mini|hochkant|Titelblatt des Klavierauszuges, Breitkopf & Härtel, Leipzig 1882 mini|hochkant|Titelblatt der englischen Ausgabe der Chorstimmen Welt-Ende – Gericht – Neue Welt op. 212 ist ein Oratorium des Komponisten Joseph Joachim Raff nach Worten der heiligen Schrift, insbesondere der Offenbarung des Johannes. Im Englischen trägt es neben der wörtlichen Übersetzung auch den Kurztitel The World’s End.

Besetzung Das Werk ist gemäß einer Standardinstrumentation seiner Zeit mit drei Flöten, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotten, vier Hörnern, zwei Trompeten, drei Posaunen, Tuba, Pauken, Triangel, kleiner und große Trommel und Streichern besetzt. Für die Gesangsstücke gibt es einen Mezzosopran, einen Bariton und einen Chor.Theodor Müller-Reuter: Lexikon der deutschen Konzertliteratur. Ein Ratgeber für Dirigenten, Konzertveranstalter, Musikschriftsteller und Musikfreunde. C. F. Kahnt Nachfolger, Leipzig 1909, S. 408–411. Müller-Reuter empfiehlt davon abweichend zwei paar Pauken: „Mit 2 Pauken ist nicht auszukommen, am besten werden zwei Paare verwendet, die jedoch von einem Musiker bedient werden können.“ Die Orgelpartie der ersten Aufführungen ist nicht in der Druckpartitur enthalten, und es ist unklar, von wem sie stammt.„Bei den ersten beiden Aufführungen [Weimar 1882 und Leeds 1883] ist eine Orgelpartie gespielt worden, eine solche findet sich aber weder in Raffs Partitur-Entwurf, noch in der Druckpartitur. Sie mag also von fremder Hand hinzugefügt worden sein.“ Theodor Müller-Reuter: Lexikon der deutschen Konzertliteratur. Ein Ratgeber für Dirigenten, Konzertveranstalter, Musikschriftsteller und Musikfreunde. C. F. Kahnt Nachfolger, Leipzig 1909, S. 411

Entstehungsgeschichte Müller-Reuter berichtet aus einem Brief von Doris Raff, der Witwe des Komponisten:

Inzwischen wurde das Manuskript in einem Archiv in Weimar gefunden. Die Veröffentlichung des Werks geschah durch Breitkopf & Härtel (Partitur Mai 1883, Orchesterstimmen Juli 1883, Chorstimmen März 1882, Klavierauszug Januar 1882). Die Aufführungsdauer beträgt circa 100 Minuten.

Erste Aufführungen Die Angaben zu den ersten Aufführungen beruhen auf den Angaben von Müller-Reuter Dienstag, den 17. Januar 1882 in der Stadtkirche zu Weimar nach dem Manuskript Leitung: Karl Müller-Hartung Solisten: Louise Schärnack (Mezzosopran) und Karl Scheidemantel (Johannes) Orgel: Sulze Chor: Singakademie & Chorgesangverein & Chor der Musikschule & Kirchenchor Orchester: Grossherzogliche Hofkapelle & Streichorchester der Musikschule Leeds (England), Donnerstag, den 11. Oktober 1883 in einem Konzert des Leedser Musikfestes in englischer Sprache (Übertragung von Mrs. John P. Morgan) Leitung von Arthur Sullivan Anmerkung: Der Komponist selbst wollte die letzten Proben leiten und dann dirigieren (siehe Bericht von Leßmann), starb jedoch zuvor. Die Times berichtete über die Aufführung. Solisten: Grace Damian (Mezzosopran) und Charles (St. John) Orgel: Walter Parrat Düsseldorf, Donnerstag, den 25. Oktober 1883 in der Tonhalle im 1. Konzert des Musikvereins Leitung: Julius Tausch Solisten: Fides Keller (Mezzosopran) und Karl Scheidemantel (Johannes) Weimar, Freitag, den 14. Dezember 1883 in einem Konzert zum Besten der Töpferstiftung. Leitung, Solisten, Chöre, Orchester und Orgel wie bei der Aufführung am 17. Januar 1882 Wiesbaden, Dienstag, den 19. Februar 1884 im Saale des Kurhauses im 2. Konzert des Cäcilienvereins unter der Leitung von Leonhard Wolff Solisten: Hermine Spiess und Karl Scheidemantel Weimar, Sonnabend, den 24. Mai 1884 in der Stadtkirche in dem zweiten Konzert der 21. Tonkünstlerversammlung des Allgemeinen Deutschen Musikvereins Leitung und Solisten wie bei der Aufführung am 17. Januar 1882 Berlin, Montag, den 23. November 1885 in der Garnisonkirche durch den Schnöpfschen Gesangverein unter Leitung von [Paul] SchnöpfBerlin und die Berliner. S. 108 (). Solisten: Helene Wegener und Adolf Schulze

