miniatur|Stefan Fink im Heimatmuseum Veringenstadt mit der Marktgerechtigkeitsurkunde von König Rudolf von Habsburg aus dem Jahre 1285
Stefan Fink (* 2. September 1908 in Veringenstadt; † 12. August 2000 ebenda) war ein deutscher Unternehmer und Kommunalpolitiker.Hohenzollern in der Nachkriegszeit. Symposium auf Schloss Sigmaringen 2008: Zeit und Raum prägen Menschen. Menschen prägen Zeit und Raum. Mit Beiträgen über Stefan Fink von Prinz Karl Friedrich von Hohenzollern, Erwin Teufel (Ministerpräsident a. D.), Frank Raberg (Historiker), Max Gögler (Regierungspräsident a. D. und Landrat von Sigmaringen a. D.), Hermann Schwörer (Unternehmer, MdB a. D. und CDU-Kreisvorsitzender a. D.), Erwin Zillenbiller (Ministerialdirigent a. D.) Franz Gluitz (Regionaldekan a. D.). Der gelernte Schreiner und Zimmermann gründete 1936 das Sägewerk Fink und Maschinenbau Fink. Von 1945 bis 1966 war er Bürgermeister von Veringenstadt. Er war Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande und Ehrenbürger der Stadt Veringenstadt. In seinem Leben spiegelt sich ein Jahrhundert deutscher Kommunalgeschichte von der Kaiserzeit bis zur Wiedervereinigung.
Seine Heimat: Veringenstadt und Hohenzollern – Leben zwischen Kaiser, Fürstenhaus und Republik miniatur|Postkarte von Veringenstadt. Herausgegeben vom Kaufhaus Endriß. Die Karte wurde ca. 1910 vom damaligen Lehrer Speidel verschickt. Stefan Fink war und verstand sich als Hohenzoller. Veringenstadt war Bestandteil der Hohenzollerischen Lande, die 1850 nach dem Thronverzicht der Fürsten von Hohenzollern-Hechingen und Hohenzollern-Sigmaringen an das Königreich Preußen gefallen waren und seither als von Württemberg und Baden territorial eingeschlossener Regierungsbezirk ein Eigen- und Sonderleben unter preußischer Verwaltung führten, das 1873/74 durch die Schaffung des Landeskommunalverbandes mit einem Kommunallandtag und teilweiser Selbstverwaltungsbefugnis eine gesetzliche Basis erhalten hatte.
miniatur|Kindergarten Veringenstadt 1912 in der Außerstadt
Die Menschen in den Hohenzollerischen Landen erblickten im Kaiser und König von Preußen im fernen Berlin den Garanten einer stabilen Ordnung, was sich für den jungen Stefan Fink in dem schon von der Kindergartenschwester im „Kinderschüele“ gelernten und von ihm oft zitierten Lied verdichtete: „Der Kaiser ist ein lieber Mann und wohnet in Berlin, und wär es nicht so weit von hier, so ging´ ich heut´ noch hin.“Vgl. Text im VolksliederarchivThomas Fink: Stefan Fink (= Materialien zur Geschichte der Stadt Veringen. Band 32). 2014.
Nicht zu unterschätzen ist daneben die identitätsstiftende Bedeutung des Hauses Hohenzollern in der Region. Die Hohenzollern achteten auf Selbstständigkeit und brachten dies auch an einer Wandtafel ihres Landeshauses sinnfällig zum Ausdruck: „Daheim regierten sie sich fröhlich selbst, nach eignem Brauch und eigenem Gesetz.“Zitat aus Friedrich Schiller: Wilhelm Tell. Kapitel 8.
Zwar existierten schon lange wirtschaftliche und administrative Beziehungen mit Württemberg und auch starke Bande nach Baden, da das katholische Hohenzollern seit der Auflösung des Bistums Konstanz 1821 zur Erzdiözese Freiburg gehörte. Die Menschen zwischen Hechingen und Sigmaringen fühlten sich jedoch weder als Württemberger noch als Badener, sondern waren stolz darauf, Hohenzollern zu sein.
Die administrative Ordnung der Hohenzollerischen Lande war in der Zeit des Nationalsozialismus teilweise zerschlagen worden. Einen preußischen Regierungspräsidenten gab es in Sigmaringen bis zum Kriegsende 1945. Danach waren die Hohenzollerischen Lande verwaltungsmäßig an den in der französischen Zone gelegenen, im Werden begriffenen Staat Württemberg-Hohenzollern angegliedert worden, da alle Bindungen an Preußen seit Kriegsende gekappt waren und der Staat Preußen 1947 von den Alliierten zerschlagen worden war.
Die Abstammung der Familie Fink in Veringenstadt Die Familie Fink ist ein seit Jahrhunderten in Veringenstadt fest verwurzeltes Geschlecht. Als Urahn gilt der im Jahr 1620 geborene Petrus Finckh. Neben Stefan Fink gilt als bekanntester Vertreter dieses Geschlechtes der Lehrer, Schriftsteller und Dichter Anton Fink (1853–1944).
