Die Republik China (), weithin bekannt als Taiwan ( oder ), in Deutschland amtlich Taiwan, in Österreich und der Schweiz Taiwan (Chinesisches Taipei), ist ein im Zuge der Ein-China-Politik nur von wenigen Staaten diplomatisch anerkannter Inselstaat in Ostasien. Sein Territorium besteht aus der Hauptinsel Taiwan (99 %) und anderen, kleineren Inseln. Der technisch hochentwickelte Industriestaat, aus dem deutlich mehr als die Hälfte aller weltweit hergestellten Halbleiter-Bauteile kommen, hat eine Bevölkerung von rund 23,5 Millionen Menschen.

Die Republik China wurde nach der Xinhai-Revolution auf dem chinesischen Festland am 1. Januar 1912 in Nanking ausgerufen. Die Insel Taiwan, von 1683 bis 1895 unter chinesischer Herrschaft und von 1895 bis 1945 unter Herrschaft des japanischen Kaiserreichs, fiel erst mit Ende des Zweiten Weltkriegs an die Republik China. 1949 – nach der Niederlage im Bürgerkrieg gegen die Kommunistische Partei und der Gründung der Volksrepublik China auf dem Festland – zogen sich die Regierung, Eliten und Streitkräfte der Republik China auf die Insel Taiwan zurück. Dort etablierte die von Chiang Kai-shek geführte Staatspartei Kuomintang unter Beibehaltung des Ausnahmezustands eine mehrere Jahrzehnte andauernde Einparteienherrschaft. Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war von hohem Wirtschaftswachstum gekennzeichnet, gegen Ende der 1980er Jahre initiierte die Kuomintang eine schrittweise Demokratisierung. In mehreren Skalen der Demokratiemessung ist die Republik China (Taiwan) heute neben Japan und Südkorea einer der demokratischsten Staaten Asiens, vergleichbar mit Deutschland und der Schweiz.

Auch nach der Ausrufung der Volksrepublik China 1949 vertrat die Regierung der Republik China den chinesischen Staat zunächst bei den Vereinten Nationen und war ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats. Als Folge der Ein-China-Politik der Volksrepublik brachen aber immer mehr Staaten ihre diplomatischen Beziehungen zur Republik China ab, die 1971 mit der UN-Resolution 2758 auch ihre UN-Mitgliedschaft an die Volksrepublik abgeben musste. 1979 brachen schließlich auch die USA die diplomatischen Kontakte ab, nachdem sie offizielle Beziehungen zur Volksrepublik aufgenommen hatten (Taiwan Relations Act). Nur eine Minderheit der Staatengemeinschaft unterhält heute formal diplomatische Beziehungen mit der Regierung in Taipeh. Die völkerrechtliche Stellung der Republik China ist umstritten und Gegenstand des Taiwan-Konflikts.

Landesbezeichnung Die amtliche Eigenbezeichnung lautet nach 1949 weiterhin Republik China, dennoch ist sowohl innerhalb als auch außerhalb des Landes die Bezeichnung Taiwan üblich, wobei dies mit zunehmender Betonung der taiwanischen Eigenständigkeit einhergeht. In: esc.nccu.edu.tw, Trends in Core Political Attitudes among Taiwanese. National Chengchi University, 9. Juli 2014, abgerufen am 15. Februar 2015 (englisch). Staatliche Stellen verwenden in an internationales Publikum gerichteten Texten inzwischen ebenfalls den Namen Taiwan und Hilfskonstruktionen wie Republik China auf Taiwan oder Republik China (Taiwan), um dieser Entwicklung gerecht zu werden. Auch tragen hergestellte Artikel Bezeichnungen wie „Made in Taiwan, R.O.C.“ (R.O.C. = Republic of China) oder „Made in Taiwan“. Auf Chinesisch wird für das Wort Táiwān von offiziellen Stellen Taiwans die Schreibweise verwendet. Umgangssprachlich wird von Taiwanern auch die Schreibweise mit einer einfacheren Variante des Schriftzeichens 臺 genutzt. Die Schreibweise hingegen entspricht den vereinfachten Schriftzeichen der Volksrepublik China und wird daher in Taiwan offiziell nicht genutzt.

Der ungelöste Taiwan-Konflikt erschwert der Republik China den Beitritt zu internationalen Organisationen und die Teilnahme an internationalen Veranstaltungen, unabhängig davon, ob Republik China oder Taiwan als Landesbezeichnung benutzt wird. In den letzten Jahrzehnten sind daher weitere Bezeichnungen entstanden, um diese Probleme zu umgehen. Verbreitung erlangte insbesondere Chinesisch-Taipeh, unter der die Republik China 1979 dem Internationalen Olympischen Komitee beitrat und an Olympischen Spielen teilnimmt. Weitere internationale Organisationen, vor allem – aber nicht nur – im Bereich Sport, haben diese Regelung übernommen.

