Der Bahnhof Anklam (bis April 1902: Anclam) ist ein Bahnhof in der Stadt Anklam im Landkreis Vorpommern-Greifswald des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Er ging am 16. März 1863 mit der Eröffnung des ersten Abschnittes der Angermünde-Stralsunder Eisenbahn in Betrieb.
Hinzu kamen ab Mitte der 1890er Jahre mehrere Schmalspurbahnen von separaten Kleinbahnhöfen: die Mecklenburg-Pommersche Schmalspurbahn mit zwei Ästen sowie die Anklam-Lassaner Kleinbahn. Für den Güterverkehr gab es Anschlussgleise zur Zuckerfabrik und zum Peenehafen. In den 1930er Jahren kam ein Anschluss zu den Arado Flugzeugwerken hinzu.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Schmalspurbahnen nach Lassan und Leopoldshagen 1945 als Reparationsleistung abgebaut, die Strecke nach Friedland wurde durch die Deutsche Reichsbahn noch bis 1969 betrieben. Durch den Ausbau der Anschlussgleise erreichte der Bahnhof um 1980 seine größte Ausdehnung. 2005 wurden die Gleisanlagen umfangreich umgebaut und im Bahnhof die ESTW-Unterzentrale Anklam eingerichtet.
Der Bahnhof war stets Halt der meisten Schnellzüge auf der Strecke. Auch gegenwärtig bedienen einige Intercity-Express-Züge den Bahnhof.
Lage
Der Bahnhof Anklam befindet sich am Streckenkilometer 175,3 der VzG-Strecke 6081 (Berlin Nordbahnhof – Angermünde – Stralsund Hbf). Die Strecke ist als zweigleisige Hauptbahn klassifiziert. Das Empfangsgebäude liegt etwa 800 Meter östlich vom Marktplatz. Die Klappbrücke über die Peene befindet sich in Fahrtrichtung Stralsund noch im Bahnhofsgelände etwa 750 Meter vom Empfangsgebäude entfernt, sie liegt etwa 750 Meter nordöstlich des Stadtzentrums. Die benachbarten Betriebsstellen sind der Bahnhof Ducherow in rund zwölf Kilometer Entfernung sowie der Haltepunkt Klein Bünzow, der rund zehn Kilometer weiter nördlich liegt.
Geschichte Privatbahnzeit
Mitte der 1850er Jahre reiften die Pläne für eine vorpommersche Eisenbahn heran, die die Hafenstädte Stralsund, Greifswald und Anklam an die Stammstrecke der Berlin-Stettiner Eisenbahn-Gesellschaft (BStE) anschließen sollte. Der Bau dieser Bahn wurde 1861 beschlossen und alsbald begonnen. Da es beim Bau der Peenequerung Verzögerungen gab, wurde Anklam für einige Monate Endpunkt der Strecke. Am 16. März 1863 ging der Abschnitt von Angermünde über Prenzlau und Pasewalk nach Anklam in Betrieb. Der Anklamer Bahnhof erhielt ein zweckmäßiges Empfangsgebäude; Abortanlagen, Wagen-, Lok- und Güterschuppen, eine Drehscheibe und eine Wasserstation mit Wasserkran und Wasserturm ergänzten die Anlage.
Die Peenebrücke war ab dem 12. August 1863 befahrbar. Das Bauwerk umfasste eine Drehbrücke nach dem System Schwedler und daran anschließend eine Fachwerkbogenbrücke. Die Drehbrücke war so konstruiert, dass sich beim Öffnen nur ein Endlager absenkte und der bewegliche Überbau damit leicht kippte. Der Schwerpunkt lag somit auf dem Drehpunkt und nicht auf der Rollbahn, was das Drehen der Brücke erheblich erleichterte. Der bewegliche Teil war 19,47 Meter lang, die Fachwerkbogenbrücke hatte eine Länge von 31 Metern. Die Brücke wurde durch Deckungssignale gedeckt, außerdem bestanden Abhängigkeiten zu den rückgelegenen Hauptsignalen. Am 13. August befuhr ein erster Sonderzug der BStE die Strecke bis Greifswald. Die offizielle Streckeneröffnung fand am 26. Oktober 1863 im Beisein von König Wilhelm I. statt.
Länderbahnzeit
Am 1. Februar 1880 ging die Berlin-Stettiner Eisenbahn-Gesellschaft infolge der Verstaatlichung in die Königliche Eisenbahn-Direction (KED) der Berlin-Stettiner Eisenbahn über. Bereits ein Jahr später wurde diese aufgelöst und der Bahnhof der KED Berlin, Betriebsamt Berlin-Stralsund unterstellt. Ab dem 1. April 1895 war die neugegründete KED Stettin zuständig.ab 1918: Eisenbahndirektion (ED) Stettin, ab 1922 Reichsbahndirektion (RBD) Stettin Der Bahnhof Anklam war zu Staatsbahnzeiten als Bahnhof II. Klasse eingestuft. Dem Bahnhofsvorsteher unterstanden die Fahrkartenausgabe, Güterabfertigung, Stellwerke, Bahnhofskasse und bis 1945 der Lokbahnhof. Für die Gleisanlagen war ebenso wie für die Schrankenposten anfangs eine eigene Bahnmeisterei zuständig.
