Die Mazzotti-Reaktion stellt einen Symptomenkomplex dar, der sich unter der Therapie einer Fadenwurmerkrankung vor allem mit dem Anthelminthikum Diethylcarbamazin (DEC) einstellt bzw. einstellen kann. Erstbeschreiber war der mexikanische Parasitologe Luigi Mazzotti (1900–1971), der sie 1948 entdeckte.Mazotti-Reaktion. medical-dictionary.thefreedictionary.com; abgerufen am 22. Dezember 2014.

Symptomatik und Pathogenese

Durch die anthelmintische Therapie sterben die Würmer im Körper des Wirtes ab. Bei diesem Prozess gelangen vermehrt parasitäre Antigene in den Wirtsorganismus, die dort eine (überschießende) Immunreaktion auslösen.S. J. Ackerman, G. M. Kephart, H. Francis, K. Awadzi, G. J. Gleich, E. A. Ottesen: Eosinophil degranulation. An immunologic determinant in the pathogenesis of the Mazzotti reaction in human onchocerciasis. In: The Journal of Immunology, 1990, 144, Nr. 10, S. 3961–3969, PMID 2332637. Die Symptome der Reaktion sind somit meist dem allergischen Formenkreis zuzuordnen:

Quaddelbildung, Hypotension mit reaktiver Tachykardie, und Ödembildung

Zusätzlich finden sich Allgemeinsymptome wie Fieber, geschwollene und druckschmerzhafte Lymphknoten, Gelenk- sowie Bauchschmerzen. Im Extremfall kann sich die Mazzotti-Reaktion bis zum anaphylaktischen Schock ausweiten, der akut lebensbedrohlich ist. Die Reaktion bildet sich meist innerhalb von 7 Tagen nach Therapiebeginn aus, wobei das Ausmaß der Symptome mit der Parasitenbefallsdichte zu korrelieren scheint.

Auslöser mini|alt=|Strukturformel von Diethylcarbamazin, einem häufigen Auslöser der Mazzotti-Reaktion mini|Mikrofoto von Onchocerca volvulus, dem Erreger der Flussblindheit

Mazzotti beschrieb die Reaktion bei der Behandlung der Flussblindheit mit Diethylcarbamazin. Aber auch andere antiparasitäre Wirkstoffe kommen als Auslöser in Frage wie z. B. Ivermectin, Praziquantel und Albendazol. Weitere parasitäre Erkrankungen, bei deren Therapie eine Mazzotti-Reaktion auftreten kann, stellen der Befall mit Pärchenegeln oder dem Zwergfadenwurm dar. Auch bei der Ivermectin-Behandlung der Krätze wurde schon das Auftreten des Symptomenkomplexes beschrieben.Toshiki Ito: Mazzotti reaction with eosinophilia after undergoing oral ivermectin for scabies. In: The Journal of Dermatology, 2013, 40, Nr. 9, S. 776–777; doi:10.1111/1346-8138.12243.

Mazzotti-Test

mini|Bild eines Epikutantests. Das zweite Feld von oben links zeigt einen schwach positiven Befund Da unter der DEC-Therapie der Flussblindheit sehr häufig die Mazzotti-Reaktion auftritt, kann man sich diesen Sachverhalt diagnostisch zunutze machen:

Die technisch einfachere – wenn auch riskantere – Möglichkeit ähnelt der Diagnosis ex juvantibus. Der Patient erhält hierbei eine orale DEC-Dosis; zeigt er anschließend die typischen Symptome der Mazzotti-Reaktion kann man recht sicher davon ausgehen, dass er von Onchocerca volvulus oder anderen Filarien befallen ist.

Die elegantere Form ist eine Variante des Epikutantest. Im Gegensatz zum üblichen Test wird dem Patienten kein Allergen auf die Haut aufgebracht, sondern DEC wird auf die Haut aufgetragen und dort unter einem Aluminium-Hütchen belassen. Der Wirkstoff tötet die unter dem Alu-Plättchen in der Haut befindlichen Larven ab und es kommt zu einer lokal begrenzten Immunreaktion auf die frei werdenden Erregerbestandteile. Dermatologisch lässt sich ein positiver Test auch hier u. a. an der Bildung eines Erythems, Ekzems, Papeln oder Vesikeln ablesen. Die Möglichkeit einer systemischen, anaphylaktischen Reaktion ist bei dieser Form des Tests äußerst gering.Kilian Hd: The use of a topical Mazzotti test in the diagnosis of onchocerciasis. In: Tropical medicine and parasitology: official organ of Deutsche Tropenmedizinische Gesellschaft and of Deutsche Gesellschaft fur Technische Zusammenarbeit (GTZ), 1988, 39, Nr. 3, S. 235–238; PMID 3194667.

Bei beiden Varianten bietet sich im Falle eines positiven Nachweises die Möglichkeit, den Befall mit anderen Medikamenten (sofern verfügbar) zu behandeln, die ein deutlich niedrigeres Risiko für eine Mazzotti-Reaktion aufweisen.W. R. Brieger u. a.: The effects of ivermectin on onchocercal skin disease and severe itching: results of a multicentre trial. In: Tropical Medicine & International Health, 1998, 3, Nr. 12, S. 951–961; doi:10.1046/j.1365-3156.1998.00339.x.

Therapie Da die Ursache eine Überreaktion des Immunsystems darstellt, eignen sich zur (präemptiven) Therapie bzw. Prophylaxe immunsuppressive Glucocorticoide wie z. B. Prednison.Bradley G. Olson, Joseph B. Domachowske: Mazzotti Reaction After Presumptive Treatment for Schistosomiasis and Strongyloidiasis in A Liberian Refugee: In: The Pediatric Infectious Disease Journal, 2006, 25, Nr. 5, S. 466–468, doi:10.1097/01.inf.0000217415.68892.0c. Stellt sich eine Schock-Symptomatik ein, so ist der Patient entsprechend einer Anaphylaxie zu behandeln (Katecholamine, Volumentherapie).Johannes Ring u. a.: Guideline for acute therapy and management of anaphylaxis. In: Allergo Journal International, 2014, 23, Nr. 3, S. 96–112, in der Datenbank der National Library of Medicine, aufgerufen am 20. Februar 2026.

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Eine der pathophysiologischen Erklärungen für die Jarisch-Herxheimer-Reaktion, die z. B. bei der Penicillin-G-Therapie der Lues auftreten kann, beruht auf einem ähnlichen Pathomechanismus. Auch hier sollen plötzlich freiwerdende Erregerbestandteile zu einer Überreaktion des Abwehrsystems mit massiver Interleukinausschüttung prädispositionieren, die bis hin zum Schock führen kann.

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