mini|Garibaldi anno 1861 in Neapel (aus dem Fotoalbum der U.S. Army-Offiziere)
Die Geschichten von Garibaldi ist ein zweiteiliger Roman, den Ricarda Huch 1906/1907 in Zürich vollendete und der in denselben Jahren in der Deutschen Verlags-Anstalt Stuttgart erschien. Beabsichtigt war je ein Band über die drei Italienischen Unabhängigkeitskriege. Den dritten Band hat die Autorin nicht geschrieben. Der erste Band war teilweiseBaum, S. 150, 10. Z.v.u. in den Süddeutschen Monatsheften vorabgedruckt worden. Die Redaktion der Zeitschrift hatte Ricarda Huch das Manuskript des zweiten Bandes wegen fehlenden Leserinteresses zurückgeschickt.Adler im Nachwort der verwendeten Ausgabe, S. 669, 12. Z.v.o.
Die Autorin thematisiert Episoden aus der Vorgeschichte zur Lösung der Römischen Frage. Ricarda Huch erinnert an den Kampf der Männer um Garibaldi – im ersten Teil des Romans in den Jahren 1848/49 sowie im zweiten Teil von 1860 bis 1862.
Erster Teil: Die Verteidigung Roms Historie Erster italienischer Unabhängigkeitskrieg: In Rom fällt am 15. November 1848 im Kampf um die Einheit Italiens Pellegrino Rossi, der Premierminister des Kirchenstaates, einem Attentat der Aufständischen zum Opfer. Darauf flieht Pius IX. am 24. November auf Anraten Antonellis nach Gaeta.
1846 – zu Beginn seines Pontifikats – hatte der Papst „alle politischen Verbrecher“, also auch die Republikaner, amnestiert. Garibaldi konnte somit aus dem südamerikanischen Exil zurückkehren.
Am 9. Februar 1849 ruft Mazzini die Römische Republik aus. Der Papst ersucht die Franzosen um Waffenhilfe. Bereits fünf Monate darauf wird der Republik von einem Expeditionskorps unter General Oudinot der Garaus gemacht.ital. Die Belagerung Roms (1849) Anfang 1850 zieht Pius IX. als Herrscher in sein Rom ein. Antonelli kennt keine Gnade. Er lässt die Republikaner im Kirchenstaat unerbittlich polizeilich verfolgen.
Inhalt miniatur|1849 – die Verteidigung Roms
Feinde haben die Söhne der Wölfin – das ist die zirka dreißigköpfige Speerspitze der italienischen Republikaner in Rom – genug. Zwei dieser Feinde sind der „treulose“ Savoyer Karl Albert und der „heuchlerische Vaterlandsverräter“ Pius IX. Letzterer erklärt im April 1848 schriftlich, ein Krieg gegen Österreich käme nicht in Frage.
Jedenfalls rätselt der Fabrikbesitzer Matteo Barba, das Haupt jener Söhne der Wölfin, zusammen mit seinen Verschworenen, ob dem bewundernswerten Garibaldi zu trauen sei. Immerhin hat der berühmte Soldatenführer nach seiner Rückkunft aus Übersee zunächst Pius IX. und dann auch noch Karl Albert seine Dienste angeboten. Ein kleiner Kutscher, der sich in der Gesellschaft Söhne der Wölfin Numa Pompilius nennt, macht sich in der Runde der Dreißig zum Fürsprecher des gestandenen Republikaners Garibaldi.
Nachdem der Papst seine Residenz verlassen und Schutz beim König von Neapel gefunden hat, geht Garibaldi nicht wie beabsichtigt nach Venedig, sondern begibt sich geradewegs nach Rom. Begleitet wird er von zwei Kriegsgefährten aus Amerika – dem Genuesen Luigi Montaldi und seinem Leibwächter, dem Mohren Aghiar.Verwendete Ausgabe, S. 55 Garibaldi war um 1825 als armer Schiffsjunge aus Nizza das erste Mal in Rom gewesen.
Als sich Garibaldi in Rom den neuen Inhabern der Macht vorstellt, merkt er, dass er gar nicht überall willkommen ist. Vor allem Terenz Mamiani, der „einen verfassungsmäßigen, aufgeklärten Kirchenstaat“Verwendete Ausgabe, S. 57, 9. Z.v.u. will, lässt den angereisten „Rebellen“ das spüren. Garibaldi will die „unumschränkte Gewalt... wie die Römer in Zeiten äußerster Gefahr einen Diktator ernannt hätten...“Verwendete Ausgabe, S. 59, 16. Z.v.u.. Damit kommt er nicht durch. Die Gemäßigten schieben ihn als Oberstleutnant an die Adria nach Macerata und darauf nach Rieti ab. Unter den Garibaldinern tut sich der junge, „muskelstarke“ Leutnant Nino Bixio hervor. Der siebenundvierzigjährige Barnabitenpater Ugo Bassi aus Bologna schließt sich Garibaldis Freischar an.
