Ein Ober- und ein Hauptgefreiter OA an der Marineschule Mürwik|miniatur Offizieranwärter sind in Deutschland Soldaten der Bundeswehr in einer der Laufbahnen der Offiziere. Sie sind als Anwärter in der Ausbildung zum Offizier.

Schreibweise Wie häufig im militärischen Sprachgebrauch der Bundeswehr wird der Fugenlaut („Genitiv-s“ oder „Fugen-s“) formal nicht verwendet und die Schreibweise „Offizieranwärter“ der Schreibweise „Offiziersanwärter“ vorgezogen. In der zivilen Umgangssprache im gesamten deutschen Sprachraum, informell auch in den deutschen Streitkräften, ist die Nutzung des Fugen-s mittlerweile ebenso üblich wie dessen Nichtgebrauch.Vgl. dazu Laut Duden sind beide Formen zulässig.vgl. und

Definition Offizieranwärter der Bundeswehr sind Soldaten auf Zeit oder Berufssoldaten, die einen in der Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen und die Uniform der Soldaten definierten Dienstgrad der Mannschaften oder der Unteroffiziere führenvgl. Art. 1, und gemäß Soldatenlaufbahnverordnung in Verbindung mit der Zentralen Dienstvorschrift A-1340/49 („Beförderung, Einstellung, Übernahme und Zulassung von Soldatinnen und Soldaten“) einer der Laufbahnen der Offiziere des Truppendienstes oder des militärfachlichen Dienstes angehören. Beachte auch: Ehemalige ZDv 20/7 auf Grundlage der Soldatenlaufbahnverordnung ( ) Reservisten in den entsprechenden Dienstgraden und Laufbahnen der Reserve werden als Reserveoffizier-Anwärter bezeichnet

Je nach Kontext umfasst die Bezeichnung Offizieranwärter auch entsprechende Reservisten. Im Sinne der Soldatenlaufbahnverordnung zählen angehende Offiziere in den Laufbahnen der Offiziere des Sanitätsdienstes und des Militärmusikdienstes nicht zu den Offizieranwärtern des Truppendienstes, sondern werden als „Sanitätsoffizier-Anwärter“ und „Militärmusikoffizier-Anwärter“ bezeichnet.Nach der Soldatenlaufbahnverordnung gibt es auch entsprechende Reservistenlaufbahnen im Militärmusik- und Sanitätsdienst. In keiner dieser Laufbahnen gibt es aber Anwärter auf einen Offizierdienstgrad. Entsprechend gibt es keine „Reservesanitätsoffizier-Anwärter“ „Reservemilitärmusikoffizier-Anwärter“ oder ähnliches. Da ihre Bezeichnung aber völlig analog ist und sie ebenfalls Anwärter auf einen Dienstgrad der Offiziere im Sinne der Anordnung des Bundespräsidenten sind, werden sie in der zivilen Umgangssprache und häufig informell auch innerhalb der Bundeswehr zu den Offizieranwärtern gezählt und fallen auch in amtlichen Dienstvorschriften und Verordnungen ohne weitere Differenzierung häufig in diese Gruppe.Man vergleiche beispielsweise die Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen und die Uniform der Soldaten (III(3)) und die Zentralvorschrift A1-2630/0-9804 – Anzugordnung für die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, die hinsichtlich der Uniform Regelungen treffen, die mit „Offizieranwärtern“ alle Anwärter auf einen Dienstgrad der Offiziere einschließlich der Sanitätsoffizier-Anwärter und Militärmusikoffizier-Anwärter meinen.

Eine besondere Stellung nehmen die Offiziere des militärfachlichen Dienstes ein, welche mit der Ernennung zum Leutnant in das Dienstverhältnis eines Berufssoldaten übernommen werden.

Es handelt sich um eine laufbahnrechtliche Einstufung der Soldaten. Hinsichtlich Besoldung, Befehlsgewalt im Sinne der Vorgesetztenverordnung, der zulässigen und üblichen Dienststellungen usw. sind Offizieranwärter den entsprechenden Mannschaftsdienstgraden und Unteroffizieren ohne und mit Portepee (der entsprechenden Wehrdienstverhältnisse) gleichgestellt.

