mini|Stadtkirche St. Michael, Südseite miniatur|Die Kirche von Nordosten um 1614, eine der frühesten Ansichten der Kirche.

Die evangelisch-lutherische Stadtkirche St. Michael im mittelfränkischen Fürth war lange Zeit Mittelpunkt des kirchlichen Lebens der Stadt (Parochialkirche). Der Erzengel Michael als Patron der Stadtkirche ist seit dem 13. Jahrhundert auch Stadtpatron.

Geschichte mini|Südansicht mit Friedhof und Pfarrhäusern (rechts) nach einem Stich von Johannes Alexander Boener aus dem Jahre 1704 mini|Nordansicht mit Heilig-Grab-Kapelle nach einem Stich von Johannes Alexander Boener aus dem Jahre 1704

Am 1. November 1007 wurde Fürth erstmals mit Sicherheit in einer Urkunde erwähnt. In der Synode von Frankfurt übereignete Heinrich II. Fürth einschließlich der vorhandenen Kirchen dem Domkapitel Bamberg, wobei die Aufzählung in der Urkunde keine Rückschlüsse auf die Zahl der damals vorhandenen Kirchen zulässt. Es wird vermutet, dass seinerzeit lediglich eine Martinskapelle vorhanden war, die sich nahe der Rednitz im Talgrund befand. Deren Pfarrei konnte jedoch erst nach dem Tod des Bischofs von Eichstätt Megingaud übertragen werden und erfolgte im Jahre 1016. Im Jahre 1349 wird in einer Urkunde erstmals die Michaeliskirche erwähnt. Dieser zweite Kirchenbau erfolgte unter Umständen wegen des neuen Landesherren, da St. Martin als einzige Kirche in Fürth noch zum Bistum Eichstätt gehörte. Die Verteilung der Einnahmen erfolgte seinerzeit nach dem Schlüssel 1/3 an St. Michael und 2/3 an St. Martin, was die zunächst noch höhere Bedeutung von St. Martin zeigt. In der Urkunde ist auch eine Verpflichtung der Prozession nach St. Martin mit Reliquien und Fahnen enthalten. Anlass der Urkunde war die Loslösung von St. Johannis in Burgfarrnbach wegen des häufigen Hochwassers an der (damals eventuell weiter westlich gelegenen) Rednitz, das den Zugang zu St. Martin versperrte. Im Jahre 1362 wurde St. Martin erstmals als Nebenkirche bezeichnet, die Prozessionspflicht zur älteren Kapelle blieb erhalten.

In einer Papsturkunde aus dem Jahre 1235 wird die Kapelle St. Lorenz zum Heiligen Grab als Filialkirche der Fürther Kirche bezeichnet, letztere war vermutlich noch St. Martin. Im Jahre 1258 wurde das Verhältnis der Kirchen als Unionsverhältnis beschrieben, das wohl 1237 bis 1354 bestand, verwaltet von einem gemeinsamen Oberpfarrer. Aber um 1300 war St. Lorenz schon die bedeutendere Kirche. Die Bamberger Pfarrer wählten eher Nürnberg als Residenz, schon vor 1243 hatte der Oberpfarrer Sitz in Nürnberg, der gemeinsame Oberpfarrer war weiterhin Geistlicher des Bamberger Domkapitels. Laut den päpstlichen Bullen von 1388/1402 bestand auf St. Lorenz und St. Sebald kein Vorrecht der Bamberger Kanoniker mehr, die Oberpfarrer hatten Residenzpflicht. In weiteren Urkunden von 1474 und 1513 wird das Besetzungsrecht der Fürther Pfarrstellen seitens des Oberpfarrers in Nürnberg erwähnt, 1477 die Ernennung der Oberpfarrer zu Pröbsten. Damit wurden die Fürther Pfarrer nicht nur von Nürnberg aus eingesetzt, sondern unterstanden auch der dortigen Gerichtsbarkeit.

Folglich lag bis spätestens 1258 (sicher bis 1235) die Kirchenhoheit in Fürth, der Sitz wurde aber schon vor 1243 nach Nürnberg verlegt, weswegen das Unionsverhältnis vermutlich zwischen 1235 und 1243 begann; von spätestens 1258 bis 1354/1388 herrschte ein Unionsverhältnis; zwischen 1354/1388 und 1513 übernahm Nürnberg die Kirchenhoheit.

