mini|Joseph Hermann Schmidt mini|Grabkreuze von Joseph Hermann Schmidt und seiner Frau auf dem Alten Domfriedhof der St.-Hedwigs-Gemeinde in Berlinwo-sie-ruhen.de Joseph Hermann Schmidt (* 14. Juni 1804 in Paderborn; † 15. Mai 1852 in Berlin) war ein deutscher Mediziner und Hochschullehrer.
Leben Schmidt war der Sohn des Arztes und Kreisphysikus von Paderborn Joseph Schmidt († 1827). Von 1821 bis 1825 studierte Schmidt an den Universitäten in Göttingen, Heidelberg, Bonn und Berlin. 1824 wurde er Mitglied des Corps Guestphalia Bonn.Kösener Corpslisten 1960, 10, 33; Martin Dossmann: Ein Bonner Corps in der Zeit zwischen den Karlsbader Beschlüssen und dem Ende der Weimarer Republik. Geschichte der Guestphalia Bonn 1820–1933. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2025, ISBN 978-3-8471-1871-8, S. 60, 125. 1825 promovierte er in Berlin. Im darauffolgenden Jahr absolvierte er die Staatsprüfung und praktizierte anschließend in seiner Heimatstadt Paderborn.
1827 schickte die Preußische Regierung Schmidt in Vertretung seines erkrankten Vaters nach Hövelhof und Stukenbrock, um dort die Ursachen einer Fieberepidemie zu erforschen, die in den 1820er Jahren dort ausgebrochen war. Auf Schmidts Anregungen wurden dort Bäche begradigt und vertieft. Die Epidemie konnte so erfolgreich bekämpft werden.Straßennamen der Gemeinde Hövelhof und ihre Bedeutung: (PDF; 13 kB)
Nach dem Tode des Direktors des Landeshospitals Ludwig Ficker im Jahre 1828 wurde Schmidt sein Nachfolger.Josef Freisen: Landeshospital, Kapuzinessenkloster, Genossenschaft der Barmherzigen Schwestern zu Paderborn. Paderborn 1902, S. 60 (Digitalisat) 1834 wurde er zum Direktor des neu gegründeten Hebammen-Lehrinstituts für die Regierungsbezirke Minden und Arnsberg berufen.Amts-Blatt der Königlich Preußischen Regierung zu Minden, Jg. 1834, S. 26 1838 wurde er zum Kreisphysikus ernannt.Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Minden, Jg. 1838, S. 338
1842 unterstützte er Pauline von Mallinckrodt, einer Schulfreundin seiner Frau Maria Everken (1813–1882), bei der Gründung einer Blindenschule in Paderborn.Die Vincke’sche Provinzial-Blindenanstalt für Westfalen zu Paderborn und Soest. Münster 1897 (Digitalisat)
Anfang der 1840er Jahre beteiligte sich Schmidt an der Diskussion über eine Medizinalreform in Preußen und veröffentlichte mehrere Schriften dazu. Infolgedessen erhielt er 1844 eine Anstellung als vortragender Rat im Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten. Außerdem wurde er zum Professor und Direktor der Gebärabteilung der Charité in Berlin berufen.
Schmidt starb 1852 in Berlin an einer Lungenblutung. Er hinterließ sechs Kinder. Sein ältester Sohn Wilhelm (1834–1855) war Mitbegründer des Berliner Katholischen Lesevereins (jetzt: KStV Askania-Burgundia Berlin im KV). Er kam bei einem Schiffsunglück 1855 ums Leben. Sein Sohn Karl machte sich als juristischer Schriftsteller einen Namen. Sein jüngster Sohn Otto war Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses und ab 1893 des Deutschen Reichstags.
In Hövelhof wurde die Dr.-Schmidt-Straße nach ihm benannt. Im Paderborner Stadtteil Schloß Neuhaus trägt eine Förderschule seinen Namen.Hermann-Schmidt-Schule
Schriften (Auswahl) Beyträge zur Staats-Arzney-Wissenschaft, 1. Band, auch unter dem Titel: Gutachtlicher Bericht an das Kgl. Preußische Hohe Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medicinalangelegenheiten und die Kgl. hochlöbliche Regierung zu Minden über das europäische Sommerfieber, mit besonderer Bezugnahme auf die Epidemie, welche im J. 1827 in den Moorgegenden des Kreises Paderborn geherrscht hat. Paderborn 1830 (mit 22 Kupfertafeln) Zwölf Bücher über Morphologie überhaupt und vergleichende Noso-Morphologie. Berlin 1831 Hundert Aphorismen über humanes Leben. Paderborn 1841 Die Reform der Medicinal-Verfassung Preussens. Berlin 1846 Zur gerichtlichen Geburtshülfe. Berlin 1851
Literatur Alexander Göschen: Nekrolog. In: Deutsche Klinik, Band 4 (1852) (Digitalisat) Deutscher Apotheker-Verein: Biographisches Denkmal, Dr. Joseph Hermann Schmidt. In: Archiv der Pharmazie, Band 120 (1852), 3. Heft, S. 345–349 (Digitalisat) August Hirsch: Biographisches Lexikon der hervorragenden Aerzte aller Zeiten und Völker. Band 5 (1887), S. 243–245 (Digitalisat)
Fraatz, Paul: Der Paderborner Kreisarzt Joseph Hermann Schmidt. Berlin 1939
Einzelnachweise
Weblinks
Joseph Hermann Schmidt. In: Westfälische Biographien, hrsg. von Altertumsverein Paderborn und Verein für Geschichte Paderborn.
Kategorie:Gynäkologe, Geburtshelfer Kategorie:Mediziner (19. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Charité) Kategorie:Geheimer Medizinalrat Kategorie:Träger des Roten Adlerordens 3. Klasse Kategorie:Person (Paderborn) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1804 Kategorie:Gestorben 1852 Kategorie:Mann Kategorie:Corpsstudent (19. Jahrhundert) Kategorie:Absolvent der Humboldt-Universität zu Berlin