Dienstgradbezeichnungen und Zusätze

Offizieranwärter tragen die gewöhnlichen Mannschaftsdienstgrade.Gilt unverändert für Sanitätsoffizier-Anwärter und Militärmusikoffizier-Anwärter Die Dienstgrade für Unteroffiziere werden nur teilweise unverändert geführt. Offizieranwärter in Heeres- oder Luftwaffenuniform führen statt der Dienstgrade Unteroffizier, Feldwebel und Hauptfeldwebel die Dienstgradbezeichnungen Fahnenjunker, Fähnrich und Oberfähnrich; bei Marineuniformträgern werden statt der Dienstgrade Maat, Bootsmann und Hauptbootsmann die Dienstgrade Seekadett, Fähnrich zur See und Oberfähnrich zur See geführt. Im Schriftverkehr führen Offizieranwärter hinter ihrer Dienstgradbezeichnung wo nötig die Zusätze „(Offizieranwärterin)“, „(Offizieranwärter)“ oder kurz „(OA)“ bzw. „(Reserveoffizier-Anwärterin)“, „(Reserveoffizier-Anwärter)“ oder kurz „(ROA)“.Gilt nicht für Sanitätsoffizier-Anwärter und Militärmusikoffizier-Anwärter. Diese tragen gemäß Soldatenlaufbahnverordnung die Zusätze „(Sanitätsoffizier-Anwärter)“, „(Sanitätsoffizier-Anwärterin)“, „(Militärmusikoffizier-Anwärter)“, „(Militärmusikoffizier-Anwärterin)“ bzw. „(SanOA)“ und „(MilMusikOA)“ hinter allen Dienstgraden. Bei den Dienstgraden Fahnenjunker, Fähnrich, Oberfähnrich, Seekadett, Fähnrich zur See und Oberfähnrich zur See wird auf die Dienstgradzusätze verzichtet, weil diese Dienstgrade nur von Offizieranwärtern getragen werden.

Abweichend von den Bestimmungen der Soldatenlaufbahnverordnung werden bei den Kurzbezeichnungen in der Praxis die Klammern häufig weggelassen.

Jahrgänge Die Offizieranwärter des Truppendienstes der Teilstreitkräfte Heer und Luftwaffe werden in Offizieranwärterjahrgänge (OAJ) zusammengefasst, die der Marine in Crews.

Der 1. OAJ des Heeres begann am 2. Januar 1956. Im April 1963 startete der 18. OAJ. Die OAJ des Heeres beginnen seit spätestens 2000 (70. OAJ) einmal jährlich Anfang Juli. Im Juli 2022 begann der 92. OAJ. Die Offizieranwärter des Truppendienstes des Heers wählen für ihren Jahrgang an der Offizierschule des Heeres eine historische Persönlichkeit im Einklang mit dem Traditionserlass als Namensgeber ihres Jahrgangs. Der Jahrgangsname des 71. OAJ ist Claus Schenk Graf von Stauffenberg, des 74. OAJ Friedrich Wilhelm von Seydlitz, des 83. OAJ Johann Friedrich Adolf von der Marwitz und des 84. OAJ Erwin von Witzleben.

Die Bezeichnung der Crews der Marine richtet sich nach dem Einstellungsmonat als römische Zahl und dem Jahr (bis 1999 zweistellig, danach vierstellig) als arabische Zahl (Beispiel: Crew VII/2022). Seit 1974 beginnt die Ausbildung der Offizieranwärter des Truppendienstes der Marine im Juli. Sowohl die Offizieranwärter des Militärfachlichen Dienstes als auch die Reserveoffizieranwärter beginnen ihre Ausbildung im Januar.

Zulassung mini|Gereon-Kaserne in Köln: Standort des Assessmentcenter für Führungskräfte der Bundeswehr Maßgebliche gesetzliche Grundlagen für die Zulassung zu einer der Laufbahnen trifft die Soldatenlaufbahnverordnung (SLV) und ergänzend die ehemalige Zentrale Dienstvorschrift (ZDv) 20/7.Ehemalige ZDv 20/7 auf Grundlage der Soldatenlaufbahnverordnung ( )

Zulassung zur Laufbahn der Offiziere des Truppendienstes Als Offizieranwärter für die Laufbahnen der Offiziere des Truppendienstes kann eingestellt werden, wer zwischen 17 und 29 Jahre alt ist und mindestens einen Realschulabschluss hat. Die Auswahl erfolgt am Assessmentcenter für Führungskräfte der Bundeswehr. Daneben können Unteroffiziere mit Portepee aller Laufbahnen unabhängig von schulischer Vorbildung und Alter in eine der Laufbahnen der Offiziere des Truppendienstes wechseln, wenn sie an einem Auswahllehrgang erfolgreich teilgenommen haben; kein Auswahllehrgang ist für eine Einstellung als Reserveoffizier-Anwärter im Truppendienst nötig.

Ein kleiner Teil der Offizieranwärter (etwa 1 bis 2 % je Jahrgang) wird direkt als Berufsoffizieranwärter (BOA) eingestellt. Die Auswahl erfolgt nach den Ergebnissen am Assessmentcenter für Führungskräfte der Bundeswehr anhand einer Bestenauslese und in der Regel unabhängig vom geplanten Werdegang. Voraussetzung ist die allgemeine Hochschulreife, die fachgebundene Hochschulreife, die Fachhochschulreife oder Gleichwertiges. Nach Beförderung zum Leutnant erfolgt die Übernahme in das Dienstverhältnis des Berufssoldaten mit einer Probezeit von vier Jahren.