Der Römischen Republik vom Februar 1849 stehen die Triumvirn Carlo Armellini, Giuseppe Mazzini und Aurelio Saffi vor. Giuseppe Galletti wird Präsident der Konstituierenden Versammlung.
Im März 1849 wird das piemontesische Heer in der Schlacht bei Novara von den Österreichern geschlagen. Wen soll der Papst gegen die Römische Republik ins Land rufen? Die Österreicher nicht, weil sie sich in Oberitalien breitmachen. Die Spanier erscheinen für so einen militärischen Kraftakt als nicht stark genug. Also bleiben nur die Franzosen übrig. Napoleon Bonaparte, Präsident der französischen RepublikVerwendete Ausgabe, S. 94, Mitte, soll zwar in seiner Jugend Carbonaro gewesen sein, doch er reagiert auf den päpstlichen Hilferuf trotzdem mit dem oben genannten Expeditionskorps unter Oudinot. Auf einmal hat es Mazzini eilig. Der ungeliebte Garibaldi wird aus der Provinz nach Rom befohlen. Kriegsminister Giuseppe Avezzana will die Triumvirn und ihre republikanische Gefolgschaft von den militärischen Führungsqualitäten Garibaldis überzeugen. Pisacane ist da ganz anderer Meinung. Mazzini findet einen Kompromiss. Garibaldi wird zwar zum General der römischen Verteidigungstruppe befördert, doch sein unmittelbarer Vorgesetzter wird Obergeneral Roselli.
Am 30. April 1849 beaugenscheinigt General Garibaldi das Anrücken der Franzosen vom Turm der Villa Corsini aus. Ricarda Huch schreibt: „Er wußte und sah als geübter Feldherr, wie überlegen diese Truppen den seinigen waren, nicht nur durch die Zahl: sie waren erfahren, ausdauernd und tapfer...“Verwendete Ausgabe, S. 125, 5. Z.v.u. Die Franzosen greifen die Villa an. Montaldi wird umringt. Sein Säbel zerbricht bei der Abwehr der Übermacht. Montaldi fällt. Der Feind wird – auch dank des beherzten Vorpreschens der Bersaglieri unter Manara sowie der Reiterei unter Angelo Masina – zurückgeschlagen und flüchtet. Auf Befehl des Triumvirats darf Garibaldi die Franzosen nicht verfolgen und vernichten – die größte Fehlentscheidung der republikanischen Regierung, wie sich herausstellen wird. Mazzini und Armellini glauben, ihre neue Republik könne überleben, wenn sie sich mit Frankreich anfreunde. Der tapfere Montaldi wird beerdigt. Zuvor zählt Garibaldis Leibarzt Ripari an dem teuren Toten neunzehn Wunden. Manaras Bersaglieri bewähren sich auch Mitte Mai 1849 bei der Bekämpfung der Bourbonen in Velletri. In der Schlacht stürzt Garibaldi und zieht sich, unter seinem Pferde liegend, Quetschungen zu. Ende Mai geht es wieder gegen die Franzosen in Rom. Masina und weitere Offiziere Garibaldis fallen am 3. Juni bei Gegenangriffen beziehungsweise werden verwundet. Nino Bixio wird schwer verwundet. Nicht alle Soldaten der Freischar erscheinen als Helden. Als Garibaldi am 9. Juni 1849 eine nächtliche Erkundung in Richtung der französischen Vorposten anführt, flüchten die „besinnungslosen“ Feiglinge ohne jede Feindberührung. Am 13. Juni geht das Triumvirat auf die französische Forderung zur Übergabe Roms nicht ein. Das Bombardement beginnt. Täglich fallen knapp siebzig italienische Kämpfer. Oudinot bombt die Römische Republik in Grund und Boden. Wenn eine Bombe einschlägt, werfen sich die Soldaten blitzschnell hin. Garibaldi bleibt ruhig stehen, weil er meint, es treffe Liegende wie Stehende. Garibaldi sieht nur einen Ausweg – den rechtzeitigen Rückzug der Freischar aus Rom. Der Kampf könnte an anderer Stelle – zum Beispiel in den Bergen – fortgeführt werden. Die Triumvirn sind gegen vaterlandsloses Vagabundieren und fordern den Gegenangriff. Garibaldi sieht sich dazu außerstande. Am 3. Juni hatte er die Hälfte seiner fähigsten Leute verloren. Mazzini ist empört: „Verflucht das Volk, das nicht für sein Vaterland sterben kann!“Verwendete Ausgabe, S. 246, 6. Z.v.u. In der Nacht zum 22. Juni müssen die römischen Truppen ihre vorderste Verteidigungslinie räumen.
