mini|300px|Schematische Lage der römischen Befunde um Mertingen mini|300px|Lage der Kastelle an der Donau

Als Kastell Burghöfe, lateinisch Submuntorium und Summuntorium, werden zwei ehemalige römische Befestigungsanlagen bei Burghöfe in der Gemeinde Mertingen im bayerisch-schwäbischen Landkreis Donau-Ries bezeichnet. In der antiken Zeit befanden sich die Kastelle in der römischen Provinz Raetia, später in der Raetia II und lagen rund 35 Kilometer nördlich von deren Hauptstadt Augusta Vindelicum (Augsburg) entfernt. Oberirdisch sind heute keine Reste der Befestigungen mehr sichtbar.

Name, Quellen und Lage

Die erste Nennung findet sich unter dem Namen Summuntorium im 3. Jahrhundert im Itinerarium Antonini.Itinerarium Antonini 250. In der spätantiken Notitia dignitatum werden das Kastell unter dem Namen Submuntorium und die dort stationierten Truppeneinheiten, eine Abteilung der Legio III Italica unter einem Präfekten sowie die Equites stablesiani iuniores, angeführt.Notitia dignitatum occ. 35, 5. 16. 18. Der Name leitet sich vermutlich vom lateinischen Verb submunire (deutsch: befestigen) ab.Wolfgang Czysz: Burghöfe, Gde. Mertingen, Lkr. Donau-Ries, Schw. Kastell und Vicus der frühen Kaiserzeit und Spätantike. In: Ders. et al. (Hrsg.): Die Römer in Bayern. Lizenzausgabe. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-11-6, S. 429 f.

Die Relikte der römischen Verteidigungsanlagen liegen von der Donau rund sieben Kilometer entfernt auf dem Sporn einer Hochterrasse, die im Norden und im Osten um rund 30 Meter steil zum Lechtal beziehungsweise dem der Schmutter hin abfällt. In antiker Zeit befand sich dort ein Kreuzungspunkt der von Norditalien aus südlicher Richtung heran kommenden Via Claudia Augusta mit der von Westen nach Osten führenden Donausüdstraße. Die Via Claudia Augusta endete an der Schmuttermündung bei Donauwörth. Im heutigen Siedlungsbild befinden sich die Fundstellen ein paar hundert Meter südöstlich des Ortsrandes von Mertingen.

Forschungsgeschichte

Im Jahr 1906 identifizierte der Archäologe Friedrich Winkelmann (1852–1934) Burghöfe mit dem antiken Submuntorium.Friedrich Winkelmann: Der Limes. In: Deutsche Gaue 9, 1908, S. 256–257; s. auch Friedrich Winkelmann: Die römischen Grenztruppen der Provinz Rätien und ihre Garnisonen ums Jahr 400. In: Deutsche Gaue 13, 1912, S. 148–149. Anschließend beschäftigte sich Paul Reinecke (1872–1958) im Jahr 1920 erstmals ausführlich mit dem Fundplatz.Paul Reinecke: Summuntorium. In: Augsburger Rundschau 2, Nr. 45/46, 1920, S. 539–542 und 551–552 = Paul Reinecke: Kleine Schriften zur vor- und frühgeschichtlichen Topographie Bayerns. Kallmünz/Opf. 1962, S. 96–105. Eine erste Ausgrabung fand 1925 durch Ludwig Ohlenroth (1892–1959) statt, die Bearbeitung durch Günter Ulbert (1930–2021) wurde 1959 publiziert.Günter Ulbert: Die römischen Donau-Kastelle Aislingen und Burghöfe (= Limesforschungen 1). Gebr. Mann, Berlin 1959.

Seit 1982 wurde das Kastellareal durch intensive Befliegungen luftbildarchäologisch beobachtet, um ein umfassendes Bild der erkennbaren archäologischen Strukturen für die Forschung auswertbar zu machen. Das zum Kastell gehörende Lagerdorf, der Vicus, blieb jedoch offenbar aufgrund der hohen Sedimentation durch erodierendes Material von der erhöht liegenden Garnison unentdeckt.

