Der Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der schottischen Fußballnationalmannschaft bei Weltmeisterschaften. Schottland nahm bisher neunmal an der Endrunde teil, schied dabei aber immer in der Vorrunde aus und ist damit die Mannschaft, die am häufigsten die Vorrunde nicht überstand. In der ewigen Rangliste belegte Schottland vor der WM 2026 den 34. Platz. Im 21. Jahrhundert konnte sich Schottland 2026 erstmals für eine WM-Endrunde qualifizieren.
Übersicht
Jahr Gastgeberland Teilnahme bis … Letzte(r) Gegner ErgebnisDie Platzierungen ab Platz 5 wurden von der FIFA festgelegt, ohne dass es dafür Platzierungsspiele gab. Siehe: (PDF; 200 kB) Trainer Bemerkungen und Besonderheiten 1930 Uruguay nicht teilgenommen 1934 Italien nicht teilgenommen 1938 Frankreich nicht teilgenommen 1950 Brasilien zurückgezogen In der Qualifikation belegten die Schotten hinter England den zweiten Platz, wollten als Gruppenzweiter aber nicht an der Endrunde in Brasilien teilnehmen 1954 Schweiz Vorrunde Uruguay, Österreich 15. Höchste Niederlage 1958 Schweden Vorrunde Frankreich, Jugoslawien, Paraguay 14. 1962 Chile nicht qualifiziert In der Qualifikation an der Tschechoslowakei gescheitert 1966 England nicht qualifiziert In der Qualifikation an Italien gescheitert 1970 Mexiko nicht qualifiziert In der Qualifikation an Deutschland gescheitert 1974 Deutschland Vorrunde Zaire, Brasilien, Jugoslawien 9. Ungeschlagen Gruppendritter bei gleicher Punktzahl wie Jugoslawien und Brasilien, aber schlechterer Tordifferenz 1978 Argentinien Vorrunde Peru, Iran, Niederlande 11. 1982 Spanien Vorrunde Neuseeland, Brasilien, UdSSR 15. 1986 Mexiko Vorrunde Dänemark, Deutschland, Uruguay 19. Während des letzten Qualifikationsspiels gegen Wales erlitt der schottische Nationaltrainer Jock Stein einen Herzinfarkt, an dem er verstarb. 1990 Italien Vorrunde Costa Rica, Schweden, Brasilien 18. 1994 USA nicht qualifiziert In der Qualifikation an Italien und der Schweiz gescheitert 1998 Frankreich Vorrunde Brasilien, Norwegen, Marokko 27. 2002 Südkorea/Japan nicht qualifiziert In der Qualifikation an Kroatien und Belgien gescheitert 2006 Deutschland nicht qualifiziert In der Qualifikation an Italien und Norwegen gescheitert, das in den Play-offs ebenfalls scheiterte 2010 Südafrika nicht qualifiziert In der Qualifikation an den Niederlanden und erneut an Norwegen gescheitert, das als schlechtester Gruppenzweiter aber wieder scheiterte 2014 Brasilien nicht qualifiziert In der Qualifikation scheiterte Schottland an Belgien, Kroatien, Mazedonien, Serbien und Wales und stand am 26. März 2013 als erste europäische Mannschaft fest, die sich nicht mehr qualifizieren kann. 2018 Russland nicht qualifiziert In der Qualifikation an England und der Slowakei gescheitert, die sich auch nicht qualifizieren konnte. 2022Katar nicht qualifiziert In der Qualifikation wurden die Schotten hinter Dänemark Gruppenzweite und trafen in den Play-offs auf die Ukraine, gegen die sie mit 1:2 verloren. 2026 Kanada/Mexiko/USA Vorrunde Brasilien, Marokko, Haiti 36. Steve Clarke In der Qualifikation diesmal Gruppensieger vor Dänemark sowie Griechenland und Belarus. mini|Platzierung der schottischen Mannschaft in der ewigen WM-Tabelle Statistik (Angaben inkl. 2026: 23 Weltmeisterschaften; Prozentangaben sind gerundet) Nicht teilgenommen: dreimal (13,0 %; 1930, 1934, 1938) Nicht qualifiziert: neunmal (39,1 %; 1962, 1966, 1970, 1994, 2002, 2006, 2010, 2014 und 2018) Auf Endrundenteilnahme verzichtet: einmal (4,3 %; 1950) Sportliche Qualifikation: neunmal (39,1 % bzw. 45,0 % der Versuche) Vorrunde: neunmal (39,1 %; 1954, 1958, 1974, 1978, 1982, 1986, 1990, 1998 und 2026)
WM-Turniere Turniere mit maximal 16 Teilnehmern 1930 in Uruguay bis 1938 in Frankreich In der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg waren die britischen Fußballverbände noch nicht damit einverstanden, dass Profi-Spieler an Fußball-Weltmeisterschaften teilnehmen. Die schottische Nationalmannschaft nahm deshalb weder an der WM 1930 noch an den Qualifikationswettbewerben für die WM-Endrunden 1934 und 1938 teil.
