Die Burg Gräfenberg war eine mittelalterliche Burganlage in Gräfenberg im oberfränkischen Landkreis Forchheim. Sie lag westlich der heutigen Altstadt unmittelbar an der Kalkach im Bereich der Bahnhofstraße 11 bis 21. Die Burg war die ältere von zwei herrschaftlichen Befestigungen in Gräfenberg und ist vom späteren Schloss Gräfenberg bei der Stadtpfarrkirche zu unterscheiden. Die oberirdischen Teile der Anlage wurden im 16. und frühen 17. Jahrhundert weitgehend beseitigt; Reste haben sich in den Kellern späterer Gebäude erhalten.
Lage und Anlage Die Burg befand sich unmittelbar am Ufer der Kalkach, westlich des später ummauerten Stadtkerns. Ihre auf den ersten Blick wenig wehrhafte Tallage wird mit der Kontrolle der alten Fernstraße von Nürnberg nach Sachsen erklärt, die hier den Anstieg zur Fränkischen Alb überwinden musste. Die Anlage dürfte bereits vor dem Ausbau der Gräfenberger Stadtbefestigung entstanden sein. Der Burggraben konnte mit Wasser der Kalkach gespeist werden.
Eine Besitzteilung von 1477 enthält die erste genauere Beschreibung der Anlage. Genannt werden das Schloss mit Mauern, Zwingern, Gräben und Brücken sowie zwei Wiesen und ein Platz vor der Burg. Der Burgturm wurde zugleich als Gefängnis genutzt und sollte beiden damaligen Herrschaftsparteien zur Verfügung stehen.
Eine um 1500 entstandene Besitzaufstellung bezeichnete die Anlage bereits als „altes Schloss“. Zu dieser Zeit besaß sie einen Vorhof, zwei gemauerte Zwinger, einen Turm und ein befestigtes Vorwerk. Der damalige Besitzer Hans Tetzel schätzte einen vollständigen Neubau auf mehr als 3000 Gulden, den Wert der bestehenden Anlage dagegen nur noch auf etwa 400 bis 500 Gulden.
Geschichte
Anfänge und Haller von Hallerstein Die Entstehungszeit der Burg ist nicht sicher bekannt. In einer Urkunde des Klosters Weißenohe von 1172 erscheinen Sigehard und Wirnto „de Grevenberc“. Ob diese Personen bereits mit einer Burg in Gräfenberg verbunden waren, ist jedoch nicht nachzuweisen. Auch der 1243 genannte Ulrich von Grevenberg lässt sich nicht eindeutig als Ortsherr bestimmen. Die neuere Forschung geht daher davon aus, dass aus diesen frühen Namensnennungen nicht ohne Weiteres auf den Besitz einer Burg durch ein Geschlecht der Herren von Gräfenberg geschlossen werden kann.
1333 befand sich Gräfenberg im Besitz Konrads Graf zu Gräfenberg, dem Kaiser Ludwig der Bayer Markt- und Gerichtsrechte verlieh. Bereits 1337 wurden entsprechende Rechte des mit Konrad verwandten Nürnberger Bürgers Berthold I. Haller bestätigt.
Der erste sichere Nachweis einer befestigten Anlage stammt aus dem Jahr 1371. Berthold I. Haller trug damals „Markt und Haus Grevemberg“, die zuvor freies Eigen gewesen waren, König Karl IV. als König von Böhmen zu Lehen auf. Zugleich verpflichtete er sich, die als „Veste“ bezeichnete Anlage dem böhmischen König im Kriegsfall zu öffnen. Eine weitere Urkunde desselben Jahres gestattete ihm, Markt und Haus Gräfenberg nach Bedarf auszubauen.
Auch in den folgenden Jahrzehnten erscheinen die Befestigung und der Ort gemeinsam in den Urkunden. 1415 wurden ausdrücklich „Schloss, Veste, Markt und Gericht“ genannt. Diese Bezeichnungen bezogen sich nach heutiger Forschungsmeinung auf die Burg an der Kalkach und nicht auf das spätere Schloss bei der Kirche.
Abgrenzung zum späteren Schloss Im 15. Jahrhundert entstand bei der Stadtpfarrkirche ein zweiter herrschaftlicher Sitz, das zunächst als „Steinhaus“, später als „Steinhof“ oder „Großhaus“ bezeichnete heutige Schloss Gräfenberg. Beide Anlagen wurden in älteren Darstellungen teilweise miteinander verwechselt. Erst die Auswertung der Besitzteilungen ermöglicht eine eindeutige Trennung der beiden Herrensitze.
Bei der Teilung Gräfenbergs zwischen Angehörigen der Familien Tetzel und Haller im Jahr 1477 wurde ausdrücklich zwischen dem „Steinhof“ bei der Kirche und dem „Schloss“ an der Kalkach unterschieden. Ulrich VI. Haller erhielt die Burg mit Mauern, Zwingern, Gräben und Brücken, während der Steinhof an die Tetzel fiel. 1480 bestätigte König Vladislav II. von Böhmen diese Besitzteilung.
Niedergang der Burg Bereits wenige Jahre nach der Teilung befand sich die Burg offenbar in schlechtem Zustand. 1485 bat Ulrich VI. Haller den böhmischen König als Lehnsherrn um die Erlaubnis, auf seinen Gräfenberger Besitz bis zu 1000 Gulden aufzunehmen, um die baufällige Veste instand setzen zu können. Noch im selben Jahr nahm er bei seinem Vetter und Mitbesitzer Hans Tetzel dem Älteren 800 Gulden auf.
