Die Ewigkeitsglühlampe ist eine von dem deutschen Erfinder Dieter Binninger entwickelte GlühlampeChristoph Drösser: Stimmt’s? Das ewige Licht. Die Zeit Nr. 33, 12. August 1999. mit integriertem Vorschaltgerät und einer (angeblichen) Lebensdauer von bis zu 150.000 Stunden (entspricht etwa 17 Jahren). Sie wird in Anlehnung an die sogenannten Sig-Lampen (Langlebensdauerlampen, in Signalanlagen verwendet) auch SIP-Lampe genannt.

Geschichte Da die von ihm 1976 im Auftrag des Berliner Senats entwickelte Berlin-Uhr mit hunderten von normalen Glühlampen einen zu hohen Wartungsaufwand erforderte, erfand Binninger eine neue Glühlampe. Eigentlich handelte es sich dabei um die besondere Betriebsart einer normalen Glühlampe, die Binninger mit einem Vorschaltgerät realisierte. Zwischen 1979 und 1982 meldete Binninger dazu in Deutschland drei Patente an, von denen aber nur eines mit reduziertem Schutzumfang erteilt wurde. Er hatte die Glühbirnen dann in einer kleinen Fabrik in Berlin-Kreuzberg mit einem Mitarbeiter hergestellt. Bevor er in der Nachwendezeit die Narva-Werke übernehmen konnte (und vielleicht seine mit dem Vorschaltgerät versehene Glühlampe produzieren lassen wollte), stürzte er 1991 mit seinem Flugzeug ab und kam ums Leben.

Übliche Glühlampen für Netzspannung (sogenannte Allgebrauchslampen) haben eine durchschnittliche Lebensdauer von etwa 1.000 Stunden. Langlebensdauerglühlampen (sogenannte Sig-Lampen) wie beispielsweise Hochvolt-Kryptonlampen kommen auf bis zu 14.000 Stunden mittlere Lebensdauer bei gegenüber Allgebrauchslampen etwa halber Lichtausbeute.

Funktionsweise/fachliche Grundlagen miniatur|Lebensdauer und Helligkeit einer Glühlampe in Abhängigkeit von der Betriebsspannung

Der Hauptunterschied zum normalen Betrieb einer Glühlampe besteht nach Binninger darin, dass eine Glühlampe höherer Leistung bei verringerter Spannung (Phasenanschnittsteuerung, siehe) betrieben wird und sich dadurch die effektive Betriebsspannung verringert und die Lebensdauer erhöht. Dadurch verlängert sich zwar die Lebensdauer um das Mehrfache – die Farbtemperatur und der Wirkungsgrad (Lichtausbeute) verringern sich jedoch.

Binninger behauptete, dass bei gepulstem Betrieb unterhalb ab etwa 50 Hz die Glühfadentemperatur der Pulsspannung folgt (sich also zwischen einzelnen Pulsen immer wieder abkühlt). Dabei soll sich die Lichtausbeute aufgrund der exponentiellen Zunahme der Lichtausbeute in den Temperaturmaxima derart erhöhen, dass ein Effizienz-Vorteil gegenüber reinem Unterspannungsbetrieb auftritt. Binninger behauptete, dass bei dieser gepulsten Betriebsweise die enorme Lebensdauerzunahme, wie sie bei Unterspannungsbetrieb bekanntermaßen eintritt, erhalten bleiben würde (DE3213333A1). Das ist zumindest zweifelhaft, da sich in den Temperaturmaxima wiederum auch die Abdampfrate des Glühfadens erhöht. Zusätzlich tritt vermutlich eine nachteilige Temperaturwechselbeanspruchung auf. Infolge der nun fehlenden blauen Anteile im Licht trat das Problem auf, dass das eigentlich grüne Männchen einer Fußgängerampel braun leuchtet.

In der Patentanmeldung (insbesondere DE3213333A1) sind fachliche Fehlschlüsse enthalten (arithmetischer Mittelwert der gepulsten Spannung wird fälschlicherweise als Grundlage zur Leistungs- und Effizienzberechnung herangezogen), was zweifellos von potentiellen Herstellern solcher Lampen erkannt wurde.

Für Spezialanwendungen (z. B. signaltechnische Anlagen) existieren Spezialglühlampen mit bei Nennspannung geringerer Glühwendeltemperatur (z. B. Philips Traffic 6938E/6939E, Walter Schrickel 956005/956006). Die Lebensdauer solcher Glühlampen liegt beim 8- bis 16-fachen normaler Glühlampen bei etwa halber Lichtausbeute. Die Farbtemperatur liegt bei etwa 2200 K. In Serie hergestellt wurden solche Spezialglühlampen seit den 1920er Jahren.

Bezüglich des Unterspannungsbetriebes von Glühlampen siehe auch Abschnitt Lebensdauer im Artikel über Glühlampen.

Wirtschaftlichkeit Mit der Verbreitung von LED-Lampen bei sowohl viel höherer Lebensdauer als auch viel höherem Wirkungsgrad als jegliche Art von Glühlampen ab 2005 verlor die „Ewigkeitsglühbirne“ jeden theoretischen wirtschaftlichen Vorteil. Zudem verfehlte sie die erhöhten Anforderungen an die CO2-Bilanz. Daher wurde sie nie in den Markt gebracht. Neue Lichtsignalanlagen werden seit 2010 nur noch mit LED-Technik angeboten.

In Helmstedt wurde die erste Umrüstung einer Ampelanlage 2004 durchgeführt und ab 2010 mit der Aussicht auf signifikante Kosteneinsparungen auf weitere Ampeln ausgerollt.

Wegen des Umrüstungsaufwands, u. a. Anforderungen an Kompatibilität und Sicherheit, ist allerdings die Umsetzung langwierig. In Nürnberg wurden 2019 Glühlampen bevorratet, um die Ersatzteilversorgung sicherzustellen. Berlin und Münster begannen erst 2025 mit der flächendeckenden Umrüstung auf LED-Technik.

Mediale Betrachtung Die Ewigkeitsglühbirne wurde in mehreren Filmen, darunter Binningers Birne (1997)Binningers Birne in der IMDb, Bulb Fiction (2011)Bulb Fiction in der IMDbMathias Bröckers über borderlinejournatistische Methoden im Zusammenhang mit der als „Glühbirnenforschung“ bezeichneten Quellengrundlage zum Film Bulb Fiction, online auf seiner Website broeckers.com (zuletzt abgerufen am 11. Oktober 2018) und durch den Journalisten Helmut Höge in der Presse und in Interviews (u. a. Die Glühbirnenverschwörung, 2011) mit Verweis auf das Phoebuskartell als Verschwörungstheorie medial aufgearbeitet.

Einzelnachweise

Kategorie:Glühlampe