Das Ablepharon-Makrostomie-Syndrom (AMS) ist eine sehr seltene angeborene Erkrankung, ein stark entstellendes Syndrom mit Fehlen der Augenlider (Ablepharie), Augenbrauen, Wimpern und Fehlbildungen an Ohren, Mundhöhle und Genitale. Das Syndrom kann als Form einer Ektodermalen Dysplasie angesehen werden.

Die Erstbeschreibung stammt von den britischen Ärzten Gillian McCarthy und Carolyn West aus dem Jahre 1977.G. T. McCarthy, C. M. West: Ablepheron macrostomia syndrome. In: Developmental Medicine and Child Neurology. Bd. 19, Nr. 5, Oktober 1977, S. 659–663, . PMID 913905.

Verbreitung Die Häufigkeit wird mit unter 1 zu 1.000.000 angegeben, bislang wurden erst 15 Patienten beschrieben. Die Vererbung erfolgt am ehesten autosomal-dominant.L. Rohena, D. Kuehn, S. Marchegiani, J. D. Higginson: Evidence for autosomal dominant inheritance of ablepharon-macrostomia syndrome. In: American journal of medical genetics. Part A. Bd. 155A, Nr. 4, April 2011, S. 850–854, . doi:10.1002/ajmg.a.33900. PMID 21595001.

Ursache Der Erkrankung liegen Mutationen im TWIST2-Gen auf Chromosom 2 Genort q37.3 zugrunde. Veränderungen in diesem Gen liegen auch beim Barber-Say-Syndrom und beim Setleis-Syndrom vor.

Klinische Erscheinungen Klinische Kriterien sind: Fehlen der Augenlider, Wimpern, Augenbrauen Strabismus Tiefsitzende dysplastische Ohrmuscheln Abnormal geformte Nasenlöcher, flache Nasenwurzel Makrostomie Kleine, unterentwickelte Zähne Trockene, raue Haut mit Flechtenbildung (Lichenifizierung) Häutige Syndaktylien, Streckhemmung der Finger Unterentwicklung der Brustwarzen Intersexuelles Genitale fehlende Jochbögen

Differentialdiagnose Abzugrenzen ist das Fraser-Syndrom sowie das Barber-Say-Syndrom mit Ektropium und vermehrter Behaarung, aber keinem Fehlen der Augenlider. Die Genitalanomalien sind beim Barber-Say-Syndrom nicht so ausgeprägt.

Therapie Die Behandlung besteht in möglichst frühzeitiger operativer Versorgung. Die Augenlider, das äußere Ohr und der Mund können rekonstruiert werden, ebenso ist eine Herstellung der Jochbögen möglich.

Literatur A. A. Cruz, D. Quiroz, T. Boza, S. P. Wambier, P. S. Akaishi: Long-Term Results of the Surgical Management of the Upper Eyelids in „Ablepharon“-Macrostomia Syndrome. In: Ophthalmic plastic and reconstructive surgery. Band 36, Nummer 1, 2020 Jan/Feb, S. 21–25, doi:10.1097/IOP.0000000000001442, PMID 31373987. D. Schanze, M. Harakalova, C. A. Stevens, F. Brancati, B. Dallapiccola, P. Farndon, V. E. Ferraz, D. M. McDonald-McGinn, E. H. Zackai, M. Wright, S. van Lieshout, M. J. Vogel, M. M. van Haelst, M. Zenker: Ablepharon macrostomia syndrome: A distinct genetic entity clinically related to the group of FRAS-FREM complex disorders. In: American journal of medical genetics. Part A. Bd. 161A, Nr. 12, Dezember 2013, S. 3012–3017, . doi:10.1002/ajmg.a.36119. PMID 24115501.

Einzelnachweise

Weblinks

Kategorie:Fehlbildung Kategorie:Seltene Krankheit Kategorie:Erbkrankheit