Die Burg Maruoka (, Maruoka-jō), auch bekannt als Kasumi-ga-jō (), ist eine japanische Burg in Sakai, Präfektur Fukui und besitzt einen der nur zwölf aus der Edo-Zeit erhaltenen Burgtürme (Tenshu) Japans.
Geschichte Die Burg wurde 1576 von Shibata Katsutoyo, Adoptivsohn des Shibata Katsuie, auf Befehl von Oda Nobunaga auf einem Hügel auf der Ostseite der Sakai-Ebene erbaut. Danach kam sie an Niwa Nagahide, Aoyama Munekatsu und Sohn Tadamoto mit einem Einkommen von 46.000 Koku. Nach der Schlacht von Sekigahara 1600 mussten die Aoyama die Burg aufgeben.
mini|links|80px|Wappen (Mon) der Arima 1601 wurde Imamura Moritsugu, wichtiger Minister unter Yūki Hideyasu (Burg Fukui) Burgherr in Maruoka mit 25.000 Koku. Bereits 1613 erhielt Honda Narishige, Unter-Kanzler des Matsudaira Tadanao (Sohn des Yūji Hideyasu), die Burg mit 40.000 Koku. Er wurde nach Absetzung Tadanaos 1624 erster Daimyō des Maruoka-han. Sein Sohn und Enkel vollendeten die Burg und die Burgstadt (Jōkamachi). 1695 wurde Arima Kiyozumi mit dem Han (50.000 Koku) belehnt, nachdem Honda Shigemasu, Urenkel Narishiges, aufgrund Alkoholismus und Inkompetenz vom Shōgunat abgesetzt wurde. Die Arima blieben die Daimyōs bis zur Meiji-Restauration 1871.
Nach der Meiji-Restauration kam es 1872 zum Abriss der Burgbauten, wobei der Tenshu gegen eine mäßige Summe erworben werden konnte und so erhalten blieb. Danach wurde die Burg der Stadt Maruoka übereignet, der Tenshu wurde 1934 als Nationalschatz eingetragen. Heute ist er als Wichtiges Kulturgut eingestuft.
Die Burganlage mini|Historischer Plan der Burg:|links An den zentralen, auf einem Hügel gelegenen Burgbereich, dem Hommaru (), schloss sich der Ni-no-maru () mit der Residenz des Daimyō und Samurai-Quartieren an. Beide Burgbereiche waren von einem teichartigen Gewässer umgeben, um das herum der San-no-maru () angelegt war. Dieser war seinerseits von einem Graben umgeben. Vom San-no-maru gelangte man an der Westseite durch das Haupttor, das Ōte-mon (), in die Burg. Zudem gab es auf der Ostseite einen weiteren, kleineren Hinterzugang, das Hintertor Ura-mon ().
Die Burggräben wurden Anfang der Shōwa-Zeit zugeschüttet und zum Teil überbaut.
Tenshu mini|Tenshu mit Steinplattform und Shachihoko (oben mittig) Der auf einer 6,2 Meter hohen Steinplattform () stehende Tenshu ist über eine lange Treppe zugänglich und besitzt drei Geschosse, wobei das oberste als Wachraum und Ausguck diente. Das Gebäude weist mehrere Besonderheiten auf. Das ursprünglich mit Holzschindeln gedeckte Dach wurde später mit Dachziegeln aus dem örtlichen Stein Shakudani () versehen. Dadurch wiegt das Dach etwa 60 Tonnen und ist damit mehr als doppelt so schwer wie ein herkömmliches Ziegel- oder Schindeldach. Andere Quellen geben ein Gewicht von 120 Tonnen an. Grund für die Verwendung der Steinziegel war vermutlich ihre bessere Wärmedämmung im Winter. Das Dach ist zudem mit steinernen Shachihoko (), mythologischen Mischwesen aus Tigerkopf und Fischkörper, verziert. mini|Steile Treppen des Tenshu An der rechten Seite des Tenshu befinden sich mehrere vorspringende Ishiotoshimado (), durch die Verteidiger auf Angreifer schießen konnten. Über Fallöffnungen konnten zudem Steine sowie Öl oder heißes Wasser auf die Angreifer herabgeschüttet werden. Der Tenshu verfügt außerdem über ein von außen nicht erkennbares verstecktes Zwischengeschoss zwischen dem ersten und zweiten Geschoss. In Größe und Innenaufteilung ähnelt er weitgehend dem zeitgenössischen Tenshu der Burg Inuyama, welche ebenfalls einen Wachrauch im obersten Geschiss besitzt.