In den Jahren 2001 und 2003 führte das Institut für Vor- und frühgeschichtliche Archäologie und Provinzialrömische Archäologie der Universität München in enger Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege großflächige geophysikalische Untersuchungen mittels verschiedener Methoden durch. Ziel war es, einen umfassenden Gesamtplan der militärischen Anlagen sowie der zivilen Strukturen des Lagerdorfes zu erstellen. Nachdem das zu prospektierende Gelände seit 2001 größtenteils als Brache genutzt wurde, stand einer uneingeschränkten Nutzung nichts im Wege. Nun gelang es, den gesuchten Vicus in einer Mulde zwischen dem Kastell und der nächsten Anhöhe zu dokumentieren. Da die älteren Luftbilder vom Garnisonsort teils viele Details wiedergaben, die den geophysikalischen Methoden verborgen blieben, wurde im Folgenden in einer Kombination der verschiedenen Untersuchungstechniken vorgegangen. Eine im August 2001 angesetzte Testgrabung brachte wichtige Ergebnisse. Danach konnte ab Mai 2003 ein zunächst zweijähriges Forschungsprojekt angesetzt werden, das unter der Projektleitung des Archäologen Michael Mackensen stand.Jörg Faßbinder, Salvatore Ortisi: Geophysikalische Prospektion und Ausgrabungen in Submuntorium-Burghöfe, Gemeinde Mertingen, Landkreis Donau-Ries, Schwaben. In: Das archäologische Jahr in Bayern 2003, Theiss, Stuttgart 2004, S. 85–89; hier: S. 85. Nach 2003 wurde auch in den Sommern 2004 und 2007 auf einer Fläche von über 900 Quadratmetern gegraben. Zusätzlich fand 2005 eine Prospektion statt.Römisches Grenzkastell Submuntorium/Burghöfe a. d. Donau (Bayern) auf der Webpräsenz der Ludwig-Maximilians-Universität München, abgerufen am 3. Juni 2026.

Archäologische Befunde Frühkaiserzeitliche und möglicherweise mittelkaiserzeitliche Kastelle In tiberisch-claudischer Zeit entstanden auf dem Felssporn erste Auxiliarkastelle der älteren Donaulinie des Raetischen Limes als einfache Holz-Erde-Lager. Auf einen möglicherweise tiberischen Posten folgte ein erstes, temporäres frühclaudisches Lager vor der Anlage des ersten stationären, claudischen Kastelles. Dieses hatte einen annähernd quadratischen Grundriss und umfasste mit seinen Seitenlängen von 150 m mal 140 m eine Fläche von 2,1 Hektar. Als Annäherungshindernis diente ein einfacher, bis zu sechs Metern breiter und 2,2 m tiefer Spitzgraben. Auf der nördlichen und südlichen Seite war der Graben um jeweils zehn bis zwölf Meter Breite unterbrochen, um Zugang zum Kastell zu gewährleisten. Spuren eines weiteren Grabens auf der Nordseite deuten auf eine mögliche Mehrperiodigkeit der Anlage. Konturen der Innenbebauung können nur sehr schwach auf Luftbildern ausgemacht werden. Name und Größe der dort stationierten Einheit sind unbekannt, Funde von Pferdegschirr- und Reiterausrüstungsteilen weisen auf die Anwesenheit von Reitern, also eine Cohor equitata (600 Mann starke, teilberittene Infanterietruppe) oder Ala (rund 500 Mann starke Kavallerieeinheit). In welchem Zusammenhang damit der im Lagerbereich gefundene Weihestein des Marcus Scandilius Fabatus, eines Präfekten der Ala I Hispanorum Auriana steht, = HD004432 muss vorläufig offen bleiben. Ein zwingender Beweis für die Stationierung dieser Einheit dort ist dieser einzelne Fund noch nicht, zumal die geringe Lagerfläche eher für eine Cohors equitata, beispielsweise die Cohors I Breucorum spricht.István Gergő Farkas: The Dislocation of the Roman Army in Raetia. (= BAR International Series 2723). BAR Publishing, Oxford 2016, ISBN 978-1-4073-1378-8, S. 21 f. Der Name des Kastells lautete vermutlich schon in der frühen Zeit Submuntorium. Eine erste Zerstörung erfolgte wohl im Zusammenhang mit den Ereignissen des Vierkaiserjahrs (69 u. Z). Es wurde jedoch wieder aufgebaut, um 77/80 erneut zerstört, wovon eine entsprechend datierte Brandschicht zeugt, und bestand noch bis in spättrajanisch-frühhadrianische Zeit, etwa um das Jahr 120 herum.Karlheinz Dietz, Thomas Fischer, Veronika Fischer: Bayern zur Römerzeit. Archäologie und Geschichte. Pustet, Regensburg 2025, ISBN 978-3-7917-3520-7, S. 373 f., 477. Michael Mackensen und Florian Schimmer schließen aufgrund einzelner Funde einen kleineren Posten bis ins 3. Jahrhundert nicht aus. Ferner wurde eine Palisade gefunden, die aufgrund der Münreihe auf die Zeit zwischen 272 und 282/283 weist, als während der Zeit des Kaisers Probus (276-282) dieser am Lech gegen die Burgunden und Vandalen kämpfte.Karlheinz Dietz, Thomas Fischer, Veronika Fischer: Bayern zur Römerzeit. Archäologie und Geschichte. Pustet, Regensburg 2025, ISBN 978-3-7917-3520-7, S. 373.

