mini|Das Schillerdenkmal auf dem Schillerplatz in Stuttgart
Das Schillerdenkmal auf dem Schillerplatz in Stuttgart erinnert an den deutschen Dichter Friedrich von Schiller. Das klassizistische Standbild wurde 1839 nach einem Entwurf von Bertel Thorvaldsen errichtet. Es ist das älteste Schillerdenkmal Deutschlands.
Lage Das Schillerdenkmal steht „im Mittelpunkt des Schillerplatzes, dieses architektonisch schönsten Platzes von Stuttgart, der auch einer der schönsten Plätze Deutschlands ist“, wie der Stuttgarter Heimatforscher Gustav Wais voller Lokalstolz in seinem Schillerbuch bemerkte.Schiller und der Stuttgarter Liederkranz. In: Gustav Wais: Die Schiller-Stadt Stuttgart. Eine Darstellung der Schiller-Stätten in Stuttgart. Stuttgart 1955
Das Denkmal ist rings umgeben von geschichtsträchtigen öffentlichen Gebäuden. Schiller richtet den Blick auf das Alte Schloss und wendet dem Prinzenbau den Rücken zu. Zu seiner Linken erstreckt sich die Alte Kanzlei und zur Rechten erhebt sich die Stiftskirche und daneben der Fruchtkasten. Die umgebenden Gebäude lassen dem Denkmal genügend Freiraum, so dass es seine Wirkung entfaltet, sind aber auch nicht so weit entfernt, dass ein Gefühl der Leere auf dem Platz entstehen könnte.
Wenn Wochenmarkt ist, während des Weindorfs und des Weihnachtsmarkts wird die Staue, umringt von Ständen und Menschen, kaum wahrgenommen.
Beschreibung mini|hochkant|Schillerplatz, Schemaplan.Norden: links oben.
Übersicht Standbild und Reliefs Bertel Thorvaldsen Guss Johann Baptist Stiglmaier Architektur Nikolaus von Thouret Auftraggeber Stuttgarter LiederkranzSchillerverein Stuttgart Material Standbild, Reliefs und Ornamente: BronzeSockel: GranitUnterbau: SandsteinKandelaber: Gusseisen MaßeEmil Mayer: Mitteilungen über die Errichtung des Schillerdenkmals in Stuttgart. In: Monatsschrift des Württembergischen Vereins für Baukunde, Jahrgang 1893, Heft 4 Gesamthöhe: 9,56 m, Breite: 9,70 mStandbildhöhe: 3,86 mSockelhöhe: 4,56 m, Breite: etwa 4 mUnterbauhöhe: 1,14 m, Breite: 9,70 mKandelaber: 2,44 m Entstehung 1835/1836: Tonmodell von Bertel Thorvaldsen1836: Gipsmodell von Wilhelm Matthiä1838: Guss von Johann Baptist Stiglmaier Grundsteinlegung 22. November 1838 Enthüllung 8. Mai 1839
Aufbau Schillers Standbild erhebt sich über einem Sockel, der auf einem fünfstufigen Unterbau ruht. Das Denkmal hat eine Gesamthöhe und -breite von je etwa zehn Metern. Das doppelt lebensgroße Standbild ist fast vier Meter hoch, der Sockel (Postament) ist mit etwa 4 ½ Metern etwas höher als die Statue, und der Unterbau ist etwa einen Meter hoch. Genaue Maße: siehe Übersicht.
Das Standbild ruht auf einer bronzenen Basisplatte (Plinthe) über einer breiteren Granitplatte. Diese wird an den Kanten von einer vierteiligen bronzenen Blattgirlande mit tragischen Masken an den Ecken umkränzt.
Der Sockel besteht aus rötlichem Schwarzwaldgranit aus der Gegend von Bad Wildbad. Er setzt sich aus einer breiten Basisplatte und zwei übereinandergesetzten quaderförmigen Blöcken zusammen. Der schmucklose untere Block ist geringfügig breiter als der obere und schließt mit einer bronzenen Blattwerkleiste ab. Der obere Block trägt an den Seiten vier bronzene Reliefplatten und wird von einer überkragenden Dachplatte bekrönt, deren Kehlung ebenfalls eine bronzene Blattwerkleiste ziert.