Die Vorfahren von Stefan Fink waren als Landwirte und Fischer oder als Handwerker tätig. Der Vater Gerhard war Landwirt und der letzte Berufsfischer von Veringenstadt auf der Lauchert. 1862 hatte Gerhard Finks Großvater Meinrad Fink (1809–1890) – auch er Landwirt – den Fischwasser-Pachtvertrag unterschrieben, der auf den Sohn Nikolaus Fink (1835–1903), danach auf dessen Sohn Gerhard Fink und anschließend auf dessen Sohn Josef Fink (Bruder des Stefan Fink) überging. Meinrad Fink hatte sich zu diesem Schritt entschlossen, weil die kleine Landwirtschaft allein nicht genügend Erträge abwarf, um die Familie zu ernähren. Besonders die Lauchertforellen, aber auch Hechte und bis zur Überschwemmung des Jahres 1912 die Treuschen genossen auf Grund ihrer vorzüglichen Qualität einen ausgezeichneten, weit über die Region hinausreichenden Ruf und so durfte der Jugendliche Stefan Fink bis nach Ebingen Fische ausliefern. miniatur|Familie Gerhard und Maria Fink, Veringenstadt, 1914. Hintere Reihe v. li.: Wilhelmina, Johann, Anna Maria; mittlere Reihe v. li.: Wilhelm, Joseph Nikolaus, Maria (geb. Fink), Fridolin, Gerhard, Stefan, Friederika Viktoria; vordere Reihe v. li.: Rosa, Victoria Die Eltern Gerhard Fink (* 24. September 1868; † 25. Februar 1949) und Maria Fink geb. Fink (* 9. Februar 1873; † 10. Juni 1965) hatten am 31. Januar 1899 geheiratet. Ihrer Ehe entstammten zehn Kinder:
Johann (* 7. Juli 1900; † 3. Juni 1972) Wilhelmina (* 27. Juli 1901; verheiratete Eggstein) Anna Maria (* 2. August 1902; † 29. Juli 1995; verheiratete Wern) Friederika Viktoria (* 14. Oktober 1903; † 4. Juli 1980; verheiratete Ott) Wilhelm (* 30. November 1906; † 1. März 1944 in Riga / Lettland) Stefan (* 2. September 1908; † 12. August 2000) Victoria (* 19. Dezember 1910; † 14. September 1958; Sr. Mechtundis) Rosa (* 15. März 1912; † 2000; verheiratete Schmid) Joseph Nikolaus (* 21. Oktober 1913; † 4. Mai 2004) Fridolin (* 30. Juli 1916; † 4. September 1947 bei einem Brandunglück in Veringenstadt)
Stefan Fink wuchs in der „Perle des Laucherttales“, wie seine Heimatstadt häufig genannt wird, auf, deren Ortsbild bis heute in besonderer Weise von der Burgruine der Grafen von Veringen, der St. Nikolauskirche und dem ältesten Rathaus von Hohenzollern geprägt ist. Die Verwurzelung mit seinem Heimatort ist eine der wesentlichen Grundfesten der Persönlichkeit Finks, ebenso wie der selbstverständliche Glaube an Gott und die Verankerung in der christlichen Werteskala. Ohne diese Prägungen ist weder der Mensch noch der Bürgermeister und Politiker Stefan Fink und sein Handeln zu verstehen.Diese Verbundenheit wird z. B. in den Fotos der Stadtkapelle von Veringenstadt sichtbar, die von Stefan Fink mitbegründet wurde. Auch die aktuellen Fotos 2014 zeigen die Burg Veringen im Hintergrund. Stadtkapelle Veringenstadt
Über Reichtümer verfügte die Familie Fink nicht. Der Vater tat, was in seinen Kräften stand, um die große Familie zu ernähren. Die Mutter war zur Sparsamkeit gezwungen, „außer der Reihe“ konnten keine Anschaffungen gemacht werden. Es war ein Erfolg, wenn die Familienangehörigen genug zu essen hatten und im Winter nicht allzu sehr froren. Der älteste Bruder Johann hatte sein Bett auf der Bühne direkt unter den Dachziegeln, sodass im Winter bei windigem Wetter Schnee in sein Bett wehte. Man lebte also in bescheidenen Verhältnissen; jeweils zwei Geschwister mussten sich in den beengten Wohnverhältnissen ein Bett teilen. Die Geschwister kannten nichts anderes und vermissten wohl nichts. Die Eltern schufen – bei aller materiellen Not – für das Aufwachsen ihrer Kinder einen stabilen Rahmen, in dem sich familiärer Zusammenhalt entwickeln konnte und Verlässlichkeit, Pflichteifer, Sparsamkeit und Arbeitsamkeit, vor allem aber Disziplin anerzogen wurden. Diese preußischen Tugenden verschafften Stefan Fink das Rüstzeug für sein Leben und seine umfangreiche öffentliche Tätigkeit.