Berichte über die frühen Aufführungen Im Rahmen eines Artikels Aus dem Concertsaal berichtet der Komponist und Musikkritiker Otto Leßmann in der Allgemeinen Musik-Zeitung von der ersten Berliner Aufführung des Werkes im November 1885 und zitiert darin aus einem Brief von Raffs Witwe:Allgemeine Musik-Zeitung. Wochenschrift für die Reform des Musiklebens der Gegenwart. Redacteur und Herausgeber Otto Lessmann. Nr. 48, 27. November 1885, XII. Jahrg., S. 447–458

Am Montag, den 23. d. M. führte der Schnöpf’sche Gesangverein in der Garnisonkirche zum ersten Male in Berlin Raffs Oratorium „Welt-Ende, Gericht, Neue Welt“ auf. […] Über die Entstehung und Anlage des Werkes gibt ein mir zur Verfügung gestellter Privatbrief der Witwe des Komponisten interessante Aufschlüsse, die ich hier im Wortlaut mitteile. Frau Doris Raff schreibt:

→ Siehe oben: Brief an Müller-Reuter 2. Teil

Die Neue Welt bedarf folgender Bemerkung: Es wurde nach der ersten Aufführung der Einwand erhoben, dass am Schlusse der Chor der erlösten Seele noch so jämmerlich rufe: komme bald o Erlöser. Dem ist aber entgegenzuhalten, dass die Vision des Evangelisten nicht enthält was ist, sondern was sein wird. Die Verheissung dessen „der auf dem Stuhle sass“ weist beständig in die Zukunft. Ich werde sein Gott sein, er wird mein Sohn sein. Auch der Schlusschor beginnt mit den Worten „die Erlöseten des Herrn werden kommen mit Jauchzen“ und der Ruf: „komme bald, o Erlöser“ entspringt dem hoffnungsfreudigen Sehnen der harrenden Menschheit, auf deren Standpunkt wir hier wieder stehn. So sah es der Komponist in seinem Verhältnisse zum Text an. Sorgfältig hat Raff jeden konfessionellen Anklang in seinem Werke ferngehalten. Er wollte möglichst dazu beitragen, dass Jeder die reine Freude im Anhören empfinde, wie er sie bei der Schöpfung des Oratoriums empfand. Es war eins seiner Lieblingskinder und lange Zeit kam die Offenbarung Johannes nicht von seinem Schreibtisch, da er immer während des Komponierens darin las, um seine Musik ganz von dem gewaltigen Geiste derselben durchdringen zu lassen.

So ist das Werk zwar während mehrerer Jahre nach und nach entstanden, aufgeschrieben aber wurde es erst am Ende der 1870er und Anfang der 1880er Jahre.

Otto Leßmann berichtet weiter:

Neben der Uraufführung fanden weitere Aufführungen in der Stadtkirche zu Weimar statt, alle unter der Leitung von Karl Müller-Hartung mit den Solisten Louise Schärnack und Karl Scheidemantel. Für eine Aufführung beim Musikfest in Leeds, England, am 11. Oktober 1883Bericht der Times auf raff.org (englisch) wurde der Text in die englische Sprache übersetzt. Raff hatte bereits zugesagt, diese Aufführung selbst zu leiten, aber sein Tod im Juni 1882 verhinderte dies.

Aufzeichnungen Am 23. November 1986 fand in Empfingen eine Aufführung des Oratoriums statt, die vom Südwestfunk aufgezeichnet und auf drei Langspielplatten veröffentlicht wurde. Die Besetzung war Mechthild Georg (Mezzosopran), Kurt Widmer (Bariton, Johannes), die Balinger Kantorei, der Kirchenchor Empfingen und Mitglieder des Kirchenchores Wiesenstetten, Mitglieder des Sinfonieorchesters des Südwestfunks, die Gesamtleitung übernahm Gerhard Rehm.

Anlässlich des Raff-Jubiläumsjahres 2022 wurde das Oratorium in der Pfarrkirche Lachen und im Gewandhaus zu Leipzig aufgeführt. Der GewandhausChor, die Camerata Lipsiensis sowie die Solisten Marie Henriette Reinhold (Mezzosopran) und Andreas Wolf (Bariton, Johannes) traten unter der Leitung von Gregor Meyer auf. Eine Veröffentlichung ist geplant – es wäre die erste in digitaler Form.

Text und Musik Der Text basiert im Wesentlichen auf der Offenbarung des Johannes, dem letzten Buch des Neuen Testaments. Die für das Leeds Festival angefertigte Übertragung in die englische Sprache ist in eckige Klammern gesetzt.

