 wurden neue Forderungen zu den Bauausführungen gemacht, welche die Kosten durch erneute Überplanung und Erweiterungen erhöhten. Mit dem zweiten Vertrag (Contract) vom 1. März 1791 wurde eine Bausumme von 238.000 Gulden vereinbart. J. A. v. Traitteur sollte die ersten Kosten in Höhe von 90.000 Gulden vorschießen und diese dann von der Staatskasse zurückerhalten. PDF, 1. März 1794 Der Vertrag mit der Gemeinde Rohrbach zum Bau der Quellenfassung für diese Wasserleitung wurde am 2. Mai 1791 von Traitteur unterzeichnet.Chronik von Rohrbach: Im August 1791 verlangt v. Traitteur einen Vorschuss für die geleisteten Arbeiten, erhält jedoch keinerlei Geld. Am 1. März 1792 wird durch ein kurfürstliches Rescript der Vertrag mit v. Traitteur aufgehoben. Nach zweijährigen Verhandlungen, in denen v. Traitteur von der kurfürstlichen Hofkammer vergeblich die Erstattung seiner Auslagen für die inzwischen im Bau weit fortgeschrittene Wasserleitung von Rohrbach nach Mannheim forderte, wird ein neuer Vertrag geschlossen. Zitat: „der zur Absicht hatte, den vorhinigen Plan der Wasser=Leitung nach thunlichkeit zu beschränken, um dadurch bei eingetrettenen Kriegs Umständen die der Hofkammer zu häftig geschienen Kosten möglichst zu minderen, und zu derselben Zahlung längeren Verzug zu finden“. Traitteur setzt im Vertrauen auf diesen neuen Vertrag den Bau fort und investiert weitere 70.000 Gulden.