Restauration in der Meiji-Zeit Der Tenshu wurde am 30. Januar 1934 als Nationalschatz eingetragen, stürzte jedoch beim Erdbeben von Fukui 1948 infolge der Zerstörung seines steinernen Sockels ein. 1955 wurde er unter Verwendung von 70 % der ursprünglichen Pfeiler und etwa 60 % der Balken wiederaufgebaut. Dazu wurde ein Stahlbetongerüst errichtet, mit den originalen Steinen ummantelt und der Tenshu darauf wiederaufgerichtet. Dabei wurden die Fenster des obersten Geschosses von Schiebefenstern zu nach oben aufklappbaren Fenstern umgebaut.
1950 wurde die Burg nach dem revidierten Gesetz zum Schutz von Kulturgütern als Wichtiges Kulturgut () eingestuft. Mehrere Burgtore sind zudem in Privatbesitz erhalten, darunter eines beim Kōzen-ji Tempel in Komatsu und eines beim Renshō-ji Tempel in Awara.
Alter des Tenshus mini|Tenshu, oberste EtageEs soll sich um den ältesten existierenden Tenshu Japans handeln. Dem Grundriss nach schloss man zunächst auf einen Bau zu Beginn der Edo-Zeit, wobei die Balkenanordnung vermuten lässt, dass der zweite und dritte Stock spätere Erweiterungen sind.mini|Blick vom Tenshu auf die StadtDas von Junichi Yoshida von der Fukui University of Technology geleitete Forschungskomitee zur Burg Maruoka wurde vom Bildungsausschuss der Stadt Sakai mit der Untersuchung der Burg beauftragt. Anhand dendrochronologischer Untersuchungen sowie der Radiokarbonkonzentration und des Sauerstoffisotopenverhältnisses datierte es das für den Tenshu verwendete Holz. Nach vierjährigen Untersuchungen kam das Komitee im März 2019 zu dem Ergebnis, dass die meisten der konstruktiv wichtigen durchgehenden Stützen nach 1626 in der Kan'ei-Zeit (1624–1644) gefällt worden waren.
Da der Baustil des Tenshu bereits in den 1620er-Jahren als veraltet galt, stellt dies die bisher angenommene Bauzeit infrage. Sollte er tatsächlich 1576 von Shibata Katsutoyo errichtet worden sein, wäre er demnach in der zweiten Hälfte der 1620er-Jahre umfassend umgebaut worden, vermutlich 1628 durch den Honda-Klan. Dies geschah nach der Übertragung der Burg an Honda Narishige im Jahr 1613.
Heutige Anlage mini|Sakura um die Burg Das ehemalige Burggelände und Hügel ist heute Teil des Kasumigajō-Parks. Dort sind noch Reste der Befestigungsanlagen und Burggräben erhalten; außerdem gibt es ein kleines Museum, in dem Waffen, Rüstungen und Haushaltsgegenstände aus dem Besitz der ehemaligen Daimyō ausgestellt werden. Bekannt ist der Park für seine etwa 400 Kirschbäume. Jährlich findet in den ersten drei Aprilwochen ein Kirschblütenfest statt, bei dem die Bäume abends von mehr als 300 Papierlaternen beleuchtet werden.
Einzelnachweise
Literatur Ikeda, Koichi: Maruoka-jo in: Miura, Masayuki (Hrsg.): Shiro to jinya. Tokoku-hen. Gakken, 2006. ISBN 978-4-05-604378-5.
Weblinks Offizielle Website der Burg mit historischem Überblick (englisch) Maruoka Kategorie:Bauwerk in der Präfektur Fukui Kategorie:Erbaut in den 1570er Jahren Maruoka Kategorie:Sakai (Fukui)