miniatur|Blütenstand mit körbchenförmigen Teilblütenständen mini|Habitus miniatur|Illustration des Einjährigen Beifuß (Artemisia annua) Der Einjährige Beifuß (Artemisia annua) ist eine Pflanzenart in der Gattung Artemisia aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae, veraltet Compositae).
Beschreibung Die krautige Pflanze ist einjährig, woher das botanische Artepitheton annua - ‚ein Jahr andauernd‘ - stammt (von lateinisch annus - ‚das Jahr‘). Auffällig ist der aromatische Duft. Die Pflanze wird 50–150 Zentimeter hoch. Der Stängel ist meist völlig kahl. Die Laubblätter sind zwei- bis dreifach fein gefiedert. Die Blattzipfel sind kammförmig gesägt.
Die in einem rispigen Gesamtblütenstand angeordneten gelbgrünen und körbchenförmigen Teilblütenstände enthalten wenige gelbe Röhrenblüten. Die Blütenköpfchen sind nickend.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18.
Vorkommen Der Einjährige Beifuß ist in sommerwarmen Regengebieten Eurasiens autochthon. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von China über Nord-Indien und Irak bis nach Südosteuropa mit Rumänien, Bulgarien und Albanien. In Süd- und Mitteleuropa ist diese Art als Neophyt eingebürgert.
Die Vorkommen in Österreich, Liechtenstein und der italienischen Provinz Südtirol sind sehr selten und oft auch unbeständig. Die Verbreitung in Österreich ist auf Niederösterreich, Wien und auf unbeständige Populationen in Salzburg beschränkt; in Kärnten, Nordtirol und Vorarlberg gilt der Einjährige Beifuß als ausgestorben.
In Deutschland ist der Einjährige Beifuß, neben vereinzelten Fundorten, entlang der Elbe verbreitet. Dort gedeiht er in annuellen Spülsäumen (Zweizahn-Schlammufergesellschaft), wo er nach Abfluss des winterlichen Hochwassers auf dem bei sommerlichem Tiefwasserstand trockengefallenen Elbufer aufwächst. Die Art wächst in Gesellschaften der Verbände Sisymbrion (Rauken) oder Chenopodion rubri (Roter Gänsefuß).
Daneben gibt es Vorkommen in der Schweiz, vor allem in der Südschweiz. Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3+w+ (feucht aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 5 (kontinental).
Systematik Artemisia annua wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum, Band 2, Seite 847, erstveröffentlicht. Synonyme für Artemisia annua sind Artemisia chamomilla , Artemisia stewartii und Artemisia wadei .
Nutzung mini|Strukturformel von Artemisinin Der Einjährige Beifuß enthält das Sesquiterpenlacton Artemisinin. Der Wirkstoff wurde 1972 im Rahmen chinesischer Arbeiten zur Entwicklung neuer Malariamittel isoliert. Für die Entdeckung von Artemisinin und seinen therapeutischen Nutzen bei Malaria erhielt Tu Youyou 2015 anteilig den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.
Artemisinin selbst und davon abgeleitete Wirkstoffe wie Artesunat, Artemether und Dihydroartemisinin werden in der Malariatherapie verwendet. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt bei unkomplizierter Malaria durch Plasmodium falciparum artemisininbasierte Kombinationstherapien, bei denen ein Artemisinin-Derivat mit einem zweiten Antimalariamittel verbunden wird. Zu diesen Kombinationen gehören unter anderem Artemether-Lumefantrin und Artesunat-Amodiaquin. Pflanzliche Zubereitungen aus Artemisia-Material, etwa Tee, Tabletten oder Kapseln, unterstützt die WHO zur Vorbeugung oder Behandlung der Malaria nicht, weil Wirkstoffgehalt, Dosierung, Qualität, klinische Wirksamkeit und Resistenzrisiko nicht ausreichend kontrolliert sind.
In der chinesischen Arzneimittellehre ist die Droge unter dem Namen qinghao überliefert. Die ältere Literatur nennt sie vor allem bei Fieberzuständen. Tu Youyou bezog sich bei der Suche nach einem Malariamittel auf diese Überlieferung, die moderne antimalarische Anwendung beruht jedoch auf dem isolierten Wirkstoff und seinen pharmazeutisch hergestellten Derivaten.
Während der COVID-19-Pandemie wurden Extrakte aus Artemisia annua und einzelne Inhaltsstoffe experimentell auf Wirkungen gegen SARS-CoV-2 untersucht. Eine 2023 veröffentlichte Arbeit beschrieb viruzide, antivirale und antioxidative Effekte von Extrakten und Einzelfraktionen in vitro; eine klinische Wirksamkeit bei COVID-19 ergab sich daraus nicht.
Einzelnachweise Werner Rothmaler u. a.: Exkursionsflora von Deutschland. Bd. 4, 1990, S. 347. T.G. Tutin u. a. 1976: Flora Europaea. 4. Cambridge
FloraWeb - Verbreitungskarte in Deutschland., Bundesamt für Naturschutz, Bonn, 2013, abgerufen am 6. Juli 2022 Dietmar Brandes: Artemisia annua, ein erfolgreicher Neophyt in Mitteleuropa? In: Tuexenia. 24, Göttingen, S. 339–358.
Lin Yourun (Ling Yuou-ruen), Christopher J. Humphries, Michael G. Gilbert: Asteraceae. In: Artemisia annua - textgleich online wie gedrucktes Werk (Abschnitt Systematik) WHO Model List of Essential Medicines. 22nd list, September 2021 (PDF) Malaria, Treatment, www.who.int, abgerufen am 2. März 2022.
Weblinks
Thomas Meyer: Beifuß Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben) Datenblatt der Purdue University. (PDF; 32 kB) Artemisia annua als Heilpflanze.
Kategorie:Beifuß