mini|Einer der alten Unterkunftsblöcke an der Cuxhavener Straße mini|Östliche Toranlage im Umbau zur Senioren-Wohnanlage
Die Röttiger-Kaserne war eine Kasernenanlage in Hamburg-Neugraben-Fischbek, die von 1940 bis 2004 militärisch genutzt wurde. Auf dem ehemaligen Kasernen-Gelände entstand das Wohnquartier Fischbeker Heidbrook.
Geschichte NS-Staat und Zweiter Weltkrieg Als Panzer-Kaserne FischbekThomas Hirschbiegel: Wo früher Panzer fuhren wird bald gewohnt. In: Hamburger Morgenpost, 28. Juli 2013. Abgerufen am 12. Januar 2015. wurde 1938 mit dem Bau der Anlage für die Wehrmacht begonnen, die zur Unterbringung von Panzereinheiten vorgesehen war. Durch den Bau des Westwalls kam es jedoch zu Verzögerungen, die Bauarbeiten wurden 1939 zunächst ganz eingestellt. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs konnten mit einem Marinebaubataillon die Baumaßnahmen wieder fortgesetzt werden. 1940 waren einzelne Gebäude fertig. Bis 1942 wurde noch weitergearbeitet.
In den vollendeten Kasernengebäuden fanden Teile des seit 10. April 1943 in der Scharnhorst-Kaserne stationierten Pionierersatz- und Ausbildungsbataillon 20 sowie der seit 7. April 1943 in der Dominik-Kaserne beheimateten Panzerjägerersatz- und Ausbildungsabteilung 20 ihre Unterkunft.Heiner Wember: Umerziehung im Lager: Internierung und Bestrafung von Nationalsozialisten in der britischen Besatzungszone Deutschlands. Düsseldorfer Schriften zur neueren Landesgeschichte und zur Geschichte Nordrhein-Westfalens, Band 30. Klartext-Verlag 1991, S. 87 f.Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Vierter Band, Die Landstreitkräfte 15–30, hrsg. vom Bundesarchiv-Militärarchiv, hrsg. mit Unterstützung des Arbeitskreises Wehrforschung, Verlag E. S. Mittler & Sohn GmbH, Frankfurt am Main o. J., S. 140 und 142
Britische Besatzung und zivile Zwischennutzung Nach Kriegsende übernahm die britische Armee das Gelände und errichtete im Mai 1947 hier zur Entnazifizierung das War Criminals Holding Centre No. 2, in dem sie im Sommer 1947 mutmaßliche Kriegsverbrecher aus der gesamten britischen Besatzungszone zusammenzog. Im Herbst 1947 waren 1200 Personen inhaftiert, gegen die teilweise in Hamburg Strafprozesse stattfanden. Zudem wurden Gefangene in Länder verbracht, die dort angeklagt werden sollten. Entsprechend reduzierte sich die Zahl der Inhaftierten auf 811 am 28. November 1947. Ende Februar 1948 wurde das Lager aufgegeben.Heiner Wember: Umerziehung im Lager: Internierung und Bestrafung von Nationalsozialisten in der britischen Besatzungszone Deutschlands. Düsseldorfer Schriften zur neueren Landesgeschichte und zur Geschichte Nordrhein-Westfalens, Band 30. Klartext-Verlag 1991, S. 88 f. Ab April 1948 ging es einschließlich der zahlreich aufgestellten Nissenhütten in die Verantwortung der Hamburger Sozialverwaltung über, die ein Siechenheim für kranke und kriegsversehrte Personen errichtete.Uta Krukowska: Kriegsversehrte. Allgemeine Lebensbedingungen und medizinische Versorgung deutscher Versehrter nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in der Britischen Besatzungszone Deutschlands – dargestellt am Beispiel der Hansestadt Hamburg, Hamburg 2006, S. 78 f. m. w. N. 1949 entstand zudem ein Altenpflegeheim mit 1300 Bewohnern. Zwischen 1959 und 1962 teilte sich die Einrichtung bis zu ihrem vollständigen Auszug die Gebäude mit der Bundeswehr.
Bundeswehr Die Anlagen wurden im Zuge des Aufbaus der Bundeswehr 1959 von dieser schrittweise übernommenAls der Bund nach Hamburg kam. In: Welt am Sonntag, 26. März 2006; abgerufen am 12. Januar 2015. und am 14. September 1962 in Röttiger-Kaserne, nach dem ersten Inspekteur des Heeres Hans Röttiger, umbenannt. Zu dem sich über eine Fläche von 55,058 ha erstreckenden Areal gehörten ein angeschlossener Standortübungsplatz, ein eigener Bahnhof, die Kleiderkammer Nord sowie andere militärische Infrastruktur wie ein Munitions- und Nachschublager und ein Sanitätszentrum. In den folgenden Jahren von 1960 bis 1964 baute die Bundeswehr das Areal zur größten Kaserne Hamburgs aus. Sie beherbergte hauptsächlich den Stab sowie Truppenteile der Panzergrenadierbrigade 7. Ein Verwaltungsgebäude der Standortverwaltung befand sich unmittelbar angrenzend auf der Nordseite der Cuxhavener Straße, direkt auf dem Kasernengelände gab es einen Sportplatz, drei Sporthallen und ein Heizkraftwerk. Die ältesten Gebäude aus den späten 1930er-Jahren standen in der Nähe der Cuxhavener Straße, im zentralen Teil gab es einen Platz für Formalausbildung und Unterkunftsgebäude aus den 1960er-Jahren, im südlichen Teil befanden sich die Fahrzeughallen und der technische Bereich. Auf dem Gelände waren während des Kalten Krieges bis zu 1.300 Soldaten stationiert.