Der Unterbau aus rötlichem Schwarzwälder Sandstein steigt in fünf Stufen zu einer Plattform auf, die den vier Meter breiten Sockel umgibt. Die großen Quader an den Ecken (Eckpodeste) wurden 1841 mit Kandelabern bekrönt, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs verschwunden sind.Bei der Einweihung wurden „Notkandelaber“ aufgestellt (#Förster 1839, Seite 164), die nach der Einweihung entfernt und 1841 durch echte Kandelaber ersetzt wurden. Die Abbildungen des Denkmals zeigen es je nach Entstehungszeit ohne oder mit Kandelaber. Das quadratische Areal des Schillerdenkmals wurde (wie heute noch die Jubiläumssäule auf dem Schlossplatz) anfänglich durch Eisenketten, ab 1880 durch einen niedrigen Gitterzaun von dem umgebenden Platz abgesperrt Auch der Gitterzaun wurde aufgegeben, so dass das Denkmal frei zugänglich wurde.
Standbild
mini|hochkant=0.9|Gussmodell des Schillerstandbilds, 1836.
Das Standbild zeigt den Dichter als mannhafte imposante Erscheinung mit kraftvoller Gestalt und breiten Schultern. Körper- und Kopfhaltung strahlen innere Sammlung aus, das vorgestellte linke Bein scheint gleichzeitig auf die innere Bewegung des Dichters hinzudeuten.
Es war das erste große Dichterdenkmal in Deutschland und das älteste bedeutende Schillerdenkmal. Das Standbild ist ein Hauptwerk der europäischen Plastik des KlassizismusDagmar Zimdars (Redaktion): Baden-Württemberg I. Die Regierungsbezirke Stuttgart und Karlsruhe. In: Georg Dehio (Herausgeber): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. München 1993, S. 774. und wurde nach dem Modell des dänischen Bildhauers Bertel Thorvaldsen von Johann Baptist Stiglmaier in München in Bronze gegossen. Die architektonische Gestaltung des Denkmals erfolgte nach den Plänen von Nikolaus von Thouret und Gottlieb Bindesbøll. Die Enthüllung des Denkmals fand 1839 statt.
Kopf Der gesenkte Kopf des Dichters verleiht ihm das besinnliche Aussehen eines in sich gekehrten Denkers, das vielen Kritikern als Demutsgeste erschien und im Widerspruch stand mit dem Bild des erhabenen und entrückten Dichters der Freiheit, dessen Blick in unbekannte Weiten schweift. Bertel Thorvaldsen äußerte sich selbst zu seiner Darstellung des Dichters:Zitiert nach Egon Weyer: Thorvaldsen, Dannecker und Stuttgart. Gedanken zum 125jährigen Bestehen des Schillerdenkmals. In: Beiträge zur Landeskunde. Regelmäßige Beilage zum Staatsanzeiger für Baden-Württemberg, Nummer 4, Oktober 1964, S. 5.
„Ich denke diese Statue von Erz wird wohl 300, wohl 500 Jahre stehen, und dann werden die Leute nicht mehr tadeln, warum ich dem Dichter keine übermütige und herausfordernde Haltung gegeben habe. Ich glaubte, den mitten in einer frivolen Zeit gleichwohl ernst und tragisch gebliebenen Dichter dantesk auffassen zu müssen.“
Schillers hohen, fast rechteckigen Kopf umrahmt ein üppiger Lorbeerkranz aus Blättern und Beeren, der ihn zu einem poeta laureatus erhebt und ihn Horaz, Dante und Petrarca gleichsetzt.Fritz Fischer: Wer ist der grämliche Mann da? – Thorvaldsens Schillerdenkmal. In: Sabine Rathgeb; Anette Schmidt; Fritz Fischer: Schiller in Stuttgart : anlässlich der Ausstellung im Württembergischen Landesmuseum in Stuttgart, 12. Februar 2005 – 24. Juli 2005. Stuttgart 2005 Unter dem Kranz quillt das gelockte Haar hervor, das sich in die Stirn kräuselt und bis zur Schulter hinabwallt. Aus dem offenen Kragen des Rüschenhemds („Schillerkragen“) ragt unbedeckt der lange, starke Hals heraus. Die obere, im Umriss fast quadratische Schädelpartie verengt sich an den ausgeprägten Wangenknochen zu einer wesentlich schmäleren Mundpartie, so dass das durchaus männliche Gesicht fast eingefallen und asketisch erscheinen könnte. Die scharf gezeichneten einzelnen Teile des Gesichts vereinigen sich zu klassischen, idealisierten Gesichtszügen, so dass Schiller „zusammen mit der apollinischen Haartracht als antiker Heroe anmutet“:Patricia Peschel: Der Stuttgarter Hofbildhauer Johann Ludwig von Hofer (1801 - 1887), Werkmonographie. Stuttgart 2009
Die hohe gerade Stirn mit den an der Nasenwurzel entspringenden tiefen Denkerfalten endet in wulstig hervortretenden Brauenbögen, die sich über den tiefliegenden Augenhöhlen wölben. Die hervorspringende schlanke Nase verläuft streng geradlinig, bevor sie sich an der Spitze unvermittelt zum Haken krümmt. Der vorgewölbte Mund zeigt prägnante, ausdrucksvolle Lippen und einen nach unten gezogenen rechten Mundwinkel. Das Gesicht endet in einem breiten, zugespitzten Kinn.
