mini|Paul Tremmel (2005)
Paul Tremmel (* 30. September 1929 in Theisbergstegen; † 22. November 2025 in Ludwigshafen am Rhein) war ein Pfälzer Mundartdichter.
Leben Paul Tremmel wurde in Theisbergstegen in der Westpfalz geboren. Dort arbeitete sein Vater Alois – wie zuvor schon dessen Vater Peter – als Betriebsleiter im dortigen Steinbruch. Die Familie Tremmel kam 1932 nach Forst an der Weinstraße, weil Vater Alois die Aufsicht über den Basaltbruch im Margarethental übernahm.
An seinem 15. Geburtstag wurde Tremmel im Zweiten Weltkrieg zu Schanzarbeiten bei Saarbrücken eingezogen und kam dann bei der Ardennenoffensive zum Einsatz. Nach einem Heimaturlaub im Frühjahr 1945 ging er nicht mehr wie befohlen zurück an die Front, sondern versteckte sich im Basaltbruch bei Forst bis zum Einmarsch der US-Amerikaner.
Nach dem Krieg begann Tremmel eine Schlosserlehre und arbeitete dann zeitweise im Steinbruch bei seinem Geburtsort Theisbergstegen sowie bei einer Firma, die Förderbänder herstellte. Schließlich ließ er sich wieder in Forst an der Weinstraße nieder, wo er eine Tankstelle eröffnete, aus der sich später ein Autohaus entwickelte.
Seine Laufbahn als Pfälzer Mundartdichter begann 1972, als er bei einer Geburtstagsfeier gebeten wurde, ein Gedicht zu schreiben; dieses fand guten Anklang, so dass die Tageszeitung Die Rheinpfalz schrieb: „Hurra, wir haben wieder einen Bellemer Heiner“.Kathrin Keller: Der Pfalzpoet und „sein“ Steinbruch. In: Die Rheinpfalz, Mittelhaardter Rundschau. Nr. 39, 15. Februar 2023. Bereits 1972 und 1973 war er beim Pfälzischen Mundartdichterwettstreit in Bockenheim unter den Preisträgern.
Ab 1983 wirkte er regelmäßig in Sendungen von Hörfunk und Fernsehen mit. Die Volkstümlichkeit seiner Themen, die er meist in Gedichtform darbot (z. B. fünf Jahre lang in der Zeitung Sonntag Aktuell unter der Rubrik En Reim druff), verband sich bei ihm mit Schlagfertigkeit und Mutterwitz. Er gab – meist im Selbstverlag – mehr als drei Dutzend Bücher heraus, die fast ausschließlich die Pfälzer Mundart zum Thema haben. Von 1996 bis Dezember 2015 war bei SWR4–Kurpfalzradio jeden Freitag Tremmels Wochenkolumne zu hören. Im Jahr 2005 war er Turmschreiber der Gemeinde Limburgerhof.
Seine Popularität bescherte Tremmel nicht nur Preise und Auszeichnungen, sondern auch eine Befragung als Sachverständiger, als ein Gericht in Frankenthal die Frage zu klären hatte, ob die Titulierung „Dabbschädel“ in der Pfalz als Beleidigung zu werten sei.
Von 1932 bis 2016 wohnte er in der rheinland-pfälzischen Weinbaugemeinde Forst an der Weinstraße, dann zog er in ein Seniorenhaus im benachbarten Deidesheim.
Werke (Auswahl) Schnookes. 1977 Meim Seiner De Rentnerschtreß, ISBN 3-9806259-7-4 Mei Sanduhr Ach Gott wann unser Oma nochemol käm Dem Wein zu Ehren. Wein und Trinksprüche Unter grünem Loden Üwwer die Leit Bubbes. Gedichte in Pfälzer Mundart. 1976 Pfälzer Verz in Reime. 1981 Üwwers Johr un zwische de Johre. Besinnlich heitere Gedichte. 1983 Blick freudig in den Tag hinein. 1984 Feierowend. 1985 Die Weihnachtsg’schicht uff pälzisch. Wie se noch em Evangelischt Lukas vor fascht 2000 Johr tatsächlich bassiert is. 8. Auflage, Selbstverlag, Forst 1992, ISBN 3-9806259-2-3 Uff pälzisch Pälzisch lerne. Kleines Lehrbuch für alle, die Pfälzer sind oder es werden wollen. Selbstverlag, Forst 1992 Neuer Bubbes, frisch gekeltert. Gedichte. Selbstverlag, Forst 1992 heiter – weiter. Weitere heitere Gedichte. Selbstverlag, Forst 1996 Tausend Worte Pälzisch. Verlag Meininger, Neustadt an der Weinstraße 1996, ISBN 3-87524-113-4 Sellawie. 2000 Die Dabbschädel der Weltgeschichte. Verlag Waldkirch, Mannheim 2008 Dumm geloffe. ISBN 978-3-9809914-3-8 Dumm gebore! Nix dezu gelernt? Selbstverlag, Forst 2009, ISBN 978-3-9809914-4-5
Auszeichnungen Tremmel gewann mehrere Preise beim Pfälzischen Mundartdichterwettstreit. Im Jahre 2000 wurde er durch den Förderkreis Mundarttage Bockenheim für das Buch Sellawie (pfälzisch, von ) mit dem Dr.-Wilhelm-Dautermann-Preis für die beste mundartliche Neuerscheinung geehrt, 2009 wurde ihm der Preis der Emichsburg für besondere Verdienste um Mundart, Dialektliteratur und regionale Kultur verliehen. Die Gemeinde Forst an der Weinstraße ernannte Tremmel zu ihrem Ehrenbürger und widmete ihm den Dichterweg, der in seinem Beisein an seinem 95. Geburtstag eingeweiht wurde.Amtsblatt Verbandsgemeinde Deidesheim, 11. Oktober 2024, S. 6.
Weblinks
(auf pfaelzer-mundart.de) Pfälzer Mundartdichter Paul Tremmel gestorben. In: swr.de. 22. November 2025
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