TextLibrettosammlung der Bayerischen Staatsbibliothek TonartAlbert Schäfer: Chronologisch-systematisches Verzeichnis der Werke Joachim Raff’s mit Einschluß der verloren gegangenen, unveröffentlichten und nachgelassenen Kompositionen dieses Meisters. Verlag von Rud. Bechtold & Comp., Wiesbaden 1888. Tempo Takt Bibel Erste Abteilung: Welt-Ende [The World’s End] A. Vision des Johannes[Vision of St. John] 1. Rezitativ und Arie des Johannes (Solo: Bariton)[Recit. and Aria of St. John] Und ich sah in der rechten Hand dessen, der auf dem Stuhle saß, ein Buch, versiegelt mit sieben Siegeln. [And I saw in the right hand of him upon the Throne, a book, sealed with seven seals] E-dur Adagio 4/4 Und ich sah einen starken Engel predigen mit großer Stimme: Wer ist würdig, das Buch aufzutun und seine Siegel zu brechen? [And I saw an angel strong proclaiming with mighty voice: Who is worthy, the book to open, and who its seal to break?] E-Dur Adagio 4/4 Und Niemand im Himmel und auf Erden noch unter der Erde konnte das Buch auftun und darein sehen. [And no man in heaven, nor on earth neither under the earth was able the book to open, neither to look thereon] E-Dur Adagio 4/4 Und ich weinete sehr, daß Niemand würdig erfunden ward, das Buch aufzutun, und zu lesen, noch darein zu sehen. [And I grieved sore that no man, no man was found worthy the book to open, nor to read it, neither to look thereon] E-Dur Adagio 4/4 Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe. Sei mir gnädig und erhöre mich! [Lord, hear my voice when I call unto Thee, Be Thou gracious! Hear and answer me!] As-Dur Larghetto 3/4 Verbirg dein Antlitz nicht vor mir, und verstoße nicht im Zorn deinen Knecht! Denn du bist meine Hilfe. Laß mich nicht und tue nicht vor mir die Hand ab. Gott, mein Heil! [Hide not Thy face, o Lord, from me, and cast me not away in Thy wrath! For Thou, Thou art my Helper! Leave me not! With hold not Thy gracious hand from me, God my Light!] As-Dur Larghetto 3/4 2. Rezitativ des Johannes (Solo: Bariton) [Recit. of St. John] Und ich sah; und siehe, vor dem Stuhle stand ein Lamm, wie es erwürget wäre. [And I saw: and lo, there before the Throne, a Lamb at it were slain, was standing.] A-moll Adagio 4/4 Und es kam, und nahm das Buch aus der rechten Hand dessen, der auf dem Stuhle saß. [And he came, and took the book from the hand of him, who sat up the Throne.] A-moll Adagio 4/4 Und ich hörte eine Stimme vieler Engel um den Stuhl, die sangen: [And I heard the voice, the voice of many angels roud the Throne proclaiming:] A-moll Adagio 4/4 3. Chor der Engel (Frauenchor) [Corus of Angels] Das Lamm, das erwürget ist, ist würdig zu nehmen Kraft, und Reichtum und Weisheit und Stärke, und Ehre und Preis und Lob. Amen! [The Lamb, that was slain, is worthy to receive all Strength and Riches and Wisdom and Power and Glory and Praise, Honor and Praise! Amen!] G-Dur Andante 4/4 B. Die apokalyptischen Reiter [The apocalyptic Riders.] 4. Rezitativ des Johannes (Solo: Bariton) [Recit. of St. John] Und ich sah, daß das Lamm der Siegel eines auftat. Und ich hörete eine Stimme sagen: Komm und siehe zu! [And I saw, that the Lamb the seal of one unloosed. And I heard as it were a voive proclaiming: Come, come and see!] C-Dur L’istesso tempo 6/4 Und ich sah; und siehe, ein weiß Pferd, und der darauf saß, hatte einen Bogen; und ihm ward gegeben eine Krone, und er zog aus, zu überwinden, daß er siegete. [And behold I saw a white horse and he that sat on him he held a bow. And unto him was giveln a crown and he wet forth, to conquer and as a conqueror.] C-Dur Allegro 6/4 5. Intermezzo: Die Pest (Orchester) [The Pestilence] D-moll Allegro 4/4 6. Rezitativ des Johannes (Solo: Bariton) [Recit. of St. John] Und da es das andere Siegel auftat, hörte ich eine Stimme sagen: Komm und siehe zu! [And when he the second seal had broken, I heard as it were a voive proclaiming: Come, come and see!] A-moll Andante 4/4 Und es ging heraus ein ander Pferd, das war rot; und dem der darauf saß, ward gegeben den Frieden zu nehmen von der Erde, und daß sie sich unter einander erwürgeten; und ihm ward ein groß Schwert gegeben.