Garibaldis schwangere Frau Anita reist in Rom an. Am 26. Juni schlägt Pietro Sterbini den Triumvirn vergeblich vor, Garibaldi als Diktator auszurufen. Auch der Rückzug in die Berge kommt nicht in Frage. Die Republikaner möchten keinesfalls mit Räubern verwechselt werden. Am Vormittag des 27. Juni fallen dreihundert Kämpfer durch Tod oder Verwundung aus. Das Gerücht von der bevorstehenden Diktatur Garibaldis verursacht Unruhen in der Bevölkerung. Die große Kanonade beginnt. Als das Gerücht umgeht, Garibaldi sei durch Roselli ersetzt, verlassen einige Soldaten ihre Stellung. Bei einem Angriff der Franzosen fallen die Söhne der Wölfin Matteo Barba und Numa Pompilius. Am 29. Juni bereiten Garibaldis Soldaten ihren Rückzug aus Rom vor. Manara stirbt nach einem Schuss in den Leib. Der Feind dringt unaufhaltsam vor. Der Barrikadenkampf ist aussichtslos. Das Triumvirat dankt ab. Der Gemeinderat von Rom verhandelt mit den Franzosen, die Übergabe der Stadt betreffend. Am 1. Juli 1849 ziehen die Sieger in Rom ein. Die Versammlung der gestürzten Republik löst sich auf. Ripari muss für sieben Jahre in den päpstlichen Kerker. Von Tivoli aus marschiert Garibaldi in die Toskana. Von Arezzo aus wendet er sich über die Berge zur Adria. Bei Cesenatico stechen Garibaldi und die Seinen mit dreizehn gekaperten Booten in See. Anita stirbt. Die Österreicher nehmen Ugo Bassi gefangen und bringen ihn nach Bologna. Garibaldi muss untätig zusehen, denn der Kampf ist gekämpft und verloren.
Zitate Mazzini angesichts der anrückenden französischen Streitmacht: „Freiheit ist kein Genuß, Freiheit ist eine Aufgabe.“Verwendete Ausgabe, S. 84, 8. Z.v.u. zur Persönlichkeit Garibaldis, dem Manne seiner Wahl in der Stunde der Not: Zwar kenne er Garibaldi nicht näher, zwar „sei er im einzelnen unberechenbar“, doch „er sei von einem undurchdringlichen Mantel unsichtbarer Kraft umgeben“.Verwendete Ausgabe, S. 98, 3. Z.v.u. Graf Campanello, ein Gesprächspartner Mazzinis: „Im Leben ist jeder Soldat, und, wer die Waffen wegwirft, des Todes würdig!“Verwendete Ausgabe, S. 173, 14. Z.v.u. Die Leute reden in Rom während des unbarmherzigen Oudinotschen Bombardements, Garibaldi sei unverwundbar. Der General zu dem kleinen Jungen Luigi: „Die Kugeln tun mir nichts, weil meine Mutter für mich betet.“Verwendete Ausgabe, S. 237, 9. Z.v.u. Giacomo Medici, ein Mitkämpfer, zitiert ein Wort des sterbenden Anzani über Garibaldi: „Er hat ein Gesetz in sich, das wie ein Sturm ist... wer mit ihm geht, wird Italien finden.“Verwendete Ausgabe, S. 252, 12. Z.v.o.
Geschichten Der umfängliche Text der Historikerin Ricarda Huch will nicht als geschichtswissenschaftliches Werk, sondern als Prosa gelesen werden. Demgemäß ranken sich um das Wirken des Freiheitskämpfers Garibaldi in Rom unzählige Begebenheiten. Einige seien herausgegriffen. Der begüterte Fuhrunternehmer Angelo Brunetti, der sogenannte König von Rom, hat mit seiner Frau Lucrezia eine vierjährige Tochter sowie die Söhne Luigi und Lorenzo. Nach dem Sturz der Republik verlassen Angelo, Luigi und Lorenzo mit Garibaldi Rom. Lucrezia muss mit der kleinen Tochter zurückbleiben. Lorenzo fällt bei San Sepolcro in einem Gefecht gegen die Österreicher.
Nach der päpstlichen Amnestie 1846 wird der junge Amadeo Desanto, 1844 zu Zeiten des Aufstandes der Gebrüder Bandiera eingekerkert, aus dem Gefängnis entlassen und stirbt wenig später in Freiheit.
In Rieti bekehren Ugo Bassi und Garibaldi eine Horde Banditen und modeln sie zu Mitkämpfern in der Freischar um. In Rom erlebt der Leser Auftritte des berühmten Schauspielers Gustavo Modena. Der sanfedistischeital. Sanfedismo Verschwörer Don Silvio predigt auf öffentlichen Plätzen Roms gegen die Republik und wird von den Republikanern gestellt.