mini|Das erste Kök-Türkische Reich zur Zeit seiner größten Ausdehnung, um 600 n. Chr. Die frühen Türken, Kök-Türken ( oder , türkisch: GöktürklerGedenkstätte von Kultegin, TÜRIK BITIG) genannt, waren in der Spätantike eine in Zentralasien lebende türkische Stammeskonföderation. Die Kök-Türken eroberten das Steppenreich der Rouran (Chinesisch: 柔然; Pinyin: Róurán) und gründeten in Verbindung mit nomadischen Stämmen zwei Großreiche.Wolfgang-Ekkehard Scharlipp Die frühen Türken in Zentralasien, S. 30

Das Erste Türk-Kaganat entstand 552 und teilte sich in zwei Teile: Das westliche Türk-Kaganat, das bis 659, und das östliche Türk-Kaganat, das bis 630 bestand. Beide Kaganate wurden vom China der Tang-Dynastie erobert.

Das Zweite Türk-Kaganat entstand 682 und bestand bis 742; ihm folgte im Osten das Kaganat der Uiguren nach.

Häufig werden beide Reiche zusammenfassend als Kök-Türkisches Kaganat bezeichnet, in der modernen türkischen Literatur wird es auch genannt.

Name Die Bezeichnung der Kök-Türken in der modernen Literatur ist vielfältig. Die Eigenbezeichnung des herrschenden Stammes bzw. der Nomadenkonföderation in den Inschriften von Bugut und Orchon ist türk. Die chinesische Bezeichnung, die als älteste überliefert ist, lautete Tūjué (). Demzufolge ist in der modernen Literatur auch oft nur von „Türken“ die Rede. Zur Abgrenzung von der modernen Nation der Türken werden mit Zusätzen begriffene Bezeichnungen wie alte Türken, Alt-Türken,z. B. Sören Stark: Die Alttürkenzeit in Mittel- und Zentralasien. Archäologische und historische Studien. Ludwig Reichert, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-89500-532-9 Ost-Türkenz. B. Liu Mau-Tsai: Die chinesischen Nachrichten zur Geschichte der Ost-Türken (T’u-küe). Wiesbaden 1958. oder Kök-Türken,z. B. in: Hermann Kinder, Werner Hilgemann: dtv-Atlas zur Weltgeschichte. Band 1: Von den Anfängen bis zur Französischen Revolution. Karten und chronologischer Abriss. 6. Auflage. dtv – Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1970. im modernen türkeitürkischen Sprachgebrauch durchgehend Gök-Türken (Göktürkler) verwendet. Die Bezeichnung Ost-Türken kann dabei irreführend sein, weil das erste Reich der Türken in einen Ost- und einen Westteil gespalten war. „West-Türken“ o. ä. bezieht sich in diesem Kontext auf das Westliche Türk-Kaganat, neben anderen Bedeutungen aber auch auf die On-Ok (Zehn Stämme), die zur Zeit des zweiten Türk-Kaganats dort lebten und herrschten und dem Kaghan der Kök-Türken zeitweise unterworfen, zeitweise mit ihm verbündet oder auch verfeindet waren.

Die Bezeichnung Kök türk taucht in dieser Zusammenstellung in den alttürkischen Inschriften nur ein einziges Mal auf, die Bedeutung ist nicht zweifelsfrei geklärt.Wolfgang-E. Scharlipp: Zur Rolle der alttürkischen Runenschrift in der türkischen Gelehrtenwelt. In: Materialia Turcica. Band 17, Göttingen 1996, S. 77–86, S. 84. Das alttürkische Wort kök, im modernen Türkei-Türkisch gök bedeutet an sich ‚Blau‘ oder ‚Himmel‘ und wird traditionell mutmaßlich als Blau gemäß mittelasiatischer Farborientierung im Sinne von „Türken des Ostens“ aufgefasst.Peter B. Golden: An Introduction to the History of the Turkic Peoples. S. 133–134, 136. Mitunter wird der Name auch mit „Himmelstürken“ übersetztXavier de Planhol: Kulturgeographische Grundlagen der islamischen Geschichte. Artemis, 1975, S. 23; Imanuel Geiss: Über Elçin Kürsat-Ahlers, Zur frühen Staatenbildung von Steppenvölkern. (Rezension) In: Historische Mitteilungen. Band 9, 1996, S. 118 ff., 121. oder als „Wurzeltürken“.Wolfgang-Ekkehard Scharlipp: Zur Rolle der alttürkischen Runenschrift in der türkischen Gelehrtenwelt. In: Materialia Turcica. Band 17, 1996, S. 79–86, S. 84, von türkei-türkisch kök, deutsch ‚Wurzel‘

Früher wurde der Name Türk auch nur mit der herrschenden Sippe verbunden, die dem Volk der Türk-Oghusen entstammt sein soll,Wilhelm Barthold: Zwölf Vorlesungen über die Geschichte der Türken Mittelasiens. Berlin 1935, S. 31. doch sind nach neuerer Ansicht Türken und Oghusen als voneinander geschiedene Konföderationen anzusehen.Milan Adamovic: Die alten Oghusen. In: Materialia Turcica. Band 7/8, Bochum 1983, S. 26–50, 31 ff.

