Sein eigener Herr ist ein Roman des isländischen Schriftstellers Halldór Laxness. Das Werk erschien ursprünglich in zwei Teilen 1934 und 1935 in isländischer Sprache unter dem Titel Sjálfstætt fólk (wörtlich „Selbständige Leute“). Die isländische Erstausgabe trägt den Titelzusatz Hetjusaga („Heldengeschichte“). Ältere deutsche Übersetzungen sind unter den Titeln Der Freisasse (nur erster Teil) und Unabhängige Menschen erschienen. Die Hauptfigur des Romans ist ein isländischer Schafzüchter, der sein Ideal einer autarken Existenz auf so starrsinnige Weise lebt, dass er damit sich und seine Familie ins Verderben stürzt. Sein eigener Herr ironisiert die Tradition des Bauernromans, womit Laxness insbesondere der verklärten Darstellung des bäuerlichen Lebens in Knut Hamsuns Roman Segen der Erde entgegentreten wollte.

Handlung Die Handlung von Sein eigener Herr beginnt um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert und endet 1921/22. Der Roman ist in vier Abteilungen mit den Titeln Besiedler Islands, Schuldenfreie Wirtschaft, Schwere Zeiten, Konjunktur und einen Schlussteil gegliedert.

Besiedler Islands mini|hochkant|Eingang eines isländischen Grassodenhauses, das der Beschreibung von Sumarhus entspricht„Wohnhaus und Stall waren in eins gebaut, die einzigen von außen sichtbaren Hölzer waren die Eingangspfosten und die Tür (…)“.

Gudbjartur Jonsson,Die Schreibweise isländischer Eigennamen folgt hier der von Hubert Seelow revidierten Übersetzung des Romans von Bruno Kress, worin auf Sonderzeichen verzichtet wird. genannt Bjartur („Der Helle“ oder „Der Lichte“), hat achtzehn Jahre als Knecht und Schafhirte beim Großbauern Jon auf Utiraudsmyri gearbeitet. Nun erwirbt er von diesem einen kleinen Hof, der als verflucht gilt, um fortan Schafe zu züchten. Als Bjartur den Hof erwirbt, ist dieser bekannt als Veturhus, Winterhäuser. Bjartur benennt ihn um: „Ich heiße Bjartur. Deswegen soll der Hof Sumarhus, Sommerhäuser, heißen.“ Er zieht frisch verheiratet mit Rosa ein, die zwei Jahre als Magd für denselben Großbauern wie Bjartur gearbeitet hat. Nichts ist ihm wichtiger als seine Unabhängigkeit: „Leute, die nicht unabhängig sind, sind keine Leute.“ Bjartur möchte seinen Hof in völliger Selbständigkeit betreiben, niemandem etwas schuldig sein und unter keinen Umständen Hilfe annehmen. Zur Untermauerung seiner Ansichten zitiert er gerne aus Sagas und Rímur, auch ist er selbst dichterisch veranlagt.

Bald stellt sich heraus, dass Rosa schwanger ist – offenbar von Ingolfur Arnarson Jonsson, dem Sohn des Großbauern und Gemeindeverwalters von Utiraudsmyri. Bjartur hatte Rosa schon kurz nach dem Einzug auf dem Hof vorgeworfen, sich mit Ingolfur Arnarson abgegeben zu haben, benimmt sich nun aber so, als sei die Schwangerschaft eine „Herzkrankheit“. Die schwangere Rosa sehnt sich nach einem besseren Leben und vor allem auch besserer Nahrung, als ihr der sparsame Bjartur („Unabhängigkeit ist besser als Fleisch“) zu bieten bereit ist. Als er im Herbst zum Zusammentreiben der Schafe in die Berge reitet, lässt Bjartur Rosa mit einem jungen Schaf als „Gesellschaft“ zurück. Nachts vom Blöken des Schafes wach gehalten, erscheint ihr dieses zunehmend unheimlicher, geisterhafter, bis sie es schließlich – fast von Sinnen – tötet. Anderntags bereitet Rosa sich aus dem geschlachteten Schaf ein Festmahl zu und versteckt die Reste vor Bjartur. Sie gibt vor, das Schaf sei fortgelaufen. Bjartur, der von der Herrlichkeit seines Schafes schwärmt, macht sich Mitte November bei schlechtem Wetter auf, nach diesem zu suchen, und lässt Rosa mit seiner Hündin zurück auf Sumarhus. Beim Versuch, einen Rentierbullen zu fangen, auf den er bei der Schafsuche trifft, wird Bjartur auf dessen Rücken über den reißenden Fluss Jökulsa getragen und gezwungen, zur Heimkehr einen tagelangen Umweg zu laufen. Als er, fast in Schneestürmen erfroren, wieder in Sumarhus ankommt, ist Rosa im Kindbett gestorben; die neugeborene Tochter aber lebt, gewärmt von Bjarturs Hündin.