Die Mecklenburg-Pommersche Schmalspurbahn (MPSB) nahm am 19. April 1895 die Strecke Anklam – Dennin in Betrieb, am 28. August 1896 folgte die Strecke Anklam – Bugewitz – Leopoldshagen. Die Strecke Anklam – Lassan der Anklam-Lassaner Kleinbahn (ALKB) ging am 21. April 1896 in Betrieb. Beide Bahnen mit einer Spurweite von 600 mm verfügten über eigene Kleinbahnhöfe und waren über ein Gleis miteinander verbunden. Ebenso waren die Schmalspurbahnen wie die Staatsbahn an die 1896 errichtete zweite Zuckerfabrik angeschlossen.
mini|Empfangsgebäude, um 1910
Im Jahr 1899 kam es zum ersten größeren Umbau des Staatsbahnhofs. Das Bahnhofsgebäude wurde umgebaut und der südlich des Gebäudes gelegene Wasserturm abgebrochen. Ein Ersatzneubau entstand in Höhe des Lokbahnhofs am Nordkopf. Weitere Umbauten fanden mit dem zweigleisigen Ausbau der Strecke 1907 bis 1910 statt, bei dem auch die Peenebrücke erneuert wurde. Die Fachwerkbrücken erhielten neue Überbauten mit einer Länge von 33 Metern. Die Drehbrücke wurde durch zwei parallele, jeweils 14,70 Meter lange Rollklappbrücken mit untenliegendem Gewicht nach Patent von William Donald Scherzer ersetzt. Das zweite Streckengleis ging am 31. Januar 1907 in Betrieb. Das Empfangsgebäude erhielt einen Anbau für die Bahnhofswirtschaft, auf dem Vorplatz entstand ein Wartesaal IV. Klasse. Die sicherungstechnischen Einrichtungen wurden modernisiert. In Höhe des Bahnübergangs Bluthsluster Straße entstand eine Fußgängerbrücke. 1912 ging ein regelspuriges Anschlussgleis zum Hafen in Betrieb.
Zwischenkriegszeit
Der Güterverkehr nahm mit dem Ausbau der Luftfahrtindustrie in Anklam erheblich zu. Am 10. Juli 1936 wurde die Anschlussbahn zum neu errichteten Flugplatz abgenommen. Am 1. Juli 1937 schlossen die Reichsbahn und die Arado Flugzeugwerke einen Vertrag zur Errichtung eines Anschlussgleises zum Werkgelände nördlich der Zuckerfabrik. Während die Flughafenbahn über eigene Kleinlokomotiven verfügte, ist der Einsatz bei den Aradowerken umstritten, da die Bedienung durch die Reichsbahn erfolgen sollte. In den Jahren 1937/38 wurde die Peenebrücke erneut ersetzt, da die Brückenträger trotz einer Verstärkung im Jahr 1925 nicht mehr den Anforderungen genügten. Das Prinzip der Rollklappbrücke behielt man bei, die Gegenmassen der neuen Brücke waren allerdings über der Fahrbahn angeordnet.
Zweiter Weltkrieg und DDR-Zeit
Ab 1940 verhandelte die Reichsbahn mit der Stadt Anklam um den Erwerb weiterer Flächen zur Bahnhofserweiterung, die Gespräche wurden 1944 eingestellt.
Im Zweiten Weltkrieg erlitt der Anklamer Bahnhof durch mehrere Luftangriffe, insbesondere am 9. Oktober 1943, am 4. April 1944 sowie im Frühjahr 1945 schwere Schäden. Die Peenebrücke nahm dabei größeren Schaden; die vorbereitete Sprengung wurde nicht ausgeführt. Die festen Überbauten des östlichen Brückenzuges waren abgestürzt. Die eher mäßigen Schäden am Oberbau wurden ab dem 20. Mai 1945 durch einen Hilfszug des Bahnbetriebswerkes Pasewalk in je zwei Tag- und Nachteinsätzen repariert. Der Zugverkehr konnte somit ab Juni 1945 wieder anlaufen. Das zweite Streckengleis musste als Reparationsleistung an die Sowjetunion abgebaut werden, ebenso die Kleinbahnstrecken nach Lassan und Leopoldshagen. Die Bahnmeisterei Anklam wurde in dieser Zeit aufgelöst und als Streckenmeisterbezirk der Bahnmeisterei Greifswald unterstellt. Mit der Besetzung Stettins durch Polen verlagerte die Reichsbahn den Direktionssitz zunächst nach Pasewalk und zog infolge der dortigen Zerstörungen weiter nach Greifswald. Die Reichsbahndirektion Greifswald nahm am 10. Oktober 1945 ihre Arbeit auf. Seit 1949 umfasste die Dienststelle Anklam neben dem Bahnhof zusätzlich die Bahnanlagen entlang der Strecke zwischen den Kilometern 169 und 183. 1963 gehörten der Belegschaft 180 Eisenbahner an, 1972 sank ihre Zahl auf 70, bis 1987 stieg sie wieder auf 118 Mitarbeiter an. Die Dienststelle bildete zudem jährlich etwa neun bis zehn Auszubildende aus.