Schillerkopf nach Bertel Thorvaldsen (1839), Frontalansicht und Dreiviertelprofil.Zum Vergleich: Schillerkopf nach Adolf von Donndorf (1913) und Johann Heinrich Dannecker (1810).
Körper Die kraftvolle, breitschultrige Statur des Dichters ist in eine halb antikisierende, halb modische Bekleidung gehüllt. Unter einem toga-ähnlichen Umhang, der an die Dichter und Philosophen der Antike erinnern soll, trägt Schiller eine zeitgemäße Kleidung aus offenem Rüschenhemd, knielangem Gehrock und geschnürten Halbschuhen. Mit dem angewinkelten rechten Arm rafft er den über die rechte Schulter fallenden Umhang, so dass der Gehrock über dem linken Oberkörper und Arm sichtbar wird. Das linke Bein setzt Schiller in Schreitstellung vor, so dass sich der Fuß über den Rand der Plinthe schiebt. Der enganliegende Gehrock und das linke Bein, das sich deutlich unter der Toga abzeichnet, lassen einen wohl geformten, muskulösen Körper vermuten.
In den Händen hält Schiller die Insignien des Dichters: in der rechten Hand einen Schreibgriffel und am gestreckten linken Arm ein Buch. Der eingeklemmte Zeigefinger als Lesezeichen unterstreicht die Haltung des Dichters, der nachdenklich innehält.
Reliefs An den Seitenwänden des Denkmalsockels sind vier Reliefs angebracht. Drei Reliefs wurden nach Skizzen von Bertel Thorvaldsen aus dem Jahr 1835 von seinem Schüler Wilhelm Matthiä 1836/1837 in Gips modelliert (Abbildungen 1, 3 und 4 nach Lithographien von Franz Seraph Hanfstaengl). Das Gipsmodell für das hintere Relief schuf Thorvaldsen 1835 (Abbildung 2 nach einem Stich von Albert-Désiré Barre).Im Thorvaldsen Museum in Kopenhagen werden zwei Gipsmodelle aufbewahrt, die Teile des hinteren Reliefs darstellen: Leier, Greif mit Leier. Die vier Reliefs wurden 1838 unter der Leitung von Johann Baptist Stiglmaier in der Königlichen Erzgießerei in München gegossen.
Nr. Position Gebäudegegenüber Relief 1 vorn Altes Schloss „Schillers Apotheose“. Beschreibung des Reliefs nach Bertel Thorvaldsen:Sylvia Heinje: Zur Geschichte des Stuttgarter Schiller-Denkmals von Bertel Thorvaldsen. In: Gerhard Bott (Herausgeber): Bertel Thorvaldsen. Untersuchungen zu seinem Werk und zur Kunst seiner Zeit. Köln 1977, Seite 399–418.
„Der Aar, der unter allen Wesen der Schöpfung am nächsten zum Himmel hinansteigt, trägt in der Apotheose, Werke des Dichters empor; die Kugel hier als Bild der Ewigkeit, enthält Schillers Name, der unter die seltensten Sterne, die Kometen, als Sinnbild des Genies verpflanzt ist. Die tragische und lyrische Muse stützen die Kugel, und zeigen uns, wodurch Schiller sich verewigte; unten zeigen uns, die zwei Zeichen des Zodiacus den Geburts- und Sterbemonat andeutend, dass es sich um einen bereits Abgeschiedenen handelt, und dass Deutschland seinem Dichter – (welches die einfache Inschrift des Denkmals werden soll) – keine Schmeichelei, sondern nur die verdiente Anerkennung zollt.“
Inschrift unten (fehlt in der Abbildung): Geboren d. X. November MDCCLIX, Gestorben d. IX. Mai MDCCCV.Geboren den 10. November 1759, gestorben den 9. Mai 1805. 2 hinten Prinzenbau Zwei Greifen mit Leier.Inschrift unten (fehlt in der Abbildung): Errichtet MDCCCXXXIX.Errichtet 1839. 3 links Stiftskirche Mit ausgebreiteten Flügeln emporsteigender Genius der Poesie mit Leier und Plektrum. 4 rechts Alte Kanzlei Mit entfalteten Flügeln schwebende Siegesgöttin Viktoria mit Lorbeerkranz und Palmzweig.
Geschichte
Vorgeschichte