1950 in Brasilien Die schottische Mannschaft hatte sich durch den zweiten Platz bei den British Home Championships für die Endrunde in Brasilien eigentlich qualifiziert, hatte aber zuvor schon mitgeteilt, nur als Qualifikationssieger teilnehmen zu wollen. Daran hielt der schottische Verband auch fest, als ihr ein Startplatz nach dem Rückzug anderer Mannschaften angeboten wurde.
1954 in der Schweiz Wieder waren die British Home Championship 1953/54 gleichzeitig die Qualifikation für die WM-Endrunde und diesmal nahm Schottland auch als Zweiter teil. Beim letzten Spiel der Championship übernahm mit Andy Beattie erstmals ein Cheftrainer die Verantwortung. Zuvor hatte ein Auswahlkomitee der SFA 82 Jahre lang die Mannschaft zusammengestellt.
In der Schweiz wurde die schottische Mannschaft in eine Gruppe mit Titelverteidiger Uruguay und Österreich sowie der Tschechoslowakei gelost. Da Schottland und die Tschechoslowakei aufgrund des einmaligen Modus nicht gesetzt waren, mussten die Schotten nur gegen Österreich und Uruguay spielen. Gegen die ebenfalls nicht gesetzten Tschechoslowaken wurde dagegen nicht gespielt. In ihrem ersten WM-Spiel verloren die nur mit 13 Spielern angereisten Schotten am 16. Juni 1954 in Zürich mit 0:1 gegen Österreich. Danach folgte ein 0:7 gegen den Titelverteidiger, bis heute die höchste Niederlage der Schotten. Als Gruppendritter schieden die Schotten aus und Andy Beattie trat als Nationaltrainer zurück. In der ewigen Rangliste landeten die Schotten bei ihrer ersten Teilnahme auf dem 28. und damit viertletzten Platz.
1958 in Schweden Erstmals trat Schottland in der Qualifikation gegen andere europäische Mannschaften an und setzte sich gegen Spanien und die Schweiz mit drei Siegen und einer Niederlage durch. Zur WM sollte eigentlich Matt Busby die Schotten führen, dieser war aber beim Absturz des Flugzeugs, mit dem die Mannschaft von Manchester United von einem Europapokalspiel zurückflog, schwer verletzt worden. Seine Tätigkeit übernahm daher interimsweise Dawson Walker.
Bei der Endrunde, für die sich bis heute zum einzigen Mal auch die anderen britischen Mannschaften qualifiziert hatten und jede in eine andere Gruppe gelost wurde, traf Schottland auf Frankreich, Jugoslawien und Paraguay. Mit nur einem Remis gegen die Jugoslawen, aber Niederlagen gegen Franzosen und Paraguayer schieden die Schotten als Gruppenletzte aus und verabschiedeten sich für 16 Jahre von der WM-Bühne. Durch den Punktgewinn kletterten die Schotten aber um vier Plätze auf Platz 24 in der ewigen Rangliste. Mit dem Ausscheiden endete auch die Amtszeit von Interimstrainer Dawson Walker und Matt Busby übernahm wieder die Verantwortung – allerdings nur für zwei Spiele.
1962 in Chile Für die dritte WM in Südamerika konnte sich Schottland nicht qualifizieren. Tschechoslowakei und Irland waren die Gruppengegner. Nach Abschluss der Gruppenphase hatten Schotten und Tschechoslowaken beide 6:2 Punkte. Da die erzielten Tore keine Rolle spielten, gab es ein Entscheidungsspiel in Brüssel, das die Tschechoslowaken mit 4:2 nach Verlängerung gewannen. Cheftrainer Ian McColl blieb aber im Amt und erhielt in der nächsten Qualifikation eine neue Chance.
1966 in England 1966 fand die WM im Nachbarland England statt, für die Schotten ein besonderer Ansporn, sich zu qualifizieren. Mit Italien und Polen wurden aber zwei starke Qualifikationsgegner zugelost. Lediglich Finnland wurde als schwächer eingestuft. Am Ende hatten die Italiener die Nase vorn, da sie im letzten Spiel die bis dahin punktgleichen Schotten mit 3:0 besiegten. Begonnen hatten die Schotten die Qualifikation noch unter Ian McColl, der aber im Mai 1965 Cheftrainer des AFC Sunderland wurde. Sein Nachfolger wurde Jock Stein, dessen Amtszeit mit der verpassten Qualifikation endete. Ihm folgte zunächst John Prentice, dann Malcolm McDonald, ehe Bobby Brown während der Qualifikation zur Fußball-EM 1968 das Amt übernahm.