Die genaue Bedeutung und Herkunft des Namens türk ist nicht geklärt, doch wurde er in späteren (früh-)türkischen Mundarten mit ‚mächtig‘ und ‚stark‘ gleichgesetzt.Faruk Sümer: Oğuzlar (Türkmenler): tarihleri, boy teşkilatı, destanları. Türk Dünyası Araştırmaları Vakfı, 1992, S. 16. In der westlichen Forschungsliteratur wurde vor allem eine Herkunft aus dem alttürkischen Verb für "sprießen, aufkommen, entspringen" (türe-) favorisiert. Laut Barthold handelt es sich um das türkische Wort für Brauch, Sitte, Ethos (töre).Hasan Poor Golmohammad: "İslam Öncesinde Türk-Iran Kültür İlişkileri", Istanbul, 2011 (Dissertation). Seiten 204–209.

Peter B. Golden z. B. führt den Ursprung des Wortes „türk“ (), dessen Bedeutung in der chinesischen Sui Shu () als „Helm“ angegeben wird, wie auch den Stammesnamen Aschina, auf die sakischen Dialekte von Hotan zurück. Hervorgehoben wird die Bedeutung „Lid“ im Sakischen (im Sinne von „Deckel“ oder „Schutzklappe“; vgl. neupersisch / tark / „Hut, Helm“).F. Steingass; A Comprehensive Persian-English Dictionary. Routledge Chapman & Hall, 1998, S. 295. In dieser Hinsicht „sei es schwer, die Schlussfolgerung zu meiden,“ die türk hätten mindestens intensive Beziehungen, „wenn nicht sogar ihre Wurzeln im irano-tocharischen Ost-Turkistan.“P. B. Golden: The Origins and Shaping of the Turkic Peoples. In: Victor H. Mair (Hrsg.): Contact And Exchange in the Ancient World. Honolulu 2006, S. 142 f. Dabei handelt es sich jedoch lediglich um spekulative Hypothesen, da in diesem Zusammenhang die ethnische Zugehörigkeit der Skythen bis heute nicht zweifelsfrei geklärt ist.Jürgen Paul: Zentralasien (Neue Fischer Weltgeschichte 10). Frankfurt am Main 2012, S. 57–58: "Dass viele von ihnen iranische Sprachen gesprochen haben, soll nicht unerwähnt bleiben, aber es ist sicher, dass die kulturellen Merkmale auch von anderen ethnisch-linguistischen Gruppen repräsentiert werden. Es ist nicht ganz klar, ob zur skythischen Konföderation nicht auch Gruppen gehört haben ... die also z. B. keine iranische Sprache sprachen."Peter B. Golden: "Ethnogenesis in the Tribal Zone: The Shaping of the Türks". In: Archivum Eurasiae Medii Aevi 16, 2011, S. 5–7 (Reprinted with addenda in Peter B. Golden, Studies on the Peoples and Cultures of the Eurasian Steppes, ed. C. Hriban, Florilegium magistrorum historiae archaeologicaeque Antiquitatis et Medii Aevi, IX (Bucharest-Brăla 2011): Seiten 17-64): “It is not unlikely that some of the peoples who appear in the Greek sources as “Scythians” and as “Saka” in Old Persian may have been speakers of other, non-Iranian languages who were included in the polyglot confederations typical of the Eurasian steppe world. These may have included Turkic-speakers who had come westward.” Hasan Poor Golmohammad deutet diese These als zufällige Ähnlichkeit. Dagegen vermutete der ungarische Philologe und Ethnologe Bernhard Munkácsi in der vom Sui Shu gegebenen Etymologie einen Fehler, der darauf zurückgehe, dass die Chinesen das türkische r mit einem l wiedergaben und dabei auf das türkische Wort für „Helm“ stießen und verweist auf osm. tulya, kum., kkir. túlya, kir. dúlya, tschag. dúluya, mong. duyulya, und burj. dúlya.Bernhard Munkácsi, "Die Bedeutung des Namens der Türken", in: Gyula Németh, Kőrösi Csoma-Archivum, Band 1. (1921–1925), H. Lafaire, Leiden Brill, Neuauflage 1967, S. 59 ff.