Folgende Stäbe, Verbände, Einheiten und Dienststellen der Bundeswehr waren in der Röttiger-Kaserne stationiert:
Einheit Stationierung ab Herkunft Stationierung bis Verbleib Evangelischer Standortpfarrer Hamburg III1956neu aufgestellt28. Februar 1999aufgelöst20px Panzergrenadierbrigade 7 (mit Verbindungskommando Luftwaffe zu Brigadekommando)1. August 1959neu aufgestellt, seit 17. Dezember 1993 mit Namenszusatz „Hansestadt Hamburg“31. März 2004aufgelöstUwe Hoffmann/Herbert Ohlandt: Panzergrenadierbrigade 7 „Hansestadt Hamburg“ 1959 – 2004. 45 Jahre für Frieden und Freiheit. Chronik des Großverbandes. Aachen/Hamburg o. J., S. 8 f.Versorgungsbataillon 761. April 1959neu aufgestellt1. Juli 1963Verlegung nach Stade, Von-Goeben-Kaserne, dort zum 30. September 1972 aufgelöst20px Panzergrenadierbataillon 723. August 1959neu aufgestellt31. Dezember 2003aufgelöstUwe Hoffmann/Herbert Ohlandt: Panzergrenadierbrigade 7 „Hansestadt Hamburg“ 1959 – 2004. 45 Jahre für Frieden und Freiheit. Chronik des Großverbandes. Aachen/Hamburg o. J., S. 8Ausbildungskompanie 11/320. Dezember 1961nach Aufstellung am 25. September 1961 in Achim, Steuben-Kaserne verlegt27. März 1972verlegt in die Von-Goeben-Kaserne nach Stade, dort 1980 aufgelöstAusbildungskompanie 9/31. September 1962nach Aufstellung am 1. Oktober 1961 in Achim, Steuben-Kaserne verlegt1967aufgelöstPanzergrenadierbataillon 7313. September 1962nach Aufstellung am 1. April 1959 in Seedorf, Kaserne verlegt31. März 1971aufgelöstFeldartilleriebataillon 7515. Juli 1963nach Aufstellung am 1. Juli 1959 in Achim, Steuben-Kaserne, zunächst am 27. September 1961 nach Seedorf zwischenstationiert und dann weiterverlegt30. April 1966umgegliedert zum Panzerartilleriebataillon 75Fernmelderevisionsdiensttrupp 117/1041. November 1965neu aufgestellt30. November 1994aufgelöstFlugabwehrbataillon 31. April 1971verlegt nach Aufstellung am 1. Oktober 1964 aus Rendsburg, Rüdel-Kaserne30. September 1977in Flugabwehrregiment 3 umgegliedert20px Panzerartilleriebataillon 751. Mai 1966aus Feldartilleriebataillon 7530. Juni 1993aufgelöstKasernenfeldwebel Hamburg 11. April 1970neu aufgestellt31. März 1999aufgelöstZahnstation H 017/21. April 1971neu aufgestellt30. September 1972umgegliedert zur Zahnstation (Terr) H 110Materialausstattung Sanitätsbereich 10/41. Juli 1972neu aufgestellt30. Juni 1997aufgelöstZahnstation (Terr) H 1101. Oktober 1972aus Zahnstation H 017/231. März 1981umgegliedert zur Zahnarztgruppe 103/1Panzerspähzug 70im Zuge der Einnahme der Heeresstruktur 3 Anfang der 1970er Jahre neu aus dem zuvor unselbständigen und der Stabskompanie der Panzergrenadierbrigade 7 unterstellten Brigadespähzug aufgestelltEnde der 1970er Jahre wieder in die Stabskompanie der Brigade eingegliedert20px Flugabwehrregiment 31. Oktober 1977umgegliedert aus Flugabwehrbataillon 331. März 1993aufgelöst20px Panzergrenadierbataillon 71 (ta) mit Stab, 1./ (Teileinheit) und 2./1. Oktober 1980neu aufgestellt im Zuge der Einnahme der Heeresstruktur 430. September 1992aufgelöstUwe Hoffmann/Herbert Ohlandt: Panzergrenadierbrigade 7 „Hansestadt Hamburg“ 1959 – 2004. 