mini|Sandsteinportal der alten Burg am Südflügel mit dem Doppelwappen

Die ehemalige Burg Klein-Zimmern, das heutige St. Josephshaus Klein-Zimmern, war eine mittelalterliche Wasserburg, die später schlossähnlich ausgebaut wurde. Das Anwesen befindet sich im heutigen Ortsteil Klein-Zimmern von Groß-Zimmern im östlichen Teil des Landkreises Darmstadt-Dieburg in Hessen. Heute ist die Anlage Teil einer modernen Jugendhilfe-Einrichtung, des St. Josephshauses, das 1864 von Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler als „St. Josephs-Knabenanstalt“ gegründet wurde.St. Josephshaus auf der Seite st-josephshaus.de

Lage Die Anlage befindet sich kurz vor dem westlichen Ortsausgang von Klein-Zimmern in Richtung Groß-Zimmern an der Burgstraße (Landesstraße L3115) östlich der Gersprenzniederung am Nebenbach Katzengraben, der vermutlich früher die Wassergräben der Wasserburg gespeist hat.

Geschichte Da in Klein-Zimmern mehrere Allodialgüter vorhanden waren und urkundlich die Zuweisung verschiedener mittelalterlicher Urkunden auf die Güter nicht exakt belegbar ist, dazu in der Geschichte zwischen Klein- und Groß-Zimmern oft nicht unterschieden wurde, ist bis heute die Geschichte der ehemaligen Burg nicht genau belegt, eine Aufarbeitung wissenschaftlich bis heute nur spärlich erfolgt.

Urkunden lassen vermuten, dass Ort und Burg schon um 1276 bestanden haben müssen. Die Burg wurde in den folgenden Jahrhunderten oftmals um-, über- und ausgebaut. 1333 wird Wilderich von Vilmar als Verwalter der Güter in Zymmern bei Dieburg und Inhaber der Mainzer Lehen erwähnt. 1407 übergibt Schenk Eberhard von Erbach der Witwe seines Sohnes Eberhard Gebiete in Kleinen Zymmern, die er als Pfand von Pfalzgraf Ruprecht von der Pfalz innehatte. 1410 bekennt Herdegen von Buchis (Büches), dass er Güter der Herrschaft Brauneck in Klein-Zimmern zu Lehen empfangen hat. 1448 klagt Eberhard Wambold gegen Eberhard Schelm, weil er ihm das Land um den Hof zu Klein-Zimmern mit Gewalt abgenommen habe. 1454 belehnt Hans von Waldestein als Lehensträger des Markgrafen von Brandenburg den Henne von Rüdigheim mit dem Besitz in Klein-Zimmern, den er von der Herrschaft Brauneck als Lehen verwaltet. 1458 wird Eberhard Wambolt von Umstadt der Junge vom selben Lehensträger mit dem Besitz in Klein-Zimmern belehnt.Hessisches Staatsarchiv Darmstadt: HStAD Bestands-Nr. B 17 Nr. 34 (Groschlag’sche Regesten) und folgende, da sich in neuen Regesten immer wieder auf alte Texte oder Belehnungen auf die Vorgänger berufen wird

1482 wird ein Vertrag wegen der Einlösung des pfälzischen Anteils des Amtes Habitzheim, auch Klein-Zimmern und die Burg betreffend, zwischen Schenk Hans von Erbach und Ludwig von Bayern, Herr zu Scharfeneck, geschlossen.vgl. Archivalieneinheit R-US 1482 März 24 des Landesarchivs Baden-Württemberg, Staatsarchiv Wertheim 1563 tritt Hartmann Ulner von Dieburg seinen Anteil in Klein-Zimmern an Hans Ulner von Dieburg ab.

miniatur|links|Doppelwappen: Gans von Otzberg / Daun miniatur|hochkant|links|Portalbogen mit Helmzier der Gans von Otzberg miniatur|Wappen mit den Initialen von Johann Philipp Freiherr von Frankenstein und Jahreszahl 1694 Die in der Literatur mehrfach verwendete Behauptung: „Die Burg wurde wohl um 1600 wahrscheinlich von Philipp Friedrich Ulner von Dieburg und seiner Frau Anna Catharina von Großschlag ausgebaut. Besitzer des nur kurze Zeit später zu einem schlossähnlichen Herrenhaus umgebauten Adelshofes waren ab 1629 zu Gänze die Herren von Groschlag, wohl als Anna Catharina es als Witwensitz erbte.“, kann den Funden und Urkunden nach nicht korrekt sein.