1970 in Mexiko Für die erste WM-Endrunde in Mittelamerika war Schottland in eine Qualifikations-Gruppe mit Deutschland, Österreich und Zypern gelost worden. Vor dem vorletzten Spiel hatten die Schotten 7:1 und Deutschland 9:1 Punkte, die Schotten mussten aber noch in Deutschland und Österreich antreten. Am 22. Oktober 1969 kam es Hamburg zum entscheidenden Spiel. Die Schotten, die noch nie gegen Deutschland verloren hatten, gingen bereits in der 3. Minute durch Jimmy Johnstone in Führung, die aber durch Klaus Fichtel mit seinem einzigen Länderspieltor in der 11. Minute ausgeglichen wurde. Gerd Müller gelang in der 60. Minute die 2:1-Führung für die deutsche Mannschaft, die aber Alan Gilzean zwei Minuten später ausgleichen konnte. Da den Deutschen voraussichtlich ein Remis reichte, während die Schotten gewinnen bzw. bei einem Remis hoch in Österreich gewinnen mussten, drängten die Schotten auf den Siegtreffer. In diese Drangphase fiel die endgültige Entscheidung für die Deutschen durch ein Tor von Reinhard Libuda. Schottland verlor dann auch noch das letzte bedeutungslose Spiel gegen Österreich mit 0:2. Durch die verpasste Qualifikation fielen die Schotten aus den Top-30 der ewigen Rangliste. Trotz der erfolglosen Qualifikation blieb Bobby Brown als Nationaltrainer im Amt, trat dann aber in der laufenden Qualifikation für die EM 1972 zurück. Sein Nachfolger wurde Tommy Docherty.
1974 in Deutschland links|mini|Szene aus dem Spiel gegen Zaire, Zweikampf zwischen Billy Bremner und Maku Mayanga (links) mini|Szene aus dem Spiel gegen Jugoslawien, Dušan Bajević (Jugoslawien, links) beim Kopfball auf das schottische Tor. Rechts Jim Holton (Schottland)
Erstmals konnte sich Schottland für eine WM qualifizieren, für die sich England nicht qualifizieren konnte. In einer Gruppe mit der Tschechoslowakei und Dänemark konnten sich die Schotten bereits am vorletzten Spieltag durch einen Heimsieg gegen die Tschechoslowakei für die Endrunde qualifizieren. Die abschließende Niederlage in der Tschechoslowakei konnte daher verkraftet werden. Sie profitierten dabei davon, dass die Tschechoslowakei in Dänemark einen Punkt liegengelassen hatte. Begonnen hatten sie die Qualifikation unter Tommy Docherty, der aber im Dezember 1972 den Cheftrainerposten bei Manchester United übernahm. Sein Nachfolger wurde Willie Ormond, der die Qualifikation erfolgreich abschloss.
Bei der Endrunde trafen sie im ersten Spiel auf WM-Neuling Zaire und konnten erstmals ein WM-Spiel gewinnen, kamen nicht über ein 2:0 hinaus. In den Spielen gegen Titelverteidiger Brasilien und Jugoslawien gab es keine Sieger und da auch Brasilien und Jugoslawien sich im Eröffnungsspiel torlos getrennt hatten, waren die gegen Zaire erzielten Tore für die Platzierungen entscheidend. Da waren dann die zwei Tore, die die Schotten erzielt hatten, zu wenig, denn Brasilien hatte mit 3:0 und Jugoslawien gar mit 9:0 gegen die Afrikaner gewonnen, womit die Jugoslawen den Rekord von Ungarn aus dem Jahr 1954 gegen Südkorea einstellten. Damit schieden die Schotten ungeschlagen als beste Mannschaft aus, die die erstmals angesetzte Zwischenrunde nicht erreicht hatten. In der ewigen Rangliste kehrten die Schotten in die Top-30 zurück und belegten den 27. Platz.
1978 in Argentinien Auch für die vierte WM in Südamerika konnte sich Schottland wieder qualifizieren, während England sich erneut nicht qualifizieren konnte. Wieder traf die Mannschaft auf die Tschechoslowakei und zudem Wales. Da die Schotten alle Heimspiele und zudem in Wales gewannen, während die Tschechoslowaken nur ihre Heimspiele gewannen, hatten die Schotten am Ende wieder die Nase vorn. In die ersten beiden Qualifikationsspiele waren die Schotten noch unter Willie Ormond gegangen und auch ein anschließendes Freundschaftsspiel gegen Schweden hatten sie unter seiner Leitung gewonnen, dann wurde er aber durch Ally MacLeod ersetzt.