Bullhead ist ein belgischer Krimi und das Langfilmdebüt von Regisseur Michaël R. Roskam aus dem Jahr 2011, mit Matthias Schoenaerts in der Hauptrolle.
Die Handlung basiert frei auf der Ermordung des belgischen Beamten Karel Van Noppen, der illegale Viehzuchtpraktiken von Landwirten und Landwirtschaftsunternehmern in Belgien aufdeckte und 1995 ermordet wurde. Der Titel des Films "Bullhead" kann neben der wörtlichen Übersetzung als "Bullenkopf" auch mit "Dickschädel" oder "Dickkopf" übersetzt werden.
Handlung Jacky Vanmarsenille betreibt zusammen mit seinem jüngeren Bruder Stieve in Limburg eine gutlaufende Viehzucht, welche er von seinem Vater geerbt hat. Jacky macht Geschäfte mit der flämischen Fleisch- und Hormonmafia und spritzt seinen Rindern systematisch illegale Hormonpräparate, damit die Tiere mehr Fleisch ansetzen, um so den Profit zu steigern. Parallel dazu spritzt sich Jacky selbst anabolisch Steroide, für eine muskulöse Erscheinung, welche er nutzt, um Konkurrenten einzuschüchtern und diese mit Gewalt dazu zu zwingen, mit der Mafia Geschäfte zu machen. Trotz seines nach außen hin harten Auftretens ist Jacky privat ein zutiefst schüchterner und gebrochener Mann, welcher den Kontakt zu Frauen mit allen Mitteln meidet.
Grund hierfür liegt, wie wir im Verlauf des Films erfahren, in Jackys Kindheit. Als Junge wurde Jacky mit seinem Kindheitsfreund Diedrik, der Sohn eines Geschäftspartners seines Vaters, welcher ebenfalls in die Fleischmafia involviert war, auf einen Geschäftsausflug in die Wallonische Region mitgenommen. Dort verliebte sich der junge Jacky in Lucia Schepers, die gleichaltrige Tochter eines ranghöheren Mafiamitgliedes, was jedoch von Bruno, dem verhaltensgestörten, älteren Bruder von Lucia unterbunden wurde. Als Jacky zusammen mit Diedrik zurückkehrte, um Lucia wiederzusehen, erwischte Bruno Jacky dabei, wie er Lucia beobachte. Zur Strafe zog Bruno ihm vor seinen Freunden die Hosen runter und zertrümmerte Jacky mit zwei Steinen die Hoden. Diedrik sah dies, unternahm jedoch nichts. Aus Angst vor Konsequenzen durch die Fleischmafia, weigerte sich Diedriks Vater zudem, Jackys Familie bei einer Anzeige gegen Bruno zu unterstützen, weswegen der Vorfall als Unfall abgetan wurde. Jackys Vater verbot daraufhin den Umgang zwischen den beiden, weshalb Jacky und Diedrik sich aus den Augen verloren.
Wenn auch die körperlichen Schäden nach vielen Jahren verheilt sind, so hat Jacky bleibende seelische Schäden davongetragen. Er muss mitansehen, wie sein Bruder Eddy auf dem gemeinsamen Hof eine Familie gründet. Wenn er nachts nicht schlafen kann, streift er auf der Suche nach seiner männlichen Identität durch das Rotlichtviertel von Lüttich, traut sich dort aber nicht, eine Frau anzusprechen. Sein unstetes Leben gerät weiter unter Druck, als ein Polizist, der im Umfeld der Fleischmafia ermittelte, ermordet aufgefunden wird. Dieser Mord führt Diederik, der seinen Freund seinerzeit im Stich gelassen hat, und Jacky wieder zusammen. Diederik arbeitet mittlerweile mehr oder weniger erfolgreich als Informant für die Ermittler Eva Forrestier und Antony De Greef. Diederik, der Probleme hat, seine Homosexualität zu verbergen, nähert sich De Greef an. Dieser nutzt Diederiks Gefühle aus und setzt ihn auf die Familie Schepers an. Gleichzeitig vertröstet er ihn, dass er sich eine Beziehung erst nach dem Abschluss des Falls vorstellen könnte. Im Zuge der Ermittlungen wird Jacky zunehmend unruhiger. Er fährt nach Lüttich in eine Drogerie, in der Lucia arbeitet. Er gibt sich als gewöhnlicher Kunde aus und so erkennt sie ihn zunächst nicht. Er folgt ihr in eine Disco und versucht, Kontakt mit ihr aufzunehmen. Lucia ist von dem introvertierten, wenn auch muskulösen Mann eher wenig angetan und vergnügt sich mit einem Freund. Jacky folgt diesem auf dem Heimweg und prügelt diesen ins Koma. Am nächsten Tag fährt Jacky mit Steroiden vollgepumpt zu Bruno, indem er Lucia folgt, in der Absicht sich an ihm zu rächen. Als er jedoch sieht, dass aus Bruno mittlerweile ein schwerbehinderter Pflegefall geworden ist, kann Jacky sich jedoch nicht dazu bringen ihm etwas anzutun und verlässt das Heim wieder. Wenige Tage später erkennt Lucia in einem Gespräch mit ihrer Mutter, wer der unbekannte Fremde war. Sie fährt zu seinem Hof und spricht mit Jacky. Dabei fällt ihr auch seine Verletzung an einer Hand auf, die er von der Auseinandersetzung mit ihrem Freund davongetragen hat. Just in diesem Moment erfährt sie telefonisch von einer Freundin von dem Verbrechen und fährt so schnell es geht in die Stadt zurück.