miniatur|Schulklasse Veringenstadt mit Lehrer Speidel, 1918. Hintere Reihe 3. v. li. der spätere Bürgermeister Stefan Fink
Im katholischen Glauben erzogen, besuchte Fink in Veringenstadt die katholische Volksschule (bzw. „Elementarschule“). Zu dieser Zeit waren zwei Lehrer an ihr tätig, die in drei Klassen etwa 100 Schülerinnen und Schüler unterrichteten. Als im Sommer 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, war Stefan Fink knapp sechs Jahre alt. In dieser Zeit machte er zwei harte und prägende Erfahrungen. Sein Lehrer Hermann Fecker, den er sehr mochte und der bei den Kindern sehr beliebt warVgl. Hohenzollerische Volkszeitung 1917. Nr. 83 / 11. April. Kreisarchiv Sigmaringen., wurde am 1. Juli 1916 durch eine Granate getötet. Das zweite Erlebnis ergab sich, als Stefan Fink als Ministrant bei der Bevölkerung in Veringenstadt Eier für ein Lazarett sammelte. Er kam gerade in dem Moment zur Frau des Ziegeleibesitzers Wilhelm Schmid, als diese erfuhr, dass auch ihr dritter und letzter Sohn Leopold bei einem Giftgasangriff in Ypern gefallen war und sie für sich keinen Lebenssinn mehr sah und völlig resignierte.
Als Fink die Schule verließ, herrschte durch eine Hyperinflation eine äußerst schwierige Zeit. Er wollte eigentlich eine Uhrmacherlehre beginnen. Doch der örtliche Uhrmacher lehnte ab, und das vom Sigmaringer Uhrmacher geforderte Lehrgeld konnte von der Familie nicht aufgebracht werden. So begann er eine Schreinerlehre bei einem Verwandten in Veringenstadt, Schreinermeister Johann Eggstein, der später Schwiegervater seiner ältesten Schwester Wilhelmina wurde. Zugleich besuchte er die Fortbildungsschule und die Gewerbeschule in Sigmaringen. Seine Gesellenprüfung bestand der 17 Jahre alte Stefan Fink 1925 mit gutem Ergebnis – aber sein Meister übernahm ihn nicht in seine Schreinerei.
Erste berufliche Schritte als Schreiner und Zimmermann miniatur|1931 Stefan Fink beim Bau des Wasserkraftwerks Ryburg-Schwörstadt bei Rheinfelden miniatur|August 1935 Stefan Fink als Zimmermann beim Bau des Autobahnviadukts über das Waschmühltal bei Kaiserslautern
Als junger Mann fand er für kurze Zeit eine Anstellung in einer Bau- und Möbeltischlerei in Neukirch bei Tettnang. Ab 1927 war er bei dem Zimmereigeschäfts von Thomas Kappler in Sigmaringen tätig. Dazu fuhr er täglich mit dem Fahrrad nach Sigmaringen. In dieser Zeit war er mehrere Jahre Oberturnwart im Turnverein. Zu seinen größten Erfolgen zählte ein zweiter Platz beim deutschen Sportfest 1936 in Stuttgart. Gleichzeitig trat er in den Kirchenchor ein, dem er mehr als 60 Jahre aktiv angehörte. 1927 war er auch Gründungsmitglied der Musikkapelle und später zehn Jahre dessen Vorsitzender. Geradezu leitmotivisch spiegeln diese Aktivitäten die Begeisterung Stefan Finks für die Musik und seinen Drang zur Bewegung an der frischen Luft wider, die auch noch für den Hochbetagten kennzeichnend war.
Es war für Fink, der zeitweise auch im Schwarzwald und im Rheinland seinen Beruf ausübte, selbstverständlich, seinen kargen Lohn regelmäßig bei der Familie abzuliefern. Alle mussten zusammenhalten, um das Überleben der Familie zu gewährleisten. Die Zeiten waren schlecht und wurden nach der Weltwirtschaftskrise nach 1929 nicht besser. Veringenstadt litt unter einem eklatanten Einwohnerschwund, der die Einwohnerzahl bis 1938 auf einen Tiefstand von 527 herunterführte – gegenüber 782 Einwohnern um 1800. Die Hilflosigkeit der Politik, die zahlreichen Probleme in den Griff zu bekommen, bereitete den Boden für den politischen Erfolg der Nationalsozialisten, die auch in den Hohenzollerischen Landen an Boden gewannen.
Der Unternehmer – Zwischen Frieden und Krieg miniatur|1. Oktober 1937 Veringenstadt. Sägewerk Fink an der Lohmühle. Inbetriebnahme des Sägegatters. 2. v.re.: Stefan Fink