Zulassung zur Laufbahn der Offiziere des militärfachlichen Dienstes Die Zulassung zu einer der Laufbahnen der Offiziere des militärfachlichen Dienstes kann nur für Unteroffiziere erfolgen. Wie für die entsprechende Laufbahnen des Truppendienstes ist die Mittlere Reife nötig. In der Regel werden nur Dienstgrade ab Feldwebel zugelassen; im Flugsicherungskontrolldienst und im fliegerischen Dienst können abweichend auch Unteroffiziere und Stabsunteroffiziere zugelassen werden, wenn sie einen verwendungsbezogenen Eignungsnachweis erbringen.

Dienstgradabfolge Dienstgradabfolge der Offizieranwärter im Truppendienst Während ihrer Ausbildung durchlaufen die Offizieranwärter nacheinander die Mannschafts- und Unteroffizierdienstgrade in den in der Soldatenlaufbahnverordnung vorgesehenen Fristen und der dort vorgesehenen Dienstgradreihenfolge niedrigster Dienstgrad-Gefreiter-Obergefreiter-Fahnenjunker (bzw. Seekadett)-Fähnrich (Fähnrich zur See)-Oberfähnrich (Oberfähnrich zur See).Gemäß Soldatenlaufbahnverordnung muss der Dienstgrade Obergefreiter nicht durchlaufen werden. In der Praxis wird dieser Dienstgrade meist auch von Offizieranwärtern bekleidet. Reserveoffizieranwärter müssen den Dienstgrad Oberfähnrich (bzw. Oberfähnrich zur See) nicht durchlaufen und überspringen diesen Dienstgrad häufig. Die Dienstgrade Hauptgefreiter, Stabsgefreiter, Oberstabsgefreiter, Stabsunteroffizier, Oberfeldwebel, Stabsfeldwebel und Oberstabsfeldwebel (und entsprechende Dienstgrade für Marineuniformträger) können ebenfalls von Offizieranwärtern geführt werden. In der Praxis ist dies jedoch eher die Ausnahme. Meist handelt es sich dabei um Soldaten, die erst später aus einer Laufbahn der Laufbahngruppe der Mannschaften oder der Unteroffiziere in eine der Laufbahnen der Offiziere gewechselt sind. Die Beförderung zum Leutnant oder Leutnant zur See erfolgt dann in der Regel nach einer Dienstzeit von 36 Monaten.Nach der Soldatenlaufbahnverordnung kann die Beförderung zum Gefreiten nach drei Monaten, zum Obergefreiten nach sechs Monaten, zum Fahnenjunker nach zwölf Monaten, zum Fähnrich nach 21 Monaten, zum Oberfähnrich nach 30 Monaten und zum Leutnant nach 36 Monaten erfolgen (ebenso für entsprechende Dienstgrade für Marineuniformträger). An die Dienstzeit und entsprechende Fristen für Reserveoffizieranwärter werden geringere Voraussetzungen gestellt. Sie sind aber soweit aktiven Soldaten gleichgestellt, als dass Beförderungen erst nach Ablauf einer Zeit zulässig sind, die in einem aktiven Dienstverhältnis als Mindestdienstzeit vorausgesetzt wird.

Bei einem Laufbahnwechsel wird der bisherige Dienstgrad meist fortgeführt; nur die Dienstgrade Unteroffizier (bzw. Maat), Feldwebel (Bootsmann) und Hauptfeldwebel (Hauptbootsmann) werden mit dem Laufbahnwechsel in die entsprechenden Dienstgrade für Offizieranwärter überführt. Die Fristen seit Eintritt in die Laufbahn für die Beförderung in den nächsthöheren für Offizieranwärter vorgesehenen Dienstgrad werden auf Grundlage der im bisherigen Dienstgrad geleisteten Dienstzeit unter Berücksichtigung der in der Soldatenlaufbahnverordnung genannten Fristen gegebenenfalls um bis zu ein Jahr verkürzt.Im Einzelfall entscheidet das Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr über den Zeitpunkt der Beförderung in den nächsthöheren Offizieranwärterdienstgrad. Die Laufbahn wird dann in der Regel in der oben geschilderten Dienstgradabfolge fortgesetzt. Stabsfeldwebel (OA) (bzw. Stabsbootsleute (OA)) und Oberstabsfeldwebel (OA) (Oberstabsbootsleute (OA)) werden entsprechend mit Ende der Ausbildung zum Offizier zum Leutnant (Leutnant zur See) ernannt.