Obelos (, eigentlich „Spieß“ oder „Bratspieß“) ist in der antiken, insbesondere der alexandrinischen Philologie ein textkritisches Zeichen zur Markierung von für unecht oder verderbt gehaltenen Stellen, hauptsächlich in poetischen Texten, in Form eines waagrechten Striches am linken Textrand. Seine Einführung vor allem in der Homerkritik wird Zenodotos von Ephesos zugeschrieben. Zusammen mit Metobelos oder Asteriskos markierte der Obelos einen für interpoliert gehaltenen wiederholten Vers (versus iteratus).

Varianten Für das Zeichen haben sich verschiedene Varianten mit dann auch verschiedenen Bedeutungen herausgebildet:

Name Beschreibung Zeichen Codepunkt Unicode-Name Codeblock Anmerkung Geteiltzeichen mathematischer Operator (Symbol für Division) ÷ U+00F7 DIVISION SIGN Lateinisch-1, Ergänzung z. B. bei Origenes;Analog in der Neubearbeitung dieses Titels von Alexander Achilles Fischer (2009, ISBN 978-3-438-06048-8) auf S. 136. heute meist nur als Rechenoperator Minuszeichen mathematischer Operator − U+2212 MINUS SIGN Mathematische Operatoren Syrischer Obelos Markierungszeichen bei Thomas von Harqel ܋ U+070B SYRIAC HARKLEAN OBELUS Syrisch z. B. bei Origenes oder Thomas von Harqel Kreuz Interpunktionszeichen † U+2020 DAGGER Allgemeine Interpunktion moderne Form, in der Textkritik für Korruptelen verwendet

Verwendung Wie auch der Asteriskos (※) wurde der Obelos zusammen mit dem Metobelos (/., ⁒, oder 6px|rahmenlos|alt=Metobelos-Zeichen, zwei senkrecht zueinander stehende Striche, gemeinsam schräg gestellt) beispielsweise in der Hexapla gebraucht, um Textpassagen in der Septuaginta-Spalte zu markieren. Eine Passage, die mit Obelos vorne und Metobelos hinten eingerahmt war, stellte bei Origenes eine Ergänzung dar, die zwar in der Septuaginta, nicht jedoch im Urtext vorhanden war. Beispielsweise wäre in diesem Sinne in der hexaplarischen Rezension als ÷ zu verzeichnen gewesen.

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Satzzeichen Kategorie:Editionsphilologie