Bei den Luftaufnahmen zeigten sich in der Praetentura (vorderer Lagerteil) die Konturen eines Steingebäudes, das aber nicht zum Kastell gehört, sondern in der Nachkastellzeit anzusiedeln ist. Möglicherweise handelt es sich dabei um eine Statio, eine bewachte Straßenstation des 2. oder 3. Jahrhunderts.

Kastellvicus Der Kastellvicus erstreckte sich westlich des Kastells und südlich, beiderseits einer sechs Meter breiten und mit Kies befestigten Straße.Kastellvicus weitläufig um Der Vicus war die Zivilsiedlung des Lagers, die bei jedem dauerhaften Standlager anzutreffen ist und in der sich die Angehörigen von Soldaten, Händler, Handwerker, Gastwirte, Prostituierte und andere Dienstleister, alle, die der Versorgung der Truppe dienten, niederließen und wirtschafteten. Von der Vicusbebauung konnten in Burghöfe mehrere Spuren von Holzgebäuden mit Pfosten oder Schwellbalken sowie ein steinernes Gebäude und drei Erdkeller ausgegraben werden. Einer der Keller, 7,6 m mal 4,0 m (= 30,4 m²) groß und 1,7 m tief war mit Holz verschalt und ausgebrannt. Er hatte ausweislich des Fundmaterials als Depot eines Händlers gedient, der mit Terra sigillata Handel trieb. Andere Befunde wiesen auf eine Töpferei, die Irdenware produzierte, der Fund in Form eines Reliefs des Gottes MercuriusRömisches Museum Augsburg Inv. Lap. 109: deutet auf ein möglicherweise nahe gelegenes Heiligtum.

Spätantike Befestigungen

Wohl schon in der Zeit der Tetrarchie und im Rahmen von deren Bauprogramm, vermutlich um das Jahr 300, wurde etwas östlich des Kastells eine erste steinerne Befestigungsanlage des spätantiken Donau-Iller-Rhein-Limes errichtet.Spätantike Kastelle um Die Befunde zeigen eine langrechteckige Anlage von 25/30 m Breite und 105/115 m Länge (rund 0,3 ha), die von einer 1,5 m dicken Mauer umgeben war. Es folgten noch zwei weitere Bauphasen, die sich weniger in Befunden als vielmehr in Funden manifestierten. Die spätantiken Anlagen waren sicher bis in das zweite Drittel des 4., nach Ansicht von Wolfgang Czysz bis in die erste Hälfte des 5. Jahrhunderts belegt. Laut Notitia dignitatum waren dort die Equites stablesiani iuniores eine berittene Eliteeinheit und der Praefectus legionis tertae Italicae, ein Abschnittskommandant der Donaugrenze mit seiner Truppe stationiert. Aufgrund der Funde entsprechender Münzen und einer Fibel mit Kreisaugendekor und dreieckiger Kopfplatte kann sogar eine Besetzung des Kastells bis in die Zeit des Odoakers (476-493) oder Theoderichs (488-526) nicht ausgeschlossen werden. Ungewöhnlich für Raetien und die Zeitstellung hatte die Befestigung sogar einen Vicus mit Holzgebäuden, in dem sich Nachweise von Metallhandwerk finden ließen.Karlheinz Dietz, Thomas Fischer, Veronika Fischer: Bayern zur Römerzeit. Archäologie und Geschichte. Pustet, Regensburg 2025, ISBN 978-3-7917-3520-7, S. 373 f.

Ab der späten Völkerwanderungszeit respektive dem Frühmittelalter wurde diese Stelle von der Burg Turenberc überbaut, wodurch zahlreiche Spuren der militärischen und zivilen spätantiken Besiedlung zerstört wurden.Christian Later: Der mittelalterliche Burgstall Turenberc/Druisheim. Archäologische Untersuchungen 2001–2007 am römischen Militärplatz Submuntorium/Burghöfe an der oberen Donau (= Münchner Beiträge zur Provinzialrömischen Archäologie Bd. 2). Reichert, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-89500-716-3.

Fundmaterial

Aus Burghöfe stammen eine Reihe von Steinfunden, darunter eine 1921 gefundene fragmentarische Statue des Mercurius, ein 1968 entdeckter Votivaltar für ApollonRömisches Museum Augsburg, Inv. 381: ; sowie ein Miniatur-Votivaltar für Mars.München, Archäologische Staatssammlung Inv. 1982, 294, ausgestellt im Burgmuseum Grünwald: Hinzu kommen eine Reihe von Steininschriften, , , .../... et al. sowie ein auf das Jahr 140 datiertes bronzenes Militärdiplom. = HD061454