Dementsprechend folgte Fürth auch der Reformation in Nürnberg (5. Juni 1524), die in Fürth zwischen 1524 und 1526 vollzogen wurde. Dies komplizierte die sogenannte Dreiherrschaft in Fürth weiter, das Hochstift Bamberg, die Burggrafen von Nürnberg bzw. ab 1415 die Markgrafen Brandenburg-Ansbach und die Reichsstadt Nürnberg konkurrierten um die Oberhoheit in der Stadt. Mangels genauen Datums gilt der 3. September 1528 (erste Visitation) als Beginn der Reformation in Fürth. Nach dem Abgang der Martinskapelle vermutlich im Dreißigjährigen Krieg blieb St. Michael bis 1824 die einzige Kirche in Fürth. (Heinrich Habel).Heinrich Habel: Stadt Fürth (= Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege [Hrsg.]: Denkmäler in Bayern. Band V.61). Karl M. Lipp Verlag, München 1994, ISBN 3-87490-571-3, S. 196 ff. (Zitat: S. 198)Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde St. Michael Fürth (Hrsg.): Sankt Michael zu Fürth – Aus dem Leben einer evangelischen Gemeinde (Festschrift zum Abschluss der Renovierung am 1. Oktober 1978). Fürth 1978, S. 11 ff.Hermann Probst: Verlorene Kunstwerke der Fürther St. Michaeliskirche. In: Fürther Heimatblätter, 1959/7, S. 117 ff.Adolf Schwammberger: Fürth von A bis Z – Ein Geschichts-Lexikon. Neustadt an der Aisch 1968, ISBN 3-923006-33-0. S. 206 ff.Georg Stolz: St. Michael Fürth. Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2007, ISBN 978-3-422-02107-5, S. 2 ff.Hans-Otto Schmitz: Der Kirchberg von St. Michael in Fürth aus der Sicht von Kupferstechern und Kartografen. In: Fürther Heimatblätter, 2001/1, S. 1 ff.Michael Kleiner. Unterm Sternenhimmel. 1000 Jahre Bistum Bamberg. Die Geschichte in Lebensbildern. Heinrichs-Verlag, Bamberg 2007, ISBN 978-3-89889-051-9, S. 19 ff.

Von 1923 bis 1964 war die Komponistin Frieda Fronmüller Organistin und Chorleiterin, ab 1955 Kirchenmusikdirektorin an St. Michael.

Am 3. Juni 2018 wurde aus der Kirche der ZDF-Fernsehgottesdienst gesendet.

Baugeschichte und äußere Gestalt mini|Nordseite

Die Baugeschichte der Kirche ist nicht vollständig geklärt, kann aber grob in vier Phasen unterteilt werden: Das Langhaus entstand um 1100 und ist damit der älteste erhaltene, aber später häufig umgestaltete Teil der Kirche. Auf dem Langhaus finden sich an der Nord- und der Südseite romanische Steinmetzzeichen. Eine Umgestaltung erfuhr es unter anderem durch den nachträglichen Anbau des 45 Meter hohen Turmes, der bis 1824 als einziges Wahrzeichen der Stadt galt. Wahrscheinlich wurde mit dem Turm ein alter Zugang zur Kirche verbaut, neben dem selten benutzten Portal auf der Westseite entstand an der Südseite des Langhauses der heute in der Regel genutzte Eingang. Der Kirchturm mit vier Hauptgeschossen bis zur heutigen Turmgalerie entstand 1380/90, das Portal wird aufgrund stilistischer Vergleiche mit Nürnberger Kunstwerken auf 1390/1410 datiert. Der Chor wurde um 1480 angebaut. Der oktogonale Turmaufsatz oberhalb der heutigen Turmgalerie wurde 1520/1530 zugefügt. Die neugotische Sakristei wurde 1886 zugefügt, gleichfalls ein später wieder entfernter Emporenaufgang über der spätgotischen Vorhalle am Südeingang.

Das Gradmaß der Längsachse der Kirche beträgt ca. 130°, die Orientierung der Kirchenachse nach Südosten – auf den Sonnenaufgangspunkt am Martinstag – lässt ein ursprüngliches Martins-Patrozinium oder eine Reverenz an die vermutlich schon karolingische Martinskapelle im Talgrund vermuten.

Der Turm entstand somit teilweise vor, teilweise nach dem Bau des Chores. Der Wehrturm (7,5 × 7,5 Meter Grundmaße, 45 Meter hoch) war bis zum Bau des Rathausturmes das höchste Gebäude Fürths und ist nachträglich an das Langhaus angebaut (vorher gab es vermutlich keinen Turm). Im Dreißigjährigen Krieg tat ein bezahlter Wächter auf dem Turm seinen Dienst. Ursprünglich (bis 1885) gab es nur einen schmalen Eingang vom Kircheninnern zum Turm. Ausweislich abweichender Steinmetzzeichen und der schlechteren Bauqualität muss der oktogonale Turmaufsatz später (1520/1530) aufgesetzt worden sein. Die Turmgalerie ist im fränkischen Bereich eher selten. Bis zum Zweiten Weltkrieg war an der Turmgalerie ein Kruzifix mit einem Relief angebracht, das Maria und Johannes zeigte und 1955 durch eine Kopie des Bildhauers Hasenschwanz ersetzt wurde. Die Turmuhr am 3. Obergeschoss ist schon auf einem Kupferstich von 1705 vorhanden, darunter befand sich ursprünglich eine eventuell ältere Sonnenuhr. Die vier Uhren am Turmaufsatz wurden erst um 1883 eingebaut, die Ziffernblätter mussten unter anderem nach Kriegsschäden mehrfach erneuert werden. Artillerie beschädigte den Turm im Zweiten Weltkrieg, da sich ab 12. April 1945 ein Gefechtsstand der Wehrmacht im Turm befand, was den Amerikanern nicht verborgen blieb. Beim Beschuss gingen auch die Emaille-Ziffernblätter der oberen Uhren zu Bruch, Reparaturen erfolgten 1948 und 1952. Im Jahre 1997 wurden die Ziffernblätter ausgetauscht.