Bjartur sieht sich gezwungen, das Vorgefallene auf Utiraudsmyri zu berichten. Es dauert jedoch eine ganze Weile, bis ihm die Frau des Verwalters entlocken kann, was eigentlich passiert ist. Sobald sie erfährt, dass Rosas Tochter noch am Leben ist, schickt sie eine Hebamme nach Sumarhus, die das Kind aufpäppelt. Bjartur gibt ihm den Namen Asta Sollilja (etwa „Geliebte Sonnen-Lilie“). Durch Vermittlung des Pfarrers findet Bjartur schon bald wieder eine Frau und heiratet Finna, die zusammen mit ihrer verwitweten Mutter Hallbera in Sumarhus einzieht.

Schuldenfreie Wirtschaft mini|hochkant|Heuernte in Island, 1907

Bjartur lebt nun mit seiner Familie seit dreizehn Jahren auf Sumarhus. Diese ist um die drei Söhne Helgi, Gudmundur (genannt Gvendur) und Jon (genannt Nonni) angewachsen. Vier weitere Kinder sind jung gestorben. Während Bjarturs Frau Finna von Krankheiten geplagt wird, hält sich die zähe Großmutter Hallbera gut. Eines Tages drängt der Gemeindevorsteher der Familie eine Kuh auf – sehr zur Freude aller mit Ausnahme von Bjartur, zumal die Sendboten des Gemeindevorstehers kein Geld für die Kuh wollen. Der wütende Bjartur nimmt die Kuh schließlich an, besteht aber darauf, für sie zu bezahlen, und schickt die widerstrebenden Boten mit dem Geld zum Gemeindevorsteher. Dieser erscheint später auf dem Hof, um das Geld zurückzuzahlen, da der Frauenverein die Kuh bezahlt habe. Bjartur nimmt es nicht an. Dank der nun mit Kuhmilch ergänzten Ernährung verbessert sich der Gesundheitszustand und die Stimmung der Familie erheblich. Bjartur selbst hält jedoch nach wie vor nichts von der Kuh und fürchtet um das Heu seiner Schafe.

Die heranwachsende Asta Solillja liebt den Mann, den sie als ihren Vater ansieht, von Herzen. Er selbst bezeichnet sie als seine „Lebensblume“. Diese Nähe zwischen Asta und Bjartur nimmt gefährliche Züge an, als sie nach Einkäufen in der Siedlung Fjord'zusammen in einem Wirtshaus im selben Bett übernachten. Als sich Asta an Bjartur anschmiegt, scheint dieser ihre Annäherung zunächst zu erwidern, steigt dann aber plötzlich aus dem Bett und verlässt den Raum. Asta nimmt dies als brüskierende Zurückweisung wahr und folgt Bjartur; sie reisen sofort zurück nach Sumarhus.

Eines Tages taucht ein „Gast“ auf Sumarhus auf. Er ist ein Städter aus Reykjavík, der mit Bjarturs Zustimmung auf seinem Land campiert. Er vertreibt sich die Zeit mit Angeln und der Vogeljagd. Bjartur sieht es nicht gerne, dass er auch frische Süßwasserfische und Vögel auf Sumarhus vorbeibringt, denn beides ist nach Bjarturs Ansicht keine geeignete Nahrung, und er wirft seiner Familie vor, „mit Freuden Nahrungsmittel von Fremden“ anzunehmen und sich dafür „wie Bettler“ zu bedanken. Im nächsten Frühling hält sich Audur, die Schwester von Ingolfur Arnarson Jonsson, auf der Durchreise nach Reykjavík auf Sumarhus auf, wobei sich herausstellt, dass sie vom „Gast“ schwanger ist.

Der Frühling geht mit außerordentlich schlechtem Wetter und Schneestürmen einher. Bjartur verliert zahlreiche Schafe an den „Drehwurm“ und andere Krankheiten. Das Heu wird knapp; auch die Kuh magert ab und gibt kaum mehr Milch. Bjartur weigert sich, in die Gemeinde zu fahren, um Heu zu besorgen: „Ich möchte keinem unten in der Gemeinde etwas schulden. Wir sind unabhängige Leute. Ich bin auf niemanden angewiesen.“ Als Bjartur schließlich beschließt, die Kuh zu schlachten, und das auch in die Tat umsetzt, ist dies für die kranke Finna der letzte, vernichtende Schlag. „Wie armseliger Staub“ sinkt sie in den Schoß ihrer Mutter und stirbt wenig später.