Im Jahr 1969 stellte die seit 1950 für die Kleinbahnen zuständige Deutsche Reichsbahn den Betrieb auf der verbliebenen Schmalspurstrecke nach Friedland ein. Ab dem 18. Dezember 1976 war die Hauptstrecke mit Ausnahme der Peenebrücke wieder zweigleisig befahrbar. Für den östlichen Brückenzug wurde 1980 eine Vollwandträgerbrücke eingebaut, womit die Zweigleisigkeit auf der Brücke wieder hergestellt werden konnte. Der westliche Brückenzug erhielt im Jahr darauf ebenfalls Vollwandträgerüberbauten.
In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre wurde die Strecke Berlin–Stralsund elektrifiziert. Am 20. August 1988 wurde der Abschnitt zwischen Anklam und Ducherow für den elektrischen Betrieb freigegeben. Bis zum 23. September 1988 war auch der Abschnitt zwischen Züssow und Anklam elektrifiziert. Die Fahrleitung der Peenebrücke erhielt eine Sonderkonstruktion mit starren Stromschienen. Diese konnten über hydraulisch bewegte Schwenkarme um 70 Grad nach oben geschwenkt werden, um die beweglichen Überbauten beim Öffnen nicht zu behindern. Für die Fahrstromversorgung errichtete die Deutsche Reichsbahn in Anklam ein dezentrales Umformerwerk. Dieses diente als Einspeisestelle aus dem Landesnetz. Seit 2003 wird der Bahnstrom über Autotransformerstationen direkt von den Umformerwerken Prenzlau und Stralsund bezogen. Das dezentrale Umformerwerk konnte damit aufgegeben werden. Die Phasentrennstelle zwischen beiden Speisebereichen liegt auf der Peeneklappbrücke.
Nachwendezeit und jüngere Vergangenheit
Nach der Wende ging die Rbd Greifswald am 30. September 1990 in der Reichsbahndirektion Schwerin auf, die ihrerseits mit der Bahnreform am 1. Januar 1994 aufgelöst wurde. Die einzelnen Stellen unterstehen seitdem den Konzerntöchtern der Deutschen Bahn. Die Dienststelle Bahnhof Anklam wurde 1993 aufgelöst.
Im Jahr 2002 kam es zu einem tödlichen Personenunfall, als ein Zug einen Reisenden, der statt auf den Hausbahnsteig auf den Zwischenbahnsteig am Gleis 2 ausgestiegen war, erfasste. Als direkte Folge wurde der Bahnsteig für den Personenverkehr gesperrt. Deswegen mussten Personenzüge auch in Fahrtrichtung Stralsund am Hausbahnsteig halten. Im Mai gleichen Jahres legte ein Vorstandsbeschluss der Deutschen Bahn fest, die mechanischen und elektromechanischen Stellwerke durch ein elektronisches Stellwerk (ESTW) zu ersetzen. In diesem Zusammenhang wurden die Gleis- und Reiseverkehrsanlagen erneuert. Der Zwischenbahnsteig wurde abgetragen und durch einen breiteren Außenbahnsteig ersetzt. Das ESTW ging zwischen dem 14. und dem 17. März 2005 in Betrieb, am 24. April 2005 waren alle Umbauarbeiten abgeschlossen.
Eine lokale Zeitung schrieb über den Umbau folgendes:
Von 2011 bis 2013 ließ die Deutsche Bahn die Peenebrücke durch einen Neubau ersetzen. Die beiden Brückenzüge werden allein durch mechanische Kräfte gehoben und gesenkt. Der denkmalgeschützte Rollklappüberbau von 1937 wurde für den Ersatzneubau um wenige Meter nach Süden verschoben.
Anlagen
Empfangsgebäude
Das Anklamer Empfangsgebäude ist ein zweigeschossiger Backsteinbau und soll bereits 1861, zwei Jahre vor der Streckeneröffnung, fertiggestellt gewesen sein. Architekt war Theodor August Stein, der hauptverantwortlich für den Bau der Bahnhofsgebäude an der Strecke war. Es ähnelt mehreren anderen Empfangsgebäuden der Strecke, vor allem dem im Zweiten Weltkrieg zerstörten Empfangsgebäude in Prenzlau. Typisch für die schlichten, funktionalen Bahnhofsbauten von Theodor August Stein ist die Fenstergestaltung: Im Erdgeschoss sind die Fenster rundbogig, im Obergeschoss rechteckig. Das Gebäude ist ein langgestreckter, einheitlicher Bau mit 13 Achsen, der Zugang liegt in der Gebäudemitte. Es steht unter Denkmalschutz.
1899 wurde das Gebäude umgebaut und elf Jahre darauf nochmals erweitert, um dem Bahnhofsrestaurant mehr Platz zu bieten.