Nach dem sich am Gebäude befindlichen überlieferten Doppelwappen der Gans von Otzberg / Daun muss um oder vor 1600 Georg Heinrich Gans von Otzberg und seine erste Frau Anna Maria von Daun (Tochter von Wilhelm von Daun Jüngere Linie und der Liebmuth von Groschlag) in den Besitz gekommen sein. Neben dem Burgmannenhaus in Hering auf dem Otzberg erwarb er 1630 auch den Jesuitenhof Abschnitt Geschichte in Ladenburg. Die Zimmerner Burg wurde nach seinem Tod 1635 an seinen Schwiegersohn Friedrich Reinhard von Bettendorf übergeben. Das Burgmannenhaus in Hering / Geschichte der Gans von OtzbergZu den Familienverhältnissen der Adelsfamilie von Daun und zu Georg Heinrich Gans von Otzberg siehe unter: Johann Samuel Ersch, J. G. Gruber: Allgemeine Enzyklopaedie der Wissenschaften und Künste, Section A-G, 29. Theil, Brockhaus, Leipzig 1837, S. 123

Am 6. Januar 1661 beurkundet sein Sohn, Johann Ludwig von Bettendorf (Bettendorff), „dass er die vom Gräflichen Haus Isenburg zu Lehen gehenden Güter, Gerechtsame, Häuser, Äcker, Wiesen, Zehnten und Gefalle, die er von seiner Mutter Anna Amalia von Bettendorf (Bettendorf), geborene Gans von Otzberg (Utzberg), und deren Vater, nach Brauneckischen (Brauneckh) Lehensrecht, geerbt, mit Konsens von Wilhelm Otto, Johann Ernst, Johann Ludwig, Christian Moritz, Wolffgang Heinrich und Carl Ludwig, aller Grafen und Herren zu Isenburg und Büdingen, als Lehnsherren, dem Obrist Felix Biedenbach von Treuenfels (im Original: Poelix Bydembach von Trewenfelsmöglicherweise ist hier Felix Bidembach der Jüngere gemeint) abtritt und diesem zu Klein-Zimmern (Kleinen Zimmern) das im Flecken gelegene adelige Wohnhaus und 11 Morgen Wiesen „die rodensteinische Wiesen“, beide Eigen und erblich, 2 kleine Häuslein, 1 Scheuer, einen Platz, auf dem eine Scheuer gestanden, 284 Morgen Acker, 29 Morgen Wiesen, 3 Gärten, 1/2 großen und kleinen Zehnten im ganzen Dorf, den ganzen Zehnten von einem Hof im Dorf Klein-Zimmern (Kleinen-Zimmern), den Wildzehnten zu Dieburg (Diepurg), zu Hergershausen (Hergershauszen) von 6 Morgen Acker 4 Gänse und einen Sommerhahn, den Martins-Zins von etlichen Häusern zu Klein-Zimmern (kleinen Zimmern), 1/2 Malter Korn und 3 Albus vom Hospital in Dieburg (Diepurg) und 3 Albus, alles Lehen, übergibt. Der Aussteller verzichtet völlig auf dieses Lehen und übergibt alle Dokumente und Urkunden über dieses Lehen. Felix Bydembach von Treuenfels (Trewenfels) zahlt 3000 Gulden, davon 1000 Reichstaler oder 1500 Gulden bar, den Rest zu je 500 Reichstaler an Dreikönig 1662 und Dreikönig 1663 mit 5 Prozent Zinsen und setzt dafür als Unterpfand all seine Habe und Nahrung. Doppelt ausgefertigt.“zitiert nach: Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Online im Archivinformationssystem Hessen: HStAD Bestands-Nr. B 17 Nr. 96 (Groschlag’sche Regesten)

