mini|Mondrian-Kleider

Das Mondrian-Kleid () ist der Gattungsbegriff für eine Kollektion von Cocktailkleidern, die der Modedesigner Yves Saint Laurent entwarf und erstmals in der Herbstkollektion 1965 zeigte. Den Namen erhielt es, weil sich sein Design an der Kunst des niederländischen Malers Piet Mondrian anlehnt.

Entwurf mini|Vorbild: Typische Anordnung von Flächen nach Piet Mondrian Die Kleider im typischen Mondrian-Muster waren die ersten Modelle, die der an Kunst interessierte Saint Laurent zu diesem Themenkomplex entwarf.Manager Magazin: Oh, Yves!, 7. April 2004 Das Kleid entstand in einer Modephase, die geprägt war durch Minikleider mit klaren Konstruktionslinien, durch die die Umrißformen des Körpers betont wurden.

Das Musterexemplar hatte Azzedine Alaïa geschneidert.The Independent: Fashion: Alaia: A life: His clothes helped shape the Eighties and some of the most glamorous bodies in the world. But he is turning his back on fashion's obsession with the new and collections every season. Azzedine Alaia talks about hoiis past in Tunisia and his present in Paris, 16. Oktober 1994 Es war Teil einer Kollektion von zehn Kleidern und hat den Stil eines robe sac (Sack-Kleid). Gefertigt ist es aus Woll-Jersey, wobei einfarbige Stoffe in weiß, schwarz sowie den Primärfarben rot, blau und gelb verwendet und entsprechend dem Entwurf streng geometrisch zusammengefügt wurden. Die Nähte – und damit die Schnittkonstruktion – verlaufen entlang der Farbflächen und lassen so keine Schnittführung entlang der Körperformen zu, von denen der Entwurf bewusst ablenkt. Die knielangen Kleider sind ärmellos;Akiko Fukai: Fashion: The Collection of the Kyoto Costume Institute : a History from the 18th to the 20th Century, Taschen, 2002, S. 571 () gefertigt wurden sie von Abraham und Bianchini Ferier.collections.vam.ac.ukMondrias dress 1965 in: The Design Museum: Fifty Dresses that Changed the World, Hachette UK, 2009, o. S.

Bedeutung mini|Eine der sechs Varianten von Yves Saint Laurent (1965; Wolle, mit Seidenbändern abgesetzt) Mit dem Mondrian-Kleid setzte Yves Saint Laurent erstmals ein durch die Kunst im Stil des Neoplastizismus inspiriertes Design in eine Modekreation um. Durch diese neue Farb- und Formsprache war es eine Kreation, welche die klassischen Vorgaben der Haute Couture ignorierte und auf der anderen Seite die Gesellschaft nachhaltig beeinflusste. Die Regelhaftigkeit der Formen bei den Kleidern sollte dazu führen, eine Abweichung von der Regel zu suchen und dadurch Interesse zu wecken. Das Auge würde innerhalb der symmetrischen Formen nach Auffälligkeiten suchen. Am dreidimensionalen Modell der Kleider würde dies noch deutlicher als an den ursprünglichen zweidimensionalen Kunstwerken von Mondrian.Daniel Devoucoux: Mode im Film: zur Kulturanthropologie zweier Medien, transcript Verlag, 2007, S. 142/143 ()

Yves Saint Laurents Mondriankleider betonten den weiblichen Körper nicht. Dieser diente im Gegenteil eher als „Gerüst“ für die Kleider im minimalistischen Stil. Der Stoff sollte in seiner Oberflächenstruktur wirken und die Farbflächen waren klar abgegrenzt. Der Schnitt der Kleider bewirkte, dass langbeinige schlanke Models mit breiten eckigen Schultern und dadurch eher vorpubertärem Aussehen am ehesten dem Schönheitsideal entsprachen.Jutta Beder: „Zwischen Blümchen und Picasso“: Textildesign der fünfziger Jahre in Westdeutschland, LIT Verlag Münster, 2002, S. 120/121 ()

Pierre Bergé wird zitiert mit:

Der Erfolg der Mondrian-Linie wird als mitursächlich dafür angesehen, dass Saint Laurent ab 1966 erste YSL Rive Gauche-Boutiquen mit Prêt-à-porter-Modellen eröffnete, durch die seine Modelle auch für Bevölkerungsschichten erschwinglich wurden, die sich keine Haute Couture leisten konnten.

Rezeption Schon im September 1965 war das Kleid auf der Titelseite der Modezeitschrift Elle zu sehen. Es folgten Titelfotos auf Harper’s Bazaar und Vogue-Paris mit Bildern von David Bailey. Das Kleid wurde oft kopiert. 1978 erwarben Saint Laurent und Pierre Bergé ein Mondrian-Kunstwerk in den Farben blau, rot, gelb und schwarz.www.stiletto.fr: LIGNES DE FORCE, 17. Dezember 2010 1979 versuchte Saint Laurent, die Idee des Mondrian-Looks in der damaligen Modesaison noch einmal zu verfeinern und verbessern.Erin McKean: The Hundred Dresses: The Most Iconic Styles of Our Time, A&C Black, 2013, S. 134 () 2002 wurden die Kleider neben anderen bei der letzten Modeshow von Saint Laurent, bei der er Höhepunkte seines Schaffens zeigte, noch einmal auf dem Laufsteg vorgeführt.www.lesmads.de: Hedi Slimane veröffentlicht Backstage-Bilder der “YSL Farewell Show” aus 2002, 6. Juni 2011

Heute werden Mondrian-Kleider weltweit in vielen Museen ausgestellt. Im von der Fondation Pierre Bergé – Yves Saint Laurent geführten privaten Museum über das Leben und Wirken des Modeschöpfers ist ein Kleid neben einem Bild von Mondrian ausgestellt. Weitere Kleider befinden sich im Rijksmuseum AmsterdamRijksmuseum Amsterdam, im Metropolitan Museum of Artwww.netmuseum.org, im Victoria and Albert Museum sowie im Kyoto Costume Institute.

2011 wurde ein Mondrian-Kleid aus dem Jahr 1966 für £30.000 bei Christie’s versteigert.Seite bei Christie’s (abgerufen am 14. Dezember 2014)

Literatur Mondrians dress 1965 in: The Design Museum: Fifty Dresses that Changed the World, Hachette UK, 2009 ()

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Einzelnachweise

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