Bürger Taiwans sind Taiwaner. Ähnlich geläufig ist die Bezeichnung Taiwanesen. Entsprechend werden Angelegenheiten, die Taiwan betreffen, als taiwanisch oder taiwanesisch bezeichnet.Begrifflichkeit „taiwanisch“ oder „taiwanesisch“:Die Taiwanische Botschaft in Deutschland verwendet sowohl die kürzere Form als auch die Volksbezeichnung „Taiwanesen“. Die Taiwanische Botschaft in Österreich verwendet in Beispiel 1 und Beispiel 2 die längere Form. Im Duden sind beide Formen gelistet, sie würden gleich häufig verwendet (fallen in dieselbe Duden-Häufigkeitsklasse). Das deutsche Außenministerium führt Taiwan nicht in seinen Staatenlisten und nennt keine Festlegung.

Geographie Staatsgebiet Das Verwaltungsgebiet der Republik China umfasst seit 1949 eine Gesamtfläche von 36.179 km², was etwa der Größe Baden-Württembergs entspricht.

Den Hauptteil stellt die Insel Taiwan im westlichen Pazifik mit einer Fläche von 35.801 km². Weitere Gebiete sind: die Inselgruppe der Pescadoren (Penghu), die Matsu-Inseln, die Insel Kinmen (Jinmen) mit den Inseln Groß-Kinmen und Klein-Kinmen sowie einige weitere kleine Inseln.

Angrenzende bzw. berührte Hoheitsgebiete sind im Norden und Osten Japan (Ryūkyū-Inseln), im Westen die Volksrepublik China, im Süden die Philippinen.

Die Insel Taiwan

Die Insel Taiwan gliedert sich in zwei Großlandschaften: Der westliche Teil entlang der Küste (etwa ein Viertel des Landes) ist Tiefland. Diese Küstenebene ist zwischen 8 und 40 km breit. Drei Viertel der Landesfläche nehmen im Zentrum und im Osten des Landes drei annähernd parallel verlaufende bewaldete Hochgebirgszüge vulkanischen Ursprungs mit bis zu fast 4.000 m Höhe ein (62 Gipfel sind über 3.000 m hoch); im Südwesten reichen Gebirgsausläufer bis an das Südchinesische Meer heran.

Bevölkerung mini|Bevölkerungspyramide 2014 mini|Die Bevölkerung konzentriert sich vor allem in den westlichen Küstenregionen. Das zentrale Bergland ist nahezu unbesiedelt (Datenstand: 2011; in Einwohner/km²):

Demografie Taiwans Bevölkerung wuchs von 1950 bis 2015 rasant von 7 auf 23 Millionen an und damit prozentual gesehen deutlich stärker als in der Volksrepublik China. Inzwischen liegt die Einwohnerwachstumsrate aber nur noch bei 0,2 % jährlich. Das mediane Alter der Bevölkerung Taiwans betrug 2016 40,2 Jahre. 13 % der Bevölkerung waren unter 15 Jahre alt und 13 % der Bevölkerung über 65 Jahre alt. Die Geburtenrate war 2016 mit 1,12 Kindern pro Frau eine der niedrigsten der Welt (Vergleichszahlen für andere asiatische Länder im Jahr 2015: Hongkong 1,20, Südkorea 1,24, Singapur 1,24, Japan 1,46). Taiwan hatte damit eine niedrigere Geburtenrate als die Volksrepublik China, obwohl es nie eine Ein-Kind-Politik eingeführt hatte. Taiwan ist deshalb eine der am schnellsten alternden Gesellschaften der Welt. Bis 2050 könnte das Durchschnittsalter auf 56 Jahre steigen, was eine große Herausforderung für Renten- und Gesundheitssysteme darstellen dürfte.