1688 erteilen Johann Philipp, Johann Casimir und Ferdinand Max von Isenburg-Büdingen (die Grafen und Fürsten von Ysenburg-Büdingen zwischen 1685 und 1918) den lehensherrlichen Konsens zum Ankauf des Biedenbachschen Anteils an dem Gute zu Klein-Zimmern durch den Freiherrn von Frankenstein. Am 15. Mai 1688 verkaufen dann Wilhelm Friedrich Biedenbach von Treuenfels (Bidembach von Treuenfels) und seine Ehefrau Ludovica Regina ihre von dem Oberst Felix Biedenbach von Treuenfels (Bidembach von Treuenfels) ererbten benannten Güter und Rechte zu Klein-Zimmern und Dieburg für 2650 fl. an Johann Philipp Freiherr von Frankenstein. 1693 wird Johann Philipp Freiherr von Frankenstein noch als Besitzer der Burg genannt, als er über seinen Bevollmächtigten, den Frankfurter Juden Löw zur Güldnen Arche, den Verkauf seiner Güter in Zimmern und Dieburg an den fürstlich-würzburgischen Amtskeller Johann Adam Trenner zu Karlstadt realisieren lässt. 1696 wird der endgültige Kaufvertrag mit einem Kaufpreis von 5.000 Reichstalern unterzeichnet. 1697 belehnt Graf Johann Philipp zu Isenburg-Büdingen den Johann Adam Trenner von Zimmern nach altem Brauneckschem Lehensrecht. Johann Adam Trenner, im Besitz weiterer Lehenstücke in Klein-Zimmern, Dieburg und Hergershausen, alle von Johann Philipp Freiherrn von Frankenstein gekauft, veräußert aber schon am 3. August 1700 das nun genannte Rittergut an den Hessen-Darmstädtischen Oberforstmeister Georg Ludwig von Bobenhausen genannt Mernolf.Aus dem Rhein-Main Gebiet stammendes ab 1246 urkundliches Niederadelsgeschlecht, auch einfach von Bobenhausen oder von Babenhausen bzw. Bobenhausen von Mernoltz oder Bobenhausen von Merwolf(f) genannt. Selten wird stattdessen der Zuname als Marborn oder Katzenbeiss benutzt. Ihre Stammsitz wird nach Babenhausen im Südhessischen gelegt, das im Mittelalter oft als Bobenhausen erwähnt wurde. Zuordnungen zu gleichnamigen Orten bzw. Wüstungen in Mitte- und Nordhessen sind unwahrscheinlich. Die Adelsfamilie wurde teils dem rheinländischen bzw. schwäbischen Reichskreis zugeordnet, später zum fränkischen Adel gesetzt. Ihr Wappentier ist ein goldener Wolf oder Hund mit großem Schweif, rechtsaufsteigend und eine weiße Gans im Maul tragend auf rotem Schild (vgl. Liste fränkischer Rittergeschlechter#B). Die Zuordnung von Heinrich von Bobenhausen zum Adelsgeschlecht als bedeutendsten Vertreter ist nicht widerspruchsfrei.Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon, Band 1, Verlag Friedrich Voigt, Leipzig 1859, S. 488 Dieser wird vom gleichen Isenburg-Büdinger Grafen am 23. August 1701 nach Brauneckschen Lehensrecht mit den Gütern belehnt.Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Online im Archivinformationssystem Hessen: HStAD Bestands-Nr. B 17 Nr. 120, 122, 124 und 125 1711 kommt der Isenburgische Hofmeister zu Marienborn August Ludwig von Seil und dessen Bruder Leutnant Anton Bertram von Seil an das Lehen und acht Jahre später, im Mai 1719, geht es an den nun Schwarzburg-Rudolstädtischen Oberforstmeister August Ludwig von Seil allein über.Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Online im Archivinformationssystem Hessen: HStAD Bestands-Nr. B 17 Nr. 134

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war es ein rittergutähnliches Anwesen und wurde für den Landwirtschaftsbetrieb genutzt (ähnlich wie die nahe Burg Habitzheim).

Zuletzt war das Gut wieder im Besitz der Gräfin Maria Anna Philippine Walburga von Lerchenfeld-Köfering, geborene Groschlag (* 21. Juli 1775 in Dieburg; † 17. Juni 1854 in Wien)gedbas.genealogy.net/person/ancestors/1146137384, Tochter von Friedrich Carl Willibald von Groschlag zu Dieburg und letzte Nachkommin des Groschlag’schen Adelsgeschlechtes. Sie war mit Maximilian Emanuel Anton Johann Nepomuk Joseph, Graf von und zu Lerchenfeld auf Köfering und Schönberg (* 17. Januar 1772 in München; † 19. Oktober 1809 in Kassel)gedbas.genealogy.net/person/ancestors/1146137334 verheiratet, der bayerischer Gesandter am Reichstag in Dresden und Kassel war und eine Liaison mit Therese zu Mecklenburg, verheiratet mit Karl Alexander von Thurn und Taxis, hatte, aus der mehrere Kinder hervorgingen, die von der letzten Groschlag-Tochter in die Familie aufgenommen wurden.

Maria von Lerchenfeld-Köfering übergab das Schloss mit dem dazugehörigen Grundbesitz kurz vor ihrem Tode testamentarisch der Gemeinde Klein-Zimmern. Es wurde 1862 von Bischof Emmanuel Wilhelm von Ketteler für die so genannte „St.-Josephs-Knabenanstalt“, das heutige St.-Josephs-Haus, erworben und diese am 25. Oktober 1864 eröffnet.

Der Ort Klein-Zimmern selbst, teils mainzisch, teils kurpfälzisch, gelangte bis zum 17. Jahrhundert vollständig an Kurmainz. 1803 kam Klein-Zimmern im Zuge der Mediatisierung an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt.

Neuere Geschichte St. Josephshaus miniatur|hochkant|links|W. E. von Ketteler, Bischof von Mainz und Begründer des heutigen St. Josephshauses miniatur|hochkant|Bischofswappen von Kettelers am Portal des Erweiterungsbaues des Südflügels miniatur|Kapelle und Verwaltungstrakt