Forrestier und De Greef konnten mittlerweile weitere Fahndungserfolge erzielen. Nun überschlagen sich die Ereignisse. Diederik sucht erneut Jacky auf und macht ihm klar, dass die Polizei in wenigen Stunden seinen Hof stürmen wird. Gemeinsam vernichten sie die Hormonpräparate und lassen das Vieh frei. Jacky versorgt sich mit weiteren Hormonpräparaten und sucht Lucia auf. Sie informiert die Polizei, lässt ihn aber dennoch in ihre Wohnung. Als Jacky merkt, dass die Beamten in wenigen Minuten in der Wohnung sein werden, zieht er sich in Lucias Badezimmer zurück und nimmt dort große Mengen Steroide ein. Als er verhaftet wird und im Aufzug nach draußen gebracht werden soll, greift er in einem letzten Fluchtversuch die drei Beamten an und verletzt sie schwer. Einem gelingt es schließlich, Jacky zu erschießen. In seinen letzten Sekunden sieht er sich noch einmal als Junge vor seiner Verletzung vor sich.
Auszeichnungen (Auswahl) 2011: AFI Fest (Zuschauerpreis, bester Schauspieler für Schoenaerts) 2011: Austin Fantastic Fest (bester Film) 2011: Motovun Film Festival (bester Film) 2012: Magritte Awards (bester Schauspieler) 2012: Palm Springs International Film Festival (FIPRESI, bester Schauspieler für Schoenaerts) 2012: Nominierung für den Oscar als bester nicht englischsprachiger Film
Kritik Der FAZ gefällt, wie Roskam die Abgründe des Protagonisten nach und nach entfaltet und dabei „zugleich ein unerbittliches Porträt seiner belgischen Heimat“ liefert. Roskams Film wirke „wie der Blick auf das innerlich zerstörte Land durch ein Vergrößerungsglas“.Rüdiger Suchsland: Filmkritik: „Bullhead“ Wie ein wilder Stier. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. November 2011, abgerufen am 17. Dezember 2014. Für die taz ist „Bullhead ein moderner Heimatfilm, und wie jeder gute Heimatfilm spielt er mit dem Heimlichen, das sich über die Landschaft gelegt hat und sich schließlich als Unheimliches manifestiert.“ Sie lobt die Landschaftsbilder sowie das Cinemascope-Format, das Roskam gewählt hat, um die „mythische Form der Natur zur Geltung“ kommen zu lassen.Andreas Busche: Ihr seid alle Tiere. In: Die Tageszeitung, 24. November 2011, abgerufen am 24. Dezember 2014. Das Webportal kino-zeit.de kritisiert, dass sich der Film im letzten Drittel „in eine nicht mehr endend wollende Tirade, die sich vor allem im unerschöpflichen Hass der Flamen gegen die Wallonen und andersherum ausdrückt“ verfährt.Beatrice Behn: Titel im Klartext, Webseite von kino-zeit.de, abgerufen am 17. Dezember 2014.
Weblinks
Rundskop.be Offizielle Website des Films
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 2011 Kategorie:Filmdrama Kategorie:Belgischer Film Kategorie:Medizin im Film