St. Nikolaus, Veringenstadt 300px Gesamtansicht mit Glockenturm, Kirchenschiff und Chor Ort Veringenstadt Konfession römisch-katholisch Diözese Freiburg Patrozinium Nikolaus von Myra Baujahr 1316 Bautyp Saalkirche Funktion Pfarrkirche mini|Veringenstadt, St. Nikolaus-Kirche und Burg mit Peterskapelle mini|Chorraum von St. Nikolaus Veringenstadt mini|Detail aus einem Veringer Zunftbrief um 1800

Die römisch-katholische Stadtpfarrkirche St. Nikolaus prägt mit ihrem hochragenden Glockenturm maßgeblich die Ansicht von Veringenstadt. Die heutige Kirche geht auf mehrere Vorgängerbauten bis auf das Jahr 1316 zurück. Von den Anfängen zeugt der untere Turmschaft mit einem romanischen Eingangsportal und einem romanischen Taufstein im Eingangsbereich. Das Langhaus, der Chor und der obere Teil des Glockenturmes entstanden zwischen 1862 und 1871. In der Kirche sind bedeutende gotische und barocke Bild- und Schnitzwerke zu sehen: Werke der Künstlerfamilie Strüb, von Niklaus Weckmann und Jörg Syrlin d. J. Die Chorfenster sind ein Werk des Ulmer Glasmalers Wilhelm Geyer.

Die Pfarrkirche St. Nikolaus ist Bestandteil der Seelsorgeeinheit Straßberg-Veringen, die im Dekanat Sigmaringen-Meßkirch der Erzdiözese Freiburg liegt.

Geschichte St. Nikolaus mini|Urkunde der Altarweihe St. Nikolaus am 2. Juni 1316.Diözesanarchiv Freiburg, Urkunden-Signatur: UZ 645 mini|Innenansicht um 1930

Pfarreigeschichte In der kaiserlosen Zeit Mitte des 13. Jahrhunderts blieben Raub, Mord und Totschlag ungesühnt und die Pest breitete sich rasch aus. Viele umliegende Weiler wurden aufgegeben und die Bewohner schlossen sich im Schutz der Burg Veringen zu einer Stadt zusammen.

Zunächst konnte die Stadt keine eigene Pfarrei gründen und verfügte damit auch über keinen eigenen Friedhof. Die Bewohner der Oberstadt bis zum Rathausbrunnen und am Gassengraben (heute Bahnhofstraße) gehörten zur Pfarrei Deutstetten und die Unterstadt zu Veringendorf.

Die ursprüngliche kleine Nikolauskapelle hatte eine kleine Rotunde, die nur dem Altar Raum bot. Um die Kapelle zu vergrößern, wurde der enge halbkreisförmige Chor abgebrochen und dafür ein sehr großer angebaut, in welchem außer dem Altar auch Bänke Platz fanden Dieser Bau samt Altar wurde am 2. Juni 1316 durch den Weihbischof Berthold von Konstanz eingeweiht.Th. Fink: Materialien zur Geschichte der Stadt Veringen. Band 29: St. Nikolaus. 2014.

1471 wurde die Nikolauskapelle erneut erweitert.

1515 bestanden sieben Kaplaneien mit ihren jeweiligen Kaplänen, die später in der St.-Nikolaus-Pfarrei zusammengefasst wurden: Ursula-Kaplanei seit 1360 Katharinen-Kaplanei seit 1368 Thomas-Kaplanei seit 1425 Hl.-Geist-Kaplanei seit 1464 Johannis-Kaplanei seit 1467 Frühmess-Kaplanei seit 1497(?) Anna-Kaplanei seit 1515

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war die nahegelegene Kirche Deutstetten die meistbesuchte Wallfahrtskirche in Hohenzollern-Sigmaringen und Hohenzollern-Hechingen. Diese Wallfahrtskirche sollte laut Mitteilung des Oberamts Sigmaringen vom 26. April 1811 wegen unzureichenden Stiftungsvermögens mit der Pfarrgemeinde Veringenstadt vereinigt werden und die St. Nikolauskirche abgebrochen werden. Dieser Plan wurde jedoch nicht umgesetzt.Adolf Rösch: Das religiöse Leben in Hohenzollern unter dem Einfluss des Wessenbergianismus 1800–1850. Ein Beitrag zur Geschichte der religiösen Aufklärung in Süddeutschland. Köln 1908. Seite 97 f.

Nachdem Napoleon 1806 endgültig das Heilige Römische Reich deutscher Nation zerschlug, führten die politischen Veränderungen dazu, dass St. Nikolaus 1821 zur Pfarrei und damit zur Pfarrkirche erhoben wurde.

Geschichte des Kirchengebäudes Bis 1861 reichte die Länge der Nikolaus-Kapelle einschließlich der Altar-Rotunde bis zur jetzigen 1. Stufe der Kommunionbank. 1861 wurde mit dem Abbruch der alten Kirche begonnen. Lediglich der untere Teil des Kirchturmes blieb stehen. Die aktuell stehende Kirche wurde 1871 eingeweiht.