Am Langhaus sind mehrere Epitaphe angebracht, so auf der Südseite (von Westen nach Osten) für Martin Leitzmann, 1754 von Friedrich Romsteck Gedenktafel Gustav Adolf, vom Fürther Künstler Konrad Mannert und angebracht am 28. August 1932 Oberstleutnant Johann von Mayenfeld von 1760

Auf der Westseite findet sich ein Epitaph für den Gerichtsschöffen Andreas Holzmann, gestiftet 1741, gegossen von Friedrich Romsteck.

miniatur|hochkant|Gedenktafel für die Heilig-Grab-Kapelle Auf der nördlichen Außenseite des Chors befindet sich eine Gedenktafel für die Heilig-Grab-Kapelle. Das Westportal wird von einer Kopie (1977) des Tympanons von 1380/90 überwölbt. Vor der Südseite der Kirche steht ein Wilhelm-Löhe-Denkmal von Johannes Götz aus dem Jahre 1928, eine Bronzebüste auf einem Granitsteinsockel mit drei Bronzereliefs.

Eine Ölberggruppe auf der Südseite des Chors wurde im 19. Jahrhundert entfernt.Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde St. Michael Fürth (Hrsg.): Sankt Michael zu Fürth – Aus dem Leben einer evangelischen Gemeinde (Festschrift zum Abschluss der Renovierung am 1. Oktober 1978). Fürth 1978, S. 61 ff.Heinrich Habel: Stadt Fürth (= Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege [Hrsg.]: Denkmäler in Bayern. Band V.61). Karl M. Lipp Verlag, München 1994, ISBN 3-87490-571-3, S. 198 ff.Adolf Schwammberger: Fürth von A bis Z – Ein Geschichts-Lexikon. Verlag für Kunstreproduktionen Schmidt, Neustadt an der Aisch 1968, ISBN 3-923006-33-0, S. 206 ff, 372.Georg Stolz: St. Michael Fürth. Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2007, ISBN 978-3-422-02107-5, S. 18 ff.

Ausstattung mini|Kircheninneres, Blickrichtung Chor und Altar Im Jahr 1675 nahm die Kirchengemeinde eine allgemeine Barockisierung der Kirche vor. Aufgrund des erheblichen Bevölkerungszuwachses in jener Zeit gab es 1689 Pläne für die Erweiterung der Kirche durch Querschiffe, die aber nicht verwirklicht wurden. Um die Kapazität der Kirche zu erhöhen, wurden stattdessen von 1629 bis 1704 Emporen eingebaut.

Verluste und zweifelhafte Veränderungen vor allem des 19. Jahrhunderts prägen die Kirche: Der sogenannte Kunigunden-Altar aus der Dürerzeit (1497 gestiftet) fiel einer Purifizierungswelle zum Opfer und wurde 1815 an den Nürnberger Kunsthändler Christoph d’Allemand verkauft, der ihn wiederum an die Gemeinde der St.-Salvator-Kirche in Nördlingen veräußerte, wo er noch heute steht.Beschreibung des Altars auf der Website von St. Salvator Eine „Renovierung“ durch den Nürnberger Akademiedirektor Albert Christoph Reindel von 1830 brachte weitere, heute allgemein als schmerzlich eingestufte Verluste: zwei Seitenaltäre, ein Messingtaufbecken von 1624, der spätgotische Taufstein, die Moseskanzel (von 1680) wurden unwiederbringlich entfernt. Reindel gab dem Innenraum sein heutiges romantisch-gotisierendes Gepräge: der Choraltar und die Kanzel sind in neugotischen Formen gehalten, auf die Emporenbrüstung wurde ein entsprechendes Steinmaßwerk aufgemalt und in dieser Fassung bei der letzten Renovierung wieder freigelegt.

Im Jahr 1881 baute man eine Sakristei an, 1885 wurden die Langhausfenster nach unten erweitert, 1886 ein südlicher Emporenaufgang über dem Eingang geschaffen, der aber 1975/78 wieder beseitigt wurde. 1885 kamen neugotische Ornamente hinzu, 1905 fand eine Umgestaltung in den Jugendstil statt, 1952 ließ die Gemeinde die Emporen dann einfarbig streichen. Die verschiedenen Schichten sind auf einem Brüstungsbrett neben der Orgel zu sehen.

Der raumprägende Kronleuchter stammt vom Fürther Kunstschmied Franz NüsselZu Nüssel vgl. Eintrag im FürthWiki: Franz Nüssel und wurde im Jahre 1961 aufgehängt, er symbolisiert das himmlische Jerusalem, dem die Gemeinde entgegengeht.