Das Sui Shu stellt an der gleichen Stelle eine ganz andere Ursprungslegende gleichrangig daneben.Liu Mau-Tsai, Die chinesischen Nachrichten zur Geschichte der Ost-Türken (T'u-küe), Band 1, Wiesbaden 1958, S. 40 f. Ebenso bietet das Zhou Shu verschiedene Ursprungslegenden.Liu Mau-Tsai, Die chinesischen Nachrichten zur Geschichte der Ost-Türken (T'u-küe), Band 1, Wiesbaden 1958, S. 5 f. Bemerkenswert ist, dass sowohl Pomponius Mela als auch Plinius der Ältere im 1. Jahrhundert n. Chr. die "Tyrcae/Turcae" erwähnen, ein Stamm, der in den Wäldern nördlich des Asowschen Meeres in den östlichen Gebieten der Pontischen Steppe lebte.

Die Angehörigen des herrschenden Clans führen nach der chinesischen Überlieferung den Familiennamen Aschina, die des im Rang folgenden Clans den Familiennamen Aschide.Liu Mau-Tsai: Die chinesischen Nachrichten zur Geschichte der Ost-Türken (T’u-küe). Band 1, Wiesbaden 1958, S. 40; Sören Stark: Die Alttürkenzeit in Mittel- und Zentralasien. Wiesbaden 2008, S. 101.

Zentralasien vor den Türk Die Steppen- und Wüstenregionen Zentralasiens wurden von verschiedenen nomadischen und sesshaften Völkern bewohnt. Das einflussreichste war das sesshafte Volk der iranischen Sogder, die den Handel über die Seidenstraße dominierten. Dieses Volk wird mit den ebenfalls iranischsprachigen, aber nomadischen Skythen in Verbindung gebracht. Die Skythen waren das erste Nomadenvolk Zentralasiens, das bei seinen Kriegszügen auf die Verwendung von pferdebespannten Streitwagen setzte. Auch war ihnen die Verarbeitung von Eisenerz bekannt. Die Skythen waren aber nicht allein ein Krieger-, sondern auch ein Handelsvolk, das zeitweise die osteuropäischen Steppengebiete beherrschte und teilweise mit den griechischen Städten am Schwarzen Meer und Persien in Verbindung stand.

mini|Einflussbereich der Xiongnu Das China der Han-Dynastie nahm die nördlich seiner Grenzen lebenden barbarischen Steppennomaden erst wahr, als eines dieser Völker begann, regelmäßig in das chinesische Herrschaftsgebiet einzufallen. Dieses Steppenvolk war eine Föderation verschiedener zentralasiatischer Stämme, unter denen auch zahlreiche türkischsprachige waren. Die Chinesen nannten dieses Steppenvolk „Xiongnu“ und es fand deswegen Eingang in die chinesischen Chroniken, weil China ihm damals Tribute zahlen musste (siehe heqin). Das Steppenreich der Xiongnu stellte von ca. 200 v. Chr. an für mehr als zwei Jahrhunderte eine potentielle Bedrohung Chinas an dessen Nordgrenze dar.

Der südliche Teil der Xiongnu unterwarf sich Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. den Chinesen, der nördliche Teil geriet Ende des 1. Jahrhunderts unter verstärkten chinesischen Druck und wurde schließlich von den Truppen der Han und ihren Verbündeten vernichtet. Die auf chinesischem Territorium lebende Gruppe der südlichen Xiongnu erhob sich im frühen 4. Jahrhundert gegen die Jin-Dynastie und errichtete zwei Dynastien mit festen Machtzentren, die ebenfalls Xiongnu oder Hu genannt wurden: Zuerst die Frühe Zhao- oder Han-Zhao-Dynastie von 304 bis 329, danach die Spätere-Zhao-Dynastie von 329–352 n. Chr. Beide Dynastien waren zwar noch nomadisch-vorstaatlich, aber sie standen in engem politischen Verhältnis zum damaligen China. Anführer der südlichen Xiongnu wie Liu Yuan und Liu Cong waren zudem sinisiert; der chinesische Kultureinfluss auf die Xiongnu nahm im Laufe der Zeit immer mehr zu. Unter den vielen Stämmen der Xiongnu soll auch ein Stamm gewesen sein, der sich als A-shih-na oder Türk bezeichnet haben soll. Der Legende nach waren diese Türk die Waffenschmiede der Xiongnu.

Später bildete sich die nomadische Stammesföderation der Xianbei, von der die chinesischen Chroniken im 5. Jahrhundert berichteten. Die Xianbei wurden von der türkischen Tuoba-Dynastie der Tabgatsch unterworfen, wie auch Teile der südlichen Hu. Diese südlichen Hu werden heute als türkisch angesehen. Die Tuoba-Dynastie herrschte vor allem in jenen Gebieten, die später die Region Xinjiang ausmachten.

Mythos