1894 wurde der Kircheninnenraum ausgemalt. Auf der linken Seite des Chorbogens entstand ein Wandbild mit Hermann dem Lahmen aus dem Geschlecht der Grafen von Veringen, die von Altshausen kamen. Er war genialer Mönch der Reichenau und wurde von seinen Zeitgenossen „Wunder des Jahrhunderts“ genannt. Er war vermutlich der Verfasser des „Salve Regina“. Auf der rechten Seite des Chorbogens war der hl. Fidelis von Sigmaringen dargestellt.

1957 erfolgte eine grundlegende Neugestaltung. Um die vormals dunkle Kirche heller zu gestalten, wurden die drei Chorfenster um zwei Meter nach unten verlängert. Die Wände wurden bewusst zurückhaltend gestaltet, um die alten Plastiken sowie die neuen Fenster gut zur Wirkung zu bringen und dem Raum Klarheit und Ruhe zu geben. Durch die lockere Anordnung der Skulpturen wird auch verdeutlicht, dass die Skulpturen wechselvolle Aufenthaltsorte in Veringenstadt mit seinen vielen Kaplaneien erlebten.

Pfarrer der Pfarrei siehe → Liste der Pfarrer von Veringenstadt

Turm und Eingangsportal Der untere Turmschaft stammt aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts. Vom zweiten Geschoss aufwärts stammt der Turm aus dem Jahre 1863. Der Turm ist insgesamt ca. 40 m hoch.

An der Südseite des Turmes befand sich bis 1956 eine Außenkanzel. Die Brüstung war frühgotisches Plattenmaßwerk und stammte von der Kommunionbank der alten Kirche vor 1863.

Das romanische Eingangsportal an der Ostwand des Turmes besitzt doppelte, abgesetzte Leibungen dreiviertel Monolith-Säulen mit Kapitellen und stammt wohl von der 1316 eingeweihten Kirche.

Ausstattung nördliche Langhauswand hochkant=0.55|mini|Hl. Erhard hochkant=0.55|mini|Apostel Andreas hochkant=0.55|mini|Maria mit Kind und Weintraube Hl. Bischof Erhard Die Figur des hl. Bischofs Erhard an der nördlichen Langhauswand ist die älteste Figur der Kirche. Um 1410; Höhe 68 cm; Lindenholz; alte Fassung freigelegt und ergänzt. Vermutlich Arbeit eines unbekannten Veringer Bildhauers. Bischofsstab neu.

Gegen Ende des 7. Jahrhunderts war er als Wandermönch im Elsass unterwegs und gründete hier zahlreiche Klöster. Aus jener Zeit ist die Legende überliefert, nach der er der elsässischen Herzogstochter Odilia, die von Geburt an blind war, während ihrer Taufe das Augenlicht wiedergab. Der hl. Erhard wird als Patron gegen Augenleiden, Pest und Viehkrankheiten verehrt.

Der Bischof mit schlankem Körper, den Bischofsstab in der Hand und einem Buch als Attribut. Wie ein Mönch trägt er einen geschorenen Kopf mit Haarkranz und eine Locke über der Stirn. Der hl. Erhard wird in der Regel in Pontifikalgewändern dargestellt. Hier erscheint er in schlichter, langer roter Kasel. Am Hals sind deutlich die Ansätze einer Kapuze zu sehen. Die mittelalterliche Pfarrkirche Deutstetten war dem hl. Bischof Erhard und der hl. Walburga geweiht. Nachdem Deutstetten um 1530 verfallen war, ist diese Figur vermutlich von Deutstetten in die St. Nikolauskirche übernommen worden.

Grabplatte Ebenfalls an der nördlichen Langhauswand befindet sich eine 1,90 m hohe und 60 cm breite Grabplatte aus Sandstein ohne Inschrift (ca. 12.–13. Jahrhundert). Im oberen Viertel befindet sich ein flaches Relief (2,4 cm) eines vortretenden griechischen Kreuzes mit gerundetem Stiel. Möglicherweise ist dies die Grabplatte eines Grafen von Veringen.

Hl. Wendelin Hl. Wendelin als jugendlicher Hirte, 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts, Holz, alte Fassung, Höhe 66 cm, nördlichen Langhauswand.

Wendelin soll aus königlichem Geschlecht gestammen, sich jedoch für ein Leben im Dienste Gottes entschieden haben. Auf der Suche nach einem ungestörten Platz traf er einen Edelmann, der ihn zu seinem Viehhirten machte. Wendelins Demut und Frömmigkeit beschämte den Edelmann, der dem Heiligen daraufhin in der Nähe eines Mönchsklosters eine Zelle erbaute.

Hl. Apostel Andreas Eine Figur des hl. Apostels Andreas befindet sich ebenfalls an der nördlichen Langhauswand. Die 60 cm hohe Figur ist aus Lindenholz, auf der Rückseite glatt, alte Fassung wurde freigelegt und ergänzt. Bildhauer der Familie Strüb, Veringenstadt um 1510 (evtl. Jakob Strüb d. J. "Meister des Rother Altars" (Glanzstück des Mannheimer Reiss-Museums)).