Nach Ulrich Hallers Tod im Jahr 1488 wurde sein Besitz unter seinen Söhnen Ulrich VII. und Bernhard aufgeteilt. Ulrich verkaufte seinen Anteil 1492 an Hans Tetzel, Bernhards Witwe Dorothea folgte 1496. Damit gelangte Hans Tetzel schließlich in den alleinigen Besitz Gräfenbergs.
Eine umfassende Instandsetzung der alten Burg unterblieb. Tetzel nutzte weiterhin das bequemere Steinhaus bei der Kirche als Wohnsitz. Die Burg verlor damit ihre Funktion und verfiel. Bereits 1520 wurde sie als „Burgstall“ bezeichnet; dieselbe Bezeichnung erscheint erneut 1561 und 1562.
Abbruch und Überbauung Nachdem die Reichsstadt Nürnberg Gräfenberg im Laufe des 16. Jahrhunderts vollständig erworben hatte, wurde über eine neue Nutzung des Burgareals beraten. Eine Nürnberger Kommission empfahl, die noch vorhandenen Gebäude abzubrechen und das gewonnene Steinmaterial für Neubauten und zur Ausbesserung der Stadtbefestigung zu verwenden.
Der Burgturm blieb zunächst bestehen und wurde weiterhin als Gefängnis verwendet; 1542 ist er noch nachweisbar. 1561 plante die Nürnberger Verwaltung, auf dem Burgstall acht Wohnhäuser anzulegen. In den Jahren 1563 und 1565 wurden größere Mauerreste der Burg niedergelegt. Das Abbruchmaterial wurde unter anderem zur Verstärkung der Stadtmauer an der Kalkach verwendet, die durch das Wasser unterspült wurde. Noch 1583 entnahm man Steine aus den Resten des alten Schlosses zur Reparatur der Stadtbefestigung.
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde das Burgareal zunehmend überbaut. 1607 entstand auf dem ehemaligen Burgstall ein Malzdörrhaus. Spätestens 1617 war auch der ehemalige Burgturm verschwunden. Auf seinen Fundamenten wurde ein als „Herrenhäuschen“ bezeichnetes Gebäude errichtet.
Erhaltene Reste Oberirdisch ist die Burganlage heute nicht mehr als solche erkennbar. Das Gelände ist mit Wohn- und Wirtschaftsgebäuden überbaut. Im Keller des auf dem Standort des ehemaligen Turms errichteten Gebäudes haben sich jedoch Fundamente mit einer Mauerstärke von etwa 1,6 Metern erhalten. In einem weiteren Keller auf dem ehemaligen Burgareal befinden sich rund 1,5 Meter starke Gewölbe beziehungsweise Mauerzüge, die mit der Burganlage in Verbindung gebracht werden.
Bei der großen Überschwemmung Gräfenbergs von 1778 wurde ein Gebäude am ehemaligen Burgplatz schwer beschädigt. Eine historische Darstellung zeigt auf der Bachseite ungewöhnlich massive Grundmauern, die möglicherweise noch zur mittelalterlichen Burg gehört hatten. Das betreffende Haus wurde 1792 abgebrochen.
Der ehemalige Schlossplatz lässt sich heute vor allem anhand der Geländesituation zwischen Bahnhofstraße, Kalkach und der westlichen Stadtmauer nachvollziehen. Das sogenannte Zagelhaus beziehungsweise ehemalige Malzdörrhaus steht auf einem Teil des früheren Burgareals.
Forschungsgeschichte Die beiden mittelalterlichen beziehungsweise frühneuzeitlichen Herrensitze Gräfenbergs wurden in der älteren Literatur nicht immer eindeutig voneinander getrennt. Aufgrund seiner Lage unmittelbar neben der Stadtpfarrkirche galt teilweise das spätere Pflegschloss als die ursprüngliche Burg Gräfenbergs.
Insbesondere die Untersuchungen von Hellmut Kunstmann und Gerhard Gundelfinger sowie die Auswertung der archivalischen Quellen durch Robert Giersch, Andreas Schlunk und Bertold von Haller ermöglichten eine genauere Trennung. Danach beziehen sich die Bezeichnungen „Haus“, „Veste“ und „Schloss“ des 14. und frühen 15. Jahrhunderts auf die Anlage an der Kalkach, während das Gebäude bei der Kirche seit 1469 zunächst als „Steinhaus“ bezeichnet wurde.
Literatur Gerhard Gundelfinger: Häuserchronik der Stadt Gräfenberg. Gräfenberg 2001, insbesondere S. 73–76, 168 f., 171, 341, 392–394, 416 und 433. Robert Giersch, Andreas Schlunk, Bertold Freiherr von Haller: Burgen und Herrensitze in der Nürnberger Landschaft. Ein historisches Handbuch. Selbstverlag der Altnürnberger Landschaft, Lauf an der Pegnitz 2006, ISBN 978-3-00-020677-1, S. 141–142. Hellmut Kunstmann: Die Burganlagen in Gräfenberg, ihre Besitzer und ihre Schicksale. In: Mitteilungen der Altnürnberger Landschaft. Band 10, Heft 1/2, 1961, S. 16–25.
Einzelnachweise
Koordinaten:
Gräfenberg, Burgstall Kategorie:Bauwerk in Gräfenberg