Schwere Zeiten mini|Ein Islandschaf mit Lamm

Dieser Teil beginnt mit einem Dialog zwischen dem ältesten und dem jüngsten von Bjarturs drei überlebenden Söhnen, Helgi und Nonni. Sie unterhalten sich über die Länge von Beerdigungen und darüber, ob es andere Länder wirklich gebe. Helgi behauptet, den geisterhaften Unhold sehen zu können, der den Hof immer wieder zerstört hat, und hält sich selbst für einen wandelnden Toten.

In der Adventszeit sind zwei von Bjarturs Schafen unter merkwürdigen Umständen umgekommen. Ein Mutterschaf findet er in eine Leiter gezwängt vor, mit gebrochenem Rückgrat, und ein Lamm wurde mit einer Schlinge erhängt. Im Schnee um das Haus finden sich jedoch keine Spuren. Bjartur, der jedem Aberglauben abhold ist, weiß nicht recht, ob er doch mit Gespenstern zu rechnen hat. Eines Morgens liegen sogar zehn Mutterschafe tot oder verendend auf dem Boden, auf unterschiedliche Weise brutal umgebracht. Nachdem Helgi Bjartur von seinen Geistersichtungen in Kenntnis gesetzt hat, begibt sich Bjartur zu einer Stelle, wo seit alters her Steine aufgeschichtet werden, um die umgehenden Geister zu besänftigen – Bjartur jedoch fällt es nicht ein, auch wenn er nun an Gespenster glauben mag, diesen irgendwie entgegenzukommen. Trotzig hält er einen Stein in die Höhe: „Hier stehe ich, Bjartur in Sumarhus, ein freier Mann im Lande, ein selbständiger Isländer von der Landnahmezeit bis zum heutigen Tag. Ihr könnt den Berg über mich stürzen. Doch einen Stein gebe ich euch nie.“ Als der angebliche Spuk auf Sumarhus in der Gemeinde bekannt wird, stellt sich ein Strom neugieriger Besucher auf dem Hof ein. Helgi und Nonni behaupten, mit dem Gespenst in Kontakt zu stehen. Bjartur aber meidet seine Besucher, die sich zusammen mit dem Pfarrer in seine Stube setzen und in ein eifriges Gespräch über die Existenz einer unsterblichen Seele geraten – bis sie von Bjartur grob verscheucht werden.

Obschon der „Spuk“ vorerst beendet scheint, sucht Bjartur nun doch auch nach weltlicher Hilfe und ruft „die Justiz“ in der Form des Gemeindevorstehers, der die Sache untersuchen soll. Während der Gemeindevorsteher auf Sumarhus schläft, verschwindet Helgi vom Hof. Seine Spuren verlieren sich im Schnee. Das Weihnachtsfest verbringt die Familie in bedrückter Stimmung, mit Ausnahme von Bjartur, denn dieser „dachte nie an etwas, das er verloren hatte, sofern er dessen ganz sicher war, daß er es verloren hatte“. Nach Weihnachten fährt Bjartur weg und kündigt an, erst zu Ostern zurückkehren zu wollen. Da er viel Vieh verloren hat, will er in Fjord nach Arbeit suchen, um mit dem verdienten Geld wieder mehr Schafe zu kaufen.

Für die Zeit seiner Abwesenheit schickt Bjartur einen jungen Mann als Lehrer nach Sumarhus. Asta Solillja wird von ihm schwanger. Derweil muss Bjartur feststellen, dass der Kaufmann, dem er stets vertraut hatte, bankrottgegangen und mit Bjarturs Guthaben verschwunden ist. Er sieht sich gezwungen, Arbeit bei Ingolfur Arnarson Jonsson anzunehmen, der inzwischen eine führende Position bei der Konsumgenossenschaft (Kaupfélag) bekleidet, und kehrt mit Waren und einem Guthaben bei der Genossenschaft nach Sumarhus zurück.

Nonni erhält die Einladung eines Onkels in Amerika, der ihn dort „einen geeigneten Beruf“ lernen lassen möchte. Bjartur unterstützt dies, da Nonnis Mutter immer etwas mit ihm vorgehabt habe – es sei am besten, wenn er fahre. Nonnis Abreise erfolgt sehr schnell; seine Großmutter gibt ihm ihre einzigen Wertstücke mit – ein abgewetztes Seidenkopftuch und ihren silbernen Ohrlöffel.

Als Bjartur von Asta Solilljas Schwangerschaft erfährt, jagt er sie sofort vom Hof. Sie macht sich auf den Weg nach Fjord auf der Suche nach ihrem Liebsten. Derweil flößt Bjartur neugeborenen Lämmern Milch ein.

Konjunktur