Der Bruder von Simon Petrus findet selten eine Darstellung; zumeist wird er in seinem Martyrium gezeigt, mit festgebundenen Händen und Füßen am Schrägkreuz, entsprechend der altchristlichen Tradition, nach der er am 30. November 60/62 in Patras in Griechenland das Martyrium erlitten haben soll. Er ist der Schutzherr der Fischer, Seiler, Metzger, Wasserträger und wurde angerufen um Heirat, gegen Gicht und Halsweh. Nachdem Petrus als Patron der Kapelle auf der Burg Verehrung gefunden hatte, wollte man dessen Bruder Andreas in Veringenstadt nicht vergessen. Möglicherweise befand sich die Figur früher in der Peters-Kapelle.

Der lebend dargestellte Andreas mit wirrem Haar und struppigem Bart ist nicht ans Kreuz genagelt, sondern mit Stricken festgebunden. Den Kopf wendet der Apostel zur linken Seite, die Augen geöffnet und auf das zu seinen Füßen gedachte Volk niederblickend, dem er noch zwei Tage lang gepredigt habe.

Muttergottes Skulptur einer stehenden, spätgotischen Muttergottes mit Kind und Weintraube. Weicher Stil. Ca. 1430–1440; Höhe 125 cm; Holz; neu stark vergoldet. Das aufrecht sitzende Kind auf dem Arm hat seine rechte Hand um den Hals der Mutter gelegt. Von ihrem geradeaus gerichteten, gekrönten Haupt mit länglichem, von Locken gerahmten Gesicht fällt das Kopftuch beidseitig in Ringelfalten auf die Schultern. „Gebenedeit ist die Frucht deines Leibes“. So wird zu Maria gebetet und das ist die Symbolik der Weintrauben. Maria bringt der Menschheit eine Frucht, die Heil und Leben bringt.

Diese Figur war vom Mittelalter an bis 1862 die Hauptfigur eines schlichten Schreins, flankiert von hl. Fabian und hl. Nikolaus. Der alte Schrein war eingerahmt von auf 2 Doppelflügeln gemalten Szenen aus dem Leben der Gottesmutter. Diese Bildtafeln wurde 1815 verkauft. Es ist anzunehmen, dass diese Bildtafeln des „Marienlebens“ von Hans und Jakob Strüb gemalt worden sind. Im Fürstlich Hohenzollerischen Schloss-Museum in Sigmaringen befinden sich „7 Bildtafeln des Marienlebens“ von Hans und Jakob Strüb, die als Foto-Reproduktionen im Strübhaus in Veringenstadt zu sehen sind.

Ausstattung Chorraum Altar mini|Relief „Isaaks Opferung“ Der große und schwere Hochaltar aus Trientiner Marmor mit seiner Monumentalität und klaren Form beherrscht den ganzen Chorraum. Das in den Altar eingelassene Relief „Isaaks Opferung“ ist eine Arbeit des Bildhauers Oskar Steidle aus Schwenningen (Heuberg) aus dem Jahre 1956. In das sepulcrum (Grab) des Hauptaltares wurde eine Reliquie des hl. Märtyrer-Papstes Fabian († um 250) eingemauert.

Die Schlichtheit des Raumes soll die Konzentration auf das Wesentliche erleichtern.

Hinter dem Hochaltar sind zwei Grabplatten eingelassen von Georg von Rechberg († 1554) sowie dessen Gemahlin Katharina von Rechberg († 1564).

Chorfenster Die Chorfenster sind ein Werk des bekannten Ulmer Glasmalers Wilhelm Geyer. Er war Mitglied der Widerstandsgruppe Weiße Rose, die sich auf christliche und humanistische Werte berufen hatte. Während der Diktatur des Nationalsozialismus wohnten die Geschwister Sophie und Hans Scholl bei ihm in seiner Wohnung in München.

Wilhelm Geyer ist mit seinen Glasfenstern auch im Ulmer Münster, dem Kölner Dom, der Stiftskirche Xanten sowie dem Dom zu „Unserer lieben Frau“ in München vertreten. Die Ausführung der Fenster in Veringenstadt übernahm 1957 die Firma Wilhelm Derix in Rottweil.

Die kräftigen Farben stellen eine „lichte Offenbarung“ der zentralen Gedanken des christlichen Glaubens dar: Sündenfall Menschwerdung Gottes Leiden Christi Opfertod und Auferstehung Jesu Christi Im zentralen Fenster ist Maria mit Hermann dem Lahmen dargestellt, einem Sohn des Grafengeschlechtes der Grafen von Veringen. Die Gottesmutter weist mit ihrer Geste wie in dem Gebet des Salve Regina „zeig uns Jesu, die gebenedeite Frucht deines Leibes“ auf die Darstellung des Gottessohnes im oberen Mittelfenster.