45 Jahre für Frieden und Freiheit. Chronik des Großverbandes. Aachen/Hamburg o. J., S. 40Zahnarztgruppe 103/11. April 1981aus Zahnstation (Terr) H 11030. Juni 2000aufgelöstSanitätszentrum 1031. Oktober 1985neu aufgestellt31. Dezember 1997aufgelöstFahrschulgruppe Hamburg 21985neu aufgestellt31. März 1994in Kraftfahrausbildungszentren Hamburg 1 und 2 aufgegangenFahrschulgruppe Hamburg 31. Januar 1986neu aufgestellt31. März 1994in Kraftfahrausbildungszentren Hamburg 1 und 2 aufgegangenFernmelderevisionsinstandhaltungstrupp 117/1041. Juli 1986neu aufgestellt30. November 1994aufgelöstLazarett 7240 (GerEinh)1. Oktober 1986neu aufgestellt31. Dezember 1997aufgelöstPanzergrenadierbataillon 173 (GerEinh)1. Oktober 1992aus Boehn-Kaserne in Hamburg verlegt und in Geräteeinheit umgegliedert31. Dezember 2003aufgelöst20px Feldersatzkompanie 70 (GerEinh)1. Oktober 1993neu aufgestellt31. Dezember 2003aufgelöstUwe Hoffmann/Herbert Ohlandt: Panzergrenadierbrigade 7 „Hansestadt Hamburg“ 1959 – 2004. 45 Jahre für Frieden und Freiheit. Chronik des Großverbandes. Aachen/Hamburg o. J., S. 23Sanitätsbataillon 141Anfang 1994aus Sanitätsbataillon 806 im August 1993 in der Scharnhorst-Kaserne in Hamburg gebildet und verlegtAnfang 1997aufgelöstUwe Walter: Die Strukturen und Verbände des deutschen Heeres, Teil 1, I. Korps (1956–1995). Edition Avra, 1. Auflage, Berlin 2017, S. 10120px Kraftfahrausbildungszentrum Hamburg 11. April 1994aus Fahrschulgruppen Hamburg 1 bis 3 gebildet31. Dezember 2003aufgelöst20px Kraftfahrausbildungszentrum Hamburg 21. April 1994aus Fahrschulgruppen Hamburg 1 bis 3 gebildet31. Dezember 2003aufgelöst20px Panzergrenadierbrigade 32 (na)1. Oktober 1996verlegt aus Schwanewede, Lützow-Kaserne, nach Umgliederung in nichtaktiven Verband31. Dezember 2003aufgelöstFeldersatzkompanie 320 (GerEinh)1. Oktober 1996neu aufgestellt31. Dezember 2003aufgelöst40px 3./Feldjägerbataillon 6101. März 1997verlegt aus Lettow-Vorbeck-Kaserne in Hamburg31. März 1997eingegliedert als 5./Feldjägerbataillon 801Standortfernmeldeanlage 117/103neu aufgestelltaufgelöst
Die Kasernenanlage wurde im Zuge der Auflösung der Panzergrenadierbrigade 7 am 31. März 2004 von der Bundeswehr aufgegeben.Edgar Hasse: Röttiger-Kaserne: Antreten zum Wegtreten. In: Die Welt, 20. November 2003; abgerufen am 16. Januar 2015.
Nachnutzung Erste Planungsphase bis 2012 und Vorbereitung des Geländes für die Konversion Die ersten öffentlichen Diskussionen und Planungen zur zukünftigen Nutzung des Geländes begannen bereits 2002 – noch vor dem Abzug der Bundeswehr. Von 2004 bis 2005 wurde der Masterplan Röttiger-Kaserne und Standortübungsplatz Fischbeker Heide erstellt. Demnach waren ein Streifen entlang der Bundesstraße 73 mit gewerblicher Nutzung und daran südlich anschließend Wohngebiete mit einem hohen Eigenheimanteil, aber auch Geschosswohnungsbau vorgesehen. Die Übereignung der Grundstücksflächen an die Freie und Hansestadt Hamburg fand 2006 statt. Doch bereits im selben Jahr wurde im Rahmen der Architekturolympiade eine neue Konzeption vorgelegt und 2007 von der Planungsgruppe „SPIN_ARCHITECTS“ weiterentwickelt. Es entstanden ein Funktionsplan und Bebauungsplanentwurf, zu denen im Juni 2009 das Verfahren der Bürgerbeteiligung eingeleitet wurde. Geplant waren 450 Wohneinheiten. Erhalten bleiben sollten Sportanlagen. Zudem war eine umweltfreundliche Energieversorgung des Baugebiets geplant. Umstritten war jedoch der Erhalt einiger Kasernengebäude aus den 1930er Jahren.
Ab November 2010 fanden umfangreiche Abrissarbeiten statt,Röttiger-Kaserne: Jetzt muss alles raus. In: Hamburger Abendblatt. 18. November 2010. Abgerufen am 16. November 2018.