Zukünftige Entwicklung der Bevölkerung, demografischer Wandel Das nationale statistische Amt Taiwans prognostizierte 2016, dass die Sterberate die Geburtenrate ab 2021 bis 2025 übertreffen würde, so dass danach die Bevölkerung abnehmen werde, sofern netto nicht mehr Menschen einwandern. Um diese Zeit werde die Bevölkerung Taiwans mit 23,7 bis 23,8 Millionen ein Maximum erreichen. Die Bevölkerungsprognosen für das Jahr 2060 bewegen sich zwischen 17,3 und 19,7 Millionen, also etwa so viele Einwohner, wie Taiwan Anfang der 1980er Jahre hatte. Die Bevölkerung im Erwerbsalter (15–64 Jahre) wird nach diesen Prognosen zwischen 2022 und 2060 von 17,2 Millionen auf 9,6 Millionen sinken und die Zahl der Rentner (> 64 Jahre) von 3,2 Millionen auf 7,2 Millionen steigen. Die Bevölkerungsstatistik im Juli 2026 zeigte eine kontinuierliche Bevölkerungsabnahme seit 2023.

mini|Bevölkerungsentwicklung in Millionen Einwohnern Jahr Einwohnerzahl Jahr Einwohnerzahl 1950 7.623.000 1990 20.312.000 1955 9.022.000 1995 21.229.000 1960 10.702.000 2000 21.840.000 1965 12.650.000 2005 22.603.000 1970 14.693.000 2010 23.102.000 1975 16.233.000 2015 23.486.000 1980 17.717.000 2030 24.151.000 1985 19.130.000 2050 22.771.000 Quelle: UN, Zahlen für 2030 und 2050 sind Prognosen

Einwanderung nach Taiwan Obwohl Taiwan historisch betrachtet ein ausgesprochenes Einwanderungsland ist – etwa 98 Prozent der heute dort lebenden Bevölkerung sind Nachkommen von Einwanderern, die in den letzten 350 Jahren auf die Insel gekommen sind –, verfolgte die Republik China seit 1949 lange Zeit eine relativ restriktive Einwanderungspolitik. Es gab kaum eine nennenswerte Einwanderung aus anderen asiatischen Ländern nach Taiwan. Nach der Demokratisierung Anfang der 1990er Jahre nahm die Immigration nach Taiwan allmählich zu. Im Zeitraum zwischen 1992 und 2015 stieg die Zahl der in Taiwan lebenden Personen mit nicht-taiwanischer Staatsbürgerschaft von etwa 44.400 (ca. 0,2 % der Gesamtbevölkerung) auf 637.800 (ca. 2,8 %). Angesichts der absehbaren demografischen Veränderungen wird in Regierungskreisen seit einigen Jahren laut über eine direkte Förderung qualifizierter Einwanderung nachgedacht.

Die Regierung der 2016 neu ins Amt gewählten Präsidentin Tsai Ing-wen legte den Plan der „Neuen Politik der Südausrichtung“ (New Southbound Policy) vor, der die Beziehungen zu 18 südostasiatischen Staaten, darunter die ASEAN-Staaten, Australien, Neuseeland und Indien, intensivieren soll. Dieser Plan sieht auch einen verstärkten Austausch von Personen, konkret eine erleichterte Immigration nach Taiwan aus diesen Staaten vor. Weitere Regierungsprogramme sehen die erleichterte Erteilung von Daueraufenthaltsgenehmigungen für ausländische Fachkräfte, die erleichterte Einbürgerung von ausländischen Ehefrauen, die Beibehaltung der bisherigen Staatsbürgerschaft bei der Einbürgerung von Hochqualifizierten und andere Maßnahmen vor. Kommentatoren wiesen allerdings darauf hin, dass die gesamte taiwanische Gesellschaft bei einer Einwanderung in größerem Stil mit umfassenden Änderungen und bisher nicht gekannten Phänomenen konfrontiert würde.

Tierkreiszeichen und Geburtenrate Die Tierkreiszeichen (Erdzweige) des chinesischen Kalenders, die sich in einem 12-Jahres-Zyklus wiederholen, haben traditionell einen Einfluss auf die Geburtenrate. In den Jahren des Drachens (u. a. 1976, 1988, 2000, 2012), eines verheißungsvollen Tierkreiszeichens, war die Geburtenrate immer besonders hoch, da Personen, die in einem Drachenjahr geboren wurden, traditionell erstrebenswerte Charaktereigenschaften und Fortüne zugeschrieben wurden (Glück, Macht, Intelligenz, Lebenskraft). Im Jahr 2012 wurden 229.481 Geburten in Taiwan gezählt – so viele wie seit 2003 nicht mehr, wobei allerdings auch Anreize der Regierung zur Steigerung der Geburtenrate eine Rolle gespielt haben können. In den Jahren des Tigers (u. a. 1986, 1998, 2010) war die Geburtenzahl dagegen tendenziell niedriger, da Personen, die in diesen Jahren geboren werden, zwar Mut und Tatkraft zugeschrieben wird, aber auch ein schwieriger Charakter. Die Geburtenzahl im Jahr 2010 lag in Taiwan mit 166.886 bei einem Allzeittief und war auch weltweit mit die niedrigste Rate.

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